Franz Alt
01.12.2012 | 09:00 5

Die Sonne schickt nie eine Rechnung

Vermächtnis Larry Hagman ist tot. Was viele nicht wissen: JR war im Herzen ein Grüner. Exklusiv sein letztes Gespräch mit Franz Alt

Franz Alt: Welche Elektrizitätsart nutzen Sie in Ihrem privaten Haus in Kalifornien, Larry?

Larry Hagman: Ich habe eine der größten privaten Solarstromanlagen der USA auf meiner Ranch. Insgesamt 87 kW. Das entspricht etwa den Anlagen auf 15 Einfamilienhausdächern. Ich habe aber auch ein großes Haus. Franz, und wie gewinnen Sie Ihren Strom?

Seit 20 Jahren mit einer Fotovoltaik-Anlage. Wir gewinnen doppelt so viel Strom, wie eine durchschnittliche deutsche Familie verbraucht. Mit welcher Energie wird Ihr Auto betrieben, Larry?

Wir haben mehrere Prius in unserer Familie, also Hybrid. Am liebsten aber fahre ich mein Elektroauto, natürlich mit Solarstrom.

Ist es in den USA teurer oder preiswerter, ein Auto mit normaler Energie zu nutzen?

Die Kosten haben für mich keine Bedeutung, solange ich meinen eigenen Solarstrom dafür benutze. Das ist billiger für jeden. Sie wissen ja: Die Sonne schickt nie eine Rechnung. Das schreiben Sie, Franz, doch schon seit 20 Jahren. Und das ist der große ökonomische Vorteil der künftigen ökologischen Energieversorgung.

Millionen Menschen kennen Sie als bösen Ölmann aus Dallas. Warum werben Sie für Solarenergie?

Weil das die Lösung für die Welt und für alle Zeit und für alle Kontinente ist. Öl und Kohle töten uns. Sie werden immer knapper und teurer, und der Klimawandel radiert in 50 Jahren die ganzen Küstenregionen aus. Erneuerbare Energien sind für mich der einzige Weg zur Rettung.

Die Sonne scheint ewig!

Für immer. Mindestens länger, als es die menschliche Rasse geben wird. Noch viereinhalb Milliarden Jahre, sagen uns die Astrophysiker.

Als der prominenteste Ölmann der Welt sagen Sie heute: „Vergessen Sie Öl, Solarenergie ist die Energie der Zukunft“. Was sind die wichtigsten Vorteile der Solarenergie?

Sie ist schon heute billiger, sie hält länger, und sie trägt nicht zur globalen Erderwärmung bei. Lauter unschlagbare Vorteile.

Denken Sie, es ist möglich zu 100 Prozent in erneuerbare Energien zu wechseln?

Natürlich, und das ist viel preiswerter, als die immer kleiner werdenden Vorräte an fossilen Energien zu plündern. Knappheit verteuert jeden Rohstoff.

Wir verbrennen heute an einem Tag, was die Natur an Kohle, Gas und Öl an einer Million Tagen geschaffen hat.

Daran sehen Sie den ganzen Wahnsinn. Unsere Kinder werden uns verfluchen. Ich habe zwei Kinder, und ich will denen immer in die Augen sehen können.

Was denken Sie, wie lange es noch dauern wird, bis der Wechsel in erneuerbare Energien möglich wird?

Wow, falls die Regierung mitspielt, wird es in 15-20 Jahren soweit sein. Dann hätten wir Sonnenenergie, Windenergie, Bioenergie und Wasserenergie. Ich bevorzuge allerdings die Sonnenenergie, weil sie nichts in sich hat, was etwas zerstören kann, und weil sie einfach überall verfügbar ist.

Wie lange werden wir brauchen, bis die meisten Menschen mit einem Elektroauto fahren werden?

Ich denke, wenn wir es nicht in den nächsten 20 Jahren schaffen werden, werden wir es nie schaffen.

Al Gore kalkulierte, dass die USA in gut 20 Jahren zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien funktionieren kann. Was sind die größten Probleme für den Wechsel in erneuerbare Energien in den USA?

Die Chefs der Kohle-und Petroliumindustrie wollen natürlich nicht wechseln. Sie haben kein Geschäftsmodell dafür. Und sie haben großen Einfluss auf Regierungen in der ganzen Welt. Geld regiert die Welt. Das haben wir doch in Dallas aufgezeigt (lacht lange).

Deshalb hatten Sie ja in den Achtzigern montagabends immer vor meiner „Report“-Sendung auch etwas mehr Zuschauer als wir.

Sie hatten ja damals schon Sendungen für erneuerbare Energien gemacht. Die hatten ja auch ganz gute Quoten. Nicht zuletzt durch diese wichtige Aufklärung im Fernsehen sind die Deutschen heute Solar-Weltmeister. Jetzt kläre ich darüber in den USA auf. In den Achtzigern waren wir beide in der ARD noch Konkurrenten um die höhere Einschaltquote. Heute sind wir Sonnenfreunde. Wenn das mal kein Fortschritt ist!

Gouverneur Schwarzenegger sagte, dass Solarenergie sexy ist. Sind sie auch der Meinung?

Zu wenig Kurven. Unter sexy stelle ich mir anderes vor. Solararchitektur sollte natürlich schön sein.

Präsident Obama ist ein Freund von erneuerbaren Energien, aber er hat leider nicht die Mehrheit für diese Art von Politik. Warum?

Die konservative Industrie denkt an ihre Finanzen, und es ist sehr schwer gegen sie zu kämpfen. Es ist nicht deren Ziel sich zu ändern, nur der Umwelt wegen.

Ich denke, eins der größten Probleme des 21. Jahrhunderts ist die Frage „Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne?“ Was sagen Sie dazu?

