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Kultur : Reden ohne Worte

Wie reagiert der moderne Mensch, wenn er hört, dass ein Papst im Bad ausgerutscht sei und sich das Gelenk der rechten Hand gebrochen habe? Er sieht sogleich das Komische

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Jedenfalls reagiert der moderne Mensch nicht wie gestern der Vatikan-Sprecher, der sogleich versicherte, es sei "nichts Schlimmes", und Benedikt habe noch die Messe zelebriert, bevor er ins Krankenhaus gebracht worden sei. Nein, der moderne Mensch stutzt, seine Gedanken heften sich zielstrebig auf das, was ihn nicht im Mindesten interessiert, die Messe nämlich, und noch uninteressanter: das "Zelebrieren"! Wenn Benedikt "zelebriert", muss er da nicht segnen und also die rechte Hand gebrauchen?

Sogleich sieht unser Mensch das Komische, und weil es ihn überwältigt, dringt sein inneres Auge sogar zu Handgesten durch, die es gar nicht mehr gibt. Wenn Priester heute die Hand zum Segens- und Kreuzeszeichen heben, halten sie alle Finger beisammen, also war von Benedikt nur pures Handheben gefordert, das wird er wohl gerade noch hingekriegt haben. Aber angenommen, die Liturgiereform wäre noch nicht gewesen: dann hätte er zum Segnen Daumen, Zeige- und Mittelfinger vorstrecken, kleinen und Ringfinger zurückhalten müssen. Eine solche "Hand"lung zu bewältigen, hätte ihn schon fast zur Aufnahme in die Märtyrerakten qualifiziert. Die Alternative, stellt sich der moderne Mensch von Lachen geschüttelt vor, wäre der Rücktritt vom Papstamt gewesen, wegen erwiesener Unfähigkeit, das wichtige Glied in der wichtigen Situation zu gebrauchen...

Umdeutungen

An dieser Stelle betritt ein gebildeter Priester meine innere Arena und schilt mich aus: "Sie sind ein Zwangsneurotiker! Honni soit qui mal y pense!" Er fragt mich, ob ich auf ähnliche Gedanken käme, wenn ein angehender Minister sich kurz vor der Vereidigung den rechten Arm bräche. Oder ich solle mir einen Freund mit ausgerenktem Schultergelenk kurz vor dem Hochzeitstanz denken. "Würden Sie dann sagen, die Hochzeit könne nicht stattfinden?" Das ist doch nicht dasselbe, wende ich ein. Doch, entgegnet er: Alle Gesten der römischen Liturgie seien ursprünglich weltliche Gesten gewesen. Bei den meisten sehe man es auch sofort, zum Beispiel beim Schreiten der Prozession, beim Küssen des Bischofsrings. Die Geste des Segnens sei antiken Rednern abgeschaut. Sie hätten Zeige- und Mittelfinger nach oben gestreckt oder mit ihnen auf die Angeredeten gezeigt, wobei sich mehr zufällig auch der Daumen oft miterhoben hätte. In der Umdeutung der Kirche seien daraus drei Finger zur Bezeichnung der Trinität geworden, die beiden andern stünden oder vielmehr krümmten sich für die göttliche und menschliche Natur Christi.

Aha, sage ich, die Kirche redet also, wenn sie segnet. Was redet sie denn? Dass man keine Kondome benutzen soll! Ich bin schon wieder bei meinen zwangsneurotischen Gedanken. Am liebsten würde ich eine Oper schreiben, frei nach Wagners Parsifal, über diesen Papst, der im Bad stolpert. Ein Pater tritt auf. "Heil euch! Wie geht's dem Papste heut?", wird er vom Hausmeister gefragt. "Wohl früh verlangt er nach dem Bade; ich wähne, dass es Lind'rung schuf?" "Schlaflos von starken Bresten befahl er eifrig uns das Bad", bestätigt der Pater. Aber noch vor Erreichen der Wanne sei er ausgeglitten. Der Hausmeister senkt traurig das Haupt: "Toren wir, auf Lind'rung da zu hoffen, wo einzig Heilung lindert! Ihm hilft nur eines – nur das Eine!" Der Pater: "So nenn' uns das!" Der Hausmeister, ausweichend: "Sorgt für das Bad!"

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