Politik

Im Gespräch | 29.06.2010 16:55 | Ulrike Winkelmann

"Gauck hat bewiesen, dass er lernfähig ist"

Der Schriftsteller Navid Kermani darüber, warum er den rot-grünen Bundespräsidentschafts-Kandidaten wählt, und warum dieser sich mehr Pathos erlauben darf, als ein Literat

freitag.de: Herr Kermani, sind Sie aufgeregt?

Navid Kermani: Ja. Die Wahl des Bundespräsidenten ist das zentrale politische Ritual des Staates. Das nehme ich ernst. Der Akt lebt von seiner reinen Symbolik, aber gerade das mag ich an ihm. Die Republik begeht damit ihren eigenen Status als Republik.

Moment, da ist doch auch noch Machtpolitik dabei. Will nicht gerade ein rot-grünes Bündnis einen Kandidaten Joachim Gauck gegen den Kandidaten Christian Wulff der schwarz-gelben Regierung durchdrücken und diese dadurch beschädigen, vielleicht kippen?

Natürlich haben machtpolitische Erwägungen SPD und Grüne bewogen, Joachim Gauck aufzustellen. Aber sie haben damit einen Kandidaten gefunden, der mit seiner Biographie und seiner Gabe zur Rede dafür steht, dass das demokratische Fundament der Gesellschaft sich erneuern kann. Der politische Betrieb, den wir kennen, schottet sich ab, das ist wohl auch natürlich und war in Bonn wahrscheinlich nicht anders. Gauck steht dafür, dass der Staat nicht einer Kaste gehört, sondern seinen Bürgern. Das muß immer wieder neu ins Bewusstsein gerückt werden und tut gerade jetzt Not, da immer weniger Menschen die Entscheidungen nachvollziehen können, die innerhalb kürzester Zeit getroffen, aber noch für Generation prägend sein werden.

Glauben Sie, der so überparteiliche Gauck hätte für Rot-Grün antreten dürfen, wenn wir gerade rot-grün regiert würden?

Vermutlich nicht. Gauck ist vom ganzen Habitus her kein Linker. Aber was soll's? Er ist eben ein unabhängiger Kandidat. Er ist glaubwürdig, wenn er sagt, dass er keinen parteipolitischen Vorgaben folgt, und sich politischen Sachzwängen entzieht. Genau damit gibt er dem Amt die Würde zurück, die ihm von der Verfassung auch zugeschrieben ist.

SPD und Grüne haben genüsslich auf den Party-Effekt dieser Gegenkandidatur gesetzt – mit Unterstützungsfete und Facebook-Kampagne und allem Drum und Dran. Erkennen Sie das Werk der Spin-Doktoren dahinter?

Ich glaube nicht, dass SPD und Grüne die Wirkung der Kandidatur im Detail so absehen konnten. Dass Gauck so sehr die Sehnsucht vieler Menschen verkörpern würde, muss auch den Grünen zu denken geben, die ja einmal als Bürgerbewegung begonnen haben. Dass diese Art Bürgerbewegung noch funktioniert, ist für uns alle mit Blick auf den wachsenden Populismus in europäischen Nachbarländern eine wichtige Lehre. Es gibt offenbar immer noch viele Menschen, die bereit sind, für die Offenheit unserer Gesellschaft zu streiten.

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Was hat die beeindruckende Biographie, von der Sie und fast alle bei SPD und Grünen reden, eigentlich mit der Aufgabe eines Bundespräsidenten zu tun?

Das Amt des Bundespräsidenten lebt durch die Kraft des Wortes und des Geistes. Wir hatten eine Reihe von Präsidenten, an denen sich beobachten ließ, was passiert, wenn ein Kandidat darüber nicht verfügt. Gauck aber ist der erste seit Richard von Weizsäcker, der dem Amt diese Orientierung zurückgeben könnte. Vielleicht empfinde ich mit meinem iranischen Hintergrund sogar stärker als mancher eingeborene Westdeutsche, was Gaucks Begriff von Freiheit bedeutet, und warum er so kostbar ist. Es gibt in der westdeutschen Gesellschaft in meiner Generation, aber auch in der Generation der aktiven westdeutschen Politiker keine unmittelbare Erinnerung mehr an fundamentale Unfreiheit. Aber wer etwa die Dinge im Iran verfolgt, wessen Freunde im Gefängnis sind oder nichts veröffentlichen dürfen, weiß, dass Freiheit überhaupt nicht selbstverständlich ist. Bei Gauck können Sie diese biographische Verzweiflung darüber noch spüren, was Unfreiheit ist, und warum der Grundwert der Freiheit mit Blick darauf, was außerhalb Westeuropas passiert und innerhalb Westeuropas immer wieder passieren könnte, in das Bewusstsein der Menschen zurück muss. Hier spielt auch sein Alter hinein, seine Lebenserfahrung ist auch mit Blick auf den Krieg für die nachfolgenden Generationen wertvoll.

