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Warum es so schwer ist, die Banken zu bändigen

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Finanzsystem | 10.03.2010 10:25 | Werner Vontobel

Gierig währt am längsten

Die Welt ist den Banken ausgeliefert. Es wird Zeit, dass wir sie wieder bändigen. Das Rezept: Die Arbeitnehmer müssen endlich mehr zu sagen haben

War alles bloß ein Traum? Eben noch waren wir uns alle einig, dass die Kapitalmärkte nichts taugen und uns in die größte Krise seit 1929 geführt haben. Und jetzt? Jetzt tanzen wir schon wieder nach der Pfeife der Banken und Hedgefonds und tun in blindem Gehorsam alles, um ihren Zorn zu besänftigen. Nachdenken ist nicht mehr erlaubt. Jede Zögerlichkeit würde von den Kapitalmärkten als mangelnder Sparwille erkannt – und umgehend mit hohen Strafzinsen geahndet.

Die Finanzmärkte haben ihre Analyse gemacht: „Die haben über ihre Verhältnisse gelebt“. Gemeint sind Defizitländer wie Island, Griechenland und Spanien – andere wie die USA bleiben vorerst verschont. Und die Kapitalmärkte haben ihr Urteil gesprochen: „Jetzt muss abgespeckt werden.“ Zwar hagelt es Protest – in Athen, Madrid, Lissabon, Paris und Rom demonstrieren die Menschen. Aber was soll’s? „Bond Investors are the only audience, that matters“ (die Investoren sind die einzige Instanz, die zählt) ist laut Wallstreet Journal das neue, alte Motto.

Gibt es denn keine Möglichkeit, die Banken zu bändigen? Es mangelt nicht an Ideen. Höhere Eigenkapitalquoten sollen her, Credit Default Swaps, also Wetten auf den Staatsbankrott sollen verboten werden. All das ist richtig. Die Kapitalmärkte müssen dringend besser reguliert werden. Und doch ist diese Diskussion ein Ärgernis. Sie lenkt die Aufmerksamkeit nämlich vom Hauptproblem ab. Es genügt nicht, die Kapitalmärkte zu reparieren. Man muss sie trocken legen, indem man ihnen die Liquidität abgräbt.

Überschüsse hier, Defizit dort

Wie geht das? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen Ausflug in die Realwirtschaft machen. Wertpapiere sind verbriefte Schulden und Forderungen. Forderungen die offen geblieben sind, weil die dazu gehörigen Transaktionen noch nicht abgeschlossen sind. Und in den Nullerjahren sind mehr Transaktionen denn je offen geblieben. Deutschland etwa hat seit 2001 Leistungsbilanzüberschüsse von 1.340 Milliarden Dollar angehäuft. Die Schweiz schaffte immerhin 433 Milliarden, China sogar 1.588 Milliarden. In all diesen Ländern war die Tendenz bis zur Finanzkrise 2007 stark steigend. Das Gegenstück zu diesen Überschüssen sind die Defizite insbesondere der USA, die 2006 ihr bisheriges Rekorddefizit von 804 Milliarden Dollar erreichte, fast sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts! In Europa ist Spanien der Schuldenweltmeister, gefolgt von England, Italien, Frankeich und Griechenland.

Diese grenzüberschreitenden Schulden und Forderungen sind weitgehend die Folge von internen Ungleichgewichten, von nicht abgeschlossenen Transaktionen, die wiederum neue Wertpapiere generieren. In den USA etwa gehen inzwischen 50 Prozent aller Markteinkommen an das reichste Zehntel der Haushalte. Vor 20 Jahren waren es noch 35 Prozent. Die Masseneinkommen reichen deshalb längst nicht mehr, um den Konsum zu decken. Gemäß den Consumer Expenditure Survey haben rund 50 Prozent aller Haushalte nicht genügend Einnahmen, um ihre laufenden Ausgaben zu decken, geschweige denn um Ersparnisse zu bilden.

Spiegelbildlich dazu entwickelte sich die Wirtschaft in Deutschland. Trotz einer Steigerung der Produktivität von zehn Prozent, sanken hier laut OECD die Reallöhne in den vergangenen zehn Jahren um 2,8 Prozent. Weil es hier jedoch keinen Kredit- und Immobilienboom gab, nahm auch die Gesamtnachfrage nur um ein Prozent zu – und auch das nur, weil die Menschen eben weniger sparten. Deutschland dürfte damit den Weltrekord in der Disziplin Konsum-und Importverweigerung halten.

