
Gestern Abend wurde endlich das Geheimnis um eines der heiß ersehntesten Gadgets in der Geschichte der technologisierten Welt gelüftet – als Apple-Chef Steve Jobs den iPad emporhielt, jenen Computer im Notizblock-Format ("Tablet-PC") von dem sich Apple nicht weniger erhofft als die Vormachtstellung auf dem E-Book-Markt.
Der iPad, so Jobs, werde mit seinem 9,7 -Zoll-Farbbildschirm – dasselbe Format hat auch Amazons Schwarzweiß-Lesegerät Kindle – und der iPhone-Optik „der Türöffner" für den Verkauf von E-Books sein.
Apple hat mit fünf großen Verlagshäusern Verträge abgeschlossen: Harper-Collins, Penguin, Simon & Schuster, Macmillan und Hachette. Sie alle werden ihre E-Books auf dem iPad verkaufen.
Verlagsbranche rechnet mit Millionen neuer Leser
In der Netzwelt stieß der iPad auf sehr gemischte Reaktionen, doch die Verlagsbranche – die dringend auf eine digitale Erlösung hofft, die ihnen Profite bringt – begrüßte das neue Gadget überschwänglich. Dasselbe lässt sich über den Bildungsbereich sagen. Der iPad werde dazu beitragen, dass „Millionen neuer Leser an die Klassiker der Weltliteratur herangeführt werden“, meint John Makinson, Verlagsleiter der Penguin-Gruppe.
Sollte der iPad den Kindle verdrängen, der momentan noch den Markt für elektronische Lesegeräte beherrscht, dann hätte Apple bereits die dritte Branche erfolgreich erobert. Zuerst schnappte man sich mit dem iPod den digitalen Musikmarkt, und unlängst überholte das Unternehmen mit dem vor drei Jahren eingeführten iPhone auch auf dem Smartphone-Markt größere Mitbewerber wie etwa Microsoft.
Besser surfen, mailen und lesen – für 499 D0llar
Steve Jobs erklärte in seiner Rede in San Francisco gestern Abend, man könne mit dem iPad „viel besser“ surfen, mailen und E-books lesen als mit dem Smartphone oder dem Laptop. So entstehe ein „dritter Markt“. Der Erfolg wird davon abhängen, ob Apple die Kunden davon überzeugen kann, dass sie ein drittes Gerät brauchen, ein Schlüsselfaktor wird dabei vermutlich der Preis sein.
Die erste Version, die noch nicht über einen Mobilanschluss verfügt, wird weltweit ab Ende März verkauft. Der Preis ist für die USA auf 499 Dollar angesetzt, wieviel er in Europa kosten wird steht noch nicht fest. Die UMTS-Version soll spätestens im Folgemonat kommen.
Experten gehen davon aus, dass der Verkauf von iPad-ähnlichen Geräten explosionsartig ansteigen wird, obwohl Tablet-Computer jahrelang ein Dasein als Ladenhüter fristeten. Jim Sloane von der Beratungsfirma Deloitte geht davon aus, „dass diese Geräte, die genau die richtige Größe haben und weder zu groß noch zu klein sind, 2010 den Durchbruch erleben." Er geht davon aus, dass sich Internet-Tablets im kommenden Jahr millionenfach verkaufen werden, „da sie eine attraktivere Verbindung von Form und Funktion anbieten.“
Für den passiven Medienkonsum optimiert
Ian Fogg von Forrester Research, einem Marktforschungsunternehmen, das auf Informationstechnologien spezialisiert ist, kritisiert jedoch, dass die neuen Geräte die Passivität fördern: „Der iPad ist für den passiven Medienkonsum optimiert und nicht für das aktive Gestalten von Inhalten.“
Jobs lobte gestern auf der Bühne zunächst Amazons Lesegerät, doch im Prinzip gelobte er in seiner Rede, der iPad werde der Totengräber des Kindle sein: „Amazon hat mit dem Kindle einen großartigen Pionierdienst geleistet und wir werden auf ihren Schultern stehen.“
Apple soll die Verlage mit 70 Prozent an den Einnahmen aus den Verkäufen über iBook beteiligen. Und will den Verlagen die Möglichkeit geben, höhere Preise anzusetzen als bei Amazon. Für Verleger, die Angst haben, dass sie sich mit den E-Books die Preise verderben, dürfte das sehr verlockend sein. Auch die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage werden sehr genau verfolgen, wie gut sich der iPad entwickelt.
