Politik

Wahlkampf | 13.09.2009 22:55 | Jakob Augstein

Duett statt Duell

Wahlkampf gibt es wieder nicht: Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier sind auch im Fernsehen ganz lieb zueinander

Es war langweilig. Man konnte das vorher ahnen. Und nach ein paar Minuten wusste man es. Es ist keine Bewegung in diesen Wahlkampf gekommen, der ja gar keiner ist, der diesen Namen nicht verdient. Diese ist vermutlich die erste Bundestagswahl, die kampflos entschieden wird. Als gebe es keinen Einsatz, um den es sich zu streiten lohnt. Dabei geht es um so vieles: Den Krieg in Afghanistan, die Lehren aus der Krise, die Zukunft der Kernenergie, die Bildungsmisere, die Gesundheitskosten ... Es ist ja nicht so, dass im Land nur eitel Sonnenschein herrscht. Aber die Kanzlerin und ihr Herausforderer haben beherzigt, was ihnen ihre Spindoktoren und die Elite der Berliner Parlamentsjournalisten seit Monaten einflüstern: Das Volk will Frieden - keinen Streit, Harmonie - keinen Dissens, Eintracht - keine Auseinandersetzung.

Wie ein altes Ehepaar standen also Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier vor dem Millionenpublikum der Deutschen und sagten sich Artigkeiten, und wenn ein Schatten die Einigkeit trübte, dann wog der kaum schwerer als die Frage, ob man die Ferien dieses Jahr an der See oder in den Bergen verbringt.

Wie kritisiert man sich selbst?

Sie hatte es leichter: Es genügte ihr schon, keinen Fehler zu machen. Er hatte das schwerere Los, das des Herausforderers: Er musste siegen. Andererseits ging sie mit einem Malus in diese TV-Debatte: Die freie Rede ist ihre Sache nicht und über gewinnenden Charme verfügt sie ebenfalls nicht im Übermaß.

Ihm dagegen schmeichelt der Bildschirm, er füllt ihn sympathisch und glaubwürdig aus. Zu Beginn dieses Fernsehduells hoben sich Vorteile und Handicaps der Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihres Herausforderers Frank Walter Steinmeier wechselseitig auf. Ein fairer Einstieg für einen absurden Abend. Die Kanzlerin konnte ihren Vizekanzler nicht kritisieren, ohne sich selbst eine Blöße zu geben. Und der Vizekanzler konnte nur schwer die Leistungen der Bundesregierung schmälern, an der er selbst beteiligt war. Beiden blieb nur der sonderbare Weg, ihren Wählern zu sagen: Seht her, das war mein Anteil im Gemeinschaftswerk, und wählt ihr mich, dann erhaltet ihr davon noch mehr und Besseres!
 

Spiegel Online bringt die Umfragen von ARD und ZDF nach denen Steinmeier die Erwartungen der meisten Zuschauer übertroffen habe.

Welt.de meldet zwar auch, dass Steinmeier in der Gunst der Zuschauer vorne liegt - will aber dennoch "keinen klaren Sieger" ermitteln können.

ANZEIGE

Stern.de stützt sich auf die Umfrageergebnisse von Forsa, nach denen Merkel die Nase vorn hat, weil sie kompetener gewirkt habe.

Und dann hat Freitag Redakteur Jan Pfaff noch eine kleine Kulturgeschichte des Duells an sich verfasst.

 

Ihm gelang das besser als ihr. Wenn es um die Wirtschaftskrise und die soziale Frage geht, fällt der SPD das Argumentieren leichter. Das gilt für Banker-Boni und Manager-Abfindungen ebenso wie für den Mindestlohn, den es in einer Fülle von europäischen Ländern gibt, gegen den sich die Klientel der CDU mit allen Vieren sträubt. Merkel hatte hier sichtlich Mühe, den Schatten des legendären Parteitags von Leipzig zu verjagen, der sie als Verfechterin neoliberaler Ideologie erlebt hatte. Ihre Beschwörungen der Sozialen Marktwirtschaft klingen darum immer noch seltsam hohl. Das gleiche gilt für die Atomenergie. Die getürkten Gorleben-Gutachten und der Skandal um das Endlager Asse kommen den ausstiegstreuen Sozis gerade recht. Wie sehr hätte man sich angesichts dieser Vorlagen einen Spieler gewünscht, der zu verwandeln versteht. Einen Kämpfer, der im richtigen Moment hart zuschlägt. Einen Redner, der es versteht, sein Gegenüber in Stücke zu sprechen. Steinmeier ist das alles nicht - oder er hat es sich abtrainieren lassen. Steinmeier arbeitet sich brav durch die Themen. Und man wundert sich, dass er sich nicht entschuldigt, wenn er die Kanzlerin kritisiert. Kritisiert er sie überhaupt? Nein. Im ganzen Fernsehduell findet sich kein Moment, da er sie persönlich angreift.

Machtlose Moderatoren

Die Kommentatoren, die in den vergangenen Wochen versucht haben zu erklären, warum Wahlkampf auch ohne Kampf auskommen kann, warum es für die Demokratie nicht nur kein Schaden, sondern ein Nutzen ist, wenn sie ohne Streit abläuft, sie konnten heute Abend das erschütternde, gespenstische Ergebnis dieses neuen Politmarketings sehen.

Da waren die Moderatoren machtlos. Diese freundliche Quadriga, in der nicht einmal Illner und Plasberg, die rauheres Klima gewohnt sind, zu einer Schärfung der Profile beitragen konnten. Was sollen sie auch anfangen mit einer Kanzlerin, die auf den Vorwurf, hier handele es sich ja mehr um ein Duett als um ein Duell, mit dem Satz antwortet: "Ich beantworte die Fragen so, wie ich mir das vorgenommen habe." Und wir als Zuschauer sollten uns fragen: Was fangen wir mit solchen Politikern an?

 
Senden Bookmarken Drucken
Artikelaktionen
Kommentare
mh schrieb am 13.09.2009 um 23:05
was solls. twitter hat es lustig gestaltet und die erwartungen... eigentlich wurden sie erfüllt. kann man da enttäuscht sein?

mfg
mh
Tessa schrieb am 14.09.2009 um 11:45
Darf man da sagen: "Twitter rettet die Einschaltquoten"?

Hätte ich das Duell für den Freitag nicht über Twitter begleitet und ein recht großes Interesse an Politik, ich hätte nach zwei Minuten weggeschaltet.

Bei twitter überschlugen sich kurz nach Duell-Ende die Jubelrufe aus dem SPD-Lager.
Und so ist es vielleicht wie bei der letzten Wahl, dass Schröder im TV-Duell noch einmal SPD-Wähler aktivierte, denen die Wahl bis dahin egal schien.

Ich glaube aber, dass weder Merkel noch Steinmeier Wähler mit anderer Parteineigung oder völlig Unentschiedene für ihre Partei haben "begeistern" können.

Von der Obamania, die auch die deutschen Parteien zur USA-Wahl infiziert hat, ist wenig zu spüren. Amerikanische Freunde von mir äußersten sich ob der rhetorischen Armut des Duelles außerdem sehr verwundert, wen denn unsere großen Parteien als Spitzenkandidaten ins Rennen schicken.
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 13:39
Zur Obamania, die auch Anna weiter unten zum Vergleich heranzieht, stand gestern ein Beitrag auf Seite 12 der FAS mit einem irgendwie artverwandten Titel:

"Reden statt regieren"

Matthias Rüb ist aufgefallen, dass Obama seit seinem Amtsantritt im Januar 120 Reden gehalten hat - für einen US-Präsidenten extrem viel. Die Umsetzbarkeit vieler seiner Vorhaben ist im selben Zeitraum dagegen zweifelhaft.

Unstreitig ist nach wie vor, dass er umsetzen will, was er angekündigt hat - aber kann er das mit der politisch jedenfalls noch nie alleinmaßgeblichen Methode charismatischer Rhetorik?

Sein Rennen bleibt weiterhin spannend. Aber die Schwachstelle ist offensichtlich.