Strategien der Exportmeister

Die Folge davon war nicht nur der erwähnte Anstieg der Exportüberschüsse, sondern auch der Unternehmensgewinne. Sie waren während des vergangenen Jahrzehnts um gut 600 Milliarden Euro höher als die Summe aller Löhne. Mangels Nachfrage konnte dieser Extragewinn nicht in Deutschland investiert werden, stattdessen wurde er in Subprime-Hypotheken in den USA und in griechische und spanische Anleihen gesteckt.

Hier zeigt sich auch ein wichtiger Unterschied zwischen der Export-Überschusspolitik Chinas einerseits und Deutschlands und der Schweiz andererseits. In China bleiben die Überschüsse im Besitz des Staates, und der denkt nicht daran, seine Guthaben zurückzufordern – und damit die Grundlage seiner Beschäftigungspolitik zu zerstören. Die Guthaben bleiben wirtschaftspolitisch sterilisiert.

Die Überschüsse der westlichen Exportweltmeister fallen in erster Linie bei den Unternehmen an und finden von dort den Weg in die Banken und Hedgefonds – die jetzt auch der EU die Bedingungen für die Schuldensanierung Griechenlands diktiert haben. „Bond Investors are the only audience that matters.“ Das ist der Fluch des Westens.

Fassen wir zusammen: Die zunehmenden Ungleichgewichte in der Wirtschaft haben eine Flut von Wertpapieren erzeugt. In den USA beläuft sich die Summe aller handelbaren Wertpapiere auf 144.000 Milliarden Dollar. Das ist das Zehnfache des jährlichen Bruttoinlandprodukts. Darauf türmt sich noch ein ganzes Luftschloss aus weiteren Finanzoptionen.

Hinter diesen Zahlen steckt inzwischen auch eine politische Macht und eine normative Kraft: Die Menschen haben im Verlaufe der Jahre die Erfahrung gemacht, dass mit Finanz-Transaktionen im finanziellen Überbau leichter Geld zu machen ist als in der realen Welt der Produktion. Ein Prozent Veränderung im Überbau entsprechen zehn Prozent Veränderung in der Realwirtschaft. Bis das BIP aber um zehn Prozent steigt, kann mehr als ein Monat vergehen. Börsenkurse aber verändern sich oft innerhalb von Stunden um mehrere Prozent. An den Börsen wird täglich oft hundertmal soviel Vermögen umgeschichtet wie in der gleichen Zeit neu erarbeitet wird. Wo bleibt da der Anreiz für ehrliche Arbeit?

Strukturelle Probleme

Doch die Finanzmärkte haben nicht nur den Menschen die Arbeitsmoral ausgetrieben, sondern auch den Märkten den Preiswettbewerb. Früher musste ein Unternehmen die Preise senken, damit die Kunden seine Produkte kauften. Heute muss ein Unternehmen die Preise und die Gewinnmarge laufend erhöhen, um nicht selbst gekauft zu werden. Diese neue Regel erklärt die ständig steigenden Unternehmensgewinne, die inzwischen den eigenen Investitionsbedarf bei weitem übersteigen. Dieser „Nettocashflow“ liefert dann die Munition für die gegenseitigen Übernahmen, mit denen die Konkurrenz noch mehr ausgeschaltet wird.

Das Fatale daran ist: Dieses Ungleichgewicht kommt in der Wirtschaftstheorie nirgendwo vor. Sogar die als staatsgläubig verschrienen Anhänger von Keynes gehen davon aus, dass Ungleichgewichte immer nur konjunkturell bedingt sind. Notfalls müsse die Notenbank oder der Staat der Nachfrage ein wenig nachhelfen. Fiskal- und Zinspolitik bleiben aus ihrer Optik die einzigen Mittel der Wirtschaftspolitik. Auch das von vielen Beobachtern als „bahnbrechend“ bezeichnete Memorandum „Rethinking Marcoeconomic Policy“ des IWF-Chefökonomen Oliver Blanchard, geht nicht über diesen Ansatz hinaus. Seine Lehren aus der Krise laufen in wesentlichen darauf hinaus, die Geld- und Fiskalpolitik ein wenig effizienter zu machen.

Doch wenn es zutrifft, dass unser aktuelles Nachfrageproblem nicht konjunkturell, sondern strukturell bedingt ist, dann wird das nicht viel helfen. Der fiskalischen Nachfragepolitik werden die Mittel ausgehen – oder die Märkte können ihr Veto einlegen – lange bevor der gewünschte Zweck erreicht ist.

