Es gibt inzwischen genügend Beispiele "gelungener Integration" - wie immer man gelungene Integration auch interpretieren darf! Das insgesamt die gesellschaftlichen Kohäsionskräfte schwinden, wird mit schon routinierter Übung zur Seite geschoben und die "belegbaren" sozioökonomischen Ursachen ebenso geübt unter den Teppich gekehrt - stattdessen: Nachdem ein großer Teil der sogenannten Mittelschicht seine kleinbürgerliche Pflichtübung sich dem Konsumismus und Fatalismus - "die da oben machen sowieso, was sie wollen" - zu ergeben, gelernt hat, wird die gut bewährte "Teile und Herrsche" - Taktik angwandt, damit sie auch die dritte Lektion lernt, nämlich schön nach unten zu treten und nach oben zu buckeln!
Sarrazin hätte das Zeug zum Prototyp eines teutonischen Berlusconi - neoliberal, sozialdarwinistisch und latent rassistisch - aber alles schön im nur vermeintlich modernem nationalliberalen Gewand der Spaß- und Event-Gesellschaft.
Sarrazins Äußerungen stimmen nicht einmal mit seiner eigenen absurden Leistungseliten-Ethik überein, da er neben den türkischen Gemüsehändlern, die türkischen Textilunternehmer und Lebensmittelfabrikanten aus dem mittelständischen Bereich vergißt, die immerhin 1,5 bis 3 Milliarden EUR ins Gemeinwesen fließen lassen, wenn ich mich recht erinnere. Apropos Leistungseliten? Was für "Leistungseliten" gibt es eigentlich in Zeiten der politischen Erosion?
Schade eigentlich, dass nun auch "meine Wochenzeitung" sich weiterhin mit diesem geistigen Dünnschiss auseinandersetzen muß...meinetwegen:
Sarrazins Verfehlung basieren nicht auf einer unpassenden Wortwahl sondern tendieren inhaltlich schlichtweg in die Richtung Sozialdarwinismus und sogar Eugenik, mehr noch als das sie rassistisch sind. Man verzeihe mir die plumpe Wortwahl, aber was muß man eigentlich vor dem Kopf haben, um das nicht zu sehen!!! Und schon gar nicht setzen sich seine Äußerungen in irgendeiner konstruktiven Weise mit den sicherlich vorhandenen Problemen der Integration von Immigranten oder überhaupt mit gesellschaftlichen Problemen des Zusammenlebens verschiedener Bevölkerungsgruppen auseinander!
Prinzipiell schon, allerdings müsste dies für alle Parteien Gültigkeit besitzen! Niemand fragt beispielsweise nach der Anzahl der ehemaligen Mitglieder der Blockparteien, die ja auch gleichgeschaltet waren, die eventuell später in der FDP, CDU oder SPD aufgenommen wurden. Mal abgesehen von Konrad Adenauers Maxime in den Zeiten der Pubertät der Republik: Für jeden neu eingestellten Beamten, einen rehabilitierten ehemaligen NS-Beamten einzustellen, wenn ich mich recht erinnere, dies mal so gelesen zu haben. Und was ist mit der CSU, die ja von dieser Maxime profitierte? Gab es in der damaligen "Persilschein - Partei" überhaupt irgendeine Art von Aufklärung? Ich kann mich nicht erinnern!?
permalinkDas hat sie und sie macht es weiterhin. Denn keine linke Kraft, ob parlamentarisch oder außerparlamentarisch (wenn man diesen zugegebenermaßen dumpfen Antagonismus der Einfachheit halber reproduzieren möchte), kann zukünftige Projekte entwickeln, ohne die Geschichte des realexistierenden Sozialismus mit zu denken. Die Geschichte der DDR ist Geschichte der gesamtgesellschaftlichen Linken, zu der es sich zu verhalten gilt.
Dies darf m.E. aber nicht bedeuten, die DDR zu verurteilen, ebenso wenig darf es bedeuten, eine - um ein neumodisches Wort zu gebrauchen - Evaluierung vorzunehmen, frei nach dem Motto: das war gut, das machen wir wenn wir an der Macht sind, wieder so, und das war schlecht, das machen wir anders.