Merkel und Steinmeier haben in ihrem persönlichen Politikstil genau da ihre Stärken, wo er seine Schwäche hat - und da ihre Schwäche, wo er seine Stärke hat. Letzteres ist so augenfällig, dass unsere US-Freunde oder wie selbst leicht das andere übersehen.
mh schrieb am 14.09.2009 um 15:29
ich war mehr am schreiben, als ich effektiv geschafft hätte da viel zu lesen, aber das zeugs am rande, die teils bissigen kommentare und das geschimpfe ... es hatte etwas von einer arena an sich und ja, in dem sinne hat es merkel wie auch steinmeier definitiv die einschaltquoten erhalten.

nüchtern betrachtet, war es selbst für einen polittalk recht lahm und wären die moderatoren nicht ständig auf konfrontation aus gewesen, dann wäre da absolut gar nichts nennenswertes passiert.

von obama halte ich allerdings zu wenig, um behaupten zu können dass ich da ne obamania sehe. er hat sich gut verkauft, hat die möglichkeiten optimal genutzt .. aber er ist halt auch ein quatschkopp. amis stehen auf sowas, die deutschen nicht. der deutsche ist mehr so n steinmeier und weltoffen wie die merkel.^^
Anette Lack schrieb am 14.09.2009 um 15:43
@ ChristianBerlin:

"Obamania...Merkel und Steinmeier haben in ihrem persönlichen Politikstil genau da ihre Stärken, wo er seine Schwäche hat - und da ihre Schwäche, wo er seine Stärke hat. Letzteres ist so augenfällig, dass unsere US-Freunde oder wie selbst leicht das andere übersehen."

Genau das ist deutsche Rhetorik: Die Amis sind oberflächlich, dagegen, wenn die Deutschen Freundschaften schließen, sind die für immer... oder so ähnlich.... So gefallen wir uns - bzw. mir gefällt das nicht. Weil das fadenscheinige Entschuldigungen für diese negative, träge Grundhaltung in diesen Land sind, die mich ank...., mit Verlaub.

Dass Obama einiges nicht so (schnell) umsetzen kann, wie er will, liegt doch wohl eher an den massiven Widerständen gewisser Gruppen, wie sich anhand der Gesundheitspolitik gerade gut beobachten läßt.

Dass Steinmeier und Merkel wenig reden, stattdessen handeln - glaubst Du das wirklich?! Wo, bitte?! Die reden nicht, handeln nicht, und haben sich`s in ihrem Bratkartoffelverhältnis so richtig gemütlich eingerichtet. Zum-aus-der-Haut-fahren!

@MH:

Empörung ist ein wichtiger Antrieb - resp. Wut - um etwas zu verändern.

"aber er ist halt auch ein quatschkopp. amis stehen auf sowas, die deutschen nicht. der deutsche ist mehr so n steinmeier und weltoffen wie die merkel.^^"

Klar, wenn jemand reden kann, ist er gleich ein "Quatschkopp". Du passt gut nach Hamburg, hier nennen die Leute jemanden, der eloquent ist, "Schnacker".

Die Deutschen nicht? Ich schon. Habe allerdings auch andere Wurzeln, vielleicht liegts daran. Blender erkenne ich - aber reden und überzeugen und mitreissen können halte ich für eine Begabung - keinen Makel.

Genau - "der" Deutsche steht mehr auf Steinköpfe und Leute wie Merkel. Offensichtlich, um mal polemisch zu werden.

Wobei Steinmeier anders kann, aber sich nicht traut - s. JA´s Kommentar unten.
mh schrieb am 14.09.2009 um 16:06
also wenn ich mir anschaue, was von den groß angekündigten finanzmarktreformen des obama übrig geblieben ist .. dann find ich quatschkopp noch milde formuliert.

bei der gesundheitsreform lässt er sich auch grad schön zerfleddern.

vielleicht tröstet es dich, dass ich ihn auch vor seiner wahl schon so titulierte. das hat weniger mit mißtrauen, sondern mehr mit erfahrung zu tun .. bestätigt wird sie allemal, da helfen auch keine datteln.

ich sag auch nichts gegen empören, doch wo sollte es sich denn hier lohnen? zwei stocksteife politpalaverer, die genau das tun was sie nun seit 4 jahren tun, soll man dies nun wegen eines rededuells vorwerfen, bei dem sie ihrer linie treu geblieben sind?

also da wüsst ich nun wahrlich 1000 bessere dinge, die empören können. also dinge zum anfassen bzw. die einen direkt, als mensch, betreffen.

bei denen ist das einfach nur vergebene liebesmüh. das system verändert das sicher nicht. ansonsten hatte ich es ja ausdefiniert..

mfg
mh
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 18:17
@Anna Dorothea

Das Wort "Handeln" ist ja doppeldeutig und kann falsche Assoziationen wecken. Ich habe es deshalb benutzt - und bin trotzdem missverstanden worden. "Handeln" können die beiden sehr wohl - wie auf einem orientalischen Basar nämlich.

Frau Merkel hat kurz nach dem Scheitern des D.A. begriffen, dass Politik die "Kunst des Möglichen" ist. Seitdem achtet sie darauf, Meinungen und Richtungen zu orten und tragfähige Bündnisse zu schmieden, mit denen sich im Konsens etwas umsetzen lässt. Sie bindet Kräfte zusammen und steuert dabei.

Ihre Tragödie ist, dass keiner so genau weiß, wofür sie eigentlich steht, sie selbst vielleicht am wenigsten. So etwa hatte ich sie hier mal zu beschreiben versucht und dabei fast nur eigene Äußerungen von ihr wiedergegeben.

Von Steinmeier fehlen mir solche Äußerungen, aber er muss ähnlich gestrickt sein. Sonst würden die beiden sich nicht so gut verstehen. Dass er auch anders kann, ist mir neu. Hat JA das wirklich beobachtet? Ich hatte das eher für Wunschdenken gehalten - was ich ja gut verstehen kann.
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 18:19
Uuuups, ein "nicht" fehlte da.
mh schrieb am 14.09.2009 um 18:28
JA dürften die kurzen und knappen sätze erstaunt haben, die man von einem steinmeier so bisher nicht kannte. das ist antrainiert, also keine wirkliche veränderung. aber er kann es nun halt, das ist dann irgendwie anders.

mfg
mh
Streifzug schrieb am 14.09.2009 um 20:22
@MH120480,

du bist so knapp vor der Lösung: "die kurzen und knappen sätze".

Es war nicht Steinmeier, es war Müntefering in der Maske von Steinmeier.

Wer war Merkel?
Anette Lack schrieb am 15.09.2009 um 10:52
@ MH:

Danke fürs Erklären, wo ich die sachliche Ebene mal kurz verlassen habe (ich bin für Obama in die Achterbahn gestiegen, Du erinnerst Dich? Das hätte ich für nur sehr wenige getan - klar, dass ich da wenig Spass verstehe :))

Merkel und Steinmeier sind, wie sie sind bzw. wie Du sie beschreibst. Von Steinmeier hatte ich mir allerdings mal mehr versprochen. Die "Dienstwagenaffäre" hat er nicht souverän gehandled, und auch sonst... Das die SPD so in den Keller gerutscht ist, hat ihm wohl einen ziemlichen Dämpfer in Auftreten und Denken verpasst. Dabei: Think big! Auch so was, was wir von den Amis lernen können... Andrerseits: Erinnern wir uns an Schröder in der letzten Elefantenrunde nach der Bundestagswahl... Peinlich, peinlich.

Empörung: Was lohnt Deiner Meinung nach die Empörung? Dass wir drei wichtige Briefe (darunter einen mit Geld, einen mit einem lukrativen Auftrag (der dadurch perdu ging) und eine Buchsendung) nicht bekommen haben, weil die Post hier nur noch 3mal in der Woche kommt? Und auch nicht in Regress zu nehmen ist, sondern sich rausredet? Darüber kann ICH mich nicht mehr empören. Ich stell mir einfach vor, ich lebte in Ägypten oder Aserbaidschan... Da wäre das normal. - Vielleicht sollten wir alle, auch hinsichtlich unserer Kandidaten hier, mehr RELATIV denken? Wenn wir z.B. in Iran oder Russland lebten - da wären wir jetzt wahrscheinlich begeistert!

@ ChristianBerlin:

Ebenso der erste Satz in meinem Kommentar an MH - und ebenso danke fürs Erklären. Das mit dem Handeln hatte ich tatsächlich so nicht verstanden.

Die Eigenschaften, die Du Merkel da zusprichst, sind durchaus auch Stärken - wenn Du das mal mit dem Egomanen Schröder vergleichst. Der schmiedete auch Bündnisse, aber natürlich nie auf Augenhöhe. Und, angenehm ist in jedem Fall das Fehlen dieser Eitelkeit, dieser testosterongesteuerten Breitbeinigkeit Schröders, die gern von ihm als Tatkraft verkauft (und von vielen auch so angesehen) wurde.

Nur dürfte sie sich nicht darauf beschränken. Das aber tut sie und verkauft es als Leistung. Hier bräuchte sie mehr Mut zur Entscheidung. Gerade jetzt.