Ein Graus: Sparen, sparen, sparen

Genau das geschieht jetzt – zunächst in Griechenland, dann in Spanien, England, oder Frankreich. Mit dem von Berlin vorgeschlagenen Europäischen Währungssystem EWS sollen dieses Sparzwänge jetzt auch institutionell verankert werden. Dabei genügt ein Semester Volkswirtschaft, um zu begreifen, dass damit die Sache nur noch schlimmer wird. Das Beispiel Portugals liefert dazu den praktischen Beweis: Als die EU und die Kapitalmärkte dem Land 2002 ihr Sparprogramm aufzwangen, lag das Leistungsbilanzdefizit noch bei zehn Milliarden Dollar, heute sind es 26 Milliarden. Das Haushaltsdefizit hat sich verdoppelt.

Doch offenbar sind die Kapitalmärkte stark genug, um ganz Europa eine schmerzliche und garantiert schädliche Rosskur aufzuzwingen. Das sagt auch einiges über die Chance der Politik aus, den Banken auf ihrem ureigenen Gebiet das Handwerk zu legen. Dennoch muss man es versuchen.

Ein solcher Versuch kann aber nur Erfolg haben, wenn die gewählten Regierungen ab sofort alles tun, um die strukturellen Ungleichgewichte in der Realwirtschaft zu beseitigen. Zu diesem Zweck müssen sie nur eine altbekannte Faustregel neu beachten: Die Löhne sollten in etwa ebenso stark steigen wie die Produktivität. Damit wird sichergestellt, dass die produzierten Güter und Dienstleistungen aus dem laufenden Arbeitseinkommen, statt auf Pump oder mit Hilfe von staatlicher Umverteilung bezahlt werden können. So bleiben auch keine Rechungen offen und werden keine neuen Schuldverhältnisse geschaffen.

Höhere Löhne, höheres Wachstum

Dass die alte Faustregel auch in den Nullerjahren noch immer gilt, kann man übrigens leicht in der Praxis überprüfen. Länder, die den Löhnen und der Nachfrage keine Fesseln anlegten, haben durchweg besser abgeschnitten als der Lohndrücker Deutschland: Bessere Entwicklung der Produktivität, mehr Wachstum, mehr Konsum, mehr Beschäftigung. Wie werthaltig die deutschen Guthaben noch sind, wird die nächste Finanzmarktkrise zeigen.

Bleibt die Frage, mit welchen wirtschaftspolitischen Instrumenten der Gleichschritt von Lohn und Produktivität gesichert werden kann. Die Antwort ist einfach: Marktwirtschaft kann nur funktionieren, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer in etwa gleich viel Macht haben. Jeder, der über den Seitenrand seines Ökonomielehrbuches hinaus blickt, muss erkennen, dass die Arbeitnehmer heute weit weniger Macht haben als die Unternehmer, die sie einstellen. Die Hartz–Gesetze haben dieses Ungleichgewicht zu Lasten der Arbeitnehmer dramatisch verschärft.

Wer die Kapitalmärkte in den Griff kriegen will, muss zuerst seinen Arbeitsmarkt wieder ins Gleichgewicht bringen. Denn die Übermacht der Banker ist aus der Ohnmacht der Arbeitnehmer entstanden.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
misterl schrieb am 11.03.2010 um 12:00
Ich versuchte mitzukommen. Ob es glückte weiß ich nicht aber an einem muss man sich zu aufhängen. Ein Resümee ist da immer ein einfachder Ansatz.

"Wer die Kapitalmärkte in den Griff kriegen will, muss zuerst seinen Arbeitsmarkt wieder ins Gleichgewicht bringen. Denn die Übermacht der Banker ist aus der Ohnmacht der Arbeitnehmer entstanden."

Ich würde "Arbeitnehmer" durch "Realwirtschaft" ersetzen, denn die Arbeitgeber gehören mit ins Boot und nicht nur als Gegenseite zum "Arbeitnehmer". Zumindest überall dort, wo die Realwirtschaft noch versucht mit ihren Produkten und Diensten am Markt zu punkten.

