Politik

Tage im August | 18.08.2011 14:05 | Lutz Herden

Letztes Gefecht

Mit dem Putsch führender Politiker und Militärs vor 20 Jahren war das Ende der UdSSR besiegelt, aber kein Sieg einer demokratischen Bewegung oder gar des Volkes errungen

Die Legende über den August-Putsch in Moskau zwischen dem 19. und 21. August 1991 besagt, er sei am Widerstand des Volkes und der demokratischen Bewegung zerbrochen. Doch waren diese beiden Phänomene gar nicht oder nur in Maßen gefragt, geschweige denn gefordert, um einem scheinbar anachronistischen Geschehen Einhalt zu gebieten. Das „Volk“ dekorierte bestenfalls das letzte Gefecht eines im Zerfall begriffenen Staatsapparates. Wenn junge Moskauer schon am Abend des ersten Putschtages auf Panzern saßen und mit deren Kommandanten Zigaretten rauchten, taten sie es in dem Bewusstsein, dabei nicht mehr zu riskieren als Verbrüderungsszenen. Die Putschisten um Vizepräsident Janajew, Verteidigungsminister Jasow oder Innenminister Pugo wollten ein verzweifeltes Zeichen setzen, aber keinen Bürgerkrieg anzetteln. Sie zogen in ein letztes Gefecht, um die Sowjetunion zu retten oder es wenigstens versucht zu haben. Was ihnen dafür an Instrumentarien zur Verfügung stand – ob es um die Geheimdienste, die Truppen des Innenministeriums oder die in der Hauptstadt eingesetzten Armee-Einheiten ging – erwies sich als kaum mehr gebrauchsfähig – sprich: kaum mehr zuverlässig. Nichts davon funktionierte so, wie es sich die Führer dieses Aufbäumens gegen das Unabwendbare vorgestellt hatten. Niemand schien mehr Lust zu verspüren, eine Arche Noah zu besteigen, die überall stranden mochte – nur nicht in einer erneuerten und vor allem (über-)lebensfähigen Sowjetunion.

Auch wenn der neue, kurz vor seiner Unterzeichnung stehende Unionsvertrag noch eine Gnadenfrist gewährt hätte – da ihn von vornherein nicht alle Sowjetrepubliken wollten, waren die Tage des Vielvölker-Konglomerats UdSSR, wie es 1922 nach den Ideen Lenins entstand, längst gezählt. Und das unwiderruflich.

Noch 20 Jahres später erinnert man sich der zitternden Hand und der belegten Stimme von Gennadij Janajew, der ein überstürzt gegründetes Notstandskomitee anführte, als er dessen Deklaration am Vormittag des 19. August verlas. Er saß vor Fernsehkameras und mit dem Rücken zur Wand. Nicht allein der sowjetische Staat hatte an Konsistenz und Funktionsfähigkeit verloren, mehr noch galt das für die KPdSU selbst. Sie war im August 1991 in mindestens zehn Fraktionen zerfallen, die von Anhängern des Ultra-Bolschewismus bis zu moderaten Sozialdemokraten reichten. Seit im März 1990 Artikel 6 der Unionsverfassung über die führende Rolle der Partei gestrichen wurde, konnte die KPdSU nicht mehr einleuchtend begründen, weshalb sie überhaupt noch existierte. Und sich keiner Oppositionspartei erwehren musste.

