Alltag

Musik | 06.09.2010 15:00 | Verena Reygers

Machen sie's besser?

"Satisfaction" lässig hingehaucht, "Nothing else matters" balladesk: Wenn Frauen männliche Rockhymnen covern und neu interpretieren, geben sie auch ein Statement ab

Es gibt Songs, die sind wie männliches Nationalheiligtum. Frank Sinatras „My way“ zum Beispiel, Metallicas „Nothing else matters“ oder „I can’t get no satisfaction“ von den Rolling Stones. Hier geht es nicht nur darum, dass Musiker diese Songs singen sondern auch um die speziell männliche Perspektive - warum sonst singt James Brown wohl „It’s a man’s, man’s world“? Die Bemerkung, dass diese Männerwelt ohne Frauen nichts wäre, mag in der nächsten Zeile folgen, aber die Hauptaussage steht. Neneh Cherry adaptierte Browns Song 1996 in ihrem Song „Woman“



Auch Tori Amos schlug mit ihrem Album „Strange little girls“ in eine ähnliche Kerbe. Sie wählte zwölf bekannte Songs aus, die von Männern über Frauen geschrieben wurden und versetzte sich in ihren Interpretationen in die Rolle der beschriebenen Frauen. So entstanden eindringliche Versionen von Eminems „97’ Bonnie & Clyde“, Velvet Undergrounds „New Age“ oder Neil Youngs „Heart of Gold“. Auch vor Depeche Mode machte Amos nicht halt:



Amos veränderte bloß das musikalische Arrangement in den Songs und natürlich die gesangliche Interpretation. Die ursprünglichen Songtexte wurden bis auf wenige Worte kaum verändert. Im Interview mit dem Spiegel erklärte Amos damals, dass Worte wie Waffen seien, ihre Bedeutung aber immer unterschätzt werde. Immer wieder hieße es, es seien doch nur Worte, die nicht so gemeint wären. Männer wüssten aber ganz genau um die Wirkung: „Sie schreiben, was sie wollen, aber sie übernehmen nur selten dafür die Verantwortung.“ Amos betonte aber auch, dass es ihr mit diesem Album nicht darum gegangen sei, jemanden anzuklagen oder ihrem Frust Ausdruck zu geben, die Songs seien rein aus der Faszination heraus entstanden.

Eine ähnliche Faszination scheinen Coverversionen auf Cat Power auszuüben. Die Amerikanerin wurde zwar auch mit eigenen Werken wie ihrem Album „Moon Pix“ bekannt, so richtig für Furore sorgte sie aber mit ihren gecoverten Stücken, von denen es heißt, sie verleibe sich die Originale ein und spucke sie völlig anders wieder aus. Ein Beispiel ist dieser Song, der 2000 auf ihrem Album „The Covers Record“ erschien



Na erkannt? Mick Jagger hat damals wesentlich unentspannter über fehlende Befriedigung geklagt.

Ebenfalls ein ganzes Coveralbum nahm Ambrosia Parsley aka Shivaree vor drei Jahren auf. „Tainted Love: Mating Calls and Fight Songs“ ist, ähnlich wie Tori Amos’ Ansatz eine Sammlung von „Männer-Songs“, allerdings ohne den explizit feministischen Ansatz, die Wirkung der Worte zu hinterfragen. Shivaree coverte Michael Jackson, R. Kelly und Gary Glitter. Hier ihre Version von R. Kellys „Half on a baby“, dessen Zeile „ Like a hotel room I'm checkin' into you“ wohl ohnehin für sich spricht.



Aber Shivaree coverte nicht nur Soul und Glam sondern auch die Mötley Crüe Nummer „Looks that kill“. Und wenn Musikerinnen Metalnummern interpretieren, wird es interessant. Nicht immer ist es so balladenpoppig wie die „Nothing else matters“-Version der britischen Sängerin Lucie Silvas:



Raffinierter ist der Ansatz der schwedischen Band Hellsongs. Das 2004 gegründete Trio interpretiert Heavy Metal Songs ausschließlich in einer absolut entgegen gesetzten musikalischen Richtung: Als softe, beschwingte Nummern, die durch die Stimme von Sängerin Harriet Ohlsson noch mehr an Leichtigkeit gewinnen. So wird selbst Alice Coopers „Schools out“ zur fröhlichen Pausenhofidylle.

Ebenfalls ungewöhnlich ist die Version des Guns’n’Roses Klassiker „Sweet Child o Mine“, die Taken by Trees  veröffentlichte. Im vergangenen Jahr machte die Schwedin außerdem mit ihrem teilweise in Pakistan aufgenommenen Album „East of Eden“ von sich reden. Ihre Folk-Version von „Sweet Child O Mine“ wurde vor allem deshalb bekannt, weil sie als Werbesong einer britischen Kaufhauskette eingesetzt wurde.