Gaucks Freiheitsbegriff hat viel damit zu tun, die Menschen vom fürsorgenden Vater Staat zu lösen. Mit Sozialsystemen hat Gauck wenig am Hut. Fällt er damit auch aus dem aktuellen Grünen-Trend nicht ein bisschen heraus?

Das kann schon sein. Bei einem Kandidaten, der augenscheinlich die Fähigkeit hat, viele zu einen, muss man doch auch Abstriche machen dürfen. Mein idealer Kandidat müsste natürlich nachplappern, was ich so vor mich hindenke, aber dann würde ihn keiner aufstellen. Aber Gauck hat bewiesen, dass er lernfähig ist. Selbst in den letzten Tagen noch hat er sein Spektrum erweitert.

In Ihrem Buch „Vierzig Leben“ zeigen Sie überdeutlich, was Sie von der inflationären Verwendung solch großer Begriffe wie „Würde“ und „Freiheit“ halten. Sie „zersägen“ solche „Königsworte“ und „schmeißen sie gegen die Wand“, heißt es im Klappentext. Der Kandidat für die Bundespräsidentschaft Joachim Gauck ist ein ganz großer Verwender solcher Königsworte, nicht wahr?

Das mag schon sein. Ich habe ja auch seine Biographie gelesen – als Lektor hätte ich da an der einen oder anderen Stelle auch angesetzt. Gaucks Pfarrer-Leben in der DDR ist mir grundsätzlich auch sehr fern, ebenso sein Protestantismus. Aber in einer Zeit, da Politik – inzwischen leider auch bei den Grünen – meist nur auf die jetzige Wahlperiode, inzwischen sogar nur auf die nächsten Wochen ausgerichtet zu sein scheint, in der sich keiner fragt, wie das Leben in zwanzig Jahren etwa aussehen soll, prägt Gauck auch sehr wichtige Begriffe: Altruismus, Hilfsbereitschaft, Verzicht, Engagement. Der Wert von Europa auch, über den abfällig zu reden in der aktuellen Euro-Krise so gängig ist. Ich finde, ein Bundespräsident soll da auch andere Worte benutzen als ein Schriftsteller und meinetwegen sich einen Pathos erlauben, der in einem literarischen Werk gebrochen werden müsste.

Finden Sie, die Linksfraktion und ihre Wahlleute sollten für Gauck stimmen, wenn es einen dritten Wahlgang gibt?

Ja, absolut. Die Partei wird es bereuen, wenn sie es nicht tut. Sie hat eine große Chance, über ihren Schatten zu springen und auch mit ihren eigenen Ursprüngen ins Reine zu kommen. Gauck spricht über die DDR ja nicht aus taktischen Erwägungen so schlecht. Er hat das Anti-DDR-hafte eben... eingesogen. Als Politiker würde er sich in diesen Wochen hier und dort sicher diplomatischer äußern, um die Stimmen der Linken für sich zu gewinnen. Aber er tut es nicht, und hier genau könnte die Linke ihre Größe zeigen beziehungsweise finden: bei allen Differenzen im dritten Wahlgang zu sagen, dass es der bessere von zwei möglichen Kandidaten ist. Die Versuche der Linkspartei, Gauck jetzt moralisch zu diskreditieren, widern mich um so mehr an. Ich gehöre zu denen, die Oskar Lafontaine bei allen Irritationen und Enttäuschungen immer noch bewundern, aber was er zur Privilegierung Gaucks durch die Stasi gesagt hat, war so abstoßend wie seinerzeit sein Wort von den Fremdarbeitern.
 