DIE LINKE changiert, je nach parteiinterner Gruppierung und Kontext, meines Erachtens gerade zwischen diesen beiden Polen - und das ist das Problem. Sie hat nicht den Mut, eine Debatte über ihre Geschichte zu führen, die nicht entlang der Leitlinien der Konservativen geführt wird, sondern ihre eigenen Maßstäbe setzt: Nicht zu vergleichen, was in der DDR oder was in der BRD besser oder schlechter war - das ist kleinkariert -, sondern mutig mit der und gegen die Geschichte für ein neues sozialistisches Projekt zu argumentieren (auch wenn es den Namen Sozialismus nie wieder tragen wird, aber das ist egal).
Freilich, das muss man der LINKEN zu Gute halten, sind die Umstände, eine solche Debatte zu führen, nicht gerade günstig, aber sie muss diesen Mut aufbringen. Denn nur ein entsprechender Zugang zur linken (sozialistischen) Geschichte kann den Boden für eine linke (sozialistische) Zukunft bereiten.
Eine Aufarbeitung des realsozialistischen Betrugs ist natürlich nicht damit getan, einige soziale Errungenschaften des Ostblocks gegen die Verbrechen aufzurechnen, dass ist/wäre wirklich kleinkariert - allerdings gibt es aber auch keine Erbschuld derjenigen Menschen, die weder am Betrug noch an den Verbrechen damals beteiligt waren oder sie damals gutgeheißen haben und heute weiterhin sich für einen demokratischen Sozialismus einsetzen, der weltweit real sich bisher in keiner politischen Ordnung bzw. nationalstaatlichen Struktur realisieren konnte.
Es ist eine schwierige Frage, in der Tat. Aber warum soll sich eine Partei von einer Vergangenheit in toto distanzieren? Die Vergangenheit der SED bzw. der PDS ist ein Teil der deutschen Geschichte. Wichtiger wie Distanz ist die Einsicht, dass der realexistierende Sozialismus ein unfreies und menschenverachtendes System war. Diese Einsicht sollte propagiert werden. Und warum verlangt man ausschließlich von der Linken, sich zu den Fehlern der SED zu bekennen? Warum nicht von den Blockflöten, die "noch unaufrichtiger als die durchschnittlichen Genossen, denn sie schoben sich noch bedenkenloser als jene die kleinen Vorteile zu, deren Austausch für das Funktionieren der DDR-Gesellschaft so wichtig war"? Und sogar den Mauerbau rechtfertigten? Hat sich die CDU (West) heute davon distanziert, dass sie ohne Bedenken nach 45 Funktionäre, Ideologen oder höchste Richter aus der NSDAP übernommen hatte? Gibt es, 20 Jahre nach dem Mauerfall etwa immer noch eine Mauer, die nur einen einseitigen Blick zuläßt?
permalinkIch gebe Olaf Dudek recht. Aber ich ziehe einen anderen Schluss, bezogen auf die Frage: Denn aufarbeiten bedeutet nicht unbedingt distanzieren, sondern kann auch genauso das Propagieren besagter Einsicht, dass der realexistierende Sozialismus ein unfreies und menschenverachtendes System war, bedeuten. Zu dieser Einsicht gehört meines Erachtens aber auch eine Entschuldigung bei denen, die unter diesem System gelitten haben.
Die CDU sollte übrigens nicht nur aufarbeiten, was sie nach '45 gemacht hat, sondern auch ihre DDR-Vergangenheit.
Stimmt, die Frage ist falsch gestellt! Niemand fragt beispielsweise nach der Anzahl der ehemaligen Mitglieder der Blockparteien, die ja auch gleichgeschaltet waren, die eventuell später in der FDP, CDU oder SPD aufgenommen wurden. Mal abgesehen von Konrad Adenauers Maxime: Für jeden neu eingestellten Beamten, einen rehabilitierten ehemaligen NS-Beamten einzustellen, wenn ich mich recht erinnere, dies mal gelesen zu haben. Und was ist mit der CSU, die ja von dieser Maxime profitierte? Gab es in der damaligen "Persilschein - Partei" überhaupt irgendeine Art von Aufklärung? Ich kann mich nicht erinnern!?
Ausgabe 11/10
18.03.2010
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