Kultur

Film | 18.06.2009 16:15 | Steve Rose, The Guardian

Der berühmteste Österreicher seit Hitler

"Brüno" hießt der neue Film von Sascha Baron Cohen, der in den USA schon zu sehen ist. Es ist wohl sein letztes Undercover-Comedy-Projekt

Bei Sacha Baron Cohens Borat sah es so aus, als sei es ein Kinderspiel, Amerikaner zu verarschen. Seine neue Figur Brüno im gleichnamigen Film versucht das gleiche, doch seine Opfer sind etwas klüger geworden. Es handelt sich im Grunde um den gleichen Film mit einer anderen Hauptfigur. Wo aber Borats charmante Naivität die Amerikaner keinen Argwohn schöpfen ließ, führt Brünos schrill zur Schau gestellte Homosexualität bei ihnen oft einer abwehrenden Haltung. Hinzu kommt, dass die Leute Cohen jetzt kennen und wissen, wie er arbeitet. Er und seine Leute mussten sich entsprechend größere Mühe geben, um ihr Material zusammen zu bekommen und es gibt auch weniger öffentliche Spontaneinsätze und bedauerlicherweise nichts, was an Borats hervorragende Ringkampf-Szene heranreichen könnte.

Die Handlung: Nachdem er aus seiner Modesendung Funkyzeit im österreichischen Fernsehen geflogen ist, macht Brüno sich auf in die Vereinigten Staaten, um „der berühmteste Österreicher seit Hitler“ zu werden. Wir man sich denken kann, gerät er hierbei in einige der denkbar unangenehmsten Situationen: wenn er zum Beispiel versucht, den verwirrten republikanischen Kongress-Abgeordneten Ron Paul zu verführen oder einem Evangelikalen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Schwule zu heilen, sagt, er habe „Blowjob-Lippen“ oder aber in vom Kassidismus inspirierten Hotpants durch den ultra-orthodoxen Stadtteil Jerusalems geht. Und wie sein Vorgänger schafft es auch Brüno, Nichtsahnende zu zweifelhaften Dingen zu verleiten. So bringt er Latoya Jackson dazu, Sushi vom Körper eines nackten mexikanischen Gärtners zu essen oder Mütter aus dem Showgeschäft dazu zu überreden, ihre Kinder als Nazis zu verkleiden.

Jenseits der Blödeleien ist Baron Cohen ein erstaunlicher politischer Provokateur, der es auf geniale Weise schafft, ernsthafte gesellschaftliche Themen anzusprechen und gleichzeitig seinen Exhibitionismus auszuleben. Brüno ist am lustigsten, wo er politisch inkorrekt ist. So gibt es eine schwer zu ertragende Szene, in der er  vor den Augen eines Hellsehers pantomimisch dem Geist eines verstorbenen Milli Vanilli-Mitgliedes einen bläst, unterbrochen von Bildern extremer homosexueller Sexualpraktiken. Manches davon ist saukomisch. Es fällt allerdings schwer zu sagen, ob Cohen homophobe Einstellungen damit verspottet oder vielmehr perpetuiert.

Wie dem auch sei, vieles rettet er schlicht und ergreifend durch seine großen komödiantischen Fähigkeiten. Er ist zu einem solchen Star geworden, dass es ihm schwer fallen dürfte, diese Art von Undercover-Comedy noch einmal zu wiederholen. Aber das braucht er auch gar nicht.
 

Übersetzung: Holger Hutt
 
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