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Kommentare
koslowski schrieb am 29.06.2010 um 17:33
"Die Versuche der Linkspartei, Gauck jetzt moralisch zu diskreditieren, widern mich um so mehr an. Ich gehöre zu denen, die Oskar Lafontaine bei allen Irritationen und Enttäuschungen immer noch bewundern, aber was er zur Privilegierung Gaucks durch die Stasi gesagt hat, war so abstoßend wie seinerzeit sein Wort von den Fremdarbeitern." - Zustimmung, Herr Kermani! So isses. Eigentlich schade, dass die LINKE nicht nur in NRW, sondern auch im Bund nicht politikfähig zu sein scheint
Mario99 schrieb am 29.06.2010 um 17:46
Ein Reaktionär macht Werbung für seinesgleichen. Gauck ist ein Neoliberaler Antikommunist wie er im Buche steht. Mag sein das es Menschen gibt die das gut finden aber solche werden auch eher in der CDUSPDFDPGrünen ihre politische Heimat finden - zusammen mit Geschichtsrevisionismus, Sozialdarvinismus und Kriegstreibern. Die LINKE sollte sich nicht schämen einen solchen Menschen abzulehnen.

"Sag mir wer dich kritisiert und ich sage dir was du richtig machst."
W.I. Lenin
hibou schrieb am 29.06.2010 um 17:52
finde es voll in Ordnung, wenn die Linke auch im 3. den Gauck net waehlt.... tut mir leid, Koslowski.... aber mir ist der hiesige Praesident eh mehr Aergernis
apatit schrieb am 29.06.2010 um 20:31
Gauck versöhnt nicht er spaltet. Neoliberaler Antikommunist mit tatsch zur Selbstdarstellung! =====BASTA====
objektiv schrieb am 29.06.2010 um 21:50
Der Feind des Feindes sollte nicht automatisch ein Verbündeter sein. Nur weil Gauck ein Feind der Diktatur der DDR ist, heißt, dass nicht, dass man ihm in allem zustimmen muss, es besteht lediglich der Konsens in diesem einen Thema.
Gauck und die Linke ziehen verschieden Konsequenzen aus der DDR-Dikatur, Gauck sieht in der DDR ein Musterbeispiel von Kommunismus und lehnt somit linke Politik ab, da er glaubt sie führe letzendlich immer zum Totalitarismus.
Die Linke hingegen hat an der Geschichte DDR gelernt, dass Sozialismus ohne Demokratie kein wirklicher ist und auch niemals ohne Demokratie funktionieren kann.
Also warum sollte die Linke Gauck wählen, wenn sie zwei völlig unterschiedliche Weltvorstellungen haben?
Demokratie wäre ja auch sinnlos wenn man keine Opposition hätte und die Moralpeitsche für Gauck zu benutzen halte ich für wenig demokratieorentiert.
Tiefendenker schrieb am 30.06.2010 um 00:52
Gauck ist mit seinem Bewusstsein im Jahr 1989 stehen geblieben. Er hat zwar jahrelang in (Stais)akten geblättert, hat die Geschichte aber dennoch bis heute nicht verstanden. So hält er Kapitalismus bis heute für was Tolles. Der Mann ist einfach nur peinlich und letztlich zum neoliberalen Demagogen mutiert.
Grundgütiger schrieb am 30.06.2010 um 09:31
Navid Kermani tut das, was er anderen vorwirft, relativieren.
Ja aber heist sein Credo.
Eine Methode, immer Recht zu haben. Oder es zu versuchen.
Joachim Gauck sagt nichts zu den Machtverhältnissen in Deutschland.
Natürlich sind wir in Freiheit, relativ.
Ein Abweichler vom politischen Mainstream ist auf keinen Fall in Lebensgefahr, wenn er sich an die Regeln hält.
Lebenspläne werden aber schon massiv beeinflusst, wenn es notwendig ist. Die BRD war nie so harmlos, wie Gauck sie darstellt.
Die DDR war kein demokratischer Rechtstaat.
Wenn Gauck seine Darstellung von Freiheit ehrlich meint, ist das für mich OK.
Ihn deshalb gleich zum Präsidenten machen zu wollen, ist Kalkül seiner Aufsteller, politisches Vakuum ist verführerisch.
Freiheit wird bis heute bei uns ausgenutzt.
Man ist so frei, und verspekuliert mal eben 500 Milliarden Euro.
Das zahlen die freien anderen Bürger, die frei von Arbeit sind.
Tolle Freiheit, oder Koslowski? Warum sind Sie eigentlich so unpolitisch?
Naiv zu sein, halte ich für absolut verteidigungswert, damit haben sich riesige Reiche bilden lassen, aber nicht auf Dauer, wie wir heute wissen.
PicaPica schrieb am 30.06.2010 um 15:57
Petra Pau hat sich schon vor ein paar Tagen in einer "aktuellen Notiz" dazu geäußert, warum Gauck für die LINKE nicht wählbar ist. Da ich's auch nicht wesentlich besser formulieren kann, sei Frau Pau an dieser Stelle einfach einmal zitiert:

Aktuelle Notiz: Gauck wählen?

von Petra Pau
Berlin, 24. Juni 2010

1.
Der Gedanke ist verführerisch. Nicht sieben auf einen Streich, wie weiland beim tapferen Schneiderlein, aber immerhin drei Hiebe wären mit einem „Ja für Gauck“ zu landen. SPD und Grüne liefen mit ihrem Unsinn ins Leere, DIE LINKE vorzuführen zu wollen. Union und FDP, ohnehin strudelnd, verlören möglicherweise auch noch „ihren“ Bellevue-Kandidaten Wulff. Und Gauck selbst würde ein Präsident von Linken Gnaden, was er eigentlich brüsk abweisen müsste, wollte er sich nicht als prinzipienlos entlarven.

2.
Gauck nutzt die Chance, die ihm Taktiker der SPD und der Grünen eröffnet haben. Obwohl er inhaltlich wenig mit der SPD und mit den Grünen am Hut hat. Das spricht gegen ihn, noch mehr aber gegen die SPD und gegen Bündnis 90/Die Grünen. Sie alle agieren wie politische Gaukler - ohne Skrupel, dumpf parteipolitisch. Und die Medien spielen mit. Sie hofieren Gauck als aufrechten Bürgerrechtler und als moralische Instanz. Beides ist er mitnichten. Er hat Kriege befürwortet, er hat Sozialabbau belobigt und er hat Hitlers NS-Regime relativiert.

3.
Es gibt Bürgerrechtler aus DDR-Zeiten, die auch unter BRD-Verhältnissen noch immer als Bürgerrechtler unterwegs sind. Sie veröffentlichten bereits 2001 einen Aufruf: „Wir haben es satt!“ Es war eine Abrechnung mit der DDR und mit der BRD. Die meisten Unterzeichner wurden für ihre DDR-Dissidenz von der BRD hoch dekoriert. Sie ließen sich ehren, aber nicht bestechen. Sie blieben Bürgerrechtler. Gauck gehörte nicht dazu.

4.
Gauck ist ein Unions-Prediger im rot-grünen Gewand. Er ist Hartz IV. Er ist Afghanistan-Krieg. Er ist Vorratsdaten-Speicherung. Ich kenne jedenfalls keine pastorale Rede von Gauck dagegen. Auch nicht wider die aktuellen so genannten Sparpakete der Regierungs-Parteien, mit denen wieder einmal den Armen genommen und den Reichen gegeben werden soll. In der Bibel steht es genau andersherum. Pfarrer Gauck sollte sie eigentlich kennen.

5.
Das Tapfere-Schneiderlein-Spiel mag verlocken. Wenigstens im dritten Wahlgang, falls es den am 30. Juni 2010 in der Bundesversammlung geben sollte. Aber: Der letzte Bundespräsident hat sich urplötzlich in die Büsche geschlagen. Der nächste soll raffiniert hineingetrickst werden. Mit der viel beschworenen Würde des hohen Amtes hat das alles wenig zu tun - mit den realen Problemen vieler Bürgerinnen und Bürger im wahren Leben schon gar nicht.

