Wohnen. Stadt. Gesellschaft

Dossier Es geht ums Ganze: Es geht um Enteignung und Vergesellschaftung, um mehr Transparenz, mehr Gemeinwohlorientierung, mehr gerechte Stadtentwicklung, mehr gemeinwohlorientierte Bodenpolitik und weniger Umwandlung von Mietwohnraum in Eigentumswohnungen
Jede Lücke wird geschlossen: Eine Baustelle in Berliner Stadtzentrum.
Jede Lücke wird geschlossen: Eine Baustelle in Berliner Stadtzentrum.

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Für eine vergesellschaftende Regulation der Immobilienökonomie

Von Knut Unger | Zum Text

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich das Wohnungswesen in mehreren Schüben in ein Terrain der globalen Finanzindustrie verwandelt. Im Zuge der Durchsetzung von Shareholder Value und Investmentbanking, von Steuer- und Föderalismusreformen löste sich die im 20. Jahrhundert geschaffene Wohnungsinfrastruktur des güterindustriellen Kapitalismus in «Anlageklassen» globaler Finanzströme auf. Ein wichtiger Schauplatz dieser Entwicklung war die Finanzialisierung der einstmals «gemeinnützigen» unternehmerischen Wohnungswirtschaft. Auf die Abschaffung der Wohnungsgemeinnützigkeit 1990 folgten in den Nullerjahren der Ausverkauf ihrer Wohnungen an die Private-Equity-Fonds und dann ab 2012 die Börsengänge der von ihnen geschaffenen Wohnungsplattformen.

Kurz erklärt: Wem gehört die Stadt?

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Die Hälfte der Wohnungen in Berlin gehören wenigen tausend Multimilionär*innen. Durch international verflochtene Immobilienkonzerne werden Steuern vermieden und Geldwäsche betrieben. Warum wissen wir so wenig über die Firmen, die einen so großen Teil der Stadt besitzen? Und warum wirkt das Transparenzregister noch nicht effektiv dagegen?

Mieter*innenrecherche konkret

Warum die gemeinsame Recherche nach Eigentümer*innen für alle deutschen (Groß)Städte sinnvoll ist und warum sie trotzdem überflüssig werden soll

Von Marius Strohdieck | Zum Bericht

Charakteristisch für die Wohnungsmärkte deutscher Groß- und Mittelstädte sind zum einen die stark steigenden Mieten und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Zum anderen wird mehr und mehr die Intransparenz auf dem Wohnungsmarkt darüber erkennbar, wer hierzulande Immobilien besitzt. Bei der Wohnungssuche stößt man meist auf Hausverwaltungen oder Wohnungsvermittler*innen, während der Name des*der Eigentümer*in erst im Mietvertrag erscheint. Doch selbst der gibt nicht zwangsläufig Auskunft darüber, wer von der gezahlten Miete letztlich profitiert, wie viele Wohnungen oder Häuser der*die Eigentümer*in noch besitzt und welche weiteren wirtschaftlichen Verknüpfungen zu anderen Unternehmen bestehen. Mieter*innen sind aber nicht die einzigen Unwissenden. Auch Stadtverwaltungen, Politik und selbst Strafverfolgungsbehörden sind in der Regel ebenso im Unklaren darüber. Dabei zeigt sich: Informationen zu Wohneigentumsverhältnissen sind einige der bestgehüteten Geheimnisse in Deutschland.

Um das zu ändern, versucht die Rosa-Luxemburg-Stiftung entsprechend der Frage «Wem gehört die Stadt?» in dem gleichnamigen Projekt inzwischen seit mehr als drei Jahren Licht ins Dunkel der Besitzverhältnisse auf dem Immobilienmarkt zu bringen. Durch die Kombination von Informationen, die unter anderem von Mieter*innen, Fachzeitschriften und Immobilienportalen stammen, wird die Eigentümerstruktur lokaler Wohnungsmärkte samt verbundener Geschäftspraktiken der Akteure analysiert und aufbereitet. Ausgehend von einer Studie mit dem Schwerpunkt auf Berlin, sind nun zahlreiche weitere Städte dazu gekommen (einsehbar auf der Projektwebsite) und weitere sollen auf deutscher und europäischer Ebene folgen. Seit Herbst 2021 sind auch für Leipzig erste Ergebnisse der Untersuchung öffentlich [...]

Zum Dossier „Wohnen. Stadt. Gesellschaft“ auf rosalux.de

13:23 08.06.2022

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