Herzlich, Anna
mh schrieb am 15.09.2009 um 11:23
ich bin kein freund des relativen, da es im vergleich immer genug gibt, denen es schlechter geht, damit muss man aber nicht begründen, warum es uns nicht noch besser gehen sollte!?

und bevor jetzt die sozialisten aus ihren löchern gekrochen kommen: wenn es uns noch viel besser geht, können wir der welt viel mehr gutes tun. :P

was die post betrifft, da hilft vielleicht ein postfach? die proteste in hh gegen die post sind aber bereits sehr ausgeprägt. ich hab da mehr glück. in dieser beamtenstadt hier funktioniert die post. ;)

worüber ich mich aber empöre ist, dass politik an sich ein ich-bezogenes geschäft ist, welches auf dem rücken der gesellschaft und dem anspruch des "wir" ausgetragen wird.

mfg
mh
Anette Lack schrieb am 15.09.2009 um 11:30
@MH:

Das mit dem relativ war natürlich ironisch gemeint. Hätte ich das kennzeichnen sollen? Denn natürlich ist das Schwachsinn - wird immer gern bei der Bemessung der "Armutsgrenze" hinzugezogen: Arm sind die Leute in Afrika, hier haben doch alle zu Essen, etc.

Postfächer sind hier im Bezirk keine mehr frei (warum wohl?) Aber eine gute Idee, danke.

"worüber ich mich aber empöre ist, dass politik an sich ein ich-bezogenes geschäft ist, welches auf dem rücken der gesellschaft und dem anspruch des "wir" ausgetragen wird."

Völlige Zustimmung zu dieser Empörung. Schön auf den Punkt gebracht!

Hast du übrigens auch den hübschen Versprecher Merkels "wir (die große Koalition) haben einiges auf den Weg gemacht... äh, gebracht" bemerkt? Freudsche Fehlleistung?

Herzlich, Anna
mh schrieb am 15.09.2009 um 11:43
nachm dreierduell gestern gabs irgend ne takrunde die ich angeschaut habe. da war der waigel und der hat mich auf die versprecher hingewiesen.

ist ja auch wirklich nicht leicht... am besten fand ich noch ihren anfänglichen hinweis, dass die große koalition und der herr steinmeier unter ihrer führung doch ganz gut gearbeitet habe. ^^

mfg
mh
Deaktivierter Nutzer schrieb am 13.09.2009 um 23:13
Oder: Wer keine wirklichen Fragen gestellt bekommt, braucht auch keine wirklichen Antworten geben. Vier gleich demokratische Journalisten aus vier gleichgeschalteten Sendern waren zwei Politiker ein und derselben Regierung zu Gast. Zum Zwecke des Zusammenrückens des Volkes bei seiner Ausbeutung, materiell wie ideell. 20 Millionen sollen zugesehen haben, und 97 Prozent werden die gegebene Welt wählen. Aber wieso wählen wir dann?
jfenn schrieb am 13.09.2009 um 23:33
„... keine wirklichen Fragen gestellt ...“: Beispielsweise Bürgerrechte waren kein Thema, Überwachung, Hartz-IV-Regelsatz, Bildung, ökologische Themen abseits von Atomkraft -- mit anderen Worten: Alles, weswegen die Opposition der Regierung kritisiert. Die Themen, wegen derer am Sonntag in Berlin ein paar tausend Menschen auf die Straße gegangen waren. Daher Zustimmung: schlechte Moderation, die interessanteren Fragen haben sich die Kandidaten von vornherein gar nicht stellen lassen.
weinsztein schrieb am 14.09.2009 um 03:17
Werter Rainer Kühn,
Sie nennen ARD, ZDF, RTL, SAT1 vier gleichgeschaltete Sender. Wie kommen Sie denn auf solchen Stuss (pardon)? Ist es für Sie wirklich Jacke wie Hose, ARD oder Sat1 zu sehen? Das halte ich für eine "wirkliche Frage".
Warum Sie wählen sollten, weiß ich auch nicht. Ich z.B. gehöre zu der von Ihnen erwähnten "gegebenen Welt" (97 % ) und wähle die Linke.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 17:09
Natürlich, das Bildungsfernsehen läuft ja nachts, bei ARD und ZDF, aber soll ich deshalb loben und aufbleiben? Und Positionen, die im Fernseh schon sitzen, die sind schon drin und in acht Jahren an der Regierung, wo sie dann im ARD-Aufsichtsrat sitzen. Wir sind schließlich eine kapitale Demokratie. - Nein, es ist kategorial: alles eins, alles "die alte Scheiße" (Marx).
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 17:11
und dctp hab ich doch jetzt glatt vergessen ... ach, es ist fast wie auf dem Buchmarkt ... da gibts auch ein paar Promille gute Bücher; die lehnen aber alles ab.
jfenn schrieb am 13.09.2009 um 23:21
„Ich beantworte die Fragen so, wie ich mir das vorgenommen habe“: Das ist auch der Satz, der mir nach alledem am besten in Erinnerung geblieben ist. Er heißt soviel wie: „Ich sage hier nur die Sätze wieder auf, die man mir vorher aufgeschrieben hatte.“ Keine Experimente!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 13.09.2009 um 23:41
Genau, Jürgen, die sog. Duelle vor der Wahl werden immer ausrechenbarer, auch weil die veranstaltenden Medien keine Freiräume mehr geben. Und weil die Politiker wie Medienmaschinen aufsagen müssen, was Berater als erfolgreich definiert haben.
Dagegen scheinen die sog. Elefantenrunden der alten BRD nach Bundestagswahlen tatsächlich von lebendigen Menschen vor erstaunlichen Journalisten aufgeführt worden zu sein.
Die Verwaltete Welt zurrt sich fest. Niemandem ist Spontaneität erlaubt noch kommt sie ihm in den Sinn. Es regiert ein Uhrwerk.
jfenn schrieb am 14.09.2009 um 00:08
Aber die Tagesform ist trotz allem gespindoktortem Uhrwerk nicht ganz egal. Merkel hatte einfach nicht ihren Tag heute, egal, was sie ihr aufgeschrieben haben mögen.
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 00:02
Dass dieses Duell ein Duett war, mag stimmen.

Aber damit bildet es die politische Realität erstmals ehrlich ab, statt sie mit kämpferischen Wahlversprechen zu vernebeln.

Es ist nach meiner Erkenntnis völlig egal, wen oder was wir wählen. Alle machen hinterher sowieso das, was ihre Häuser vorbereiten oder schon vorbereitet haben. "Minister kommen und gehen, die Beamten bleiben". Hinter allem steht die Macht kapitalkräftiger Interessengruppen, die das politische Geschehen bis in die Parteien und Medienwelt auf ihrem Sektor hinein fest im Griff haben, und einzuschreiten verstehen, sobald ihre Interessenssphären berührt sind.

Was haben 7 Jahre rot-grün im Bund oder rot-rot in Berlin etwas verändert? Es mag einiges geben, was sich sowieso ändern musste, und auch unter jeder anderen Regierung nicht so hätte bleiben können. Hinzu kommen ein paar Spezial-Projekte, politische Duftmarken meist der kleineren Koalitionspartner.

Noch häufiger sind aber Dinge passiert, von denen man dachte, sie wären passé - wenn es zu so einem Wechsel käme. Statt dessen kam es sogar noch schlimmer: Unter rot-grün wurde nicht nur der Abwärts-Wettbewerb im Sozialbereich vorangebracht wie nie zuvor, sondern auch zwei Kriege begonnen, von denen einer völkerrechtswidrig war und später als Präzidenzfall den Irak-Einmarsch legitimierte und der andere bis heute andauert nicht beendbar oder gewinnbar zu sein scheint.

Für das Gegenteil war rot-grün mal gewählt worden - und hatte das vor der Wahl noch bekräftigt. Womit ich nicht sagen will, dass die politischen "Gegner" etwas anders gemacht hätten.

Aber warum, lieber J.A., erwarten wir dann doch immer noch das Theaterstück, in dem uns jeder was anderes versprechen soll?

Mir jedenfalls ist eine ehrlich abgebildete Harmonie lieber, als ein künstlich erzeugter Schein der Gegensätze, dem dann das Gegenteil an Taten folgt.

Der einzig denkbare positive Zweck solchen Wahl-Theaters, nämlich unterschiedliche Perspektiven und Ideen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, scheitert sowieso daran, dass sich dieses Bewusstsein in letzter Zeit immer seltener nachhaltig beeindrucken lassen will.