6.
Sollte der Präsident der Bundesrepublik künftig vom Volk gewählt werden? Luc Jochimsen, befürwortet das. Ich bin dagegen. Das würde eine Macht des Präsidenten oder der Präsidentin suggerieren, die das Amt aus guten Gründen nicht hat. Wichtiger wäre direkte Demokratie in Sachfragen, also Volksabstimmungen auch auf Bundesebene. Denn in dieser Frage ist Deutschland noch immer ein EU-Entwicklungsland. Trotz „Rot-Grün“ 1998 bis 2005!
PicaPica schrieb am 30.06.2010 um 15:57
Petra Pau hat sich schon vor ein paar Tagen in einer "aktuellen Notiz" dazu geäußert, warum Gauck für die LINKE nicht wählbar ist. Da ich's auch nicht wesentlich besser formulieren kann, sei Frau Pau an dieser Stelle einfach einmal zitiert:

Aktuelle Notiz: Gauck wählen?

von Petra Pau
Berlin, 24. Juni 2010

1.
Der Gedanke ist verführerisch. Nicht sieben auf einen Streich, wie weiland beim tapferen Schneiderlein, aber immerhin drei Hiebe wären mit einem „Ja für Gauck“ zu landen. SPD und Grüne liefen mit ihrem Unsinn ins Leere, DIE LINKE vorzuführen zu wollen. Union und FDP, ohnehin strudelnd, verlören möglicherweise auch noch „ihren“ Bellevue-Kandidaten Wulff. Und Gauck selbst würde ein Präsident von Linken Gnaden, was er eigentlich brüsk abweisen müsste, wollte er sich nicht als prinzipienlos entlarven.

2.
Gauck nutzt die Chance, die ihm Taktiker der SPD und der Grünen eröffnet haben. Obwohl er inhaltlich wenig mit der SPD und mit den Grünen am Hut hat. Das spricht gegen ihn, noch mehr aber gegen die SPD und gegen Bündnis 90/Die Grünen. Sie alle agieren wie politische Gaukler - ohne Skrupel, dumpf parteipolitisch. Und die Medien spielen mit. Sie hofieren Gauck als aufrechten Bürgerrechtler und als moralische Instanz. Beides ist er mitnichten. Er hat Kriege befürwortet, er hat Sozialabbau belobigt und er hat Hitlers NS-Regime relativiert.

3.
Es gibt Bürgerrechtler aus DDR-Zeiten, die auch unter BRD-Verhältnissen noch immer als Bürgerrechtler unterwegs sind. Sie veröffentlichten bereits 2001 einen Aufruf: „Wir haben es satt!“ Es war eine Abrechnung mit der DDR und mit der BRD. Die meisten Unterzeichner wurden für ihre DDR-Dissidenz von der BRD hoch dekoriert. Sie ließen sich ehren, aber nicht bestechen. Sie blieben Bürgerrechtler. Gauck gehörte nicht dazu.

4.
Gauck ist ein Unions-Prediger im rot-grünen Gewand. Er ist Hartz IV. Er ist Afghanistan-Krieg. Er ist Vorratsdaten-Speicherung. Ich kenne jedenfalls keine pastorale Rede von Gauck dagegen. Auch nicht wider die aktuellen so genannten Sparpakete der Regierungs-Parteien, mit denen wieder einmal den Armen genommen und den Reichen gegeben werden soll. In der Bibel steht es genau andersherum. Pfarrer Gauck sollte sie eigentlich kennen.

5.
Das Tapfere-Schneiderlein-Spiel mag verlocken. Wenigstens im dritten Wahlgang, falls es den am 30. Juni 2010 in der Bundesversammlung geben sollte. Aber: Der letzte Bundespräsident hat sich urplötzlich in die Büsche geschlagen. Der nächste soll raffiniert hineingetrickst werden. Mit der viel beschworenen Würde des hohen Amtes hat das alles wenig zu tun - mit den realen Problemen vieler Bürgerinnen und Bürger im wahren Leben schon gar nicht.

6.
Sollte der Präsident der Bundesrepublik künftig vom Volk gewählt werden? Luc Jochimsen, befürwortet das. Ich bin dagegen. Das würde eine Macht des Präsidenten oder der Präsidentin suggerieren, die das Amt aus guten Gründen nicht hat. Wichtiger wäre direkte Demokratie in Sachfragen, also Volksabstimmungen auch auf Bundesebene. Denn in dieser Frage ist Deutschland noch immer ein EU-Entwicklungsland. Trotz „Rot-Grün“ 1998 bis 2005!


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