Jobs: "Unsere Kunden wissen jetzt schon, wie man den iPad benutzt"
Jobs warnte gestern die Konkurrenz: „Wir haben das iPhone und den iPod Touch bereits 75 Millionen Mal verkauft. Das bedeutet, es gibt schon jetzt 75 Millionen Menschen, die wissen, wie man einen iPad benutzt.“ Apple wird Bücher, Zeitungen und Zeitschriften online über den App Store verkaufen, der schon jetzt 140.000 Applikationen zum Kauf anbietet. Laut Scott Forstall, einem der leitenden Softwareexperten des Unternehmens, laufen diese Programme unverändert auch auf dem iPad. Damit ist man gegenüber Amazon im Vorteil, denn dort begann man erst im vergangenen Monat, Softwareentwickler anzuwerben.
Die Ankündigung krönt ein Jahrzehnt, in dem Apple die Musikbranche und das Mobiltelefon radikal umgestaltet hat. Anfang der Woche konnte das Unternehmen für das vergangene Quartal Rekordeinnahmen von 15,7 Milliarden Dollar und Gewinne in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar vermelden. Wie weit sind diese Zahlen doch von jenen des Dezembers 2000 entfernt! Damals musste Apple seinen Investoren in demselben Jahresquartal erklären, man werde bei einem Umsatz von einer Milliarde Dollar 250 Millionen Verlust machen.
Der iPad ist 1,3 Zentimeter dick und wiegt 700 Gramm. Er kann 16 bis 64 Gigabite speichern und hat, glaubt man den Angaben des Unternehmens, 10 Stunden Akkulaufzeit. Diese Laufzeit wurde bei Tests bislang jedoch selten erreicht.
Mit der Vorstellung gestern Abend endete eine der intensivsten Markteinführungs-Kampagnen aller Zeiten. Bei Apple saß man bereits seit Jahren an dem Projekt, doch bislang hatte Jobs die Hunde immer wieder zurückgepfiffen. Bislang waren Tablet Computer ein Nischenprodukt – auch wenn eine Koryphäe wie Bill Gates bereits 2001 bekanntermaßen ankündigte, er glaube daran, es werde höchsten noch fünf Jahre dauern, bis sie die beliebteste Form des Computers sind. Doch bei Apple, die 1970 unter anderen der Computerrevolution des Silicon Valley den Weg bereiteten, ist man gut in Form. Damals leitete das Unternehmen mit dem Apple II und dem Macintosh den Siegeszug des Heimcomputers ein.
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In Apples Marketingteam gab's ganz offensichtlich keine Frauen:
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Die viel drängendere Frage ist ja wohl, wann apple endlich seine Steuerbefreiung wegen Kultuszweck bekommt.
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"neueste Wunderwaffe" Es ist eben genau das nicht. Es ist ein Tabletcomputer mit dem iPhone OS. Alle anderen Slates, die dieses Jahr vorgestellt wurden, können dem Gerät technisch das Wasser reichen und bieten zusätzlich mit Windows oder Linux viel stärkere Betriebssysteme, die auch nicht auf einen kontrollierten Appstore angewiesen sind.
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Ich denke, dass die iPad-Kampagne gezeigt hat, was Apple kann. Die Vorstellung des Gerätes gestern war wohl Höhepunkt des genialen Marketings. Nie zuvor hat ein Unternehmen wohl soviel billigen und dennoch wirkungsvollen Buzz erzeugt, bzw. erzeugen lassen. Das Gerät ist clever vom Ende her gedacht. Spätestens in der 2. Generation wird es ein Massenerfolg. Es ist einfach intuitiv und all das, was unsere Netbooks wollen, aber nicht können.
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Mein Netbook hat eine Tastatur und wiegt auch nur 1 Kilo. Die Tastatur kann ich mitnehmen und kann damit unterwegs Texte schreiben. Die Touchscreentastatur ist zumindest beim ipod-touch grausam und höchsten für eine kurze Mail geeignet. Dieses Gerät soll keinen anderen Computer ersetzen, es soll eine neue Nische bekommen. Die Frage ist, ist die Nische groß genug?