Da liegt das eigentliche Problem.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 00:14
Wie aber willst Du die reale Harmonie von herrschenden Parteien, die das Herrschende repräsentieren, analysieren und kritisieren? Wo hat die Wirklichkeit dann noch Nischen, wo eine Alternative zum Betonklotz Kapitalismus vorscheint? Und, Christian, "ehrlich" ist diese Harmonie eben nicht. Es ist die Harmonie der Macht. Das Gegenteil von Harmonie.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 00:18
Und: "Es ist nach meiner Erkenntnis völlig egal, wen oder was wir wählen." - Jein. Mein Lateinlehrer sagte immer, wenn die Kommunisten gewählt würden, dann spätestens würden sie verboten. Und das war ein guter Lehrer.
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 10:39
@Rainer

Das mit der unechten Harmonie der Macht muss ich zugeben.

Gesellschaftliche Harmonie sieht anders aus. Die liegt dieser Harmonie an unserer Spitze nicht zu Grunde. Sonst wäre z.B. das Schanzenfest anders verlaufen und der couragierte Mitbürger in der S-Bahn hätte nicht sterben müssen.

Ob Dein Lateinlehrer das heute noch genauso sagen würde?

Durch den Mauerfall scheint in dieser Frage einiges anders gekommen zu sein, als man es früher geglaubt hätte.

Ich habe unmittelbar nach der Einheit ein gutes Jahrzehnt lang im Raum Leipzig gelebt und dort u.a. verzweifelt nach "Kommunisten" gesucht. Es schien sie dort zumindest nie gegeben zu haben. Der einzige, von dem ich hörte, er solle noch im Oktober 89 bei einer aufrührerischen Betriebsversammlung bekannt haben, in seinem "Herzen noch immer Kommunist" zu sein, sammelte später vor allem Privateigentum an Grund und Boden und trat politisch sonst nicht mehr in Erscheinung.

Wenn Zigtausende oder gar eine Million, die früher mit dem Begriff "Kommunist" zuerst gemeint waren, das heute nie gewesen sein wollen, ergeben sich neue Konsequenzen: Die Macht, wenn sie sie denn durch Wahlen kriegen, könnte bei den noch verbliebenen "Kommunisten", eine ähnliche Mutation bewirken, wie sie die D-Mark bei ihrer Mehrzahl schon bewirkt hat.

Wenn Dein Lateinlehrer wie ich staunend erlebt hätte, wie frühere FDJ- oder SED-Funktionärinnen u.a. für die CDU - und zwar die Kohl-CDU - in Parlamente einziehen, hätte er die Frage, was passiert, wenn Kommunisten gewählt werden, vielleicht anders beantwortet.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 10:44
Das Parteibuch macht(e) den Kommunisten?
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 12:36
Vom PB habe ich gar nichts gesagt. Es gab einfach keine, ob mit oder ohne PB.

Sicher ist aber, dass es viele PB-Kommunisten mal gab - und insofern folgt aus meiner vergelichen Suche, dass das PB sie nicht resistent machte gegen die Zauberkraft der DM oder Macht.

Dasselbe Problem scheint aber auch der eine identifizierte "Bekenner" oder sein Herz gehabt zu haben.

Da ich einfach keinen mehr gefunden habe, müsstest Du mir jetzt die Definition verraten, mit der ich ihn finde.

Und wenn Du dann auch noch seine Adresse kennst, weiß ich vielleicht endlich, was echte Überzeugungstäter gegen die (heutigen) Verlockungen der Macht oder des Geldes immun macht.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 12:48
@ChristianBerlin
Wollte nur andeuten, dass ich es gar nicht verwunderlich finde, dass diverse Funktionäre in besagten Parteien auftauchen. (Eher verwunderlich, dass die die genommen haben.) Darüber, was einige ehedem stolze Bolschewiken tun, 'wenn es mal wieder anders kommt', wie meine Oma, die Kaiserzeit, Weimar, die Nazis und die DDR erlebte, das zu nennen pflegte, hat schon Lenin geschrieben (frag mich jetzt nicht nach der Stelle).
Ist natürlich ein Phänomen, was nicht auf Kommunisten beschränkt ist...
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 13:25
[Zitat]Ist natürlich ein Phänomen, was nicht auf Kommunisten beschränkt ist...[/Zitat]

Wohl wahr - *seufz*
Magda schrieb am 14.09.2009 um 15:02
@ ChristianBerlin- "Ich habe unmittelbar nach der Einheit ein gutes Jahrzehnt lang im Raum Leipzig gelebt und dort u.a. verzweifelt nach "Kommunisten" gesucht."

Um Himmelswillen, was wolltest Du denn von denen? Wahrscheinlich haben die sich alle vor Dir versteckt und dachten, Du willst sie standrechtlich...befragen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 17:14
@ Christian: Du weißt ja, besonders in Leipzig verhält sich der Kommunist wie ein scheues Reh, zumal nach der Rückwende. ;-)
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 20:00
Eine gewisse Scheu soll schon Thomas Joseph Dunning dem Kommunisten attestiert haben "Der Kommunist flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur." Doch schon im nächsten Satz leitet Dunning zur Schilderung des Gegenteils über: "Das ist sehr wahr, aber es ist doch nicht die ganze Wahrheit. Der Kommunist hat einen Horror vor Abwesenheit von Unterstützung, oder sehr kleiner Unterstützung, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechender Unterstützung wird der Kommunist kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann ihn überall anwenden; 20 Prozent, er wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft er alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß."

[na ja, eigentlich hat Dunning das ja nicht vom Kommunisten, sondern vom Kapital gesagt, das auch nicht "Unterstützung", sondern die Aussicht auf "Profit" braucht, um seinen Charakter ins Gegenteil zu verändern. Aber geht es da nicht den Menschen wie den Leuten oder der Gewalt wie der Gegengewalt?]
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 20:11
Ach ja, und eine Kommunistin (die auch eine sein und bleiben wollte) habe ich 2001 - kurz nach 9/11 - dort dann doch noch getroffen: Sahra Wagenknecht. Allerdings war die dort nur zu Besuch und wollte auf der Diskussionsveranstaltung, zu der uns die LINKE (damals PDS) eingeladen hatte, nicht wirklich mit mir diskutieren.

Zur Strafe kriegte ich mit meinen vorsorglichen Antikriegsargumenten mehr spontanen Beifall von ihrer Basis als sie selbst, die mit ihrer bürgerrechtlerischen Kritik an Otto Schilys Überwachungsvorhaben bei ihren Law-and-Order-freundlichen Partei-Freunden eher aneckte "Wiesöu? Überwachung hammer doch früher ooch jehabt" ...
Magda schrieb am 14.09.2009 um 09:01
Ich behaupte: Das ganze Duell ist sowieso unfair. Vier gegen zwei und kein multichoice und kein Telefonjoker.

Das wäre doch der Knaller gewesen::
Wollen Sie
a raus aus Afghanistan
b nicht raus aus Afghanistan
c vielleicht raus aus Afghanisten
d völlig raus aus Afghanisten

Telefonjoker: Der durchschnittliche Pashtune. Der hockt da in Kundus am Feldtelefon und wartet verzweifelt,dass Steinmeier Merkel anrufen, vielleicht sind sie ja schon bei einer Million. Günter Jauch immerhin hat ja in der Aufarbeitungsrunde schon mitgewirkt. Vielleicht machen die das beim nächsten Mal mit ihm und allein und nach seinen Regeln.

ChristianBerlin schreibt:
"Mir jedenfalls ist eine ehrlich abgebildete Harmonie lieber, als ein künstlich erzeugter Schein der Gegensätze, dem dann das Gegenteil an Taten folgt."

So isses. Außerdem ein Duell, dass so drehbuchartig vorbereitet wird, kann kein Duell werden. Und - gegen diese bescheuerte profilneurotische Kamrilla von Moderatorenriege - gegen diese Geltungstriebtäter- hätte ich mich auch gewehrt. Plasberg, diese Flachzange mit seiner Frage nach Notenvergabe. Ist doch lächerlich. Und Maybritt Illner (Hilfe ich bin bedeutungsschwanger). Gegen die kann man sich nur verbünden.
knorpeli schrieb am 14.09.2009 um 09:12
Wäre es nicht an der Zeit, wenn sich Medien, die sich als "kritisch" verstehen, solche Verdummungsveranstaltungen einfach ignorieren würden? Jede darüber geschriebene Zeile scheint doch eine vergeudete Ressource darzustellen.
Die als sogenannte Moderatoren fungierenden Menschen sind bessere Stichwortgeber, das kennt man doch aus ihren anderen Sendungen. Die wesentlichen Fragen werden doch sowieso nicht gestellt.
Zehn Minuten Qual vor der Mattscheibe haben mir da mal wieder zur Bestätigung meines Vorurteils gereicht. ;-)
Sorry, den beiden Reagenzien in dieser Versuchsanordnung kann man doch nun wirklich nicht länger zuhören............. wer lässt sich denn schon gern übermäßig viel seiner Lebenszeit stehlen.
Anette Lack schrieb am 14.09.2009 um 09:18
In der Runde von Anne Will hinterher sagte einer (ich glaube, es war Jauch), wir hätten die Politiker, die wir verdienen.

