Kultur

Kino | 11.02.2010 15:00 | Gerhard Midding

Gespür für das Unschickliche

Der Film „Max Manus“ von Espen Sandberg und Joachim Rönning erzählt die Geschichte, des gleichnamigen norwegischen Widerstandskämpfers zu Zeiten der Nazi-Besatzung

Seit der Stummfilmzeit ist das skandinavische Kino berühmt dafür, der Landschaft und Witterung die komplexesten erzählerischen Zuständigkeiten anzuvertrauen. Die Natur ist Schicksal, fungiert als Spiegel der Leidenschaften. Sie birgt das Versprechen von Läuterung und Selbsterkenntnis. Die Szenerie ist dabei eher majestätisch als erhaben, denn die Bildkomposition sucht traditionell ein menschliches Maß, stellt eine enge Beziehung zu den Figuren her. Heute suchen skandinavische Regisseure meist eine andere Perspektive: die des Helikopterflugs. In einschlägigen Fernsehkrimis und in den Stieg-Larsson-Verfilmungen versenken sie ihren Blick aus luftiger Höhe auf düstere Seelenlandschaften.

Im norwegischen Kassenschlager Max Manus gewinnt diese inszenatorische Floskel den Charakter einer patriotischen Inbesitznahme: Er handelt von der Verteidigung des Territoriums gegen die deutschen Besatzer. Der Titelheld ist Norwegens größter Held des Zweiten Weltkriegs und wurde hoch dekoriert. Es ist verblüffend, dass er bisher nie zum Gegenstand einer Filmbiografie wurde, derart tollkühn und aufsehenerregend waren seine Taten. Thomas Nordseth-Tillers Drehbuch basiert auf Manus’ Lebenserinnerungen, konzentriert sich auf die Zeit vom April 1940, dem Einmarsch der Nazis, bis zum Kriegsende.

Nach seiner Heimkehr aus dem finnischen Winterkrieg, wo er im Kampf gegen die Sowjetarmee verletzt wurde (was in ausgiebigen Rückblenden zu einem Trauma deklariert wird), schließt Max (Aksel Hennie) sich einer Widerstandsgruppe an. Als die Zelle auffliegt, rettet er sich mit einem beherzten Fenstersprung aus dem Gewahrsam der Gestapo. Die Flucht lässt ihn zur Legende werden, sein Ruf eilt ihm bis nach Schottland voraus, wo er mit seinem Freund Gregers Gram (Nicolai Greve Broch) als Spezialist für Sabotage an Schiffen ausgebildet wird. Die Aktionen der „Oslo-Bande“ richten derart großen Schaden an, dass die Gestapo sich zu immer brutaleren Repressalien gezwungen sieht. Die größte Bewährungsprobe der Gruppe soll die Sprengung des Tankers „SS Donau“ sein.

Mit ihrem Kinodebüt, dem flauen Penelope-Cruz-Salma-Hayek-Vehikel Bandidas, haben sich die Werbefilmer Espen Sandberg und Joachim Rönning nicht unbedingt für eine solch staatstragende Aufgabe empfohlen. Ihr Film mutet allerdings rechtschaffen anachronistisch an; es gebricht ihm am Flair ironischer Revision. Bei aller Konventionalität beweisen sie indes ein Gespür für das Unschickliche. Die Tableaus von schneidig lächelnden Widerstandskämpfern vor malerischen Stadtpanoramen und die vom Gegenlicht weichgezeichneten Impression des Wohllebens im Exil streuen den Sand des Unangemessenen ins Getriebe der Heldengeschichte.

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Max und seine Kameraden gehen als aufrechte Dandys an ihr gefährliches Werk, ihr selbstgewähltes Mandat birgt auch die Verlockung der Verantwortungslosigkeit. Sie empfinden eine bübische Freude am Gelingen. Max Manus möchte ein Abenteuerfilm sein mit dem grimmigen Leichtsinn der Anti-Nazi-Filme, die Raoul Walsh einst mit Errol Flynn inszeniert hat. Max wird zwar von dem Schuldgefühl geplagt, überlebt zu haben, darf aber ein ungebrochener Held bleiben. Um sich die Integrität eines Jungentraums zu bewahren, muss dieses Widerstandsdrama freilich in einem Krieg spielen, der so ist wie andere auch: Dass die „SS Donau“ zur Deportation von Juden diente, verschweigt der Film geflissentlich.

 
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Kommentare
Beste Einrichtung schrieb am 12.02.2010 um 23:07
Wir sind nicht Dänemark. Wir sind nicht Schweden. Aber das sich kein deutscher die letzten 30 Jahre hat blicken lassen um mal über die Besetzung (Aktion Weserübung) auszulaszlassen - wir reden hier nicht von einem Kniefall - ist ein Skandal in Norwegen. Keiner hier redet davon, keiner würde sich anmassen das zu fordern, vereehren wir doch den Musterschüler so sehr dass wir alles kaufen was aus Deutschland kommt (es ist gut), aber sind wir so ein Pfurtz? Sind wir unwichtiger als Polen, Jugoslawien, Israel, England, Frankreich, USA, Tschechien, Niederlande, Belgien, Dänemark,.. . Was ist los? Hat "Deutschland" nicht naive norweger aufgehängt weil sie vom Berg nach unten auf deutsche Truppen schossen, in der Hoffnung sie, die deutschen überlegen sich das noch mal anders mit der "Bestzung Norwegens"? Wurden sie nicht aufgehängt "Ich schoss auf deutsche" diese einfachen Idioten? Selbst wenn man der Ansicht ist, das gehört zum Weltkrieg in dem man (deutsches Militär) die nötigen Schlüsse zieht, ist es ein Ehrabschneidendes Unrecht wie man Norwegen (nicht) behandelt. Wir brauchen kein Geld von euch, wir hatten keine Juden die ihr suchtet. Wir standen selbst den Engländern skeptisch (besetzung Islands) gegenüber. Aber nach allem, war mal ein Willi Brand hier und sagte "Tschuldigung". Sonst niemand! Nie. Deswegen sind wir 4 millionen (Berlin hat 5mil?) sehr strange drauf. Also wundert euch nicht! Wir können auch anders. Unser King ist Manchester United. Nicht Werder Bremen. Das war mal anders. Max Manus, das Unschickliche wünschte ich weg. Aber die Leute hier sind weiterhin nicht gut auf euch zusprechen. Jawoll.


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