Politik

Iranischer Satellit | 04.02.2009 12:35 | Julian Borger, The Guardian

Neue Sorgen wegen „Hoffnung“

In Washington wird der Start des iranischen Satelliten anders bewertet als in Teheran. Das bleibt nicht ohne Wirkung für den Streit um den US-Raketenschild in Europa

Der erste selbst gebaute Satellit des Iran wurde am Dienstag dieser Woche erfolgreich in eine Erdumlaufbahn gebracht. Der Start von Omid ("Hoffnung") mit Hilfe einer Trägerrakete vom Typ Safir 2 ("Botschafter") stellt aus Sicht der Teheraner Regierung einen Meilenstein auf dem Weg zur Wiedererlangung der Weltmachtrolle Persiens dar. Diese wird dem Land heute, so nimmt man es dort zumindest wahr, vom Westen abgesprochen.

Auch innenpolitisch ist das Ereignis von enormer Bedeutung. Präsident Mahmud Ahmedinedschad wurde dafür gewählt, dass er wirtschaftliche Verbesserungen für die Bevölkerung sowie einen Modernisierungsschub versprochen hatte. Den ersten Teil dieses Auftrages hat er komplett in den Sand gesetzt. Umso wichtiger ist es für ihn, wenn er im Juni wiedergewählt werden will, dass er den zweiten Teil erfolgreich meistert – und dies sowohl in den Augen des einfachen Wählers auf der Straße als auch – in der von Kontrolle geprägten iranischen Demokratie noch wichtiger – in den Augen des obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei.

Westen sieht Zusammenhang mit dem Atomprogramm

Von Washington und anderen westlichen Hauptstädten aus wird der Satellitenstart in erster Linie in Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm gesehen. Die Fähigkeit, etwas ins All zu schießen ergibt, zusammen mit der gefürchteten Fähigkeit, Nuklearsprengköpfe zu bauen in der Summe die Fähigkeit, Nuklearsprengköpfe auf die USA abfeuern zu können. So sehen es zumindest manche.

Aus diesem Grund hat die Aussetzung des Satelliten einen direkten und unmittelbaren Einfluss auf die Debatte über das US-amerikanische Raketenabwehrprogramm. Präsident Barack Obama hat angekündigt, es werde eine Phase geben, in der das Projekt im Lichte der Kritik, es sei unnötig oder würde nicht funktionieren, neu bewertet werden soll. Diese Entscheidung wirkte sich sofort auf das Verhältnis zu Moskau aus, wo man sich durch die geplante Stationierung von Raketenabwehrsystemen in Polen und einem Radarsystem in der Tschechischen Republik bedroht fühlt. Die Bush-Regierung hatte darauf beharrt, das System sei ein Abwehrschild gegen den Iran; Moskau hingegen glaubt, es sei gegen Russland gerichtet.

Die russische Regierung erklärte, im Gegenzug dafür, dass Obama die Sache noch mal überdenken wolle, würden sie mit ihren Plänen zur Stationierung taktischer Raketen in der westlichen Exklave Kaliningrad ebenso verfahren. Das nur eine Woche alte diplomatische Tauwetter ließ Hoffnungen auf ein konstruktiveres bilaterales Verhältnis aufkommen. All dies scheint nun schon wieder in Gefahr.

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Britischer Experte: Verzerrte Wahrnehmung

Christopher Pang vom Royal United Service Institute in London ist der Ansicht, viele Befürchtungen basierten auf einer verzerrten Wahrnehmung und nicht auf Fakten. „Die Iraner haben lediglich sehr rudimentäre Fähigkeiten in einer Technologie bewiesen“, so Pang, „die viel weiter reichende Kenntnisse erfordert.“

Es ist eine Sache, eine beladene Rakete ins All zu schießen und eine vollkommen andere, in der Lage zu sein, diese Rakete auf ein Ziel niedergehen zu lassen. Im kommenden Sommer wird der Iran voraussichtlich so viel schwach angereichertes Uran hergestellt haben, dass es, sollte es in hoch angereichertes Uran umgewandelt werden, für den Bau einer Bombe genügen würde. Dies aber auch zu tun, ohne das die Internationale Atomenergieorganisation IAEA der Vereinten Nationen davon etwas davon mitbekommt, dürfte sich als schwierig erweisen. Zudem müsste dieses Uran dann in einem Sprengkopf untergebracht werden, der klein genug sein müsste, auf eine Rakete zu passen – ebenfalls kein leichtes Unterfangen. Den aktuellsten Einschätzungen der US-Geheimdienste zufolge hat der Iran dahingehende Versuche bereits 2003 eingestellt.

Israel teilt diese Einschätzung nicht und wird die neue US-Regierung auf frühere Warnungen verweisen. Der heutige Satellitenabschuss betrifft Israel allerdings nicht unmittelbar, da der Iran mit dem Test der Shahab-3 Raketen bereits im vergangenen Jahr bewiesen hat, dass er Tel Aviv mit seinen Geschossen erreichen kann. Zu einer Zeit, in der die neue US-Regierung sich durch freundliche Angebote an den Iran um ein wenig Raum zum Luftholen bemüht, wird der iranische Satellitenabschuss der internationalen Diskussion um das Land aber sicherlich neue Befürchtungen hinzufügen.

Übersetzung: Holger Hutt/Zilla Hofman
 
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