Begeisterung, Politik, mal positiv formuliert? Jemand, der Spass an Politik vermittelt? Da klappen doch hier in Deutschland sofort die Misstrauens-Visiere hoch, nicht zuletzt auch hier in der Community. Wer nörgelt, kritisiert und dabei griesgrämig aussieht, gilt als glaubwürdiger.

Vergleichen Sie einmal die Reden von Obama mit denen von Merkel, Steinmeier & Co! Auch wenn die patriotischen Formeln, ohne die eine Politikerrede in den USA nicht auskommt ("Dont`t let your country down") nicht mein Ding sind: Die Leute dort können sich mit dem Gesagten identifizieren. Sie haben Lust, sich politisch zu engagieren - was natürlich auch am Show-Charakter liegt, der manchmal gefährlich ist.

Obama ist es gelungen, Hoffnung zu wecken und Wähler zu mobilisieren - und das mitten in einer schweren Wirtschaftskrise, in einem Land, das als Sinnbild des Kapitalismus und Konsums gilt.

Nachdem John McCain gegen Barack Obama "verloren" hatte, gratulierte er ihm und sagte ihm öffentlich seine Unterstützung zu - und dass er sich auf die Kinder im Weissen Haus freue, genauso George W. Bush. Solche Reaktionen sind ein Grund, warum ich Amerika manchmal so liebe. Können Sie sich das hier vorstellen? Hart in der Auseinandersetzung, um sich hinterher die Hand zu reichen. Sportsgeist eben, fair play. Hier geht immer nur eins von beiden - Kuschelkurs oder Konfrontation.

Übrigens glaube ich - um im sportlichen Bild zu bleiben - dass beide vor allem auf Verlängerung gespielt haben. Stichwort: Fortsetzung der großen Koalition.
Jakob Augstein schrieb am 14.09.2009 um 12:42
Sind wir alles so durchgenudelt, dass sich außer mir niemand mehr über diese Spitzenpolitiker aufregen kann? Das finde ich ja fast noch schlimmer als diese politische Realität - den Mangel an Empörungsbereitschaft. Das ist genau das Problem der Mainstream-Medien. Wenn sogar in der Freitag-Community nur noch hilfloser Spott übrig ist, na dann herzlichen Glückwunsch.

Jetzt mal im Ernst: Glaubt hier jemand an den bewaffneten Kampf? Wir gehen alle in den Untergrund und ändern das System mit Gewalt? Doch wohl kaum. Demokratie, Wählen, Wahlkampf, Debatte - das brauchen wir doch alles. Sonst können wir uns wirklich alle nach Ostholstein zum Schafezüchten zurückziehen. Dann haben wir Kommune statt Community und können die Demokratie auf die Frage beschränken, ob wir die festkochende Linda oder die mehlige Melina anbauen.

Mutlosigkeit und flaue Witze können wir uns doch gar nicht leisten. Das hier ist doch die Bundestagswahl.

Oder?

JA
Anette Lack schrieb am 14.09.2009 um 12:53
Lieber JA;

ganz kann ich Ihnen gerade nicht folgen... Mein Kommentar oben ist doch sehr empört! Ich bin es jedenfalls angesichts soviel Tristesse und Leidenschaftslosigkeit, wo es um die Situation eines ganzen Landes geht.

Ich meine auch nicht, dass SIE hier der Nörgler sind - falls das so angekommen sein sollte - sondern dass Steinmeier und Merkel mit ihrem Auftreten keinen Hecht vom Teller ziehen konnten, um es mal flapsig zu formulieren. Weil in Deutschland grundsätzlich die Begeisterung an der Politik etwas Anrüchiges ist.

Dass die Empörung hier nicht so gross ist, könnte auch daran liegen, dass das Ergebnis vorhersehbar war. Wann hatten wir zuletzt so ein Duell, wie Jan Pfaff in sein Blog gestellt hat (Brandt und Kohl)? Lange her. Wir haben uns mit "Politik lauwarm" damit abgefunden, und, da haben Sie Recht, DAS ist ein Skandal.

Aufregen kann mich allerdings auch das Reininterpretieren in eine Diskussion, in die es gar nichts zu interpretieren gab - wie bei Will. Des Kaisers neue Kleider, es paßt doch immer wieder.

Herzlicher Gruß, Anna
knorpeli schrieb am 14.09.2009 um 13:33
Lieber JA,ruhig Blut.
"Demokratie, Wählen, Wahlkampf, Debatte - das brauchen wir doch alles." - da haben Sie doch völlig Recht!!!!!
Die politische "Debatte" jedoch, die man uns in "TV-Duellen" vorführen will, ist doch (in diesem Falle der GK) eine Scheindebatte! Ich debattiere viel mit KollegInnen, Freunden, Bekannten und fordere diese nachdrücklich auf, zur Wahl zu gehen.
Aber wichtig ist doch, dass die Menschen wieder fähig werden, Alternativen zu erkennen, die agierenden Politiker zu entlarven, sie meinetwegen (ja auch)zu verspotten.
Wenn man Veranstaltungen, wie die vom Sonntagabend allerdings zum Maß der politischen Dinge nimmt, kann das m.E. nicht geschehen.
Der Weg der Erkenntnis ist lang, ich bin aber schon so weit darauf unterwegs, dass ich mich mit dem Sonntagabend-Geplänkel von Politiker-Darstellern nicht mehr ernsthaft beschäftigen möchte.

"Das finde ich ja fast noch schlimmer als diese politische Realität - den Mangel an Empörungsbereitschaft." - woraus schließen Sie, das es an Empörungsbereitschaft mangelt? Was mich betrifft, kann ich das verneinen. Ich bin nur darüber hinweg, mich in größerem Umfang damit zu beschäftigen, was bei derartigen Veranstaltungen von Politikern und Moderatoren verzapft wird.
Um es noch einmal deutlich zu sagen: ich fühle mich von "Duellen" dieser Art und wie sie medial aufgeblasen werden, verarscht. Ist dies empört genug, lieber JA?
Ansonsten: immer gerne inhaltliche Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner!
Streifzug schrieb am 14.09.2009 um 13:36
@JA

Ich habe einen Beitrag zum Duell geschrieben, der wesentlich ernster gemeint ist, als es vielleicht den Anschein hat.

Dieses Duell war vergleichbar einer Jahrmarktveranstaltung. Es ist völlig uninteressant, was gesagt oder nicht gesagt wurde, da es nichts zählt, wie Müntefering es deutlich zu verstehen gegeben hat. "Es sei unfair, die Politik an Wahlversprechen zu messen."

Man könnte diese Vorstellung wirklich als Jahrmarktveranstaltung aufführen. Die vier Moderatoren: "Kommt rein, seht die ersten zwei echten humanoiden Roboter in einem Streitgespräch.". Dann wüssten die Zuschauer wenigstens, dass es sich um eine Illusion handelt.

Wissenschaftler sagen übrigens selber, dass es noch lange nicht gelingen wird, täuschend echte menschenähnliche Roboter zu bauen, da Menschen über zu feine Sensoren verfügen und es erkennen. Was wohl ginge, wären "Politische Schauveranstaltungen". Erhellend.

Viel erschreckender ist die Konsequenz solcher Polit-Vorführungen. Im Gegensatz zum Eindruck arbeiten Top-Profis an solchen Nummern. Was wollen sie damit erreichen? Die Antwort ist recht naheliegend. Sie haben es angedeutet, wenn auch aus einer anderen Blickrichtung.

"Demokratie, Wählen, Wahlkampf, Debatte - das brauchen wir doch alles. Sonst können wir uns wirklich alle nach Ostholstein zum Schafezüchten zurückziehen."

Diese lächerlichen Veranstaltungen schüren Politik- und Demokratieverdrossenheit. Das ist deren einzige eindeutige Wirkung. Da viele Fachleute daran mitwirken und die Medien mitten drin sind, ist es wohl auch das erstrebte Ziel.

Damit sind wir bei dem, was es in Italien schon gibt. So ein Duell anzusehen ist keine Pflicht als politisch interessierter Bürger. So ein Duell ist ein Frontalangriff auf die Demokratie.
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 13:48
@JA

[Zitat]Das finde ich ja fast noch schlimmer als diese politische Realität - den Mangel an Empörungsbereitschaft. [/Zitatende]

Ich werte diese Kritik als Zustimmung zu meiner obigen Schlussthese, was das eigentliche Problem sei.

