Stephan Dörner
19.12.2012 | 08:00 23

Wie die Gratis-Kultur das Internet verschlief

Onlinejournalismus Es gab Zeiten, da wurde das iPad als Rettung aus der sich abzeichnenden Zeitungskrise gepriesen. Es hat nichts geholfen, aber das war keineswegs das Aus für Vorurteile

Wie die Gratis-Kultur das Internet verschlief

Von der Digitalen Avantgarde hört man zwar oft, was die Verlage alles falsch machen – mit der Finanzierung beschäftigen sich dagegen nur wenige

Illustration: narghee-la/flickr

Seit der Insolvenz von Frankfurter Rundschau und dem Aus der FTD überschlagen sich wieder einmal die Analytiker. Die einen, wie Werner D’Inka, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verdammen das Internet. Die anderen, wie Wolfgang Michal, wiederholen die zehn Jahre alte Litanei, die Verlage hätten das Internet verschlafen.

Ich glaube, dass beide Seiten falsch liegen. Natürlich ist es unsinnig, das Internet zu verdammen. Auf der anderen Seite gehört es aber seit Jahren zur Lebenslüge der Digitalen Avantgarde, die sich zum Journalismus äußert, dass die Verlage das mit dem Internet nur mal richtig begreifen müssten, und dann wären alle Probleme gelöst.

Ich möchte an dieser Stelle beispielhaft zehn Überzeugungen beider Seiten nennen, die aus meiner Sicht schlicht nicht stimmen. Und ganz am Ende möchte ich sogar einen Lichtblick für den Onlinejournalismus aufzeigen.

Fünf Lebenslügen der Digitalen Avantgarde

1. “Die Verlage haben das Internet verschlafen”

Paul Bradshaw behauptet es, Thomas Knüwer behauptet es, Wolfgang Michal behauptet es – es ist das ewige Mantra derjenigen, die sich für schlauer halten als die alte schwerfällig Verlagswelt, die mit dem Internet bis heute nicht warm geworden ist.

Ich will gar nicht bestreiten, dass es Verlage gibt, die das Internet verschlafen haben und vielleicht sogar bis heute noch verschlafen. Nun gibt es aber auch aus der klassischen Verlagswelt Publikationen im Netz, welche die gesamte Bandbreite der im Internet möglichen Formen des Journalismus und ein preisgekröntes Projekt nach dem anderen realisieren. Namentlich möchte ich hier vor allem den britischen Guardian und die New York Times nennen. Die Digitale Avantgarde applaudiert beiden Zeitungen seit Jahren: Tolle datenjournalistische Projekte, Journalismus mit Crowdsourcing-Elementen, exzellente interaktive und multimediale Aufbereitung der Inhalte.

Allein: Wirtschaftlich gesehen ist vor allem der Guardian das reine Desaster. Guardian und Observer, die beiden Zeitungen der Guardian Media Group, schrieben im vergangenen Geschäftsjahr 2010/2011 43,8 Millionen Pfund Verlust (ca. 55 Millionen Euro). Die GQ spekuliert bereits über ein Ende der Zeitung. Im Digitalgeschäft erwirtschaftet der Guardian immerhin 45 Millionen Pfund. Die werden allerdings fast ausschließlich mit Geschäften verdient, die nichts mit Journalismus zu tun haben – ganz ähnlich wie bei der Axel Springer AG hierzulande, einer der wenigen deutschen Verlage, der ein nennenswertes Digitalgeschäft in der Bilanz ausweisen kann.

Der Guardian kann diese wirtschaftliche Amokfahrt nur durchhalten, weil er Teil der reichen Stiftung Scott Trust ist. Die Leitung der Stiftung wäre schon zufrieden, wenn der Guardian seine Verluste auf 15 Millionen Pfund im Jahr reduzieren könnte. Das ist ein Glücksfall für den Guardian und die britische Zeitungslandschaft – aber sicher kein zukunftsfähiges Modell für die gesamte globale Zeitungsbranche. Bei der New York Times sieht es wirtschaftlich nicht viel besser aus.

2. “Es gibt funktionierende Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus im Netz”

Von den Vorkämpfern der Digitalen Avantgarde hört man zwar sehr viel darüber, warum Journalisten unbedingt twittern müssen, und was die Verlage und Ewiggestrige alles falsch machen – mit der Finanzierung beschäftigen sich dagegen nur wenige. Thomas Knüwer hat es getan und zählt einige Beispiele auf, in denen Online-Ableger von Zeitungen Gewinne ausweisen. Doch diese sind lächerlich gering und tragen niemals, um die derzeit existierenden Redaktionen in Deutschland in heutiger Größe auch nur halbwegs zu erhalten. Ein Großteil der Journalisten erhält ihr Gehalt heute, weil es das Printgeschäft gibt. Dieses Printgeschäft bringt damit auch die Artikel hervor, die den Wert des Markenkerns der Publikationen prägen, von denen die Online-Ableger profitieren.

100 Millionen Euro nannte der verstorbene Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht im Medienradio 2009 als Größenordnung, die sämtliche journalistischen Online-Portale in Deutschland im Jahr umsetzen. Selbst wenn sich dieser Betrag inzwischen vervierfacht haben sollte, reicht er lange noch nicht, um die Schar an Journalisten zu ernähren, die derzeit in Deutschland von ihrem Beruf leben.

In Deutschland gibt es derzeit im Grund nur ein Online-Nachrichtenportal, das wirtschaftlich funktioniert: Spiegel Online. Und Spiegel Online hat sich inzwischen auch eine eigene Marke aufgebaut, die mindestens so stark wahrgenommen wird wie das Printprodukt – in der Generation der unter 30-Jährigen sogar deutlich stärker.

Dass es funktioniert, liegt daran, dass die bereits vom klassischen Journalismus bekannte Anzeigen-Auflage-Spirale im Internet noch stärker wirkt: Wer die meisten Leser hat, bekommt die meisten Anzeigen und kann so noch stärker in Inhalte investieren, was zu noch mehr Lesern und in der Folge zu noch mehr Anzeigen führt.

3. Es gibt keine Krise des Journalismus, sondern der Verlage”

Die These: Nicht der (Qualitäts)journalismus ist vom Untergang bedroht, sondern nur das Geschäftsmodell der Verlage wird durch das Internet in Frage gestellt – so geäußert zuletzt von Wolfgang Münchau in der FTD.

Ist es also so, dass das Geschäft der Verlage durch das Internet einfach nur von gestern ist und der Zwischenhändler stirbt, während sich Journalisten nun direkt an ihre Leserschaft wenden können? Es gibt zwar in den USA erste Anzeichen in diese Richtung, etwa das journalistische Crowdfunding-Projekt Readmatter.com - doch das sind bislang zarte Pflänzchen (hierzu mein Interview mit SWR2).

Insbesondere in Deutschland gilt bislang, dass man kommerziell wirklich erfolgreiche Blogger und abseits der Verlage finanzierten Journalismus noch mit der Lupe suchen muss. Die allermeisten Blogger bloggen zum Spaß und können davon nicht leben. Professioneller Journalismus ist mit Blogs alleine deshalb nicht zu machen, weil einzelne Blogs bislang nicht die Leserreichweite bekommen, die für Werbetreibende interessant ist.

4. “Es mangelt nur an der konsequenten Paid-Content-Stragie – bequem und einfach umgesetzt”

Neben denjenigen in der digitalen Avantgarde, die Bezahlinhalte im Netz aus Prinzip verteufeln, gibt es auch noch diejenigen, die behaupten, die Verlage seien einfach nur zu dumm, sie vernünftig zu implementieren. Richtig ist: Viele Verlage könnten es ihren Lesern bei Bezahlinhalten durchaus einfacher machen – wie beispielsweise Dirk Elsner im Blicklog am Beispiel New Scientist sehr schön ausgeführt hat. Richtig ist auch: Die Strategie bei den Bezahlinhalten wurde in den meisten Verlagshäusern in der Vergangenheit alles andere als konsequent umgesetzt. Letztlich werden die Online-Chefredakteure doch an den eingefahrenen Klicks gemessen – und so zählt am Ende meist in erster Linie Reichweite. Dadurch landet alles, was potentiell irgendwen interessieren könnte, meist doch wieder vor der Bezahlschranke.

Allerdings hat Paid Content auch noch ein Problem, das wenig beachtet wird: Die Lesegewohnheiten der Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, passen nicht zum Konzept Tageszeitung. Ich sprach kürzlich mit einem 18-jährigen Schüler. Er sagte: “Ich wäre ja bereit, für journalistische Inhalte Geld auszugeben – aber ich lese regelmäßig Nachrichten aus mindestens zehn Quellen.” Ein einziges dieser Angebote kann gerade unter denen, die journalistische Inhalte schätzen, den Bedarf nicht decken. Die Verlage sollten sich also dringend darüber Gedanken machen, wie sie möglicherweise zusammenarbeiten können, um Paid Content gemeinsam vermarkten zu können – so, dass Leser bei einem Abo Zugriff auf mehr als die Inhalte einer Publikation haben.

Ebenfalls gegen Paid Content spricht insbesondere in Deutschland die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Kunden: Nur neun Prozent der Deutschen geben laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission Geld für Online-Inhalte aus – sei es Musik, Journalismus oder Filme. Das ist ein Negativ-Rekord in der gesamten EU.

5. Eine konsequente Digitalstrategie wäre die Lösung des Problems – immerhin fallen dann auch die Vertriebskosten weg”

Das Digitale – und zwar das Web, nicht irgendeine App – ist ganz sicher die Zukunft des Journalismus. Das Problem ist in diesem Zusammenhang allerdings die Gegenwart, oder anders gesagt: die Übergangsphase. Derzeit sieht es de facto so aus, dass Print noch immer die Cash Cow ist, die gemolken werden muss – nur, dass sie von Jahr zu Jahr immer weniger Milch gibt.

Online wächst und ist ohne Zweifel der Zukunftsmarkt. Allerdings wächst das Digitalgeschäft bei Weitem nicht schnell genug, um die geringeren Vertriebs- und Anzeigenerlöse von Print auszugleichen. Konsequenz: Die Verlage klammern sich an das Printgeschäft. Dadurch werden auch die Kosten nicht niedriger, im Gegenteil: Tageszeitungen sind ein Geschäft mit heftigem Skaleneffekt. Die Kosten werden pro Zeitung umso niedriger, je höher die Auflage und je dichter das Vertriebsnetz ist. Jeder fehlende Print-Abonnent reißt eine klaffende Lücke in die Einnahmenseite, während auf der Ausgabenseite die enorm hohen Kosten für Druck und Vertrieb nahezu konstant bleiben. Diese würden nur bei einem radikalen Schnitt zu einer reinen Online-Strategie wegfallen – und dafür wirft das Printgeschäft noch zu viel Geld ab.

Besonders tragisch ist dieser Spagat zwischen Print-Vergangenheit und digitaler Zukunft für die Frankfurter Rundschau. Weil sie halb Regional- und halb überregionale Tageszeitung ist, ist der Vertrieb der überregionalen Zeitung bei geringer Abonnentendichte im gesamten Bundesgebiet besonders teuer. Die Frage der Zeitung an die Abonnenten, ob sie bereit wären, auf eine iPad-Ausgabe umzusteigen, brachte ein sehr ernüchterndes Resultat hervor, so hört man.

 

Fünf Lebenslügen der Verlage

1. “Fehlendes Unrechtsbewusstsein hat die Gratis-Kultur des Internets befördert”

Mit dem Aufstieg der Piratenpartei in Deutschland meinte manch einer in der Verlagsbranche, endlich einen greifbaren Feind gefunden zu haben, der für die eigene Misere verantwortlich ist: Das Internet allgemein war es ja sowieso schon immer – aber nun hatte es durch die Piratenpartei auch noch ein Gesicht bekommen. Ein fieser Pirat, der mit einem PC bewaffnet gegen das Urheberrecht kämpft und damit den Verlagen das Geschäft kaputtmachen will.

De facto spielt das illegale Kopieren von journalistischen Inhalten im Netz natürlich keine Rolle. Wozu auch? Spiegel Online und Co bieten ein riesiges Gratis-Angebot an Nachrichten im Netz, und sollte irgendwer Informationen hinter einer Paywall verstecken, die extrem brisant und intressant sind, werden sie natürlich schnell von allen Medien aufgegriffen und zitiert. Wer das beenden wollte, müsste schon in die Informationsfreiheit eingreifen.

2. “Die Verlage setzen online auf Qualitätsinhalte”

Keine Konferenz zur Zukunft des Journalismus kommt ohne die gebetsmühlenartige Wiederholung aus, es ginge den Verlagen um Qualitätsinhalte – auch online. Ich muss an dieser Stelle nicht wieder die Klickstrecke “333 Fakten über Sex” auf Welt Online zitieren, um den Gegenbeweis anzutreten. Jeder, der Online-Nachrichten täglich nutzt, wird wissen, dass Qualität bei vielen Angeboten offenbar nicht höchste Priorität besitzt.

Das wird auch häufig vergessen, wenn auf die Erfolge von Paid-Content in den USA, beispielsweise beim Wall Street Journal, verwiesen wird. Deren Online-Ausgabe unterscheidet sich qualitativ eben nicht von Print. Sinnlose Klickstrecken sucht man auf amerikanischen Seiten wie dem WSJ oder der New York Times vergeblich.

3. “Google verdient mit Verlagsinhalten Geld”

Google News ist ein nettes Zusatzangebot für Google-Nutzer, mit denen Google aber kein Geld verdient. Google verdient Geld mit zielgerichteter Werbung – Anzeigen werden direkt beim Nutzer kontextabhängig dazu eingeblendet, wonach dieser gerade sucht. Verlage könnten das durchaus zum Anlass nehmen und sich hier etwas von Google abschauen, denn die Nutzer suchen auch auf Verlagsseiten nach Inhalten.

Die Nutzer würden wohl auch dann noch überwiegend Google nutzen, wenn dort ab morgen keine einzige Verlagsseite mehr zu finden wäre. Letztlich ist Google für die Verlage also wichtiger als umgekehrt. Immerhin erlaubt Google ihnen, per Robots.txt bei Google vertreten zu sein oder nicht. Sämtliche Missverständnisse rund um die Forderung der Presseverleger nach einem eigenen Leistungsschutzrecht habe ich kürzlich für WSJ.de aufgearbeitet.

4. “Digitalinhalte mit Layout im Tablet-Format sind eine Alternative zum Gratis-Web”

Beten und Steve Jobs danken” lautete das gerne zitierte Motto von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner nach der Präsentation von Apples iPad. Der heilige Gral, die Rettung vor dem Gratis-Internet, war gefunden – so glaubte er anscheinend. Das Rezept gegen den Niedergang: Apps im Zeitungsformat, klassisch layoutet, geschlossen und abgeschlossen – mit einem Anfang und einem Ende. Und vor allem: Das alles sollte es nur gegen Geld geben. Eine App auf dem sexy Gerät des Apple-Konzern – endlich war der moderne Anstrich gefunden, mit dem die Verlage leben konnten.

Nur sind Apps für Webverwöhnte keine echte Alternative – höchstens für bestimmte Inhalte wie lange Magazingeschichten, die zurückgelehnt auf der Couch gelesen werden. Nachrichten in Apps lassen sich nicht verlinken, nicht twittern, nicht bei Facebook oder in einem privaten Forum teilen – für mich und viele andere, die mit dem Web groß geworden sind, ist das ein klares K.-o.-Kriterium für den Nachrichtenkonsum.

App-Inhalte haben außerdem das Problem, dass sie durch ihre Abgeschlossenheit keine Leser finden werden. Allein die Anfangsinvestitionen der inzwischen eingestellten Murdoch-Zeitung The Daily sollen 30 Millionen Dollar betragen haben. Die Zeitung wird sang- und klanglos verschwinden, ohne Spuren im Web zu hinterlassen. Vielleicht bot die App ja großartige Inhalte – ich weiß es nicht, denn sie haben mich via Twitter, Facebook oder Foren, in denen ich aktiv bin, niemals erreicht.

Döpfner hat sich still und heimlich auch längst von der Tablet-Strategie verabschiedet: War Bild.de mit dem Start der kostenpflichtigen Bild-App lange von iPad und iPhone aus nicht aufrufbar, ist die Seite inzwischen wieder frei.

5. “Das Hauptproblem ist die Gratis-Kultur im Netz”

Das Hauptproblem des Journalismus im Netz ist, wie lächerlich wenig Anzeigenkunden für Online-Werbung bezahlen. Dieser sogenannte  Tausender-Kontakt-Preis (TKP) beträgt online nur einen Bruchteil von dem, was im Printjournalismus gezahlt wird. Würden hier vergleichbare Preise wie in Print bezahlt, wäre das angesichts der enorm höheren Reichweite, die journalistische Marken in der Regel online erzielen, schon die halbe Miete.

Rabatte von 90 Prozent auf den Listenpreis sind im Onlinejournalismus die Regel. Dabei erhalten die Werbetreibenden hier im Grund eine viel härtere Währung als im Print: Sie können tatsächlich messen, wie viele Leser (oder zumindest IP-Adressen, was nicht ganz dasselbe ist) eine Werbung gesehen haben, wie lange sie sie gesehen haben, ob sie geklickt haben, usw. Keine geschönte Auflage dank Bordexemplaren, keine zurechtgebogene Reichweite, weil ein Exemplar eines Printprodukts angeblich durch vier Hände geht. Bei einer Printanzeige kann sich kein Werbetreibender sicher sein, dass die Anzeige von einem der angeblichen Leser überhaupt gesehen wird – immerhin könnte er die entsprechende Seite auch überblättern.

Was also ist das Problem? Natürlich hat das niedrige Niveau der Online-Anzeigenpreise mehrere Faktoren: Da wäre die größere Konkurrenz durch alternative Werbeflächen wie Google und Facebook, sowie dank Google AdSense sogar privater Websites. Vielleicht spielt eine Rolle, dass normalerweise Menschen aus der Generation 50+ über die großen Werbebudgets entscheiden, für deren Lebenswelt immer noch Print die erste Geige spielt. Nicht zuletzt, glaube ich aber, tragen auch die Verlage selbst eine Mitschuld an der Misere: Ich habe schon mitbekommen, wie verlagseigene Vermarkter Print als das Hochglanz-Premium-Produkt angepriesen haben, während Onlinewerbung eher als Rudis Resterampe verkloppt wird. Das mag nicht zuletzt auch an den niedrigeren journalistischen Qualitätsstandards liegen, die online gelten – und zwar ebenfalls als Resultat der Verlagspolitik.

In der Online-Werbung liegt noch ein großes Potential, wenn sie nur gut und nicht nervig umgesetzt wird. So praktisch beispielsweise Google für den Online-Direktvertrieb von Produkten auch sein mag: Für die Markenbildung werden Werbetreibende um Online-Inhalte absehbar nicht herumkommen – insbesondere, wenn auch das Fernsehen noch weiter Reichweite verliert.

Kommentare (23)

oi2503 19.12.2012 | 11:06

"In der Online-Werbung liegt noch ein großes Potential, wenn sie nur gut und nicht nervig umgesetzt wird. So praktisch beispielsweise Google für den Online-Direktvertrieb von Produkten auch sein mag: Für die Markenbildung werden Werbetreibende um Online-Inhalte absehbar nicht herumkommen ..."

Yes. Du hast recht. 1000 von 7 möglichen Punkten. Die Zielgruppe der werbungtreibenden, markenbildenden Wirtschaft tendiert ins Netz. Geprintete Zeitungen werden zukünftig nur noch minimal interessant sein, ob online Zeitungen tatsächlich die Gewinner sein werden, wird sich zeigen. Die Werbeformen sind hier auf alle Fälle auch vielfältiger (möglich), können Bewegtbilder einbeziehen und so die gewünschte Markenwelt eher schaffen. Unklar ist der Zeitraum in dem sich diese Transformation vollziehen wird.

MopperKopp 19.12.2012 | 11:33

Warum sind Online-Anzeigenpreise so niedrig? Man sieht es an obigem Beitrag, alles schon mal gesagt, vielleicht nicht in dieser Form und vielleicht noch nicht von jedem, aber fast von jedem. Die produzierte Menge an Text wächst exponetiell, damit einher geht eine immer geringere Substanz, es kommt immer weniger bei rum, relativ gesehen. Nehmen wir als Gegenbeispiel ein Dekret, wenig Text, viel Konsequenz.

Wieviel ist der obige Beitrag wert, was für einen Preis könnte er auf dem freien Markt erzielen, also nicht gebündelt in einem Zwangsgesamtabnahmesystem, ganz alleine für sich? Ich rede nicht davon, wieviel Zeit der Autor dort hinein gesteckt hat, für die er nun Kohle sehen will.

Zusätzlich stellt man fest, der obiger Beitrag ist fast wertlos, für sich betrachtet. Man drucke ihn einfach mal aus. Ohne die Kenntnis der verlinkten Artikel wird es schwierig bis fast unmöglich, der Informationsgehalt sinkt gegen Null, nur im Verbund mit den Texten der anderen Autoren, nur als Teil eines Verbundes wird er verständlich. Allerdings bleibt auch die Gesamtheit all dieser Text im Bereich der Spekulation, der leichten Analyse, verwandt mit der leichten Muse. Wieviel würde man denn für all diese Texte zusammen zahlen wollen? Letztlich auch nicht viel mehr. Es kommt in der Summe nicht viel bei rum - und genau das spiegeln die Online-Anzeigenpreise wieder.

Wir können das Spiel beliebig verlängern, nächsten Monat haben 333 weitere Autoren ihren Text in das Füllhorn gekippt ohne den Informationsgehalt wesentlich erhöht zu haben, allerdings haben sie den Wert der einzelne Beiträge weiter gesenkt. Und wenn nun noch eine gewisse semantische Intelligenz in die Online-Werbe-Plazierung einzieht, wird es dann noch krasser, sinken dann die Online-Anzeigenpreise noch weiter? Aller Wahrscheinlichkeit nach ja. Dann errechntet sich der Preis für obigen Beitrag auf: 0.03 Cent, der erzielbare Verkaufspreis, nicht der Klickpreis.

tlacuache 19.12.2012 | 12:17

..."Ich sprach kürzlich mit einem 18-jährigen Schüler. Er sagte: “Ich wäre ja bereit, für journalistische Inhalte Geld auszugeben – aber ich lese regelmäßig Nachrichten aus mindestens zehn Quellen.” Ein einziges dieser Angebote kann gerade unter denen, die journalistische Inhalte schätzen, den Bedarf nicht decken"...

Die Kultusminister der Länder haben natürlich dafür gesorgt, dass das 18 jährige Hirnpflänzchen nicht an Überdosis stirbt, weil fehlende "Informationsschranken" per Gen noch nicht eingebaut ist, Stichwort "Filter" und "Hintergrundbildung"...

 

qmp 19.12.2012 | 17:31

Quote: "Und Spiegel Online hat sich inzwischen auch eine eigene Marke aufgebaut, (..)"

Danke, endlich erkennt jemand daß es sich um Marken handelt.

Quote: "Letztlich ist Google für die Verlage also wichtiger als umgekehrt."

Disagree: das o.g. Markenargument fehlt in der Diskussion vollkommen. Als mir 2001 mein Kollege erzählt hat, daß ein Flugzeug ins WTC geflogen ist habe ich als erstes Spiegel Online geöffnet. Das hat sich bis heute nicht geändert. Wer sucht denn, wenn er Infos/Updates über Fukushima sucht bei Google News? Da greift man (wie beim Shampoo, Fernsehen,..) auf die Marke des Vertrauens zurück.

Eine "Commoditization" von Nachrichten über Google News ist sicher nicht im Interesse starker Marken wie Spiegel Online.

Ludwig Hasselberg 19.12.2012 | 19:35

Gut auf den Punkt - die Punkte - gebracht, finde ich.

Drucken mag zwar immer noch kostspielig sein, aber historisch gesehen kann man doch so billig Papier bedrucken wie nie zuvor. Absolute Massenware, man sieht es an überquellenden Papiercontainern. Und wie es beispielsweise den britischen Druckergewerkschaften mit den "neuen", sehr flexiblen Techniken vor nun schon Jahrzehnten ergangen ist, ist legendär. Ich glaube also nicht so richtig daran, dass beim Print-Niedergang die Druckkosten wirklich entscheidend sind. Vermutlich sind sie bei Wochenzeitungen noch viel weniger wichtig.

Aber so günstig bedrucktes Papier auch herzustellen sein mag - bezahlen muss es der potentielle Leser trotzdem. Und zwar, wie man aus vielen anderen Kontexten erfahren kann, aus einem für die Masse von Leuten in diesem Land immer kleineren Budget. Irgendeine Zeitung abonniert zu haben ist vermutlich Teil eines bürgerlichen Selbstverständnisses, und bürgerliche Existenzen sind zunehmend prekär. Nachvollziehbar, warum bei Geldknappheit an der Zeitung gespart wird. Das Netz macht es einem da umso einfacher, und bei Überstunden oder Zweitjob bleibt eh keine Zeit und Energie um Zeitung wirklich zu lesen.

Was die Perfektionierung der Online-Werbung angeht: da graust es mir vor. Wollt ihr die totale Werbeoffensive? Ich nicht! Wenn ich Geld über hätte, würde ich da lieber Paid Content in Anspruch nehmen. Den aber selbstredend nur unkompliziert!

Joachim Petrick 19.12.2012 | 21:37

MopperKopp MopperKopp 19.12.2012 | 12:23

 

@MopperKopp 19.12.2012 | 12:23

Impliziert die Wahrnehmung, dass es sich hier nicht nur um Interaktion im Allgemeinen als kommentierendes Klickereignis, sondern im Besonderen um die Hege und Pflege einer Community handelt, die dem Inneren Streben aller User nach einer  Rekonstruktion von dörflichen Lebensgemeinschaften in der realen Wirklichkeit im globalen World Wide Web, hinreichend,  einladend nachgebildet ist.

Joachim Petrick 19.12.2012 | 21:49


Das Internet ist bisher als Umkehrung der Gründungsgeschichte der Automobiindustrie unterwegs. Damals wurden zuerst Autos den Pferde Kutschen nachgebaut, es fehlte an Strassen, Autobahnen.

Beim Internet wurden die Autobahnen zuerst gebaut, es fehlt weltweit an sozialen "Gefährten", diese Autobahnen einkommens auskömmlich zu nutzen.

Dass die, heillos unterfinanzierten, Printmedien nun vermeinen, sie seien als die richtigen Gefährte, sie seien nur noch nicht als solche richtig wahrgenommen, ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit ist, das, überdimensioniert finanziert, öffentlich rechtliche Fernseh und  Rundfunkwesen hierzulande, das nicht abgeschaftt, sondern für andere Mitspieler geöffnet gehört

tolu0309 19.12.2012 | 22:31

Mir scheint bei der Diskussion warum den (Print)medien schleichend die Finanzierung abhanden kommt, wird ein Punkt übersehen, der ebenso banal wie wirkmächtig ist.

Die Kunden haben seit Jahrzehnten effektiv immer weniger Geld zur "freien" Verfügung. Die Löhne steigen kaum, die Kosten für zwingend erforderliche Ausgaben (Benzin, Energie, Miete, viele Lebensmittel ...) sehr wohl. Sobald dann unvorhergesehenes passiert (Arbeitslosigkeit, Krankheit, outsorcing ...) muss irgendwo gespart werden. Und das Abo der Tageszeitung ist nunmal schnell gekündigt.

Und auch wenn nichts besonderes passiert wird bei vielen Arbeitnehmern der mittleren - unteren Lohnstufen irgendwann die Schmerzgrenze erreicht und das Abo gekündigt oder eben erst gar nicht mehr abgeschlossen.

Dieser Sparzwang trifft dabei nicht nur die Verlage sondern auch große Teile des Einzelhandels, die mit Billigkonkurrenten zu kämpfen haben. Denn für viele ist Geiz nicht nur geil sondern einfach unumgänglich.

iDog 20.12.2012 | 00:45

Video killed the radio star !

blogs weltweit 2011 : 173 000 000 - davon allein 59 014 516 WP blogs ....  Die Menschen vernetzten sich - wer sich nicht vernetzen will, ist raus aus dem Infostream. Prognose : Wenn die "Generartion 50+" dann sanft entschlafen sein wird, mutieren die Printmedien zur Grabbeilage.

... und dann ist da noch der so genannten "Qualitätsinhalt" des eingehenden "Quilitätsjournalismus" . Wenn diese Branche endlich mal wieder schreiben würden was wirklich los ist auf der Welt anstatt ausschließlich dem neoliberalen Disaster der corporate structur das Wort zu reden, dann hätten sie vielleicht ein Chance. Die Krise des Journalismus ist eine antidemokratische Krise der Meinungfreiheit. Wes' Brot ich ess des' Lied ich sing ? Na dann singt mal schön  ... 

Mr. Smith 20.12.2012 | 15:42

Tageszeitungen bedienen eine bestimmte Klientel, ein Marktsegment. Alle anderen Segmente werden auf die eine oder andere Weise ausgeschlossen. So finde ich bspw. in der FAZ solide argumentierte Artikel, auch wenn mir deren Grundaussage nicht gefällt. Genauso finde ich dort auch polemischen Quatsch, fern jeder journalistischen Qualitätsuntergrenze. So geht es mir bei eigentlich allen Medien - online wie offline.
Mit Qualität lässt sich des Anspruchs an den Leser wegen kaum Geld verdienen, Unterhaltung sticht Information. Der Begriff "Informationszeitalter" ist schlicht irreführend, wir leben eher im "Unterhaltungszeitalter" in dem auch wichtige Information nur aufgenommen wird, wenn sie im Format der Unterhaltsamkeit daher kommt. Ein weiteres Problem des Journalismus - online wie offline.
Fazit? Wer fest angestellte Journalisten mit einem breiten Wissensspektrum feuert und durch
a) junge (=flexible, also willfährige) Menschen mit (fast) abgeschlossenem Studium der irgendwas mit Medien ersetzt

und/oder

b) selbst diese nur noch pro Zeile bezahlt, also quantitativ,

der braucht sich über abnehmende Qualität nicht zu beklagen. Dies bemerkt der Leser jedoch und sucht sich die Informationen dort, wo sie einander relativieren bzw. er nicht den Eindruck bekommt verscheißert oder mit der halben Wahrheit abgespeist zu werden: überall.
(Wer ein Medium intensiv verfolgt, bspw. SPON, dem fällt schnell auf dass gewisse redaktionelle Vorgaben existieren, wie mit bestimmten Menschen oder Gruppen umzugehen ist. Es erscheinen dann ausschliesslich Artikel, welche die getätigten Aussagen der Delinquenten geradezu absichtlich verdrehen und verkürzen um die redaktionelle Schiene nicht verlassen zu müssen, auch falls jemand der der eigenen Leserschaft suspekt ist doch mal was kluges gesagt/getan hat. Das ist Unterhaltung, keine Information. Ich bin nicht bereit jemanden dafür zu bezahlen - denn das ist keine Comedy, die würde ich natürlich bezahlen, dass ist die Verbreitung von Halbwahrheiten und polemisch.)

G.W. 22.12.2012 | 17:46

Als 24-jähriger, leidenschaftlicher Online-Zeitungsleser kann ich folgendes Argument nicht stark genug bestätigen:  

"Ein einziges dieser Angebote kann gerade unter denen, die journalistische Inhalte schätzen, den Bedarf nicht decken. Die Verlage sollten sich also dringend darüber Gedanken machen, wie sie möglicherweise zusammenarbeiten können, um Paid Content gemeinsam vermarkten zu können – so, dass Leser bei einem Abo Zugriff auf mehr als die Inhalte einer Publikation haben."

Ich habe fast zwei Jahre lang den Freitag im Abo gelesen. Wie sah dies in der Realität aus? Ich bekam jeden Donnerstag das Printprodukt in den Briefkasten gelegt, lagerte dieses anschließend auf einem Tisch zwischen. In den meisten Fällen wanderte die Zeitung dann nach 2 Wochen ungelesen im Altpapier. Ausnahmen waren längere Zugfahrten, in denen ich keinen Zugriff auf Online-Journalismus hatte und daher auf die traditionelle Printversion angewiesen war. Dennoch kündigte ich das Abo erst, als mein Bafög auslief und ich ernsten Finanzierungsproblemen meines Studiums gegenüberstand. Zuvor behielt ich das Abo mit dem Gedanken im Kopf "Wenn ich schon nicht die Möglichkeit bekomme, für die Inhalte zu bezahlen, die ich tatsächlich konsumiere, dann möchte ich meinen Beitrag für unabhängigen Journalismus an mein Lieblingsmedium zahlen."

Das ist dann aber insofern schade, als dass die Arbeit der Kollegen, deren Schaffen ich online konsumiere, nicht finanziell gewürdigt wird.

Ich halte nicht viel (Achtung: Allgemeinplatz) von unzulässigen Vereinfachungen. Aber pointiert trifft das Stereotyp "Die Verlage haben das Internet verschlafen" durchaus zu. Sie haben es m.E. insofern verschlafen, als dass sie den veränderten Lesegewohnheiten zwar Rechnung tragen - nur diese eben nicht ausreichend monetarisieren.

Aus meinem studentischen Bekanntenkreis weiß ich, dass ein Abo lokaler Tageszeitungen die absolute Ausnahme ist. Überregionale Angebote werden häufiger abonniert. Die Mehrheit zahlt aber überhaupt nicht für journalistische Inhalte. Und doch lesen sie viel Zeitung. Aus meiner Erfahrung kann ich das so erklären: die Muße des gemütlichen Zeitungslesen beim Frühstück oder an einem Sonntagnachmittag ist nicht mehr das vorherrschende Modell. Ich möchte aus einem vielfältigen Angebot verschiedener Meinungen wählen können und mich irritieren lassen von konträren Ansichten. Dies ist in einem „lagergebundenen“ Medium eher selten. Erscheint mir ein Thema nun nicht ausreichend eingehend beleuchtet, wäre ich bei der traditionellen Lektüre aufgeschmissen. Ich müsste viel Geld ausgeben, um weitere Titel in Printform lesebereit zu haben. Im Netz dagegen kann ich meinen Informationsdurst nahezu unbegrenzt stillen und mir so letztendlich ein differenziertes Bild machen. 

