Nepomuk Pfaff: Was hat dich dazu bewegt, bei dem Projekt mitzumachen? Wie ist das Ganze zustande gekommen?
Katharina Thalbach: Ich habe mich ehrlich gesagt sehr gefreut, dass ich gefragt wurde. Ich lebe ja auch teilweise auf dem Land und merke dort deutlich, dass die Insekten weniger geworden sind. Deshalb finde ich, dass wir unbedingt etwas tun müssen. Und da das Projekt so eine schöne, poetische Herangehensweise hatte, war für mich schnell klar: Da mache ich mit.
NP: Das Projekt hatte nur ein sehr kleines Budget, und wir konnten Dir nicht deine übliche Gage zahlen. Trotzdem hast Du mitgemacht – warum?
KT: Das war ganz klar eine Herzensangelegenheit für mich. Es geht um etwas, das für unsere Welt unglaublich wichtig ist – da wollte ich einfach meinen Beitrag leisten.
NP: Du hast eben schon angedeutet, dass du sowohl in der Stadt als auch auf dem Land lebst. Wie ist dein persönlicher Bezug zur Natur? Und geht dir das Stadtleben manchmal auf die Nerven?
KT: Also, ich lebe sehr schön in Berlin. Ich habe einen Balkon mit Blick auf einen großen, baumbestandenen Hof – die Aussicht reicht vom Ku’damm bis zum Savignyplatz. Das ist wirklich etwas Besonderes. Ich kann dort Eichhörnchen beobachten, manchmal sogar zwei, und natürlich auch viele Vögel und andere Tiere. Berlin hat ja auch viele Parks, das muss man der Stadt wirklich zugutehalten. Man findet hier durchaus Natur.
Trotzdem habe ich – vielleicht auch mit zunehmendem Alter – gemerkt, dass mich das Landleben immer mehr anspricht. Mein Mann und ich haben seit etwa 15 Jahren einen Ort auf dem Land, mit einem selbst angelegten Teich, vielen Pflanzen und viel Natur. Was mich dort allerdings wirklich erschreckt: Die Insekten sind deutlich weniger geworden. Als wir damals hingezogen sind, hat man überall ein Summen gehört – das ist heute viel seltener. Das macht einem schon Sorgen.
NP: Gibt es eine besondere Erinnerung oder Erfahrung mit Insekten, die dir im Kopf geblieben ist?
KT: Ja, tatsächlich. Meine Mutter hat einmal eine Biene für einen Kuchenkrümel gehalten – und wurde dann in die Zunge gestochen. Das war sehr gefährlich, sie wäre beinahe daran gestorben. Da habe ich zum ersten Mal wirklich verstanden, welche Kraft diese kleinen Tiere haben können. Aber man muss auch die Tiere verstehen. Die machen das nur im allergrößten Notfall, und weil sie Angst haben und selbst überleben wollen.
NP: Das klingt dramatisch. Glaubst du, dass Insekten unterschätzt werden?
KT: Ich glaube, viele Menschen wissen einfach zu wenig über sie. Es ist gar nicht so sehr ein Unterschätzen, sondern eher ein Übersehen. Oft empfindet man Insekten nur als lästig. Bei Bienen hat sich inzwischen herumgesprochen, wie wichtig sie für die Bestäubung sind und damit auch für unsere Nahrung. Aber das gilt ja für viele andere Insekten genauso - sie sind Teil eines riesigen Kreislaufs. Ich meine, was wäre ein Leben ohne Honig!
Oder wenn man sich zum Beispiel Ameisen anschaut: Das ist doch unglaublich, was diese kleinen Wesen leisten. Da können wir uns wirklich eine Scheibe abschneiden. Sie arbeiten für die Gemeinschaft, während wir Menschen oft sehr auf uns selbst fokussiert sind. Diese Tiere sind Teil von Kreisläufen, die für uns selbstverständlich und automatisch ablaufen. Sie halten den Boden sauber, zersetzen was dort zu finden ist und schaffen neuen Platz für Pflanzen. Für sie ist das Futter, sie leben davon, aber erhalten damit unsere Landschaft und Ökosysteme.
NP: Du kennst den Film ja schon. Was kannst du Menschen, die vielleicht nur den Trailer gesehen haben darüber erzählen, ohne zu viel zu verraten?
KT: Es ist ein Erlebnis. Eines, das man auf der großen Leinwand erleben muss. Diese kleinen Winzlinge plötzlich gigantisch vor sich zu haben, wie man sie mit bloßem Auge gar nicht wahrnehmen kann, mit Aufnahmen, die ich so noch nicht gesehen habe, ist wahnsinnig eindrucksvoll! Und wenn dann die Musik und die Naturgeräusche um mich herum wandern, und durch meinen Körper ziehen, bekomme ich Gänsehaut.
Es ist eine Reise durch die Zeit, eine Reise in einen besonderen Teil der Erdgeschichte. Die Entstehung unserer Umwelt wird erlebbar, auf sehr poetische Weise. Und es ist eine Reise in unsere eigene Geschichte, die Geschichte der Menschheit. Ich wünsche jedem, der Lust auf den Film hat, dass er die Chance bekommt das in einem Kino zu sehen, je größer die Leinwand desto besser!
NP: Vielen Dank für das Gespräch - und natürlich auch dafür, dass du bei dem Film mitgemacht hast.
KT: Sehr gern. Ich drücke euch die Daumen