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Die hier wiedergegebenen Redeauschnitte finden sich auf der Website des Bundeskanzlerinnenamtes. Sie zeigen die Scheinheiligkeit der deutschen Außenpolitik auf, wenn es um Ägypten geht.
Bei ihrem Besuch in Ägypten gaben die Bundeskanzlerin Merkel und der Diktator Mubarak eine gemeinsame Pressekonferenz. Ein Auszug aus Merkels Stellungnahme vom 03.02.2007:
Unsere bilateralen Beziehungen sind ‑ das darf ich, glaube ich, sagen ‑ sehr gut. Ich habe mich in Gesprächen mit der Regierung heute noch einmal vertieft über die Reformanstrengungen informiert, die hier unternommen werden, und über die Diskussionen, die durchgeführt werden. Erfreulich ist das hohe Wirtschaftswachstum. Deutschland möchte seine Kooperation stärken. Der Bundeswirtschaftsminister, Michael Glos, ist hier mit einer Wirtschaftsdelegation dabei. Ich werde morgen auf einem Wirtschaftsforum auch selber auftreten. Wir glauben, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung Ägyptens auch ein Beitrag zur Stabilität sein kann ‑ vor allen Dingen für die Menschen in diesem Land, die natürlich von diesem Wirtschaftswachstum auch profitieren wollen und auch profitieren sollen.
www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Archiv16/Pressekonferenzen/2007/02/2007-02-03-pk-merkel-mubarak.html
Anlässlich seines Besuchs in Dt. gaben die Bundeskanzlerin Merkel und der Diktator Mubarak eine gemeinsame Pressekonferenz. Ein Auszug aus Merkels Redebeitrag vom 04.03.2010
Ich darf sagen, dass zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Ägypten traditionell sehr enge, freundschaftliche Beziehungen herrschen und wir auch in vielen Bereichen miteinander kooperieren, sodass unsere heutigen Gespräche ganz wesentlich der Lösung internationaler Probleme gedient haben.
Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz gibt es folgenden Dialog:
FRAGE: Präsident Mubarak, ich wollte fragen, ob Sie Mohammed el-Baradei immer noch für einen nationalen Helden halten und ob Sie ihn in der Nationaldemokratischen Partei willkommen heißen würden.
MUBARAK: Das ganze Volk ist ein Held. Wir brauchen keinen neuen Helden. Wenn er einer Partei beitreten will, kann er jede Partei auswählen. Wenn er für eine Partei kandidieren will, dann bitte schön. Wenn er als Unabhängiger kandidieren will, dann bitte schön. Wir haben eine Verfassung. Man soll nur die Verfassung respektieren.
www.bundeskanzlerin.de/nn_683698/Content/DE/Mitschrift/Pressekonferenzen/2010/03/2010-03-04-merkel-mubarak.html
Die Haltung der bisherigen Bundesregierungen wird deutlich: Nicht umgesetzte Menschenrechte oder die diktatorische Staatsform spielten bis in diese Tage hinein keine Rolle in den bilateralen Beziehungen. Die Betonung lag bisher auf Zusammenarbeit, also auch auf der Unterstützung der ägyptischen Innenpolitik, bis hin zu umfangreichen Waffenlieferungen. Jetzt, nachdem der Diktator kaum mehr an der Macht zu halten ist, erklingen die unglaubwürdigen mahnenden Worte der Bundesregierung, man möge sich am Demokratisierungsprozess beteiligen und die Gesellschaft öffnen.
Dazu eine Meldung von dapd vom 26.01.2011
Westerwelle erklärte, die Menschen- und Bürgerrechte müssten von allen respektiert werden. Wer sie seinem Volk verweigere, riskiere die Instabilität seiner Gesellschaft. 'Der Weg zur Stabilität führt über die Wahrung der Menschen- und Bürgerrechte', sagte der FDP-Politiker. Er erinnerte daran, dass die Bundesregierung in ihren zahlreichen Kontakten mit der ägyptischen Regierung zwar den Einsatz für den Frieden im Nahen Osten stets positiv gewürdigt habe. Immer wieder hätten er und seine Kabinettskollegen aber auch die Einhaltung der Bürgerrechte angemahnt.
www.ad-hoc-news.de/westerwelle-mahnt-achtung-der-menschenrechte-in-aegypten-an--/de/News/21876175
Dass der Außenminister und seine Kabinettskollegen die Einhaltung der Bürgerrechte angemahnt hätten, ist nicht glaubwürdig. Hätte der Mahner Westerwelle seinen Winterurlaub sonst in Ägypten verbracht?
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Das nennt man bilaterale Kontinuität. Mitten drin der Schah Mohammad Reza Pahlavi. Palaver!
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Merkel und Co. als Jubelperser(in),
dafür musste damals bereits Benno O. sterben. |
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Danke für die Zusammenstellung!
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Imran Garda stellte auch ein paar offizielle Statements zusammen:
"Here’s a little help if ambition ever drives you to one day hope to be a spokesman for the US government. Alternately, if decoding why very similar events can be officially responded to in completely dissimilar ways gets you as excited as it gets me - read on." blogs.aljazeera.net/americas/2011/01/31/templates-responding-excesses-ally Tja. |
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Vielen Dank für den Link!
