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Kultur : Der letzte Vorhang

Cam Archers "Shit Year" ist ein Film vom Ende, sein Titel bezeichnet den Zeitraum eines Übergangs, der nicht selbstbestimmt ist. Doch der Weltschmerz bleibt zu unbestimmt

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Wer Ellen Barkin in Cam Archers Film Shit Year sieht, muss mitunter an Cameron Diaz denken. Weil es eine gewisse Ähnlichkeit zwischen beiden Schauspielerinnen gibt, vor allem aber, weil die Jahre, in denen Barkin in Hollywood der Star des Jetzt war, schon so weit zurückliegen, dass in der Zwischenzeit die jüngere Diaz an jenen Punkt ihrer Karriere gelangen konnte, an man dem anfängt, sich an sie erinnern zu müssen.

Shit Year ist ein Film vom Ende, sein Titel bezeichnet den Zeitraum eines Übergangs, der nicht selbstbestimmt ist: Das letzte Stück abgespielt, die jüngste Beziehung zerbrochen, das Fernsehinterview fragt nach Lebensbewertung, und der Agent der Schauspielerin Colleen West, die Barkin hier spielt, hat ihr eine Art Kündigungsschreiben überreicht.

Ob diese Perspektive auf die Arbeitsbedingungen in einem Geschäft – das in erster Linie seine führenden weiblichen Angestellten beständig verjüngt, um an Verführungskraft im Moment, gerade eben jetzt, nichts zu verlieren – in ihrer Ausschließlichkeit so stimmig ist, mag dahingestellt sein. Schon die Besetzung mit Barkin als einem Meta-Charakter ihrer selbst spricht für den Entwurf.

Liebhaber, nicht toyboy

Der Regisseur Cam Archer wurde zu der Zeit geboren, als Ellen Barkin in Barry Levinsons Film American Diner von sich reden machte, und zwar als Frau in einer Runde von Jungs (Mickey Rourke, Kevin Bacon), die Anfang der achtziger Jahre zu einer Gruppe von Jungs (Matt Dillon, Tom Cruise, Rob Lowe) gehörten, die das Männerbild in Hollywood erneuerten. Aus der Distanz macht sich Archer, der 2006 mit Wild Tigers I have known debütiert hatte, ein eigenes Bild.

Shit Year ist keine Hommage, die sich als Erzählung von einer gealterten Diva in die Muster des Auf und Ab und damit in die Konjunkturen Hollywoods fügen würde. Colleens Liebesbeziehung zu dem wesentlich jüngeren Darsteller Harvey West, dem der herausfordernd schöne Luke Grimes seinen Körper leiht, inszeniert Archer mit Bedacht: Harvey erscheint als Liebhaber und nicht als toyboy – nicht als jugendliche Trophäe also, die die Chancenlosigkeit Colleens, den Kampf gegen das eigene Alter zu gewinnen, nur um so unerbittlicher hervortreten ließe.

Der Filmemacher verweigert sich einer linearen Erzählung, Archer zerbricht seine Geschichte in Clips, die eher an Szenen im Theater erinnern (das tatsächlich als Altersversorgungsmodell für Filmstars dient) beziehungsweise in ihrem Manierismus, ihrer Abstraktion das Drama nicht erzählen, sondern es variieren.

Undifferenzierte Begeisterungsfähigkeit

Der starke Kontrast der schwarz-weißen Bilder, die mit einem manchmal pathetischen Sinn für Schönheit (vor allem die Unterwasserschwimmbilder) arrangiert sind, als handele es sich bei Shit Year um ein Coffee Table Book, findet sein durchgehendes Motiv in Öffnungen: in Fenstern, Türen, Toren, von denen es gleißend hell aus der Welt in das dunkle Innere der Weltimitationsräume strahlt. Die Schwierigkeiten beim Heraustreten zeigen sich für Colleen am Kontakt mit der Nachbarin in ihrer undifferenzierten Begeisterungsfähigkeit. Oder im Gespräch mit dem alten Freund, der den Rückzug der Schauspielerin aus der Berufswelt als eine Art betrachtet.

Shit Year zeugt von Archers stilistischem Wollen, das aber noch nach einem Grund sucht. Der Weltschmerz, für den die Geschichte vom gefallenen Vorhang eines Schauspielerdaseins die Folie ist, bleibt zu unbestimmt, als dass ein großer Film daraus werden würde.

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