Öl … es gab oder gibt einen Krieg wegen Öl mit dem Irak, und es wird vermutlich einen gegen den Iran geben oder irgendjemanden sonst, der Öl besitzt.

Wenn im Irak nur Bananen wachsen würden, wäre dort kein einziger US-Soldat.

Da haben Sie recht. Wir müssen pro Jahr über 100 Milliarden Dollar zur Sicherung unserer Ölquellen im Nahen Osten ausgeben. Das taucht in keiner Benzinrechnung auf. Das ist Steuergeld.

Was sind die größten Probleme der Nuklearenergie?

Was machen Sie mit dem Abfall? Niemand löst das Problem. Selbst in 100.000 Jahren strahlt der Müll noch. Und wir alle haben gesehen, wie gefährlich Kernenergie ist. Siehe der Tsunami in Japan, was er angerichtet hat. Man kann es einfach nicht kontrollieren.

Der frühere Präsident Indiens, der Atomphysiker Abdul Kalam, sagte mir mal, dass er schwarzsehe für die Kernenergie. In 40 Jahren werde das Uran aufgebraucht sein. Die Kernenergie hat also keine Zukunft.

Also, ich bin froh, das zu hören.

Und ich bin verwundert, dass J. R. ein Solar-Pionier ist. Wie begegnen Ihnen Kollegen in den USA, wenn sie erfahren, wie sehr Sie sich für Solarenergie einsetzen?

Die Leute sind sehr froh und begeistert darüber…Leute aus der Öl- und der anderen konservativen Industriebranche treffe ich ja nie.

Ist das ein Thema am Filmset?

Ich habe mir einen Airstream, einen großen Wohnwagen gekauft und ihn mit einer Solaranlage auf dem Dach ausgestattet. Für den Abend lädt dann eine Batterie. Am Set von Dallas sitzt dann J. R. in seinem Wohnwagen und wird komplett solar versorgt (lacht laut).

Es ist ein gutes Beispiel für die zukünftige Mobilität.

Oh ja, und mein Ankleideraum.

Stimmt es, dass Dallas neu verfilmt wird?

Ja. Die Dreharbeiten für weitere zehn Folgen sind abgeschlossen. Patrick Duffy und Linda Gray sind auch wieder dabei, also Bobby und Sue Ellen. Und ein Haufen attraktiver Söhne und Töchter. Ich bleibe der Bösewicht. Und mein Sohn ist noch schlimmer als ich.

Spielen Sie diese Rolle gerne?

Ja, und ich will Ihnen auch verraten warum. In jedem Menschen steckt ein J. R. Sogar in Ihnen, Franz. Deshalb schauen auch Millionen bei uns zu.

In Deutschland sagen mehr als 90 Prozent: „Die Zukunft ist solar“. Wie ist das in den USA?

Ich weiß es nicht, wir sind da manchmal Idioten. Amerikaner geben das zwar nicht zu, aber wir lernen von Euch in Deutschland.

Sie hatten eine Menge Ärger, weil Sie in einem Fernsehspot ein chinesisches Spielzeug kritisiert haben. Man sieht, wie ein kleiner Junge Ihnen seinen Spielzeughelikopter zeigt, Sie schauen drauf und fragen, wo der herkommt. Dann schauen Sie nach und schmeißen ihn in den Papierkorb.

Wir haben in den USA kaum noch etwas, dass nicht aus China kommt. Für Einwegartikel mag das okay sein. Auch mein Handy hält nicht lange. Bei einer Solaranlage geht es aber um 30 Jahre Lebensdauer, und da hört der Spaß auf.

Was denken Sie darüber, dass einige Solarhersteller in den USA eine Klage gegen China-Dumping vorgebracht haben. In Europa wird das ja jetzt auch überlegt.

Wow, ich meine, hier geht’s doch um unsere Zukunft. Die chinesische Regierung subventioniert ihre Unternehmen so, dass sie die Module zu gedumpten Preisen verkaufen können. Natürlich kaufen die Leute gerne billig. Sobald niemand anders mehr auf dem Markt ist, werden die Chinesen ihre Preise wieder anheben. Zumindest würde ich das an ihrer Stelle tun. Nachdem Sie die Industrie in Amerika und Europa zerstört haben, können sie den Markt vollkommen einnehmen. Ich würde es an ihrer Stelle tun. Ich glaube, wenn wir die Zukunftsindustrien Solar und Wind an China verloren geben, verlieren wir bald unsere gesamte Industrie.

Und am Ende sehen wir chinesisches Dallas?

Vielleicht heißt es dann Shanghai. Hauptsache mit Hut. Im Ernst: Die Filmindustrie ist die letzte große Exportindustrie der USA.

Kommentare (5)

h.yuren 01.12.2012 | 09:50

Was sind die größten Probleme für den Wechsel in erneuerbare Energien in den USA?

Die Chefs der Kohle-und Petroliumindustrie wollen natürlich nicht wechseln. Sie haben kein Geschäftsmodell dafür. Und sie haben großen Einfluss auf Regierungen in der ganzen Welt. Geld regiert die Welt. Das haben wir doch in Dallas aufgezeigt (lacht lange).

die wichtigste passage im zitat.

Peter Nowak 01.12.2012 | 14:33

Solarenergie hin oder her, seine Ausfälle gegen China im letzten Teil des Interviews machen Hegmann als Reaktionär kenntlich, dem es ebenfalls nur um die Weltmachterolle der USA geht, Wenn der Artikel im vorderen Teil des Freitag stimmt, dass die USA zum Ölexporteur werden (Rückkehr des Öl-Barons) wird es aber mit der Solarenergie noch ein weilchen dauern, es sind ganz klar ökonomische Gründe, solche Energien zu fördern oder eben nicht.