Ein bisschen Spott muss aber sein, weil es sonst zu frustrierend ist, dagegen an schreiben zu wollen.
Magda schrieb am 14.09.2009 um 14:10
"Sind wir alles so durchgenudelt, dass sich außer mir niemand mehr über diese Spitzenpolitiker aufregen kann?"

Tja, auf meinem Leidensdruckmesser schlägts noch nicht so richtig aus.

Durchgenudelt sind wir sicher nicht, aber ich habe aus Ihrem obigen Kommentar auch nicht die reine Aufregung rausgelesen. Es ist doch o.k., wenn die Botschaft stimmt: Merkel will ganz offensichtlich lieber mit Steinmeier weiterwursteln als mit Westerwelle.
Allerdings wenn das die Konstellation wird, dann rege ich mich auch mal auf, vorher nicht.

Zum Thema machtlose Moderatoren wende ich ein, dass die ruhig mal eine reinkriegen können, weil sie schlichtweg Teil des Systems und des Problems sind. Die haben doch überhaupt keine eigene Meinung, vielleicht aber alle die gleiche, aber viel zu viel angemaßte Macht. Hingegen wenn sie die nach Ihrer Meinung geringe Macht nur nutzen, um Schulnoten abzufragen, dann ist das nicht so richtig witzig.

"Mutlosigkeit und flaue Witze können wir uns doch gar nicht leisten. Das hier ist doch die Bundestagswahl."

Also mutlos bin ich nicht, ehrlich. Aber flau ist mir auch manchmal.

"Oder?"
Nee Neiße.
Jakob Augstein schrieb am 14.09.2009 um 14:35
Ja. Ich weiß auch nicht. Die Wahrheit ist wohl, dass ich eine naive Resthoffnung hatte, dass irgend ein Geist der Sozialdemokratie in der Nacht zum Sonntag Besitz von Steinmeier ergreift und er plötzlich als Brandt redivivus neben der mecklenburgischen Hausfrau sitzt und die Merkel-Wähler wie aus einer Trance erwachen, sich verwundert die Augen reiben und selber nicht mehr verstehen, warum sie die Trantüte mit den hängenden Mundwinkel jemal gewählt haben.

Man muss diese SPD doch wirklich vor sich selber schützen. Es ist doch kaum zu ertragen, dass da einer zum Kanzlerkandidaten gekürt wurde, der offenkundig gar nicht Kanzler werden will.

Ratlos: JA
mh schrieb am 14.09.2009 um 14:48
is zwar n interessantes thema, aber mir wäre neu, dass man mit empörung irgendwas ändern kann. also ja, ich könnte mich darüber nun aufregen. doch warum denn über diese typen?

wir haben mehr parteien als diese beiden. also wenn ich mich über etwas aufrege, dann doch eher über das format an sich. über leute, die ich eh nicht wähle, reg ich mich auch nicht auf.

also wenn schon empört, lieber ja, dann doch eher über das polizeigebaren und u.ä., einen kleinen artikel darüber gabs bei euch ja nun mal.

mfg
mh
merdeister schrieb am 14.09.2009 um 15:25
"dass irgend ein Geist der Sozialdemokratie in der Nacht zum Sonntag Besitz von Steinmeier ergreift und er plötzlich als Brandt redivivus neben der mecklenburgischen Hausfrau sitzt"

Dann machen Schröder, Münte und Gabriel einen Exorzismus, Clement steht Schmiere.
knorpeli schrieb am 14.09.2009 um 15:50
Herr Augstein, Herr Augstein!!!!!!!! .[Zitat]"Die Wahrheit ist wohl, dass ich eine naive Resthoffnung hatte, dass irgend ein Geist der Sozialdemokratie in der Nacht zum Sonntag Besitz von Steinmeier ergreift und er plötzlich als Brandt redivivus neben der mecklenburgischen Hausfrau sitzt und die Merkel-Wähler wie aus einer Trance erwachen, sich verwundert die Augen reiben und selber nicht mehr verstehen, warum sie die Trantüte mit den hängenden Mundwinkel jemal gewählt haben.."[/Zitat]

Warum denn so durchgenudelt, Herr Augstein? Im übrigen bevorzuge ich Linda!
Die Merkel-Wähler, ........ ja, wenns man nur eine Trance wäre, während der diese ihr Kreuz bei der Erscheinung aus Mecklenburg machen. Mich deucht, da muss mehr dahinter stecken. Es wird wahrscheinlich diese Sehnsucht nach dem total Normalem sein, dieses geheimnsivolle Streben nach Mief und Geborgenheit, das Sinnen nach Hierachie und klaren Strukturen. 14 Millionen sollen das am Sonntagabend geschaut haben.
Ohje.........
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 16:58
Lieber JA,

ich wusste ja nicht, dass hinter der Kommentatoren-Schelte vor allem ein enttäuschter Wunderglaube steckt. Dann hätte ich seelsorgerlicher reagiert.

Man glaubt ja manchmal, dass Glaube Berge versetzen kann und Wunder geschehen müssten, wenn wir nur fest genug an sie glauben.

Das führt im richtigen Leben dann immer wieder zu heftigen Enttäuschungen. Denn ganz so einfach ist das theologisch nicht. Die wundergläubigsten Theologen, Charistmatiker oder extreme Pfingstler, kommen nämlich immer mit einer einfachen Erklärung, wenn das mit ihren Wundern nicht funktioniert hat: Unerkannte Sünde. Die hat angeblich die Macht, Wunder zu hemmen.

Auf das Wunder bezogen, dass die SPD nach Schröder so dringend nötig hätte, heißt das: Wie kann der Geist der Sozialdemokratie wiedererstehen, wenn der Sündenfall der SPD von ihr nicht erkannt und eingestanden wird?

Wenn überhaupt, hätte ich ein solches Wiedererstehen sozialdemokratischer Werte und Ziele bei diesem Duell eher von der regelmäßig unterschätzten Hausfrau aus Meckerland erwartet. Deren Mundwinkel hattet ihr übrigens auf einem Freitags-Titel schon mal hinter einem buschigen Vollbart versteckt. Da wirkte sie sehr überzeugend. Doch im gestrigen Duell blieb auch sie leider weit dahinter zurück, auch nur annähernd so gut auszusehen, wie ihr sie dargestellt hattet. ;)

CB
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 17:52
Am Dreisatz: höchste Empörung, hinsehende Verspottung und sequenzielle Untergrundsympathie gegen unsere Politiker und ihre Welt habe ich auch lange gebastelt. Es ist aber so, daß Empörung immer noch davon ausgeht, daß Wahres, Gemeintes, Authentisches, Verantwortbares gesprochen wird, und daß meine Empörung in derselben Welt gehört wird und Folgen hat. Sie ist aber so folgenlos wie die schöne Kunst. Spott geht auf ungehaltene Versprechungen, auf Verantwortungswahn und wahnsinnige Entlohnungen dafür, auf das Blabla von Bild und Bunter, na klar, diese Welt ist nicht meine Welt, und ich werde nie in ihr leben wollen. Der verhimmelte Untergrund hilft zwar auch nicht, ist aber der sympathisch-mutige Himmel der kritischen Oberwelt, weil sich die ganze selbst am Terror gegen sie am bereichert. Wie oft ist vor Polittalks am Fernseh nicht der Satz gefallen, da helfe nur noch die Dingens, diese AK 47. Weil eben nicht mehr zu reden ist und es, gerade in der kapitalistischen Gesellschaft, antagonistische Widersprüche gibt. Und die sind mit sich im Staatsfernseh duellierenden, also harmonierenden Politdarstellern nicht aufzuheben.
Insofern ist es innergesellschaftliche Unterhaltungsindustrie. Die wirklichen Entscheidungsträger gucken da nur hin, wenn´s mal sein muß, wegen echter Richtlinienkompetenz.
Magda schrieb am 15.09.2009 um 11:27
@ ChristianBerlin "ich wusste ja nicht, dass hinter der Kommentatoren-Schelte vor allem ein enttäuschter Wunderglaube steckt. Dann hätte ich seelsorgerlicher reagiert."

Sowas machst Du, Wirklich? Klasse.

Apropos Wunder. Gestern hast Du noch Kommunisten in Leipzig vermisst. Und - oh Wunder - einer ist aufgetaucht und schreibt ganz kluge Sachen.

WWW.FREITAG.DE/COMMUNITY/BLOGS/KARLGOTTFRIED/DIE-NEUE-ALTE-STAATSDOKTRIN--TEIL-1

Vielleicht interessiert es Dich ja.

