In Kooperation mit jip film & verleih

Aus eigenem Frust geboren: „Un Poeta“

Regisseur Simón Mesa Soto verarbeitet in „Un Poeta“ seine Zweifel am Künstlerleben. Die Tragikomödie über einen gescheiterten Dichter wird zum selbstironischen Blick auf Kunst, Scheitern – und die Frage, was vom Traum bleibt

Foto: jip film & verleih

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Un Poeta

Un Poeta

Simón Mesa Soto

Spielfilm, Tragikomödie

Kolumbien, Deutschland, Schweden 2025

123 Minuten

Ab 12. März 2026 im Kino!

In Kooperation mit jip film & verleih

Die ursprüngliche Idee zu diesem Film entstand aus meiner eigenen Frustration als Filmemacher. Ich war Mitte dreißig, als ich nach mehreren Jahren endlich meinen ersten Film drehen konnte. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich mit der Realität meines Privatlebens konfrontiert. Ich komme nicht aus privilegierten Verhältnissen und da ich viele Jahre in meine Kurzfilme und meinen ersten Spielfilm investiert habe (mit sehr geringem Gewinn), hatte ich das Gefühl, dass meine Zukunft nicht gesichert war und ich mich vielleicht lieber ganz auf meinen anderen Job konzentrieren sollte. Ich bin seit mehr als 15 Jahren Professor, damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt.

Kino, Kunst im Allgemeinen, ist für Menschen unterhalb der unteren Mittelschicht keine sichere Sache, in Kolumbien umso weniger.

Ich begann mich zu fragen, ob ich wirklich talentiert bin oder nur ein durchschnittlicher Möchtegern. Diese Obsession bringt mir sicherlich sowohl Freude als auch Tränen. Dann dachte ich: Was würde aus mir in 10 oder 20 Jahren werden, wenn ich das Kino aufgeben würde? In diesem Moment beschloss ich, dass ich, wenn ich mich auf ein neues Filmprojekt einlassen würde, einen Film über mein zukünftiges Ich drehen würde, falls ich scheitern sollte.

Dieser frustrierte Mensch ist die Hauptfigur dieses Films. Vielleicht werde ich durch das Drehen nicht so wie er. Dieser Film ist mein persönlicher Exorzismus. Ich wollte, dass er ein Dichter ist, weil ich in der malerischen Welt der Dichter meiner Stadt Medellín ein Szenario von großer ästhetischer und erzählerischer Vielfalt finde, um die Konzepte darzustellen, die ich ansprechen möchte.

Kino, Kunst im Allgemeinen, ist für Menschen unterhalb der unteren Mittelschicht keine sichere Sache, in Kolumbien umso weniger.

Meine Weigerung, ein veralteter alter Mann zu werden, der den Sinn für Zeit verliert und die sozialen Dilemmata der heutigen Gesellschaft nicht versteht, genau wie diese alten Dichter aus Medellín, die in der Vergangenheit erstarrt sind. Ich wollte eine Tragikomödie machen, eine Satire, um über mich selbst, über den Künstler zu lachen.

Ein Film, der von Herzen kommt, persönlich und reif, den ich noch nicht gesehen habe und der die Erzählweisen und die Ästhetik der Filme erweitert, die normalerweise aus dieser Region kommen.

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Von der Bedeutung der Kunst

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Ein gescheiterter Dichter, eine talentierte Schülerin und ein letzter Funken Hoffnung: In seiner tragikomischen Satire erzählt „Un Poeta“ mit schwarzem Humor von Scheitern, Ehrgeiz – und der großen Frage nach der Bedeutung von Kunst

Simón Mesa Soto: Preisgekrönter Regisseur

Simón Mesa Soto: Preisgekrönter Regisseur

Simón Mesa Soto studierte an der Universidad de Antioquia und der London Film School. Sein Kurzfilm „Leidi“ gewann 2014 in Cannes die Goldene Palme. Mit „Un Poeta“ (2025) kehrte der kolumbianische Regisseur erfolgreich nach Cannes zurück

Der lustigste Film des Jahres

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Stimmen aus dem Netz: „Der Film von Simón Mesa Soto ist einer der Lustigsten des Jahres – und schafft es gleichzeitig, seinen oft lächerlichen und fortwährend an sich selbst scheiternden Protagonisten nie mit so ganz lieblosem Blick zu betrachten.“