Dazu gehören dann automatisch entschleunigte Wachstumsentwicklungen hier und anderswo in der doch eher satten Welt. Im Handelsraum ganze Welt ist es allerdings reichlich undurchführbar - auch nicht zwingend erwünscht ist. Mehr und schnelleres Wachstum in Entwicklungsländer ist ja durchaus gewollt - nicht nur weil sich dadurch Kostenvorteile auflösen sondern auch weil erhebliche Ausbeutung vor Ort sich relativieren wird.

So benötigt der Finanzmarkt schon eine eigene Sonderregel. Sie muss wie Kette an die Realwirtschaft gekoppelt werden. Eine Renditeobergrenze in Relation zur Realwirtschaft, oberhalb dieser jede Rendite Promillepunkt wegversteuert wird. Es muss wieder "Sinn" machen massiv in die Realwirtschaft zu investieren. Dann - so meine Vermutung - entwickelt sich der Arbeitsmarkt quasi von alleine.
mh schrieb am 12.03.2010 um 13:39
bond investors mit investoren zu übersetzen, ist mE absolut manipulativ. anleiheninhaber, nicht mehr sind bond investors, sind gläubiger. natürlich sind sie im vorfeld des zeichnens einer anleihe investoren, im sinne eines geldgebers. doch was der staat mit dem geld macht, bestimmen sie nicht. bestimmen sie vielleicht, wenn der staat pleite geht und eine lösung für die forderungen der gläubiger gefunden werden muss.

hinzu kommt, dass unter den anleihegläubigern auch eine menge privater dabei sind. oma und opa, die einfach nur hohe zinsen wollen. dafür tun die besonders in deutschland nahezu alles.

der größte gag am rande ist aber wohl, dass höhere eigenkapitalquoten als regulierungsmaßnahme abgetan werden und gleich darauf gefordert wird, dass man den kapitalmarkt austrocknen müsse.

herje... genau das tun höhere ek-quoten. sie vermindern die möglichkeit der kreditaufnahme durch die banken.

"Credit Default Swaps, also Wetten auf den Staatsbankrott sollen verboten werden."

aua... mal abgesehen davon, dass man mit CDS auch investmentbasiert handeln kann, was verboten werden könnte, dienen sie auch regulären und sinnvollen ab- und versicherungsgeschäften. richtig verwendet, könnte man damit die gesamte risikostruktur eines instituts "umkrempeln" .. was dann unter sinnvoll läuft. per se dienen die dinger also nicht der spekulation auf den staatsbankrott sondern der absicherung des risikos eines staatsbankrotts. und während hedgefonds auf sowas spekulieren können, ist es nicht umbedingt im sinne einer bank dieses risiko einzugehen.

das thema is zu komplex und zu wichtig, um in dieser polemischen und unwissenden form abgetan zu werden.

wenn die reallöhne in deutschland um 2,8% gesunken sind und die gesamtnachfrage derweil um 1% gestiegen ist, komme ich für peter müller nicht auf ein positives saldo. was heißt, dass der zwang zum weniger sparen sich aus sinkendem lohn bei höheren preisen ergab. das alles hat also wenig mit verweigerung sondern vielmehr mit zwang zu tun. entscheidend, für die betrachtung.

was die import- und exportstatistik betrifft, müsste man ohnehin mal genauer hinschauen, was der "made in germany"-effekt so mit sich bringt, denn die wertschöpfungskette befindet sich meist außerhalb deutschlands.

vollkommen abstrus wirds, als unterstellt wird, dass die unternehmensgewinne in den "Subprime-Hypotheken in den USA und in griechische und spanische Anleihen gesteckt" wurden.

ein großteil der unternehmensgewinne wurde ausgeschüttet, zum einen. ein weit anderer teil wurde im ausland investiert: expansion und so. dann gabs da noch die übernahmen und schlussendlich... oja, die verwaltung des cashbestands. nicht der gewinne .. denn nur was ungenutzt da rumliegt, muss man verwenden. das wird im regelfall breit gestreut, tendenziell eher konservativ angelegt mit kleineren risikopositionen.

an dieser stelle fällt auch auf, dass der einzige beleg für das diktieren der bedingungen durch hedgefonds und banken was ist? achja, ein artikel mit einem prägnanten satz, den der autor sich gemerkt hat. das wallstreet journal gehört übrigens zu news corp. das sind die mit dem murdoch und dem übermaß an yellowpress. denn ruf hats noch nicht versaut, aber es ist kein geheimnis, dass hedgefonds und banken gerne mal einen artikel "streuen".

