Notre-Dame-des-Landes ist ein weitgehend landwirtschaftlich genutztes Gebiet im Nordwesten Frankreichs, das seit Anfang der 2000er Jahre von Besetzer:innen aus Protest gegen ein geplantes 580 Millionen Euro teures regionales Flughafenprojekt besetzt wird. Nach zwei gewaltsamen Räumungsversuchen durch den französischen Staat in den Jahren 2012 und 2018, der Einrichtung einer vorübergehenden autonomen Zone und der anschließenden Absage des Flughafenprojekts erlangte diese Gemeinschaft von Aktivist:innen und Landwirt:innen Berühmtheit als das erfolgreichste Beispiel der Anti-Entwicklungsbewegung Zone to Defend (ZAD) in Frankreich.
Das ursprüngliche Flughafenprojekt wurde in den 1960er Jahren initiiert, aber in den 2000er Jahren von der französischen Regierung wieder aufgegriffen. Die örtlichen Mehrgenerationenbäuer:innen reagierten darauf, indem sie Aktivist:innen einluden, das Gebiet zu besetzen, um sowohl das Ackerland als auch das empfindliche Ökosystem der Sümpfe zu verteidigen, das durch die Umsetzung des Projekts zerstört würde. Beim ersten Räumungsversuch durch den Staat im Jahr 2012 versammelten sich über 40 000 Demonstrant:innen zur Unterstützung der ZADist:innen. Es folgten sechs Jahre funktionaler Autonomie, und nach langem Widerstand wurden die Flughafenpläne am 17. Januar 2018 von der Regierung Macron abrupt gestrichen.
Eine zweite große und gewaltsame zehntägige Räumungsaktion zur Entfernung der ZADist:innen aus Notre-Dame-de-Landes folgte unmittelbar. Mehr als 2500 Polizeibeamte feuerten 11.000 Geschosse auf die rund 700 Bewohner:innen und internationalen Demonstrant:innen ab – aber mehr als 150 Besetzer:innen blieben. Vier Jahre später haben über 20 kollektive Gruppen einen legalen Status in einer Situation erlangt, die als „entspannt, aber ohne volles gegenseitiges Verständnis“ beschrieben wird. Die ZAD diente weiterhin als Aufnahme- und Organisationszentrum für französische und internationale Aktivist:innen, und 2021 entstand eine neue ökologische Protestbewegung namens les Soulevements de la Terre (Aufstände der Erde).
Im Jahr 2022 organisierten „les Soulevements“ 200 Kilometer weiter südlich in dem Dorf Sainte-Soline eine große Protestaktion gegen die Wasserprivatisierung. Mehr als 10.000 Demonstrierende wurden auf einem offenen Feld von 3000 Polizisten empfangen, die im Laufe einer Stunde mehr als 5000 Tränengas- und Schockgranaten auf sie abfeuerten, wobei dreißig Polizisten und 200 Demonstrierende verwundet wurden und zwei Demonstrierende im Koma landeten. Die französische Regierung reagierte sofort, indem sie die Demonstrant:innen als „Öko-Terroristen“ abstempelte, ein Verbot von Soulevements aussprach und ihre angebliche Führung verhaftete. Dies ist der Kontext, in dem der letzte Akt von DIRECT ACTION stattfindet.