„Ich merke schnell, wenn ich zu weit gehe.“

Interview Multikulturalität, Familienbande und Klischees: Der Regisseur Philippe Chauveron spricht im Interview über die Dreharbeiten zum dritten Teil seiner Filmreihe über Claude Verneuil und seine Töchter
Der Regisseur Philippe de Chauveron bei den Dreharbeiten zu „Moniseur Claude und sein großes Fest“
Der Regisseur Philippe de Chauveron bei den Dreharbeiten zu „Moniseur Claude und sein großes Fest“

Foto: Neue Visionen Filmverleih

Hat Ihnen der Erfolg der ersten beiden Filme Flügel verliehen oder eher zusätzlich Druck gemacht?

Ich habe die großen Erfolge immer sehr positiv erlebt. Wenn man so viele Menschen in den Kinos zusammenbringt (In Frankreich waren es 12,3 Mio. Besucher für den ersten Teil und 6,8 Mio. für den zweiten) und mit dieser doch sehr französischen Geschichte die ganze Welt erreichen kann (9,7 Mio. Besucher im Ausland für den ersten Teil und fast 4 Mio. für den zweiten Teil), dann ist das großartig! Nicht nur in Europa, auch u.a. in Afrika, in Maghreb, im Libanon, in Uruguay, in Japan usw. brachte der Film die Leute zum Lachen. Und in Deutschland ist „Monsieur Claude“ zu einem Begriff geworden. Da die ersten beiden Filme zu den Top 100 der größten Erfolge in der Geschichte des französischen Kinos zählen, waren die Ansprüche natürlich sehr hoch, mit dem dritten Teil die gleichen Ergebnisse zu erzielen. Das hat unseren Elan aber keineswegs gebremst, ganz im Gegenteil!

Wann kam die Idee für ein neues Abenteuer für Monsieur Claude?

Die Idee entstand ganz natürlich aus dem Wunsch heraus, wieder mit dem wundervollen Schauspieler-Ensemblezusammenzuarbeiten. Nach MONSIEUR CLAUDE 2 war dieser Wunsch so groß, dass wir alle nicht so lange warten wollten, bis wir wieder zusammenkommen. Und da es nicht ganz einfach ist, dieses große Team vielbeschäftigter Schauspieler zu vereinen, haben wir diesmal sogar unsere Terminkalender hinsichtlich möglicher Drehtermine bereits abgestimmt, bevor wir mit dem neuen Drehbuch für den dritten Teil begannen.

Bei drei Filmen wird daraus eine Saga. Gab es wichtige Punkte, die beachtet werden mussten?

Man sieht oft, dass sich die Geschichte nicht erneuert. Um nicht in diese Falle zu tappen, wollte ich neue Figuren ins Spiel bringen. Also haben wir sieben weitere Rollen hinzugefügt: die Schwiegereltern der Mädchen und Helmut, einen jungen Verehrer. Der einzigartige Esprit sollte beibehalten werden und so ergaben sich in dieser neuen Konstellation unweigerlich neue Problematiken: es eröffnete viele neue amüsante Möglichkeiten, Claude Verneuil zu ärgern.

War es schwierig, so viele Figuren in einem Film zu vereinen?

Solange die Figuren jeweils eine klar definierte Persönlichkeit besitzen, lassen sich viele unterschiedliche Erzählstränge und Wendungen vereinen. Es ist spannender, dies mit neuen Protagonisten zu tun, weil es dem Ganzen eine neue Frische verleiht.

Haben die Hauptdarsteller auch eigene Ideen für ihre Rollen mitgebracht?

Ja. Die meisten Schauspieler des Films sind auch Autoren, also sprachen sie mit mir in den Einzelproben auch über ihre Ideen. Oft war das sehr detailliert, aber ich überarbeitete gern das Drehbuch hinsichtlich ihrer Vorschläge. Sobald aber die Dreharbeiten begannen, war nicht mehr viel Spielraum. Diese Art von Film lässt wenig Improvisationen zu. Nur Christian Clavier bot am Ende der Einstellungen verschiedene Variationen an. Er war allerdings in seiner Rolle so drin, dass seine Improvisationen oft hätten geschrieben werden können.

Wie war das Wiedersehen des gesamten Teams am Set?

Es war sehr schön, weil sich alle gegenseitig sehr schätzen. Christian Clavier und Chantal Lauby sind eingespielte Komplizen. Die „Schwiegersöhne“ sind sich im richtigenLeben ziemlich nahe gekommen und auch die „Töchter“ sind sehr gut befreundet. Kurzum, es herrschte super Stimmung.

War es manchmal schwierig, all diese Komödien-Darsteller in denselben Rhythmus zu bringen?

Nicht wirklich. Ich habe die Angewohnheit, die Proben zu verkürzen und die Aufnahmen schnell zu verknüpfen. Das bereits eingespielte Team war schon daran gewöhnt und die Neulinge sind alles erfahrene Schauspieler, ihnen fiel es nicht schwer, in dem vorgegebenen Tempo zu arbeiten.

Es wird immer schwieriger, mit Klischees zu spielen. Sind Sie wachsamer als zuvor?

Nein. Ich bin überzeugt, dass die Leute nach wie vor sehr gern lachen und das klappt am besten mit Comedy. Ich habe gar kein Problem damit, den Cursor auf Humor zu platzieren. Ich weiß, ich kann mich auf mein Gespür verlassen: Die Schauspieler kommen aus allen Bereichen. Ich merke schnell, wenn ich zu weit gehe. Ich möchte mich auf gar keinen Fall über jemanden lustig machen, aber manchmal darf man auch nicht zögern, wenn man merkt, dass etwas lustig ist. Die Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen sind in diesem Film weniger als bei den anderen.

Soll es die Zeitlosigkeit der Geschichte verstärken?

Nein, aber das jüngsten Weltgeschehen bot und bietet nicht gerade viel Inspiration für eine Komödie. Darüber hinaus glaube ich, dass die Geschichte stark genug ist, um nicht an unserer Zeit festzuhalten.

Wäre die Moral dieses Films, die Familie als letztes Bollwerk zu zeigen?

Seit die Leute das Leben der Verneuils begleiten, lieben sie ihre kleinen und großen Streiereien. Jedoch möchten sie vor allem, dass die Familie zusammenbleibt. Denn, das ist es, was eine Familie ausmacht: Menschen, die sich sehr lieben, sich anschreien, wegziehen, aber dennoch unzerstörbar verbunden bleiben.

14:07 19.07.2022

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