faktisch sieht es im fall griechenland so aus, dass der öffentliche druck gegen direkte hilfsmaßnahmen läuft und va bei dem gerade beschlossenem haushalt für 2010 absolut gar niemand den mut aufbringt, hier direkt zu helfen, wenn es nicht die absolut letzte lösung ist. also versichert man im großen und lehnt im kleinen ab .. man versucht es erstmal so und droht seitens der politik gleichmal noch mit regulierungsmaßnahmen für banken und hedgefonds, da diese gegen den euro und griechenland spekulierten. da wird nun auch was kommen, soviel ist sicher. wer da diktiert... fakt ist übrigens auch, dass die neigung der deutschen banken recht gering ist, hier noch mehr kredite zu geben .. man hilft aber gerne beim verticken der anleihen, so ackermann. die risikoposition ist bereits zu hoch.

lustig hingegen finde ich immer die zahlen. handelbare wertpapiere .. wert x. damit kann kein finanzmarktaffiner mensch arbeiten, aber es reicht um im gesamtkontext ein bedrohungsszenario aufzubauen. "ich habe 2.000 euro im monat und die haben 144.000 mrd.", denkt sich da der durchschnittsmensch und fühlt sich gleich mal vorm mount everest.

mir ist an dieser stelle nicht klar, warum die ungleichgewichte in der wirtschaft diese wertpapiere erzeugt haben, wenn die optionen doch erst noch obendrauf kommen und zu diesen zählen CDS & co. bekanntermaßen. also das zeugs, in das all die unternehmensgewinne geflossen sein sollen.

in der betrachtung des börsenhandels fehlt wiederum der hinweis, dass sich die börsen dauerhaft auch nur an der realwirtschaft orientieren und die korrektivschiene bei 8-12% anteil des finanzmarktes am BIP liegt. hier wird so getan, als ob es nach oben hin offen ist.

eine fundamentale auftriebsfeder für den finanzmarkt war, dass unternehmen in china preiswert produzieren konnten und ihre produkte dann ebenso preiswert hier verkaufen konnten. was sie auch mussten, denn wenn die reallöhne sinken, dann können die leute nicht mehr geld ausgeben. höchstens kurzfristig, durch die aufnahme von krediten. doch im bodensatz bleibt die kreditaufnahme des normalen bürgers begrenzt.

deutschland hat hier seine grenzen erreicht, die amis sind mit ihrem modell der hypothekenbasierten wertschaffung gescheitert. deswegen pumpen sie nur noch geld in den markt und hoffen auf besserung. hier wird geld entwertet, was man langfristig spüren wird. denn bei all der polemik und eigenartigen herleitungen .. schlussendlich zählt das vertrauen der meisten menschen in das geld und genau die profitieren von all dem nicht dauerhaft.

eine roßkur für europa würde das nur beschleunigen. es ist einer dieser irrglauben, dass die finanzmärkte sparsame staaten wollen... wollen sie nicht, das hebelt die realwirtschaft nur weiter weg vom finanzmarkt und bringt schneller den zusammenbruch. das sparen kommt erst nach dem zusammenbruch... griechenland beweist das.

ansonsten wird auch hier der begriff unternehmer mit managern verwechselt und somit die fundamentalen unterschiede verleugnet, die es für die unternehmenskultur mit sich bringt.

länder die löhnen keine fesseln anlegten .. spanien, portugal, italien, griechenland, irland .. die lebten alle von ihrem wachstum und bekommens grad vielfach zurück.

was dabei grundsätzlich übersehen wird ist, dass deutschland von einer ganz anderen basis aus kommt als die konkurrenten. wir sind eine der größten wirtschaften der welt und da bringt es mit sich, dass wachstum nicht mehr so überragend ist. wenn inlands die felle verteilt sind, dann ist eigentlich auch nur logisch, dass wir im ausland weiter machen .. nur sehen wir uns dann einer vollkommen anderen konkurrenzsituation gegenüber.

wachstum war schon immer endlich, es wird ab einem bestimmten punkt dann nur noch aufgebläht. z.b. durch den bau von skianlagen in der wüste.

wer die finanzmärkte einschränken will, muss ihnen die möglichkeit zur haltlosen generierung von geld aus kredit nehmen.. siehe ek-quote und deren bedingung drumherum im sinne von zweckgesellschaften u.ä. späßen.

nur wer das in der krise tut, der nimmt den banken dadurch genau die fähigkeit, die man dann an anderer stelle bemängelt und fordert: die möglichkeit der kreditvergabe. deswegen traut sich keiner da ran.

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