Gruß
ChristianBerlin schrieb am 16.09.2009 um 11:11
@Magda

Danke für den Hinweis. Kam erst heute zum Lesen.

Der Text könnte fast von mir sein. Schade, dass mit dem Autor bisher kaum jemand diskutiert.

Karlgottfried illustriert mit plakativen Beispielen eine einfache dialektische Kernthese:

[Zitat karlgottfried]Objektiv besteht die heutige Ideologisierung darin, solche widersprüchlichen Prozesse zu nivellieren, um den kapitalistischen Idealverlust [...] mit Hilfe des realsozialistischen vergessen zu machen.[/Zitatende]

Das ergänzt zum einen, was ich ähnlich für die bundesrepublikanische Gedenkkultur schon vor der Zeit des Mauerfalls hier kürzlich konstatiert und mit dem Vorfall in Bergen-Belsen illustriert hatte.

Zum anderen weist es auf etwas hin, was ich meinen Freunden unter den Historikern der Birthler-Behörde immer mal wieder vorhalte: Ihr baut der Profeten Gräber und überseht, dass dieselben Dinge heute wieder passieren - mit umgekehrtem Vorzeichen, aber mindestens genauso perfide den verkündeten Idealen gegenüber.

Als ehemalige Theologen oder Pastorentöchter verstehen sie die Metapher bzw. Anspielung - wobei "ehemalig" hier nichts abwertendes hat (man entwächst halt alten Rollen). Dass man in Israel "der Profeten Gräber baut", die einst als kritische Geister von treulosen Machthabern irrtümlich verdammt wurden, aber mit den Profeten in der Gegenwart ähnlich verfahre, wie jene verblendeten Vorväter, ist eine polemische Vorhaltung der Christen gegen ihre jüdischen (noch) Glaubensgeschwister, die wir in den synoptischen Evangelien schon als Weissagung im Munde des Heilands finden. Dieser Missbrauch von Gedenkkultur ist ubiquitär.

Den Begriff "Kommunist(isch)" habe ich - anders als Sahra Wagenknecht - bei ihm allerdings noch nicht als Selbstapostrophierung entdeckt.

Damit das ganze aber nicht ausgeht, wie vor 9 Jahren das Fernsehduell zwischen Margot und Sahra (ähmmm... Margot Kässmann, natürlich), das ebenfalls ein Duett war, füge ich hinzu: Ich stimme Karlgottfried in allem zu, außer in dem, was er selbst übersieht.

Letzteres hatte ich in einem Zeitungsbeitrag für die LVZ (Lokalteil) unter der Überschrift "Sysiphos und das Problem der Schwerkraft" herauszuarbeiten versucht, woraufhin die damalige PDS ("damalig" nicht abwertend gemeint), sofort Sahra Wagenknecht zu einer Diskussion mit mir einlud, die dann nicht statt fand (weil die Dame lieber mit sich selbst sprach, Rest hab' ich oben erzählt).

Meine Antithese in der LVZ (zu Margots, Sahras, Karlgottfrieds u.v.m. Einigkeit) lautete sinngemäß: Jeder Idealismus ist in der materiell bestimmten Welt leider selbst eine ambivalente Größe - immer in der Gefahr, das Wesen des Menschen zu überschätzen und ihm damit Gewalt anzutun.
poor on ruhr schrieb am 14.09.2009 um 12:56
Wählt die Linke! So kann sich der Protest gegen eingeschlafene Politiker und die in großer Show im TV vorgetragene Alternativlosigkeit in der bundesdeutschen Politik Luft machen.
Man muß sich wirklich über eine solche Sendung, wie
die von gestern abend empören. Das Land hat grosse Probleme. Die kostbare Sendezeit der einmaligen Diskussion der Hauptkampfhennen wird mit Floskeln und Show vertan. Das kann es nicht sein! Dem bewaffneten Kampf muss ich eine klare Absage erteilen. Wir Linke stehen für den Frieden und wollen aus Afghanistan raus.
Fluxguru schrieb am 14.09.2009 um 13:30
Es muss wohl jedem aufgefallen sein, dass dieses 'Duell' eine Werbeveranstaltung fuer die Fortsetzung der Grossen Koalition war. Der Vizekanzler hat, das weiss er, keine andere Wahl und die Kanzlerin hat sich keine besondere Muehe gegeben Schwarz-Gelb zu profilieren. Alleine das Format, bei dem die Beteiligten eine Mitsprache hatten, liess dies schon erwarten. Individuelle Antworten auf Journalistenfragen lassen sich wunderbar im Vorfeld koordinieren. Anders waere es bei einem Format einer direkten Diskussion und Konfrontation gewesen bei dem sie gezwungen gewesen waeren, die Schwachstellen des anderen blosszustellen.

Solche Dinge passieren nicht zufaelligt. Es war nicht einmal eine unterschwellige Wahlpropagandasendung fuer schwarz-rot, es war eine eineinhalbstuendige Werbeeinschaltung.
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 14:05
Der Analyse stimme ich zu. Das war augenfällig. Als hätten die beiden eine heimlich Liebe zueinander und alle Versprechen, das nicht fortsetzen zu wollen (es sei denn, sie hätten keine andere Wahl), passen nicht zu dem, was wir gesehen haben. Es sei denn, wir interpretieren diese Versprechen, miteinander Schluss zu machen und andere Vernunftehen einzugehen, als an ihre Gefolgsleute gerichtete Lippenbekenntnisse - wie man im unpolitischen Leben Eltern oder Verwandte oder wohlmeinende Freunde manchmal hinters Licht führt, wenn sie eine Beziehung für unpassend halten.

Erstaunlich war nur, wie offen sie das beide zeigten. Wie spontan und affektiv sich Angela Merkel gegen die Vorstellung wehrte, ihr nächster Außenminister werde Guido Westerwelle heißen, statt für genau diese Idee (oder seine anderweitige Verwendung) zu werben.

@JA

Die Frage jetzt mal ernsthaft gestellt: Welche Option haben wir denn als Wähler oder als Schreiber angesichts dieses Befundes? Ist da nicht völlig egal, wer oder was gewählt wird? Wenn beide die Fortsetzung ihrer Liaison wollen, wird sie nicht zu verhindern sein, da sie dafür immer die Mehrheit hinbekommen.

(Was nicht heißen muss, dass andere Koalitionen irgendetwas Wesentliches anders machen würden - aber das bei dieser Option dieser beiden völlig egal)
Bildungswirt schrieb am 14.09.2009 um 20:39
Kam direkt nach dem TV-Duett zu ähnlicher Einschätzung:
www.freitag.de/community/blogs/bildungswirt/tv-rededuett-2009----sm-deutschland

Ansonsten hat Streifzug klare Worte in die Diskussion geworfen. Bisher gabs dazu noch keinen Widerspruch.Oder habe ich etwas übersehen?
GRuß BW
ChristianBerlin schrieb am 14.09.2009 um 23:24
Nachdem gestern Abend die Wartungsarbeiten vorbei waren und die Seite sich aufbaute, bin ich gleich auf diesen gefeatureten Beitrag gestoßen. Da habe ich mich in die Diskussion gestürzt, ohne zu prüfen, ob andere hier schneller waren als JA. Daher kannte ich Deinen Beitrag nicht und haben auch nicht abgeschrieben. Wir drei hier sind ja auch nicht die einzigen, die das gesehen haben, was offenkundig war.

Bei den Fragen, die Streifzug aufwirft, hätte ich zu seinen keinen Widerspruch - seine Freude an zugespitzten Formulierungen immer in Rechnung gestellt. Hättest Du Widerspruch erwartet? Oder habe ich irgendeine Konsequenz übersehen?
Bildungswirt schrieb am 15.09.2009 um 19:11
Lieber Christian,
"...auch nicht abgeschrieben" - so ein Quatsch, so etwas würde ich nicht unterstellen, dafür hast du selbst einen aufgeklärten Kopf, gepaart mit reichlich Engagement in der Sache. Und abschreiben - warum nicht? Hauptsache, es stimmt.

Hätte jemand energisch bei Streifzug widersprochen, so wäre ich sicher in die Bütt.So habe ich nur mitgelesen, auch mal schön.