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Natürlich war das "Lob" von Steve Jobs an Amazon kein Lob. Er hat die weiße klobige Plastikwaffel von Amazon auf die vernichtendste Art und Weise vorgeführt, die man sich vorstellen kann: Im direkten visuellen Vergleich. Selbst der in Design- und Technikfragen unbedarfteste Aldi-PC-Käufer konnte - wenn er denn geschaut hätte - einen epochalen Unterschied zwischen dem antiquierten Gerät auf Folie A (Kindle) und dem "magischen" Gerät auf Folie B (iPad) ausmachen. Apple wird mit dem iPad + iBookstore den Buch- und Zeitungsmarkt umkrempeln, und wie schon wie beim iPod/iPhone mit iTunes Store weltweit Maßstäbe im Vertrieb setzen. Dabei steht das "Geheimnis" von Apples Erfolg in jedem Lehrbuch und ist jedem IT-Manager bekannt: Technik sollte für Menschen entwickelt werden und vom Benutzer intuitiv zu bedienen sein. Alleine die KULTUR in einem Unternehmen entscheidet letztlich, ob sich dieser Anspruch auch in Produkte umsetzen lässt. Die KULTUR entscheidet über Gedeih und Verderb eines Unternehmens, so wie die KULTUR über Wohlstand und Armut in Staaten und Regionen entscheidet.
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Wem fällt auf Anhieb ein Produkt ein, welches nur ansatzweise soviel kostenlose (?) PR durch Medienberichterstattung bekommt, wie die Produkte vom Apfel?
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Was mich mal interessieren würde:
Wer kann sich vorstellen, mit diesem Gerät zu arbeiten? Die anderen Apple-Geräte hatten alle einen bestimmten Zweck und deshalb waren sie so erfolgreich. Sie waren klar und strukturiert. Ich finde meinen ipod toll. Die MacBooks, die ich mir nicht leisten kann und will, sind auch toll, aber dieses Gerät ist nicht Fisch, nicht Fleisch. |
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Ich bin wahrlich kein Fan dieses Geräts, hatte aber eigentlich große Erwartungen, die leider nicht erfüllt wurden.
Generell ist aber mein Interesse an ein Tablet sehr groß, da es für mich ein mobiles Lesegerät wäre. Ich lese gerne Zeitungen und Zeitschriften, ärgere mich aber immer wieder über die großen Stapel, die sich bei mir türmen. Als U-Bahnfahrer finde ich es übrigens auch handlicher, als eine Tageszeitung. Und ich muss mich vor der Fahrt nicht entscheiden, welche Zeitung oder Zeitschrift ich in der Bahn lesen möchte. Hier ist ein schönes Beispiel, wie diese Tablets den Zeitschriftenmarkt revolutionieren werden. www.youtube.com/watch?v=ntyXvLnxyXk Mich interessiert zwar nicht dieses Sportmagazin. Aber der Clip präsentiert den Nutzen eines solchen Geräts sehr gut. Dennoch hat mich das iPad nicht überzeugt. Ich warte noch ein paar Jahre und kaufe mir dann irgendwann ein Konkurrenzprodukt. |
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Und das nicht vorhandene Konkurrenzprodukt hat Sie bereits überzeugt, oder wie?
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@ Querdenker: Nein. Wie denn auch?
Aber früher oder später wird es bessere Tablets geben. Wenn die zukünftigen iPads mich weniger an deren Apple Stores binden würden und auch über USB-Anschlüsse verfügt, dann darf es auch gerne ein Apple sein. Beim iPhone habe ich jedoch auch gewartet und da überzeugen mich mittlerweile die Konkurrenten mehr, da sie nicht nur aufs Design setzen. Mich überzeugt aber schon jetzt, wie die Tablets die Medien verbinden wird. (Siehe Link.) Mir gefällt das Zeitschriften Format. Perfekt für unterwegs. Mir gefällt die Idee, dass mein ursprüngliches Printmedium demnächst auch Videos abspielen kann. Das Tablet verbindet Fernsehen, Internet und Printmedien miteinander. Gerade auch für Freitag und anderen alternativen/linken Medien sollten diese Tablets sehr interessant sein, da man günstig (ohne Druck) seine Artikel unter die Menschen bringen kann. Auch unterwegs. Und nicht nur im Smartphone-Format. |
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