Max Porter: Bei Kooperationen glaube ich an eine Art instinktive Vertrauensökonomie. Ich strebe weder Kontrolle noch Eigentumsrechte darüber an, wie meine Arbeit adaptiert oder in andere Medien und Sprachen übertragen wird, aber ich liebe es, dabei zu sein. Ich bin gerne mit von der Partie. Ich beantworte gerne Fragen. Schon beim ersten Treffen mit Dylan Southern wusste ich, dass ihm mein Buch am Herzen lag, dass er es verstanden hatte und dass er das eigenartige Herzstück meines Buches bewahren wollte. Es war klar, dass er es vogelhaft halten würde. Dylan versteht die Krähe. Er braucht sie und mag sie.
Wir haben uns im Laufe der Jahre oft unterhalten, während er geduldig an diesem besonderen Film gearbeitet hat. Er teilt seine Ideen. Wir reden über Musik, Poesie, Comics, exotische Instrumente, Vogelvideos, Kindererziehung und den kitschigen Quatsch der Hallmark-Karten und der Trauerindustrie. Er hat mich zu wichtigen Entscheidungen befragt, und fast immer hat mir sein Bauchgefühl sehr gut gefallen. Er wollte das Buch nicht 1:1 illustrieren, sondern es in den filmischen Raum übertragen. Er hat einen Film geschaffen, der sich handgemacht und gelebt anfühlt. Bei allen Beteiligten herrschte Aufrichtigkeit und Liebe zum Detail, weil Dylan jedem erlaubte, seinem Teil des Ganzen eine ganz persönliche Note zu verleihen. Buchstäblich jeder Strich, jede Feder, jede heruntergefallene Socke, jede zerschlagene Tasse, jedes gebaute, beleuchtete oder kolorierte Element steht für die gelebte Erfahrung eines Menschen, seinen Verlust, seine Liebe.
Ich habe nach einem Setbesuch geweint, weil die Wärme und Fürsorge in diesem Raum so stark, so überwältigend waren, und es war erstaunlich, dass all das aus meinem kleinen Buch über den Tod meines Vaters entstanden war – und es war erstaunlich, dass es damit überhaupt nichts mehr zu tun hatte. Es war davongeflogen, um das Werk aller zu werden. Ich glaube, er hat einen Film gedreht, der für jeden etwas anderes bedeutet. Die Krähe ist schwer einzuordnen, widerspenstig, man kann sich selbst ein Bild von ihr machen – sie ist im selben Atemzug wild albern und todernst. Die Jungs wirken erschütternd echt; er führt Regie mit außergewöhnlicher Zärtlichkeit und Mitgefühl, und sie revanchieren sich mit den besten Kinderdarstellungen, die ich je gesehen habe.
Benedicts Darstellung als ihr Vater ist eine Art wilde Analyse, die am Zuschauer vorgenommen wird – man ist Teil davon, man ist bei ihm, man ist er selbst; es gibt keine der sicheren Distanz, an die wir beim Betrachten von Schauspielerei gewöhnt sind. Das ist mehr als virtuos, das ist ein Wunder. Der Film ist herzzerreißend, weil es darin um den Verlust eines geliebten Menschen geht, aber vor allem ist er auch sehr lustig und sehr seltsam. In dieser Hinsicht wirkt er – trotz des über zwei Meter großen Vogels und des mörderischen Dämons – zutiefst real; er wirkt lebensnah.
- Max Porter, Autor des adaptierten Buchs, „Trauer ist das Ding mit Federn”