Wenn in Verdis Nabucco die Fanfaren ertönen, kann der Opernfreund verfolgen, wie sich die Hebräer vom Joch der babylonischen Gefangenschaft befreien. Welch passender Name für eine Gaspipeline, von der sich die Europäische Union eine Befreiung aus der Gefangenschaft russischer Gaslieferungen verspricht. Mit Fanfaren wurde am Montag in Ankara von den Vertretern der europäischen Anrainerstaaten der Staatsvertrag zum Bau der Nabucco-Pipeline unterschrieben.
Noch ist allerdings ungeklärt, woher das Gas, das ab 2014 durch die Pipeline strömen soll, eigentlich stammen soll. Will man Russland wirklich umgehen, kommt lediglich der Iran als ernstzunehmender Gaslieferant in Frage. Wenige Wochen nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste auf Teherans Straßen lässt sich dies der Öffentlichkeit natürlich nicht so gut verkaufen, weshalb die Beteiligten diesen Punkt auch lieber verschweigen.
Acht Milliarden Euro Kosten
Vom osttürkischen Erzurum aus soll die Nabucco-Trasse über Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis ins österreichische Baumgarten führen, von wo aus das Erdgas auch nach Deutschland weiterverteilt werden kann. Acht Milliarden Euro soll Europa dieses Stück Unabhängigkeit von Russland und unsicheren Transitstaaten wie der Ukraine kosten. Bezahlen wird dies im Endeffekt natürlich der Gaskunde. Momentan bezieht Deutschland rund die Hälfte seines Erdgases aus Russland, der Rest kommt größtenteils aus Vorkommen in der Nordsee, deren Förderquoten allerdings rückläufig sind. Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW gehen daher davon aus, dass sich der russische Anteil bis zum Jahr 2030 auf 75 Prozent ausweiten wird.
Ein solches Angebotsmonopol ist nicht unproblematisch. Die fortwährenden Streitigkeiten zwischen der Ukraine und Russland beweisen stets aufs Neue, wie schnell Europa der Gashahn abgedreht werden könnte, wenn es die Gazprom oder ein Transitland will. Selbst wenn Russland sich als politisch zuverlässiger Lieferant erweisen sollte, so wäre es doch naiv anzunehmen, dass der staatliche Gazprom-Konzern sich dereinst sein Monopol nicht in klingender Münze vergolden lässt.
Fragwürdige Liefer-Kandidaten
Wirtschaftlich vernünftige Alternativen zu russischem Gas oder Gasvorkommen, deren Transportweg nach Deutschland nicht über russisches Territorium verläuft, sind indes rar. Im Fokus der „neuen EU-Ostpolitik“, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel als Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft vor zwei Jahren ausgegeben wurde, standen Länder wie Turkmenistan und Usbekistan, die nicht eben in Verdacht stehen, bei Menschenrechtsorganisationen beliebt zu sein.
Turkmenistan wird auch immer wieder genannt, wenn es um Lieferanten für die Nabucco-Pipeline geht. Wer sich allerdings einmal die Landkarte im Bereich des Kaspischen Meeres anschaut, wird schnell feststellen, dass turkmenisches Gas nur über russisches Gebiet transportiert werden kann, wenn man keine Pipeline durch das Kaspische Meer verlegen will. Dies ist allerdings nicht möglich, da nach gültigem internationalen Recht Russland eine solche „Transkaspische Pipeline“ verhindern kann – und wird. Die möglichen Lieferanten Aserbaidschan und Irak scheiden als Alternative ebenfalls aus. Baku hat mit Russland jüngst Lieferverträge über große Volumina abgeschlossen und die kurdischen Lieferverträge mit österreichischen und ungarischen Versorgern werden von der irakischen Zentralregierung nicht anerkannt.
Europa will keine Verträge mit Achmadinedschad
Wenn die Nabucco-Pipeline ohne russisches Gas wirtschaftlich betrieben werden soll, gibt es nur eine Alternative – und die heißt Iran. Der Iran verfügt weltweit über die zweitgrößten gesicherten Erdgasreserven – zusammen mit Katar, mit dem sich der Iran die Förderrechte am größten bekannten Erdgasfeld der Welt teilt, übersteigen die Reserven sogar die Russlands. Wenn die EU also ernsthaft eine langfristige Alternative zu russischem Gas sucht, so kann sie diese nur im Iran finden. Eine Pipeline über die Türkei würde auch unsichere Transitstaaten wie Georgien und die Ukraine außen vor lassen und wirtschaftlich eine echte Alternative zum Gazprom-Monopol bilden. Das einzige Problem an dieser Alternative ist die iranische Regierung. Diese würde nur allzu gerne Gas nach Europa liefern – aber Europa will mit dieser Regierung keine Verträge schließen, nicht zuletzt auf Druck der USA. Wer per Embargo eine wirtschaftspolitische Hebelwirkung auf die iranische Politik ausüben will, sollte sich natürlich nicht in Abhängigkeit gegenüber Iran begeben.
Als Nabucco noch in den Kinderschuhen steckte, war Iran von vornherein als Hauptlieferant eingeplant. Erst die Intervention der Regierung Bush lenkte das Augenmerk der Nabucco-Planer auf das Kaspische Meer. Wenn Europa in Energiefragen wirklich unabhängig von Russland werden, und keine Geschäfte mit undemokratischen Staaten machen will, so kann die Alternative nur heißen: Weg vom Gas und weg vom Öl. Statt acht Milliarden Euro in eine Pipeline zu stecken, hätte man das Geld auch in die alternative Energieforschung investieren können. Dann hätte man für die Zukunft eine echte Alternative.