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Dennoch wirkte es schockierend, als am 23. August – Tage, nachdem der Putsch endgültig in sich zusammengebrochen und Gorbatschow aus seinem Urlaub und zeitweiliger Isolierung im Kaukasus zurückgekehrt war – Russlands Präsident Jelzin zu einer Demütigung der großen Galionsfigur der Perestroika ausholte. Er unterbrach Auftritt und Rede Gorbatschows vor dem russischen Parlament, um ein Dekret zu unterzeichnen. Dies bestand im wesentlichen aus einem Satz: Hiermit verbiete ich jede Tätigkeit der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) auf dem Boden der Russischen Föderation. Gorbatschow – immerhin seit 1985 KPdSU-Generalsekretär – war sichtlich konsterniert und überrumpelt. Noch im Saal verhaftet wurde er freilich nicht – Jelzin hatte ja, was er wollte. Vor den Augen der Welt, das russische Fernsehen übertrug die Szene live, wurde Gorbatschow erledigt und zum ohnmächtigen Statisten degradiert. Er war nach dieser Brüskierung politisch ein toter Mann und fristete als Präsident der Sowjetunionbis zu deren Selbstauflösung Ende Dezember 1991 nicht mehr als ein Schattendasein, das an einen Hausarrest im Kreml zu erinnern schien. Der Ex-Kommunist Jelzin hatte als ehemaliges Politbüro-Mitglied der einst größten und einflussreichsten Kommunistischen Partei der Welt im Zeichen des Antikommunismus vollendete Tatsachen geschaffen. Das zu beobachten, hieß den Abgesang auf einen refomerischen Umbruch mitzuerleben, der nicht nur gescheitert, sondern zum Schluss von geradezu von selbstzerstörerischer Konsequenz war. Um von Perestroika zu reden, empfahl sich fortan der Gebrauch des Imperfekts. Die Sowjetunion hatte die Revolution von oben nicht überlebt.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Matto schrieb am 18.08.2011 um 18:06
Was hier beschrieben wird, ist der Welt all zu sehr bekannt.
Die Gründe des Zusammenbruchs der Sowjetunion sind unterschiedlicher Natur. Es ist untauglich, hier nur vielleicht wieder nur den Kommunismus aus dem Hut zu zaubern.
Die Sowjetunion, wie auch die anderen Staaten des Warschauer Paktes, haben das erwirtschaftete Eigentum nahezu verschenkt und dadurch die eigenen Völker um die Früchte ihrer Arbeit gebracht. Was hat die Sowjetunion an andere Staaten, hinsichtlich des internationalen Kalten Krieges verschenkt, es waren Billionen von Rubel. Der DDR machte es nicht anders.
Die USA verschuldete sich innerhalb ihrer eigenen Währung, dass Ergebnis sehen wir ja heute. Wenn man alles zusammenrechnet, sind die USA mit 60 Billonen Dollar verschuldet. Eigentlich ist die USA auch zusammengebrochen, aber es wird eben weiter gemacht. Der Dollar ist nur noch Spielgeld, aber Weltwährung, eigentlich paranoid. Warum das so geht, versteht kein Mensch.
Das Wettrüsten beider Supermächte hat die Sowjetunion und damit der Warschauer Pakt verloren.
Aber noch ist nicht alle Tage Abend, auch für den Westen kommen noch sehr dunkle Wolken am Horizont hoch. Und ob dann sich nicht auch die Völker hier erheben, werden wir noch sehen. Der Groll der Abgehängten wird größer und er könnte sich zu einem Sturm, ja Orkan entwickeln. Aber für diesen Fall wird ja überall schon vorgebeugt, indem man auf breiter Front alles bespitzelt.
Das Verfallsdatum des Kapitalismus ist schon längst überfällig.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.08.2011 um 19:06
"Mit dem Putsch führender Politiker und Militärs vor 20 Jahren war das Ende der UdSSR besiegelt, aber kein Sieg einer demokratischen Bewegung oder gar des Volkes errungen"

Oh ja, das ist natürlich etwas prinzipiell Neues auf diesem Planet, was die Welt bis jetzt nicht erlebt hat... ich meine das mit der Anwesenheit der Abwesenheit des Siegs "einer demokratischen Bewegung oder gar des Volkes".

Wann und wo gab es schon mal, dass "eine demokratische Bewegung oder gar das Volk" gesiegt haben? Was ist es überhaupt: Der Sieg einer demokratischen Bewegungen oder gar des Volkes? Wie soll es konkret aussehen?

"Wenn junge Moskauer schon am Abend des ersten Putschtages auf Panzern saßen und mit deren Kommandanten Zigaretten rauchten, taten sie es in dem Bewusstsein, dabei nicht mehr zu riskieren als Verbrüderungsszenen."

Na SO harmlos war die Sache wahrlich nicht. Ich war zwar die ersten zwei Tagen in Sankt-Petersburg, aber SO harmlos war es nicht mal da. Auch in Sankt-Petersburg wurde ein Kriegszustand verhängt, mit allen drum und dran, bis zum Arrest von den meisten Medien, dem Verbot, in bestimmten Stunden aus dem Haus rauszugehen usw., usf.
Matto schrieb am 18.08.2011 um 20:07
Ich möchte hier noch einen Nachtrag machen.
Wie hat sich den Jelzin anschließend verhalten? Er hat Furz und Feuerstein des Landes einfach so verschenkt, so dass Putin mit Müh und Not Einiges wieder einsammeln mußte, weil es schließlich Volkseigentum war. In der DDR wurde dem Volk übrigens auch das Volkseigentum entwendet.
Jelzin hat seinem Land einen riesigen weiteren Schaden beschert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass hinter Jelzin die alten Kader standen, die jetzt ihre große private Chance sahen. Das Volk wurde ein weiteres Mal betrogen. In Russland war das ja schon immer so, auch unter dem Zaren.
Was Lenin vollbracht hat, war die Abschaffung der Leibeigenschaft und das die einfachen Menschen wieder ein Stück Brot in den Händen hatten, was in der heutigen Zeit massenhaft vernichtet wird. Daran sollte man einmal denken.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.08.2011 um 20:34
"Was Lenin vollbracht hat, war die Abschaffung der Leibeigenschaft und das die einfachen Menschen wieder ein Stück Brot in den Händen hatten, was in der heutigen Zeit massenhaft vernichtet wird."

Es ist natürlich immer schade, einem die Illusionen wegzunehmen, aber... die Leibeigenschaft wurde 1861 abgeschafft, Lenin war damals gerade mal 9 Jahre alt.

Über Putin rede ich so gar nicht mehr, wir haben doch schon längst festgestellt, dass er ein lupenreiner KGB-Demokrat ist...
Matto schrieb am 18.08.2011 um 20:49
@Fahrenheit 451,

ich weiß, Bildung ist schwierig.
Aber Lenin hat wirklich die Leibeigenschaft abgeschafft. Sie müssen sich nur richtig orientieren. Dann muß die Historie lügen.
Nun zu Ihrer Äußerung zu Putin und man merkt hier, dass die Medien es geschafft haben, diesen Mann als Gespenst in die westlichen Gehirne regelrecht einzubrennen.
Zu Ihrer Orientierung!
Der Vater von Bush Junior war vor seiner Präsidentenschaft auch beim CIA. Aber für Westdeutsche ist ja der CIA etwas Gutes und der KGB gehört zum Reich des Bösen, wieder einmal eine paranoide Einstellung.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.08.2011 um 21:21
Eine Berichtigung zu meinem vorigen Kommentar: Lenin war nicht 9 Jahre alt, als die Leibeigenschaft offiziell abgeschafft wurde, sondern es geschah 9 Jahre vor seinem Geburt. Ich habe in eine andere Richtung gerechnet. Mit so viel Mathematik bin ich halt hoffnungslos überfordert.

Wenn Sie das im übertragenem Sinne meine, dann hat Stalin die Leibeigenschaft erst eingeführt, denn ohne schriftlichen Erlaubnis von staatlichen Institutionen (=Parteiorganen) durfte man das Wohnort nicht verlassen, keine Wohnung mieten usw,. usf. Es gab auch Verpflichtungen für die Arbeit für den Staat umsonst, auch bei den Schulkindern.

"Nun zu Ihrer Äußerung zu Putin und man merkt hier, dass die Medien es geschafft haben, diesen Mann als Gespenst in die westlichen Gehirne regelrecht einzubrennen."

Ja, wau, geil. Wieso erklären Sie mir das, was habe ich mit den westlichen Gehirnen und westlichen Medien zu tun? Sie glauben doch nicht wirklich, dass ich westliche Medien brauche, um etwas über Putin zu erfahren? Und westlich ist mein Gehirn immer noch nicht geworden... wird es wahrscheinlich auch nie.
I.D.A. Liszt schrieb am 20.08.2011 um 00:07
@ Matto (18.08.2011; 20:49):

Aber für Westdeutsche ist ja der CIA etwas Gutes... - Na klar! Der CIA wurde ja nach dem 2. Weltkrieg maßgeblich von den Profis der vormaligen 'Aufklärung Ost' aufgebaut.
Graureiher schrieb am 18.08.2011 um 22:15
..., aber kein Sieg einer demokratischen Bewegung oder gar des Volkes errungen...
Wo bitte hätte denn in der UDSSR, in Russland, eine demokratische Bewegung herkommen sollen? In Russland fehlte es doch wirklich an jeder demokratischen Tradition, an Russland ist selbst die europäische Aufklärung vorbei gegangen.
Tatsächlich wiederauferstanden sind die Gespenster der Zarenzeit. Der Pope ist heute, neben dem Oligarchen und dem Mafiosi, wieder eine tragende Figur der Gesellschaft!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 19.08.2011 um 07:39
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 21:36
"Tatsächlich wiederauferstanden sind die Gespenster der Zarenzeit. Der Pope ist heute, neben dem Oligarchen und dem Mafiosi, wieder eine tragende Figur der Gesellschaft!"

So ist es. Die alten Kräfte sind mit aller Gewalt -und mit viel westlichem Geld und insbesondere der Unterstützung der sogenannten neuen Medien- wiederauferstanden und so agieren und reagieren sie auch.

Würde mich interessieren, ob und wann es möglich wäre, die sogen. sanfte Revolution und den Fall der DDR so wahrhaftig darzustellen, wie es notwendig wäre, um die Knopp`schen Märchen und Legenden von der "Volksbefreiung" als solche zu demaskieren.
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 21:40
Und dann hätte ich noch die Frage an die Redaktion, warum meine Kommentare neuerdings "bearbeitet" werden.
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 22:00
(Nicht nur) Rußland: Von einem Extrem direkt zum anderen. Mit dem Fersehgerät und dem PC. Schwarz und weiß. Nichts dazwischen. Keine Differenzierung, kein Abgleich, keinerlei angewandte theoretische und keinerlei praktische Intelligenz.

Nur die Meinung der an zwei Händen abzählbaren, bekannten Massen-Medien-Eigentümern bestimmt die Realität von Gewalt und Geld, von Geld und Gewalt. Die der wenigen Grössenwahnsinnigen,deren Gewalttätigkeit in Denken und Tat derjenigen der 1914 herrschenden Monarchen nicht nur ähnelt.
Joachim Petrick schrieb am 19.08.2011 um 02:23
@Lutz Herden

Mutmaßlich hat Geore Bush senior als US- Präsident Michail Gorbatshow als Global- Good Fellow fallen gelassen, als er, ohne Abstimmung mit der UdSSR, den vorherigen Sicherheitspartner in der Golfregion sowohl der USA als auch der UdSSR, den Irak im Frühjahr 1991 angriff, um Kuwait in einer Allianz der Willigen von der Besetzung durch den Irak zu befreien.

Damit war die UdSSR, die in eine Duldungsstarre gegenüber der Situation in und um den Irak verfiel, als ohnmächtig irrelevant flatternder Papiertiger in der Welt der Sicherheitspartner der UdSSR, des Warschauer Vertrages unheilschwanger bloßgstellt.

Dieser Hintergrund der Aufkündigung der Zusammenarbeit auf Internationalen Ebenen in Gefahrenlagen von Regionalkonflikten zwischen den USA der UdSSR durch den US- präsidenten George Bush senior war der eigentliche Sargnagel für die Perestroika, Glasnost in der UdSSR, war das Ende für Michail Gorbatschow als politisch führender Akteur..
Ehemaliger Nutzer schrieb am 19.08.2011 um 07:54
"war der eigentliche Sargnagel für die Perestroika, Glasnost in der UdSSR"

Glasnost und Perestroika sind nicht dasselbe. Glasnost gibt es jetzt viel mehr als damals während Perestroika und schon sowieso mehr während totaler kommunistischen Herrschaft.

Und im Übrigen ist es völlig nichtig, ob Bush Gorbatschow fallen ließ, und diese Geschichten mit Irak oder was auch immer sind auch völlig nichtig, denn Perestroika - so, wie sie vom Gorbatschow&Co geplant wurde - würde NIE funktionieren, unter keine Umständen, da können Bush oder wer auch immer tun oder lassen, was sie wollen... darum ging es gar nicht und diese mutmaßliche Einflüsse hatten viel weniger Bedeutung als diverse interne Prozesse in Russland. Das Schicksal der Perestroika war nicht von Bush abhängig und überhaupt nicht vom Westen.
Joachim Petrick schrieb am 19.08.2011 um 15:40
@Fahrenheit 451

Danke fürs Lesen.

"Glasnost und Perestroika sind nicht dasselbe. Glasnost gibt es jetzt viel mehr als damals während Perestroika und schon sowieso mehr während totaler kommunistischen Herrschaft."

Glasnost war universell ausgerichtet. Da bin ich im Ergebnis nicht so optimistisch wie Sie.

"Das Schicksal der Perestroika war nicht von Bush abhängig und überhaupt nicht vom Westen."

"Das Schicksal der Perestroika hing von ihrer globalen Wirkung und Kooperation der Supermächte untereinander ab und ist letzendlich n. m. E. als Einstiegsmodell in einen Großen Wandel der Weltwirtschaft an ihrer vorsätzlichen Unterfinanzerung gescheitert.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 19.08.2011 um 16:11
Ich bin mir nicht sicher, ob wir dasselbe unter Glasnost verstehen? Glasnost kann man ungefähr als Transparenz übersetzen und auch als Möglichkeit über die Sachen offen zu sprechen, ohne schlimme Konsequenzen deswegen zu tragen. So viel Glasnost wie jetzt war in Russland noch nie. Klar gibt es da immer noch gravierende Missstände (im Westen nicht?), aber es geht ja nicht über absolute Glasnost (wo gibt es sie überhaupt oder wo gab es sie je?), sondern um Glasnost im Vergleich mit z.B. Zarenzeit, Stalinzeit, Breschnewzeit etc. Während Perestroika gab es so viel Glasnost nicht. DAS kann ich mit Sicherheit sagen, weil ich Perestroika eben im Russland erlebt habe... mit allen drum und dran. Das war total miese, brutale, gefährliche Zeit.
miauxx schrieb am 19.08.2011 um 20:50
Das Argument J. Petricks, dass Gorbatschow als vermeintlicher "good fellow" durch eine Demonstration der USA, wer nun das Heft global als verbleibende Macht in die Hand nehmen möchte, "fallen gelassen" wurde, hat schon was für sich. Ich verstehe es so, dass eine, zumindest vorübergehende, Instabilität der SU eben gerade recht kommen mochte, um sich neu ergebende geostrategische Möglichkeiten festzuklopfen. Der Irak-Krieg ist freilich nicht primär unter diesen Vorzeichen zu erklären, bot aber wohl eine günstige Gelegenheit. Perestroika und Glasnost werden Washington relativ wurscht bzw. nur ein Stück weit als 'Erfüllungsgehilfen' hin zu einem Ende des "kommunistischen" Gegenpols wahrgenommen worden sein.

-----

Wer Russisch lesen kann, kann hier mal zur Ergänzung zum Artikels reinschauen:

"Где вы были 19 августа?" - "Wo waren Sie am 19. August"
www.kommersant.ru/doc/279016

Berichte damals völlig überraschter Zeitzeugen
in relativ hohen Positionen.
Matto schrieb am 19.08.2011 um 21:20
@miauxx,

Sehr gut, ich habe es mir abgespeichert und werden es lesen.
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 22:14
"Präsident Michail Gorbatshow"

Ob dieser Mensch für seine Bevölkerung und die ganze Welt lediglich ein - wie mir schien- Naivling war, oder anderes, viel Schlimmeres, ist heute in praktischer Hinsicht nahezu belanglos.

Beachtlich ist aber, dass er offenbar -hier im westlichen Medien-Block- wieder aus der Ecke gezerrt wird, um zu suggerieren, dass wegen der zu erwartenden nächsten Wahlkampf- Entscheidung in RU die relativ vernünftige russische Mehrheitsbevölkerung KGB-hörig gewesen ist.
miauxx schrieb am 19.08.2011 um 22:37
@Urmel
Du zitierst falsch! Gorbatschow war nie ein Präsident; der ist im Satz Petricks G. Bush zugeordnet.

Aus den von Dir geäußerten Gründen wird Gorbatschow aber glaube ich nicht "hervorgezerrt".
Das wird er stets einzig als Symbolfigur für den "friedlichen" Untergang der DDR. Eine Vergleichstellung zum 'Putin'schen' Russland soll wohl weniger "suggeriert" werden.
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 23:00
"u zitierst falsch! Gorbatschow war nie ein Präsident; der ist im Satz Petricks G. Bush zugeordnet.

Aus den von Dir geäußerten Gründen wird Gorbatschow aber glaube ich nicht "hervorgezerrt".
Das wird er stets einzig als Symbolfigur für den "friedlichen" Untergang der DDR. Eine Vergleichstellung zum 'Putin'schen' Russland soll wohl weniger "suggeriert" werden"
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 23:03
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 23:00
"Du zitierst falsch! Gorbatschow war nie ein Präsident; der ist im Satz Petricks G. Bush zugeordnet.

Aus den von Dir geäußerten Gründen wird Gorbatschow aber glaube ich nicht "hervorgezerrt".
Das wird er stets einzig als Symbolfigur für den "friedlichen" Untergang der DDR. Eine Vergleichstellung zum 'Putin'schen' Russland soll wohl weniger "suggeriert" werde
Urmel auf dem Eis schrieb am 19.08.2011 um 23:14
Zu dem Vorstehenden:

Wenn ich glaube, weiß ich das klarzumachen. Wenn ich sicher bin, zu wissen , ebenfalls.
Und meine Lehrer sind Popper, Chomsky, Postman und vergleichbar Redliche.

Deine Lehrer sind die "neuen Medien". Und Deine offensichtliche Panik gleicht der der "Neuen Finanzmärkte"bzw. deren persönlichen Vertretern.

Leg Dich hin und fantasiere weiter.
miauxx schrieb am 19.08.2011 um 23:57
@Urmel
Die drei Namen - Popper, Chomsky, Postman - hast du aber fein auswändig gelernt, vielleicht auch nur zum Copy&Paste irgendwo abgelegt, so dass du sie einfügen kannst, wenn dir inhaltlich die Puste ausgeht.
Wie es ausgeht, mit dir eine Diskussion überhaupt nur im Ansatz zu versuchen, hätte mir eigentlich klar sein sollen. Exakt die gleiche Erfahrung wie hier so eben, habe ich mit dir ja bereits gemacht.
Naja, war der letzte Versuch.
So wie du auftrittst, ist anzuzweifeln, dass du je überhaupt einen Lehrer hattest. Also verschone bitte Popper und Chomsky davon, sie für dich als Zeugen aufzurufen!
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:13
miauxx schrieb am 19.08.2011 um 23:57
@Urmel
"Die drei Namen - Popper, Chomsky, Postman - hast du aber fein auswändig gelernt, vielleicht auch nur zum Copy&Paste irgendwo abgelegt, so dass du sie einfügen kannst, wenn dir inhaltlich die Puste ausgeht.
Wie es ausgeht, mit dir eine Diskussion überhaupt nur im Ansatz zu versuchen, hätte mir eigentlich klar sein sollen. Exakt die gleiche Erfahrung wie hier so eben, habe ich mit dir ja bereits gemacht.
Naja, war der letzte Versuch."

Zum letzten Satz: Hoffentlich.

Du scheinst durch Erfahrungen nicht zu lernen.Du verstehst und begreifst keine Empirik.
Deine Oberflächlichkeit und papageienhafte Gelehrigkeit begründet meine Ignoranz Deiner "Persönlichkeit" gegenüber.

Wir haben nicht einmal ein annähernd adäquates Niveau, Du aber (ver) traust den Handlungs-Eliten.
molodjez schrieb am 19.08.2011 um 23:41
Nun man muss schon konstatieren, daß Gorbatschow einer der unfähigsten Politiker in der jüngeren russischen Geschichte war. Das Lob von Leuten, die bis eben noch seine Feinde waren, hätte ihn bei etwas mehr Intelligenz eigentlich skeptisch machen müssen. Aber vielleicht war er auch so fasziniert von sich selbst, daß ihm diese Merkwürdigkeit nicht auffallen konnte. Auch der im Westen zweitbeliebteste russische Politiker, Boris Jelzin, hat sein Land weiter ruiniert. So ist es nicht verwunderlich, dass Putin hierzulande als Gefahr für "freedom and democracy" vorgeführt wird, der ist nämlich schlauer und weniger besoffen.
miauxx schrieb am 20.08.2011 um 00:05
"Das Lob von Leuten, die bis eben noch seine Feinde waren, hätte ihn bei etwas mehr Intelligenz eigentlich skeptisch machen müssen."

Hart gesprochen der Kommentar, aber wohl wahr!

молодец!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.08.2011 um 00:12
"So ist es nicht verwunderlich, dass Putin hierzulande als Gefahr für "freedom and democracy" vorgeführt wird, der ist nämlich schlauer und weniger besoffen."

Офигеть, дайте две...
Lutz Herden schrieb am 20.08.2011 um 10:04
Die letzten Interviews Gorbatschows, etwa im Guardian zum 20. Jahrestag des Augustputsches, ergeben eine erstaunliche oder eben nicht erstaunliche Geschichtsklitterung, wenn G. meint, er hätte die KPdSU schon viel früher verbieten sollen. Warum war er dann bis zu deren tatsächlichen Verbot durch Boris Jelzin am 23. 8. 1991 deren Generalsekretär?
Matto schrieb am 20.08.2011 um 21:01
@Lutz Herden.

Ich habe von Herrn Falin zwei Bücher, die ich mir von Herrn Falin auch signieren ließ.
Herr Falin kritisierte auch Gorbatschow, dass er zu lange an der KPdSU festgehalten habe. Gorbatschow selbst sagte dazu, dass er die KPdSU retten wollte. Gerade vor Kurzen sagte Gorbatschow, dass seine Linie mit den damaligen Menschen sich nicht mehr durchführen ließ, weil sie sich verändert hätten.
Eine wichtige Sache sagte Herr Falin noch bei seiner Buchvorleseung.
Er wirft Gorbatschow vor, dass die Sowjetunion sich auf einen Spottpreis hinsichtlich ihres Abzuges aus Deutschland eingelassen hat. Genau die gleiche Meinung vertrete ich auch.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.08.2011 um 15:49
@Lutz Herden schrieb am 20.08.2011 um 10:04

Es ist für Michail Gorbatschow natürlich eine sehr angenehme Vorstellung - jetzt nachhinein - dass er KPdSU verbieten könnte, d.h. dass er so viel Macht hätte. Hatte er aber nicht. Erst die Sache mit dem Putsch hat die Kräfteverhältnisse endgültig geändert und es möglich gemacht, die Sanktionen gegen Kommunisten anzusetzen. KPdSU vorher zu verbieten war genauso absurd wie etwa im Vatikan den lieben Gott zu verbieten. Dabei aber viel gefährlicher. Die kommunistische Partei besaß bis zum gewissen Zeitpunkt solche Dimensionen der Macht, die hier im Westen gar nicht vorstellbar sind... und zwar überall und auf jeder Ebene. Im Kreml und in jedem sibirischen Dorf. Und selbstverständlich wollten alle Machthaber in ihren Positionen bleiben. Abgesehen davon hatten Kommunisten auch breite Unterstützung in der Bevölkerung, denn die Propaganda wurde ja nicht umsonst 70 Jahre lang getrieben. Klar kam mit der Perestroika sehr viel Information, sehr viele kritische Bücher, Artikel, Sendungen etc. Aber man braucht halt seine Zeit, bis solche wirklich ankommen. Selbst die Menschen, die fähig sind, kritisch zu denken, können ihre Wahrnehmung nicht von heute auf morgen so ganz locker umschalten.

Darüber hinaus hat Perestroika extrem viele ökonomische Nachteile gebracht... es ist einfach unbeschreiblich, was damals im Land geschah bzw. es ist beschreiblich, aber nicht im Rahmen eines Kommentars. Viele Betriebe, die nicht mehr durch Staat finanziert wurden, gingen haufenweise kaputt, die Leute wurden dann logischerweise arbeitslos... das betraf alle von unten nach oben, in jedem Beruf, von ungelernter Arbeitern bis Wissenschaftlern. Die staatlich finanzierte Lebensmittelgeschäfte (und das waren die meisten) waren radikal leer... wenn ein Geschäft z.B. Brotlieferung bekam oder sonst irgendwelche Grundnahrungsmittel, dann stand sofort eine Kundenschlange durch die ganze Straße und man durfte dabei nicht so viel kaufen, wieviel man wollte bzw. brauchte, sondern z.B. zwei Laibe Brot oder ein Kilo Reis... damit die andere Kunden nicht leer gehen. Die Preisen auf dem Markt waren... na ja. von einem studentischen Bafög konnte man z.B. ein paar Honigmelonen kaufen oder so. Die Kriminalität war so intensiv und so unglaublich brutal und zynisch, so haltlos, wie sie in Russland wahrscheinlich noch nie war. Da kann man schon irgendwie vorstellen, welche Zusammenhänge in viele Köpfen sich gestrickt haben... insbesondere in ungebildeten Köpfen.

In so einer Situation die KPdSU zu verbieten wäre ein politischer Selbstmord. So eine Entscheidung hätte man weder von oben noch von unten unterstützt... ganz im Gegenteil, man hätte sich aktiv widersetzt... und die Methoden des Widersetzen wären dabei nicht zu fein.

Und, na ja, klar wollte Gorbatschow der Generalsekretär der KPsDU bleiben... den es war, wie gesagt, reale Macht... wozu sollte er diese Macht jemandem abgeben bzw. mit jemanden teilen? Gegner hatte er ohnehin genug.
Lutz Herden schrieb am 22.08.2011 um 07:52
Das Ansehen Gorbatschows in Rusland zeigte sich 1996, als er noch einmal an Präsidentenwahlen teilnahm und auf etwa ein Prozent der Stimmen kam.
Lutz Herden schrieb am 22.08.2011 um 07:54
Das Ansehen Gorbatschows in Russland zeigt sich 1991, als er noch einmal an Präsidentenwahlen teilnahm und auf etwa ein Prozent der Stimmen kam.
gweberbv schrieb am 20.08.2011 um 18:21
"Wenn junge Moskauer schon am Abend des ersten Putschtages auf Panzern saßen und mit deren Kommandanten Zigaretten rauchten, taten sie es in dem Bewusstsein, dabei nicht mehr zu riskieren als Verbrüderungsszenen."

Gab es damals in Moskau nicht mehrere Tote? Sind die etwa nach zuviel Verbrüderungstrinken besoffen vom Panzer gefallen und unglücklich gelandet?

So ganz mag ich an die völlige Harmlosigkeit von Panzern in Innenstädten nicht glauben.
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:35
Der Einfachheit halber schreibe ich es hier:

Nach 1945 bekam Rudolf Augstein durch CIA-Gelder eine Gel-Druck-Maschine in die Hand.

Vor relativ wenigen Monaten bekam durch dieselben Kräfte der intellektuell kraftlose Jacob /Spiegel-Jacob) die Rechnung der damaligen Investition präsentiert.

Seine Schwester Franciska hätte den FREITAG übernehmen sollen.
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:25
Wo bleibt mein Kommentar auf die Miauxxende ?
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:41
Noch etwas für die Bildungsbürger:

Rechtschreibung ist das Schwert der Herrschenden gegen die Vielen.

Ein Tisch wird nicht zum Baum oder PC, weil er kleingeschrieben wird.l
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:49
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:25
Wo bleibt mein Kommentar auf die Miauxxende ?
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:50
[ comments 1 ]
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:25
Wo bleibt mein Kommentar auf die Miauxxe
Urmel auf dem Eis schrieb am 20.08.2011 um 23:57
Na dann: Noch mehr Geistesjuden gefällig?

Marmonides, Hillel, Hannah Arendt, Uri Avreny, Thomas Steinberg etc. pp.
Urmel auf dem Eis schrieb am 21.08.2011 um 00:04
Sie gestatten mir nicht (mehr), mich gegen Einfältigkeit zu wehren ?


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