„Ghost School“ wurde in Toronto und auf der Berlinale in der Sektion „Generation“ gezeigt. Wie haben Sie die Premiere auf der Berlinale vor einem großen jungen Publikum erlebt?
Es war ein ganz wunderbares Erlebnis, ein so riesiges Kino voller Kinder zu haben. Es
war ein wirklich begeistertes Publikum, und die Kinder standen Schlange, um anschließend Fragen zu stellen. Es war die schönste Überraschung, zu sehen, dass junge Menschen sich für einen Film über eine Zehnjährige interessieren.
Wie haben Sie gemeinsam mit der jungen Nazualiya Arsalan an Rabias Haltung gearbeitet?
Nazualiya ist eine Kinderdarstellerin, die seit ihrem siebten Lebensjahr im Fernsehen und in Werbe- spots mitwirkt. Sie ist überraschend professionell, kann sehr gut zuhören und hat das Drehbuch vollständig verstanden. Wir hatten Proben, die die Dreharbeiten erleichtert haben. Wir sind sogar bereits vor den Dreharbeiten zum Drehort gefahren, und sie hat die harte Realität des Dorfes miter- lebt, in das ihre Figur integriert werden sollte. Ich habe das Drehbuch erst wenige Wochen vor Drehbeginn entwickelt und geschrieben, sodass all diese Elemente in den Film eingeflossen sind.
Ihre Kamerafrau Zamarin Wahdat wurde in Afghanistan geboren und wuchs in
Deutschland auf. Wie sind Sie zusammengekommen, und was hat sie in den Film eingebracht?
Über den Hamburger Filmfonds lernte ich Zamarin kennen, und ihr Portfolio hat mir sehr gut gefallen. Sie hat mir sehr geholfen, indem sie nach Pakistan kam, um „Ghost School“ mit so viel Begeisterung und Leidenschaft zu drehen. Sie brachte ihr Fachwissen, ihre Erfahrung und ihr Können ein, da sie bei den Dreharbeiten ein großes Team von Männern in einer riskanten, staubigen und heißen Umgebung leiten musste. Ich bin Zamarin sehr dankbar für ihr Engagement und ihre Unterstützung.
Die Landschaft Pakistans spielt in dem Film eine fast stille Hauptrolle. Was bedeutet dieser visuelle Raum für Sie?
Ich wollte, dass die Geschichte in einem abgelegenen, fiktiven Dorf in Sindh spielt. Wir fanden
ein Fischerdorf am Rande von Karachi, das klein genug schien, um zu unserer Geschichte zu passen. Der staubige und karge Schauplatz entspricht der Landschaft Sindhs, die ich darzustellen versuchte. Er verkörperte die harte Realität, mit der Rabia im Film konfrontiert ist, während die mystische Volksmusik Sindhs sie durch Hoffnung irgendwie erträglicher machte.
Der Film wurde oft mit dem Werk von Abbas Kiarostami verglichen. Inwiefern
war sein Kino für Sie ein Bezugspunkt — und in welchen Punkten haben Sie sich bewusst davon abgewandt?
Das iranische Kino war eine große Inspiration für „Ghost School“, insbesondere Kiarostamis Filme. Ich habe in meinem Film mehr Musik eingesetzt und mich zudem im dritten Akt, in dem die Kinder die Spuk-Schule besuchen, von diesem sozialrealistischen Stil gelöst. Ab diesem Punkt bewegt sich der Film in einen eher metaphysischen Raum mit einem komprimierten und intensivierten Erzählstil.
Warum beginnt Rabias Suche bei dem Dschinn?
Rabia erfährt, dass Gerüchte kursieren, ihre Schule sei heimgesucht und ihr Lehrer sei von Dschinn besessen. Ich wollte den wörtlichen Begriff „Geisterschule“ aufgreifen und mit dieser Vorstellung einer von Dschinn heimgesuchten Schule spielen, bis sich herausstellt, dass die Realität ganz anders aussieht als das, was die Leute glauben.
Wie erzählt man die Geschichte eines Landes, in dem die Hälfte aller Mädchen weder lesen noch schreiben kann, ohne dass der Film zu einer Anklageschrift wird?
Die Geschichte eines jungen Mädchens, das die Schule so sehr liebt, dass es sich auf eine
Reise begibt, um die mysteriösen Gerüchte aufzuklären, die in ihrem Dorf kursieren, ist im Grunde die Geschichte vom Kampf zwischen Unwissenheit und Wissen. Ich glaube, dass Filme eine Idee vermitteln können, die eine Debatte über die Bedeutung von Bildung in Pakistan und Südasien anstoßen kann. Ich hoffe, die Menschen dazu anzuregen, den Status quo zu hinterfragen und selbst nach Antworten zu suchen.
„Ghost School“ wurde im Jahr 2024 gedreht und spielt in der Gegenwart. Was hat sich für Mädchen in den ländlichen Gebieten Pakistans in den letzten Jahren verändert?
Leider dauert es eine Weile, bis Veränderungen in großem Maßstab sichtbar werden. In Pakistan findet derzeit eine starke Privatisierung der Schulen statt, was zwar in manchen Gegenden das Bildungsniveau anheben mag, es aber ärmeren Kindern erschwert, zur Schule zu gehen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich für Mädchen in ländlichen Gebieten Pakistans überhaupt etwas geändert hat — deshalb ist mein Film leider zeitlos.
Wie viel Optimismus steckt eigentlich in „Ghost School“?
In „Ghost School“ geht es um ein Mädchen, das bis zum allerletzten Moment die Hoffnung nicht aufgibt. Sie und ihre Mutter finden eine originelle Lösung für ihre äußerst schwierige Situation, nur damit sie wieder zur Schule gehen kann, wenn auch nur für kurze Zeit. Der Film endet mit einer Note des magischen Realismus und unterstreicht, wie das Mädchen mithilfe ihrer Fantasie Hindernisse für sich selbst überwindet — daher ist es letztendlich eine optimistische Geschichte.
Wenn Sie den Film mit einer einzigen Frage zusammenfassen müssten — wie würde diese lauten?
Wie kann eine Schule zu einer Geisterschule werden? Wie können Zehntausende von Schulen in Südasien zu Geisterschulen werden?