Ungelöst bleibt aber ein wirklich gravierendes Problem: Die SPD ist nicht nur Steinmeier,/Münte/Steinbrück/Heil/.., sondern immer noch ca. 450.000 Mitglieder (waren mal 1 Million). Was machen sie, wie orientieren sie sich in den nächsten Jahren? Fegen sie diese Führungsmannschaft weg? Zerfallen sie weiter? etc.
Da rentiert es sich immer mit den "Sorgen", den Suchprozessen der SPD zu beschäftigen - auch im eigenen Interesse.
Gruß BW
Joachim Petrick schrieb am 15.09.2009 um 20:30
Lieber Bildungswirt,
finden wir nicht in Merkel wie Steinmeier politische Persönlichkeiten, die ihre Harmonie Duette, mit und ohne Klarinette,geräuscharm abspulen, wenn man/frau sie läßt? Die Medien lassen sie per konzertierter Aktionen durch die telegene Bank spulen.
Liegt es nicht an uns, beide, Merkel wie Steinmeier vom "Abspulen", als wäre die Gegnwart Geschichte, die Geschichte entproblematiserte Gegenwart, herunterzuholen?

Was beide gleichermaßen betreiben ist die Austreibung der Mehrheit ihrer Mitglieder/innen. Bisher war darin die SPD vorneweg, die CDU ist aber angemerkelt, wie Erbsen zählend. frischwärts am Aufholen im Austrieb von Mitgliedschaften.

Uns sollten folglich des Rest- Sozialdemokraten weniger bekümmern, die sich Yellow Double Bind Stones, Steinbrück & Steinmeier, vorangepeitscht von Klaus von Dohnanyi samt NISM schummelnd schummerig heruntergedimmt durch die deutsche Wirklichkeit dohnanyiren, bis aus der SPD, wie aus den Kirchen ein zunehmend wachsender Immobilen- und Medienkonzern geworden.
Mich bekümmern mehr die Ausgetriebenen der SPD, CDU/CSU u. u., denn die Gebliebenen.
tschüss
JP
mh schrieb am 14.09.2009 um 15:34
böse zungen behaupten, dass der münte-pilot vom rededuell immer noch ganz benebelt gewesen ist ..

mfg
mh
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.09.2009 um 17:54
dieser mann hört das kerosin flüstern - äh: die kerosionsteuer, zum gruße r.
Joachim Petrick schrieb am 14.09.2009 um 17:51
Lieber JA,
im Anhang finden Sie meinen Versuch, mich angesichts Ihrer frappanten Empörungsrhetorik in Worte zu fassen.
tschüss
JP

Anhang:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/eilbrief-an-jakob-augsteinfreier-abzug-fuer-angela-merkel

14.09.2009 um 17:44 Joachim Petrick
Eilbrief an Jakob Augstein!“Freier Abzug für Angela Merkel!?“

Eilbrief an Jakob Augstein!“Freier Abzug für Angela Merkel!?“
Besser tranig „Zwei plus Vier“ als praecox Stones gemeiert in die Tüte gejuxt?“
Lieber JA,
Sie sind mir ja nicht nur der wahre Freitags Bock Jakob, sondern auch noch dazu ein falscher Fuffziger obendrein.................."
Anette Lack schrieb am 15.09.2009 um 11:11
Lieber JA;

mir war`s schon gestern aufgefallen in Ihrem Kommentar:

"Die Wahrheit ist wohl, dass ich eine naive Resthoffnung hatte, dass irgend ein Geist der Sozialdemokratie in der Nacht zum Sonntag Besitz von Steinmeier ergreift und er plötzlich (...) neben der mecklenburgischen Hausfrau sitzt...."

Welche mecklenburgische Hausfrau, dachte ich verwirrt, gab`s denn da ein Publikum?! Bis ich darauf kam: Sie meinten Merkel. Sollte da aber nicht die Kirche im Dorf bleiben? "Hausbacken" wirkt sie, das kann ich unterschreiben; aber von Beruf ist sie Physikerin. Und seit wann ist "Hausfrau" ein Schimpfwort?

"...selber nicht mehr verstehen, warum sie die Trantüte mit den hängenden Mundwinkel jemal gewählt haben..."

Trantüte geht prima durch, schöner norddeutscher Ausdruck (alternativ: "Transuse"); aber "hängende Mundwinkel" ist ein böses Foul. Ich schlage vor, dass wir die Physiognomie der Kandidaten aus dem Spiel lassen - sonst haben wir auch bald "Koch mit den Aknenarben" oder "xy mit dem Schmerbauch". Hier mokiert sich zwar auch hin und wieder jemand über IHRE Frisur - aber auf die haben Sie zumindest einen Einfluß! Für hängende Mundwinkel etc. aber entscheidet sich keiner, die hat man eben...

Hart in der Auseinandersetzung, fair in der Form - so wünsche ich mir den Wahlkampf, und auch so ein Duell. Das dies dann genauso leidenschaftlich geschehen kann, ist in dem Brandt/Kohl-Video bei Jan Pfaff wunderbar zu sehen. Kohl war ja "Birne", das fand ich wiederum gut - aufgrund seiner Erscheinung, aber auch, weil er irgendwie im Ganzen so "birnig" war...

Herzlich, Anna
Magda schrieb am 15.09.2009 um 11:30
Außerdem rate ich generell zur Vorsicht bei zu heftigen Angriffen auf das Kanzlerinnen-Image. Am Ende entstehen da Verdachtsmomente und Indizien.
Denn: "Der Mörder ist immer der Gärtner". :-))
Joachim Petrick schrieb am 15.09.2009 um 15:30
Hallo Anna,
vielen Dank, dass Du "Jakob dem Schrecklichen", geladen, Mut machst, sich einmal den kapitalen Bock bzw. die Böckin in aller Ruhe und Gelassenheit anzuschauen, den/die er da "Duett statt Duell" mitten im Freitags- Garten füsilierend abgeschossen.

siehe dazu auch:

Anzeige: Arena des Spotts - Englische Karikaturen 1780-1830
5. Juli - 27. September 2009 Hamburger Kunsthalle (Saal der Meisterzeichnung)

James Gillray (1757-1815) | The King of Brobdingnag and Gulliver , 1803 | Radierung und Aquatinta, aquarelliert | 291 x 231 mm (Blatt) | © Hamburger Kunsthalle/bpk | Photo: Christoph Irrgang
Die englische Karikatur zwischen 1780 und 1830 zählt zu den Höhepunkten dieser Gattung. Während dieser Zeit etablierte sie sich erstmals zu einer anerkannten Kunstform, die vor dem Hintergrund der Pressefreiheit in Großbritannien den gesellschaftlich-politischen Meinungsbildungsprozess stark mitprägte. Schonungslos persiflierten die Künstler tagespolitische Ereignisse sowie gesellschaftliche Themen und schufen mit neuen, schlagkräftigen Ausdrucksmitteln eine „Arena des Spotts“...

Dazu gibt es eine besondere Birnen Facette, weil die Gerichtskten im United Kingdom in grünen Säcken gehortet wurden, die transportiert, die Gestalt einer Birne annahmen.

Das ist im Fall Helmut Kohl, karikiert, als Birne, besonders pikant, weil KOHl bereits 1984 im Auge des Flick Partei- Spenden Skandals Orkan mit seinem Birnen Gerichtsaktensack Blackout vor dem Flick- Partei- Spenden Skandal PUA stand, wie im Jahre 2000 als "Ehrenmann" im nächsten Kohl Spenden CDU Skandal..
tschüss
JP
Constantin Rhon schrieb am 18.09.2009 um 11:49
Nur mal so am Rande: Habe mich bei www.wahl-o-mat.de selbst erprobt - weil Frank-Walter und Angela mir am letzten Sonntag wieder keine Orientierung gaben. - Welch' ein Schreck! Ich dachte immer, ich müsse Grüne oder SPD wählen. Falsch! Ich neige eindeutig der Piratenpartei zu. - Und nun?....


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
Liebeshandlung - Eugenides

Berlinale

Freitag_Salon

PortletSalon_120216.png

Christoph von Marschall Was ist mit den Amis los? Herder Verlag 2012

260 Seiten. Gebunden.

18,99
 
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten >> mehr
Occupy

portlet_occupy.png

Augstein und Blome

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Anti-Terror-Zelle Kraftklub

Ausgabe 06/12
09.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

Blog-Tipps

Carta
Autoren-Blog für Politik, Medien und Ökonomie

Lobby Control
Blog von lobbycontrol.de

annalist
Anne Roth verfolgt den "Krieg gegen den Terror"

Nachdenkseiten
Das kritische Tagebuch von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb

Reporterwelt.Blog
Blog des Korrespondenten von Weltreporter.net

Latinomedia
Toni Keppeler berichtet aus Lateinamerika

politik.de
Portal für Politik und Demokratie

Sprengsatz
Der Politikblog von Michael Spreng

Lafontaines Linke
Tom Strohschneider und Co. bloggen über die Linkspartei

Bangemachen gilt nicht
Das Blog von Jürgen Link

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG