Steffen Kraft
23.07.2010 | 09:00 1

„Es ist alles eine Frage des Aufwands“

Transparenz Wikileaks steht vor einem Neustart – sogar feste Gehälter sind geplant. Viele Unterstützer stellen sich Fragen, Sprecher Daniel Schmitt gibt im "Freitag" die Antworten

Manchmal wird Daniel Schmitt das Ganze einfach zu viel. „Ich habe einen 18-Stunden-Tag“, sagt der Sprecher der Aufdecker-Plattform Wikileaks, wenn ihn jemand fragt, warum es so kompliziert ist, Antworten auf Fragen zu bekommen, die sich seit einiger Zeit selbst wohlwollende Beobachter von Wikileaks stellen. Weil die Macher des Transparenz-Projekts aber selbst nicht in den Ruf kommen wollen, Informationen zurückzuhalten, gab Schmitt dem Freitag die Antworten nun aus erster Hand:

Wann funktioniert wikileaks.org wieder?

Zwar ist es seit Anfang der Woche wieder möglich, anonym elektronische Geheim-Dokumente über die Webseite hochzuladen und zur Veröffentlichung vorzuschlagen. Dennoch ist seit Monaten dort kaum ein Papier erschienen. Bei vielen Unterstützern hat das Befürchtungen ausgelöst, die Betreiber könnten verschwinden und das Transparenz-Projekt sterben lassen. Schmitt beruhigt: „Wir sitzen auf einem ganzen Berg von Material, das wir nicht für uns behalten wollen. Uns fehlen noch ein paar Server.“ In den nächsten Wochen werde es aber schon einzelne Publikationen geben. Angekündigt sind beispielsweise einige E-Mail-Wechsel von Mitgliedern der rechtsextremen NPD und das Video eines US-Einsatzes in Afghanistan.

Wer kontrolliert das Geld?

Geld von europäischen Spendern sowie alle Überweisungen, die Wikileaks über den Finanzdienstleister PayPal erhält, fließen auf ein Treuhandkonto der gemeinnützigen Wau-Holland-Stiftung. Sie wird vom Finanzamt und dem Regierungspräsidium Kassel kontrolliert. Die Stiftung will bis Ende August eine Aufstellung über die Ein- und Ausgänge auf ihrer Internetseite wauland.de veröffentlichen.

Auch in Australien existiert eine von den Behörden kontrollierte Stiftung zu Gunsten von Wikileaks. Auf die Frage, ob die Organisation auch Auskunft über die Spenden auf US-amerikanischen Konten geben wird, antwortet Daniel Schmitt: „Davon gehe ich aus. Es ist alles nur eine Frage des Aufwands.“

Wovon leben die Aktivisten?

„Bisher hat noch niemand ein Gehalt bekommen“, sagt Schmitt. Doch das werde sich demnächst ändern. Seine eigenen Ersparnisse seien jedenfalls aufgebraucht. Wikileaks steht also eine Debatte über die Personalkosten bevor. Ein erster Vorschlag: Das Gehalt für einen Vollzeit-Aktivisten könnte sich in Europa zwischen 1.500 bis 2.500 Euro bewegen. Zum Problem könnte für die verschwiegene Wikileaks-Truppe allerdings werden, dass jeder Geldempfänger seien Namen zumindest dem Finanzamt offenbaren muss.

Kürzlich hat die Plattform Unterstützer gesucht. Was passiert mit den Freiwilligen?

Die Aktivisten wollen in möglichst vielen Ländern eigene Stiftungen gründen, „ähnlich der Panter-Stiftung der taz“, wie Schmitt sagt. Unter dem Dach dieser Stiftungen sollen Freiwillige und Hauptamtliche in technischen, journalistischen und juristischen Fragen sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit zusammenarbeiten. In Deutschland sind die Pläne offenbar schon etwas weiter fortgeschritten. Schmitt: „Wir haben erste Gespräche geführt.“

Wie reagiert Wikileaks, wenn vermeintliche Quellen angeklagt werden?

Bisher gilt das Versprechen, dass die Plattform jeden unterstützt, der Probleme bekommt, weil er angeblich ein geheimes Dokument auf wikileaks.org hochgeladen hat. Das funktioniert allerdings nur so lange Wikileaks genug Geld hat. „Ich habe keine Ahnung, wie unsere Spendensituation in einem halben Jahr aussieht“, sagt Schmitt. „Wenn unser Geld verbraucht ist, und niemand spendet etwas nach, sähe das natürlich schlecht aus. Aber damit rechne ich nicht.“

Was ist an dem Gerücht dran, dass Wiki­leaks nach Island umziehen will?

„Überhaupt nichts“, sagt Schmitt, „es würde unserem Ansatz komplett zuwiderlaufen, wenn wir alle unsere Server in ein einziges Land stellen würden.“ Selbstverständlich könne es sein, dass Wikileaks später einmal in Island ein Büro eröffne, zumal wenn dort die zurzeit diskutierten Gesetze zur Informationsfreiheit verabschiedet würden. „Allerings denke ich, dass wir eher vorher ein Büro in Berlin eröffnen werden als in Reykjavik.“

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