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Iranisches Öl durch die Opern-Pipeline, das ist wahre Völkerverständigung. Okzident und Orient gehen Hand in Hand und der russische Bär kratzt sich am Kopf, denkt nach und investiert in Sonnenenergie in der Sahara. Auch das eine Form von Völkerverständigung.
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Na, dann kann Deutschland ja endlich unter dem Primat der Energiesicherheit 2050 aktiv an einen RegimeChange mitwirken. Heute hat die deutsche Industrie statt Blut und Boden Demokratie im Tornister. Und Krieg wird es auch nicht genannt. Wenn das der Führer noch hätte erleben dürfen.
Der Vorschlag, das Geld in alternative Energien zu stecken ist genau richtig und muss permanent eingefordert werden. Da wird man, um gegen die Lautsprecher der Energiekonzerne durchzudringen, auch wohl etwas energischer werden müssen. |
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auch wenn es so sachlich ist...
bis 2014 sind es noch fünf jahre. zeit für sehr dynamische entwicklungen. gerade in dieser region der welt, gerade im iran. so kommt 2014 der iran mit anderer politischer ausrichtung durchaus als lieferant in frage. auch keine frage. acht milliarden in alternative energieträger/energienutzung zu investieren wäre (ist) richtig. allerdings werden ergebnisse eher nicht in 2014 für vorhande die breite infrastruktur zur verfügung stehen. (ausnahme biosgas ins bestehende gasnetz einzuleiten) so braucht energiepolitische realpolitik eben alles. absicherung und stabilisierung des status quo, konsequente nutzung des möglichen und investitionen in die hoffentlich nähere zukunft - plus (oder) inklusive energie sparen. entweder oder ist m.e.n. die falsche forderung. |
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Dass zur Zeit nur mit relativ „kleinen“ Gasmengen gerechnet werden kann, die eventuell ab 2014 durch die Nabucco-Pipeline fließen sollen, ist doch nicht zuletzt den Investoren bekannt. Dass diese die Investitionssumme von ca. 8 Mrd. Euro nicht abschreckt, sollte niemanden wundern. Die 400 Mrd. Euro für das geplante Solarkraftwerk in der nordafrikanischen Wüste werden als „darstellbare Summe“ bezeichnet, die sich angesichts sonstiger Infrastrukturprojekte ohnehin „relativieren“ (von Bomhard, Münchner Rück). Ich denke, es ist eine konkrete Option, die hier in Stellung gebracht werden soll, mit der auf eventuell eintretende politische Veränderungen und Entwicklungen der potenziellen Fördermengen schnell reagiert werden kann. In den USA (dort wurden 2008 582 Mrd. cbm Erdgas gefördert, im Iran 116 Mrd. cbm) haben sich die nachgewiesenen Gasreserven von 2006 bis Ende 2008 um immerhin 35 Prozent (!) erhöht: aufgrund neuer Bohr- und Gewinnungstechniken (vgl. FTD, 3.7.09: Bohren am Limit). Klimapolitisch ist das alles eher eine ernstzunehmende Drohung!
Die Alternative könne nur heißen, meint nun der Autor: „Weg vom Gas und weg vom Öl. Statt acht Milliarden in eine Pipeline zu stecken, hätte man das Geld auch in die alternative Energieforschung investieren können.“ Das klingt erst mal gut, ist aber zu schlicht gedacht. Das Primat einer zukunftsfähigen Energiepolitik heißt Energieeinsparung. Dazu sind keine neuen Forschungen nötig. Die weitergehenden Konzepte zur energetischen Gebäudesanierung (Raumwärme: Gas!) liegen fertig in der Schublade und finden sich auf den diesbezüglichen Seiten im Internet. Wenn also zu Beginn des Artikels kritisiert wird, dass die erforderlichen Gasmengen für einen wirtschaftlichen Betrieb der Pipeline nicht zusammenkommen, kann ich nur antworten: gut so! Allerdings kommen auch die Übergangs-Szenarien, die den Weg zu einer ökologisch verträglichen Alternative bahnen sollen, nicht ohne effiziente Gaskraftwerke aus. Jetzt, in dieser konkreten Situation zu fordern, „weg vom Gas“, ist wiederum zu billig. |
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Iran als Deutschlands Gaslieferant, vielleicht hab ich was übersehen oder der Beitrag läuft unter Satire aber ansonsten ist es doch eher ein Scherz,oder? Gas aus Russland ist schon eine ziemlich heikle Sache aber dann gleich von den Mullahs??? Was mit dem Satz, dass die Gas-Kunden am Ende die Gas-Röhre bezahlen gemeint? Ich schätze dass immer die Kunden die Investitionen durch die Ware bezahlen. Haut die Investition danenebn, fällt der Anbieter auf die Nase, kommts beim Kunden an, wird die Investition plus Gewinn über den Verkaufspreis reingeholt, oder? Ist glaub ich das normalste der Welt. Oder gehts im Beitrag nebenbei um Kapitalisten Schelte?
Den Kommentar von Ellhard Behrends finde ich gut, vor allem der Hinweis mit dem Riesen Potenzial zum Energiesparen. |
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