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Politik : Kokain braucht Fair-Trade

Wer Tee aus dem Eine-Welt-Laden trinkt und danach eine Line zieht, ist ein widerlicher Heuchler. Er unterstützt ein tödliches Geschäft. Die Alternative: Legalisierung

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Es sah aus, als fiele der erste Regentropfen in der Wüste der Drogenpolitik. Vor einem Monat sprach Antonio Maria Costa, Exekutiv-Direktor des UNO-Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung, aus, was Millionen liberal gesinnter Leute sich zu hören gesehnt hatten: "Die Strafverfolgung sollte den Fokus weg von den Drogenkonsumenten und hin zu den Drogenhändlern richten ... Menschen, die Drogen nehmen, brauchen medizinische Hilfe, keine kriminalrechtliche Strafen." Die Drogenproduktion solle weiterhin illegal bleiben, Besitz und Konsum hingegen entkriminalisiert werden. So mancher prostete ihm dafür mit Pfefferminztee und – vielleicht ja auch einem feierlichen Joint - zu. Ich nicht.

Ich glaube, es sollte informierten Erwachsene erlaubt sein, sich jedes Leid zuzufügen, nach dem ihnen ist - wohlgemerkt, sich selbst. Es steht uns aber nicht zu, anderen Menschen zu schaden. Ich kenne Leute, die Fair-Trade-Tee und Kaffee trinken, regional kaufen und auf Partys Kokain nehmen. Es sind widerliche Heuchler.

In Kolumbien führt das Kokain jährlich zum Tod von 20.000 Menschen und dazu, dass mehrere hunderttausend Menschen ihr Zuhause verlieren. Kinder werden von Landminen in die Luft gejagt, Angehörige indigener Volksgruppen versklavt, Dorfbewohner gefoltert und getötet, Regenwälder abgeholzt. Man würde weniger menschliches Leid verursachen, wenn man, statt sich auf Medien-Partys diskret auf die Toilette zurückzuziehen, auf der Straße jemanden überfallen und ausrauben würde. Doch die gegenkulturelle Gemeinschaft scheint moralischen Fragen gegenüber taub zu machen. Wenn das Kommissionieren von Mord, Folter, Sklaverei, Bürgerkrieg, Korruption und Entwaldung kein Verbrechen ist, was dann?

Prohibition oder Legalisierung?

Ich rede hier von Drogenkonsum aus eigenem Willen, nicht von Sucht. Ich kann keine vergleichbaren Zahlen für Großbritannien ausfindig machen, doch in den USA beträgt das Verhältnis von Gelegenheits-Kokainkonsumenten zu Süchtigen 12:1. Ich stimme vollkommen zu, dass Süchtige nicht der Strafverfolgung ausgesetzt sein, sondern Hilfe erhalten sollten. Ich würde mir in Großbritannien die Wiederaufnahme eines Programms wünschen, dass 1971 nach einer Hexenjagd durch die Boulevardpresse eingestellt wurde: Bis dahin hatten alle Heroinabhängigen Anspruch auf sauberes, legales und von Ärzten ausgegebenes Heroin. Kokainsüchtigen sollte das Angebot auf stationären Entzug offen stehen. Doch, auf das Risiko hin, den Grossteil der Leser vor den Kopf zu stoßen, lasse ich nicht von der Auffassung ab, dass Gelegenheitskonsum dem Strafrecht unterliegen sollte, solange das Kokain illegal ist. Die Entkriminalisierung der Produkte von Verbrechen vergrößert den Markt für den kriminellen Handel.

Wir haben die Wahl zwischen zwei Strategien. Der erste wäre, die weltweite Prohibition aufrecht zu erhalten, Süchtigen aber zu helfen und Gelegenheitskonsumenten strafrechtlich zu verfolgen. Dies würde bedeuten, dass der Drogenhandel kriminellen Banden vorbehalten bliebe. Es würde die weitere Ausbreitung von Verbrechen und Instabilität rund um den Globus begünstigen und mit sich bringen, dass Betäubungsmittel weiter mit schädlichen Fremdstoffen gepanscht würden. Wie Guardian-Journalist Nick Davies bei seiner //www.guardian.co.uk/drugs/davies/0,,962250,00.html">Untersuchung aktueller Drogenpolitik

George Monbiot ist britischer Journalist, Umweltschützer und politischer Aktivist. Er schreibt wöchentlich eine Kolumne im Guardian. Mehr Links zu diesem Artikel auf seiner Website monbiot.com

Übersetzung: Zilla Hofman

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