Aber es gibt auch Coverversionen von Musikerinnen, die sich nicht wesentlich vom Original unterscheiden und trotzdem mit ihrer eigenen Dynamik überzeugen. Brandi Carliles Version von Radioheads „Creep“ zum Beispiel

 oder Petra Jean Philipson, die Nick Caves „Into my arms“ covert. Da weist nicht nur das Kleid gewisse Ähnlichkeiten zum Murder-Ballads-Sänger Cave auf:

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.09.2010 um 21:08
"Sie machen's besser"

Lustiges buntes Pflaster für Mädchen?
Heile heile Segen ...
Jan Pfaff schrieb am 07.09.2010 um 12:14
@Smith:

Wir haben auf Wunsch der Autorin die Überschrift in eine Frage verändert, da Verena Reygers nicht behaupten wollte, dass Frauen "es besser machen". Welche der Coverversionen besser ist, welche an das Original nicht herankommt – das muss jeder für sich selbst entscheiden.
crumar schrieb am 08.09.2010 um 08:40
@ Jan Pfaff:

Dann ändert doch auch die Ankündigung des Artikels selbst! Denn das es sich bei Nick Cave, Radiohead und Depeche Mode zum Beispiel um Machos handelt, wäre mir neu.

Und zum Artikel selbst: Wer noch ein Cover von "Satisfaction" macht, sollte dazu gezwungen werden, 5 Euro in die Gähn-Kasse zu werfen.

Shivaree will also "Männer-Songs" gecovert haben. Soso... "Don´t stop till you get enough" von Michael Jackson - natürlich ein klassischer Song kurz vor einer Saalschlacht. Und die anderen Lieder sind ungefähr genauso "männlich".

Ich habe mir die anderen Cover kurz durch gehört und bekam eine Kiefersperre nach einem akuten Anfall von Langeweile.
Die Eingangsfrage kann also m.E. negativ beschieden werden - die Cover sind in der Regel weder originell und musikalisch überzeugend.

Wenn schon Cover von Klassikern, dann bitte so:
www.youtube.com/watch?v=5Vh3cnWLHaI
"Sex machine" von den Flying Lizards gecovert.

Und wirklich witzig ist die Version des Dead Kennedys Klassikers "Too drunk to fuck" von Nouvelle Vague.
www.youtube.com/watch?v=Hapufz1NFkY

Aber eigentlich sind Männer selbst beim covern witziger.
Here is one for the ladies! Yiiihaaa!
www.youtube.com/watch?v=aaSKD11ymIU

Gruß, C.
Rahab schrieb am 08.09.2010 um 08:54
wie las ich letztens?
"Männlichkeiten werden zum Teil durch die Arbeit von Frauen gestaltet"
crumar schrieb am 09.09.2010 um 09:42
Um Eindeutigkeit zu vermeiden, wird "Männlichkeit" in den Plural getrieben, welche aber trotzdem gestaltet werden.
Zum Teil.

Wenn Gestaltung einer kreativer Prozess der Erschaffung ist, mit welchem Ziel werden die "Männlichkeiten" gestaltet?
Welche "Männlichkeiten" in welchen Teilen?
Keine Ahnung, aber durch Frauen.

Weil Gestaltung anscheinend keine Arbeit ist, wird die Arbeit als Arbeit in den Satz gearbeitet.
Weil Frauen für diese Arbeit 23% weniger erhalten als Männer - für die gleiche Arbeit an Männlichkeiten!
Nehme ich an.

Es ist ein rundweg saublöder Satz - schubse ihn ganz schnell aus deinem Hirn.

Gruß, C.
Rahab schrieb am 09.09.2010 um 09:46
nicht der satz ist saublöd - der vorgang ist's
niklas_hawk schrieb am 19.10.2010 um 01:38
Satisfaction
ich hatte die kannte die Aufnahme nur als Audio-Bootleg, aber es gibt den Konzertauftritt natürlich auch auf Youtube.
Zugegeben eine schräge Version von Satisfaction, aber sie hat was. Dieser Gegensatz des Duos zwischen cool und begeistert mitgehend und wenn man die Frauen dabei sieht machts noch mehr Spaß.
Björk and PJ Harvey- Satisfaction (live Brit Awards 1994)
www.youtube.com/watch?v=9ZCdFq5Zw8Y

Tory Amos hat Led Zeppelin gecovert mit Robert Plant zusammen, "Down by the Seaside".
www.youtube.com/watch?v=36Y0Xf26eSI
und dann hat sie auch noch ein Cover von "Whole Lotta Love" gemacht. zugegeben nicht der männliche Mainstream, aber mir gefällt es.
Gruß Klaus
niklas_hawk schrieb am 19.10.2010 um 01:41
Tory Amos - Whole Lotta Love -Cover live
www.youtube.com/watch?v=jRg8UGQGXUE&feature=related
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