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Politik : Warlords unter sich

Kurz vor der Präsidentenwahl kehrt der usbekische Milizen-Führer Rashid Dostum nach Afghanistan zurück und stärkt Hamid Karsai, dem letzte Umfragen 45 Prozent geben

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Präsident Hamid Karsai ist entschlossen, Washingtons AfPak-Strategen mit seiner Wiederwahl einen fetten Strich durch die Rechnung zu machen. Seine Chancen stehen gut. Nach jüngsten Umfragen, die es gegen Ende der Wahlkampagne plötzlich gibt, liegt er mit 45 Prozent klar in Führung vor dem aufgepäppeltem Favoriten der Amerikaner, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah, der es trotz massiver Patronage nur auf 25 Prozent bringt. Unter dieser Marge bleibt Ex-Finanzminister Ashraf Ghani, den Washington im Falle eines Sieges von Abdullah gern als – von der Verfassung bisher nicht vorgesehenen – Premierminister installieren möchte. Die erforderliche 51-Prozent-Marke, die ihm eine Stichwahl ersparen würde, erreicht Karsai derzeit nach den Erhebungen zwar nicht, doch hat er seine Bilanz zuletzt entscheidend verbessert. Vor wenigen Tagen kehrte sein mächtiger Alliierter, der ehemalige usbekische Milizen-Führer, General Abdul Rashid Dostum, aus seinem türkischen Exil nach Mazar-i-Sharif zurück, um seine Partei, die Jumbish-e-Milli, vor einer sich abzeichnenden Spaltung zu bewahren und teilweise ins Abdullah-Lager abzugleiten. Dostums Präsenz wird als entscheidende Rückenstärkung für Karsai gewertet.

Hoffnung der Amerikaner

Trotz bester Karten hängt Karsais Sieg am seidenen Faden. Die Taliban haben geschworen, die Wahl zu verhindern, wo immer ihnen das möglich ist. Es dürfte eine Kraftprobe bevorstehen, die sich in den vergangenen Wochen bereits in einer Reihe schwerer Anschläge ankündigte, darunter dem Selbstmordanschlag vor dem NATO-Hauptquartier in Kabul am 15. August. Unklar ist noch, ob sich die zu erwartenden Gewaltakte gegen die Infrastruktur – also Wahllokale – oder Wähler richten, die dem Boykottaufruf der Taliban nicht folgen. In Flugblättern haben die den “respektierten Bürger” eindringlich aufgefordert, dem Votum, das ein amerikanisches Possenspiel sei, im eigenen Interesse fernzubleiben. Mancherorts fiel die Warnung etwas krasser aus: jeder Finger, an dem sich die nicht abwaschbare Tinte als Zeichen der Wahlteilnahme finde, solle abgehackt werden. Das könnte genügen, die Wahlbeteiligung soweit zu reduzieren, dass Karsai im ersten Wahlgang die Prozente fehlen, um der Stichwahl zu entgehen. Und hier liegt Washingtons Hoffnung.

Sollte ein zweiter Urnengang notwendig sein, wird der kaum vor Oktober stattfinden – und bis dahin kann viel geschehen. Abdullah und Ghani könnten Karsais Legitimation anzweifeln, nach Ende seines Mandates im Amt zu bleiben. Angriffsflächen bietet der Karsai-Clan schließlich zur Genüge – von Opium im Familienbesitz bis zu dem soeben verabschiedeten frauenverachtenden Ehegesetz, das westliche Menschenrechtsanwälte in Rage bringt. Doch die starke Unterstützung, die Karsai in Afghanistan erfährt, lässt sich damit nicht erschüttern, im Gegenteil. Karsai wirft mit dem pünktlich zur Wahl unterzeichneten neuen Gesetz, das schiitischen Männern erlaubt, ihre Frauen durch Nahrungsentzug zu sexuellen Diensten zu zwingen und das Sorgerecht für Kinder nie Müttern, sondern allein Vätern und Großvätern zuspricht, dem Westen ganz bewusst den Fehdehandschuh ins Gesicht. Die demonstrierte Unabhängigkeit von seinen Schirmherren in den USA stärkt Karsais Glaubwürdigkeit in Afghanistan. Und da liegt das Problem, das ihn für Washington so gefährlich macht: seine “Afghanisierung”.

Karsais Verbündete

Karsai klagt die USA an: immer wieder fielen Zivilisten ihren Drohneneinsätzen zum Opfer. Er will in Sachen AfPak-Strategie ein Wörtchen mitreden und betrachtet Verhandlungen mit Taliban und Warlords als innerafghanische Angelegenheit. Zudem hält er sich durch sein enges Bündnis mit den beiden Führern der Nordallianz, Muhammad Fahim Qasim und Muhammad Karim Khalili, alle Türen in Moskau und Teheran offen. Mit Karsai als Präsidenten werden sich Obamas geopolitische Pläne kaum realisieren lassen, will man doch den Krieg und die Konfliktlösung nutzen, den amerikanischen “Fußabdruck” tief und sicher und groß in afghanischen Boden zu drücken! Wie groß? Verteidigungsminister Robert Gates, der die Zusammenarbeit mit der Regierung in Kabul äußerst kritisch sieht, geht davon aus, dass die NATO derzeit in Afghanistan als Partner anerkannt ist, sorgt sich aber, wie lange das so bleiben wird: “Ich mache mir einfach Sorgen, dass wir nicht genau wissen, ab welcher Größe von Militärpräsenz sich dies zu ändern beginnt.”

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