Ich plädiere daher für eine Art kostenpflichtiges Google News, d.h. eine Plattform, auf der mehrere Verlage ihre Artikel anbieten. Zugang zur Plattform erhalten zahlende Kunden. Man müsste durchrechnen, wie die Ausgestaltung im Detail aussehen müsste und inwiefern falsche Anreizstrukturen für Produzenten (Mainstreaming) vermieden werden können. Eine zentrale Frage wäre hier: Unbegrenzter Zugriff auf alle Artikel aller Zeitungen oder begrenzter Zugriff (Anzahl Artikel/Monat? Nutzerspezifische Auswahl von bestimmten Titeln mit Vollzugriff?)?

Ein hoffnungsvoller Anfang wäre eventuell ein Zusammenschluss der „linken“ deutschsprachigen Titel in einer gemeinsamen Paywall.

wtfargo 24.12.2012 | 18:24

Grundsätzlich ist das internet nur ein neuer vertriebsweg für lesestoff aller arten, vom kinderfunk "was machst du gerade?" bis zur festspielpremiere in bayreuth. das war immer schon so; nach der einführung der allgemeinen schulpflicht in der 2. hälfte des 18. jahrhunderts entstand neues lesepublikum, das von den romanen der "gartenlaube" bis zu denen von goethe bedient wurde. welche auflagen waren wohl höher? statt auflagenhöhe zählen jetzt klicks; also muß lesestoff her, der möglichst häufig angeklickt wird - "gartenlaube" oder goethe? natürlich "gartenlaube" - der weg des geringsten widerstands. wenn an der kasse abgestimmt wird, schlägt der fluch der demokratie zu: die mehrheit hat immer recht, oder? wenn 400 000 hirnverletzte eine platte von xy kaufen, ist xy dann gut? fürs marketing bestimmt.

der ausweg? qualität braucht mäzene. auch das war schon immer so. hätte papst julius II. in seinem kirchenstaat die mehrheit bekommen bei einer abstimmung, ob er michelangelo aus florenz holen soll oder nicht? haben die umsätze von james last die produktionen von karajan quersubventioniert?

zurück zum internet: die abstimmung an der kasse ist für qualität kontraproduktiv. paywall oder paid content werden es nie bringen. die holzmedien mit anspruch überleben nur mit mäzenen, quersubventioniert oder gar nicht. ein gutes feuilleton war immer schon betriebswirtschaftlich unwirtschaftlich und kann nicht mehr durchgezogen werden, wenn der umsatz im keller ist.

 

Thomas Panzner 02.01.2013 | 10:39

Wenn ich das mal aus meiner Sicht schildern darf. Ich habe zu Zeiten der ersten iPods noch die HAZ als Abonnent gelesen. Als dann die iPod touch und iPhones (nun iPads) kamen, konzentrierte sich mein Medienkonsum auf Spiele, Videos, Onlineartikel, Podcasts, Audible, Twitter und Facebook. Für das Lesen einer Tageszeitung war einfach kein Platz mehr.

Ich habe soeben den Freitag abonniert, da mir die Onlineartikel, welche ich bisher gelesen habe, immer sehr gut gefallen haben. Ich habe einfach mal wieder Lust auf Zeitung und denke, dass der Freitag das richtige Format für mich ist. Auf dem iPad hätte ich ihn vielleicht nicht abonniert, da ich dort immer durch andere Apps abgelenkt/angezogen würde. Entweder Zeitung oder iPad in der Hand.

Die neue Jugend wächst mit der Gratiskultur auf. Meine Nichte fragte mich zu Weihnachten, wo sie denn gratis Musik für Ihr neues Tablet finden könne. Es ist halt so einfach, sich den Song bei Youtube zu laden. Warum also dafür bezahlen? Das Gleiche gilt für Artikel. Die HAZ hat für einige Artikel eine Paywall aktiv. Keine Ahnung, ob da wirklich jemand Geld für einen Artikel bezahlt. Denn es gibt ja so viele andere Webseiten, auf denen es genug gratis Artikel gibt. Die Zeitungen sind aus meiner Sicht selbst schuld, wenn sie so viel Inhalt auf ihren Webseiten zur Verfügung stellen. Wer hat nach dem online Lesen noch Zeit oder Bedarf für eine Zeitung? Vor 10 Jahren haben sehr viele S-Bahnfahrer eine Zeitung gelesen. Heute ist das selten geworden. Selbst Ältere haben ein Smartphone in der Hand.

Anstatt die Tagesschau App anzugreifen, sollten die Verlage besser auf kostenlose Online Artikel verzichten. Die blogger können das jedenfalls nicht leisten und die Redakteure müssen ein Gehalt bekommen. Der Leser muss bezahlen. Punkt.