Mubarak war bzw. ist für die Europäer und die USA "der Präsident". Solange Saddam Hussein im Irak Präsident war, war die deutsche Sprachregelung "der irakische Machthaber". Der leitende Direktor der Heidelberger Universitätsklinik Professor Dr. Markus Büchler äußerte sich über Mubarak so: "Er hat die Herzen all derer, die ihn betreut haben, in einer Weise berührt, die seinen aufrichtigen Charakter und sein offenes Wesen widerspiegeln." Büchler sagte dies anlässlich Mubaraks Entlassung aus dem Heidelberger Krankenhaus, in dem er sich im Frühjahr vergangenes Jahr an der Galle und am Dünndarm operieren ließ. Wegen dieser positiven PR, die anscheinend auf allen Ebenen gepflegt wurde, ist man jetzt wohl doch überrascht, dass dieser Präsident alles andere als ein Demokrat ist. www.klinikum.uni-heidelberg.de/ShowSingleNews.176.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=4993&cHash=3dccc2285e ![]() |
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Der Appell zu Menschenrechten und Demokratie klingt für uns hohl, wenn er von unserer Regierung und anderen westlichen Politikern ausgesprochen wird.
Sicher es gibt in den westlichen Gesellschaften mehr Demokratie als in anderen Teilen der Welt und zu anderen Zeiten in der Geschichte. Doch die Demokratie und die Menschenrechte sind auch bei uns etwas prekäres. Das ist uns manchmal denke ich gar nicht so bewusst. Auch in Deutschland sind einge Menschenrechte nur bedingt umgesetzt und die repräsentative Demokratie bewegt sich in eine Krise. Volksvertreter haben kaum Kontakt zum Alltag der Menschen des Landes und die Politik erscheint zunehmend als ein Handlanger von Wirtschaftsinteressen und ist unfähig selbst Akzente zu setzen. Die Staatsverschuldung sowie eurpäische Sachzwänge müssen als Rechtfertigungen herhalten für eine Politik, die soziale Grundrechte abschafft und staatliche Regulierung in allen Bereichen zurückfährt. Daher klingt es in doppelter Weise hohl wenn Merkel und Westerwelle Mubarak zu demokratischen Reformen und Achtung von Menschenrechten aufrufen. In Ägypten setzt man auf Stabilität, mehr als auf demokratische Selbstbestimmung einer Bevölkerung. Eine prowestliche autokratische Regierung ist allemal genehmer als eine demokratisch legtimierte, die sich eventuell nicht an den Westen hält. Man muss daher sicher auch fragen: Welche geostrategische Bedeutung hat Ägypten für Europa und die USA? Welche Rolle wird Ägypten im Nahostkonflikt zugeschrieben? Welche sonstigen Interessen hat der Westen im Nahen und Mittleren Osten? Andererseits: Europa oder die USA können kaum für Ägypten die Demokratie einführen, das müssen die Menschen dort selbst schaffen, sonst wäre es eben keine Selbstbestimmung. Daher ist jede Einmischung des Westens bei der Einführung einer Demokratie als in sich widersprüchliche Praxis zu verstehen. Der Nahe und Mittlere Osten wird auch als Pulverfass bezeichnet. Was macht ihn dazu? Welche Gefahr sieht man dort? Einmal schwebt sicherlich eine Eskalation im Nahostkonflikt immer wie eine drohende Wolke über der Region. Dann ist in vielen Ländern der Region eine soziale Verelendung vorhanden, die sicher jetzt auch in Ägypten in den Protesten zum Ausdruck kommt. |
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Deutschland zählt zu den Hauptlieferanten für Waffen: 2008 waren es Lieferungen im Wert von 33,6 Mio Euro, 2009 stieg der Wert auf 77,5 Mio Euro. Also eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres. Ausgerüstet wird damit die als brutal geltende Polizei (Maschinenpistolen) und das Militär (Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, militärische Landfahrzeuge und elektronisches Kommunikationsgerät). Je man sich damit beschäftigt, desto deutlicher wird, dass die selbsternannten aktuellen Demokratie-Mahner der Bundesregierung heucheln, haben sie doch jahrelang diese Diktatur mit Mitteln versorgt, die helfen, das Volk in Schach zu halten.
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schrieb am
31.01.2011 um 20:44
Das ist aber eigentlich die Rüstungsindustrie, nicht der Staat selbst, oder? Da gibt es wahrscheinlich aber lobbymäßige Verflechtungen.
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@ mabli
Gemeinsamer Standpunkt der EU = 2008/944/GASP Die Lieferung, der Verkauf oder die Weitergabe von Rüstungsgütern und zugehörigen Gütern oder die Bereitstellung von Dienstleistungen … bedarf der Genehmigung der zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten. Die Mitgliedstaaten prüfen Lieferungen … in jedem einzelnen Fall und tragen dabei in vollem Umfang den Kriterien Rechnung, die im Gemeinsamen Standpunkt 2008/944/GASP des Rates betreffend gemeinsame Regeln für die Kontrolle der Ausfuhr von Militärtechnologie und Militärgütern … niedergelegt sind. Die Mitgliedstaaten schreiben angemessene Schutzmaßnahmen zur Verhinderung des Missbrauchs von Genehmigungen vor, die nach diesem Absatz erteilt werden, und treffen gegebenenfalls Vorkehrungen für die Rückführung von gelieferten Rüstungsgütern und zugehörigen Gütern. Kritiker, z.B. das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI, beklagen, dass Deutschland diesen Standpunkt missachten würde und Waffenlieferungen auch in Krisenregionen zulasse. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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