Cosmo

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RE: Wer nicht kämpft, hat verloren | 15.06.2020 | 22:01

Die Linke kann schon einen rot-rot-grünen Wahlkampf machen. Das dürfte aber eher peinlich werden, weil die Grünen vermutlich überhaupt nicht und die SPD allenfalls verhalten in diese Richtung tendieren werden.

In der aktuellen Lage kann man R2G in der Tat nur als Kopfgeburt bezeichnen. Die Grünen werden immer eindeutiger zu einer rein bürgerlichen Kraft, die SPD sollte nach 20 Jahren fast ununterbrochenen Mitregierens, in denen sie ungeheuer viel Schaden angerichtet hat (u.a. die Zerstörung der Renten- und Arbeitslosenversicherung, also zweier tragender Säulen des Sozialstaats) versuchen, in der Opposition zur Besinnung zu kommen. Und auch die Linke, der ganze Wählerschichten weggebrochen sind, sollte sich Gedanken darüber machen, für wen sie eigentlich Politik machen will.

Die bisherigen Regierungsbeteiligungen der Linken in den Ländern machen übrigens nicht gerade Lust auf Mehr. In Berlin hat man noch als PDS hardcore-neoliberale Politik gemacht, ist jetzt an der völlig absurden Privatisierung der Berliner S-Bahn beteiligt. Die Regierungsbeteiligungen in Brandenburg muss man fast schon als grotesk bezeichnen, so miserabel hat man da regiert (was einen Mangel an fähigen Leuten vermuten lässt). In Meck-Pomm war es ähnlich. Der einzige kleine Lichtblick ist Thüringen, auch wenn da R2G bereits nach einer Legislatur die Mehrheit verloren hat.

Meine Hoffnung, dass sich durch R2G die Dinge wirklich bessern würden, hält sich in engen Grenzen.

RE: Muss ich wirklich wissen, was PoC bedeutet? | 13.06.2020 | 15:15

Wer ist denn eigentlich diese junge Generation? 2017 ist die FPÖ in Österreich mit 30% der Wähler unter 30 die stärkste Partei unter Jungwählern geworden. Weitere 28% haben die ÖVP unter dem Rechten Kurz gewählt. Also können wir zu dieser super moralischen jungen Generation zumindest in Österreich wohl nur höchstens 40% der jungen Menschen zählen.

Ist der ökologische Fußabdruck der jungen Menschen heute kleiner als vor 30 Jahren, nur weil es FFF gibt? Leben diese wirklich nachhaltiger? Oder gibt's nicht doch sehr viele, die immer ein neues Smartphone brauchen und gerne und oft Langstreckenflüge zu exotischen Zielen machen?

Derlei idealisierende Verallgemeinerungen sind derart lächerlich, dass es schmerzt. Am Ende sind Menschen vor allem nach ihren Taten zu bewerten. Nicht nach einer politisch maximal korrekten Sprache oder der Teilnahme an irgendwelchen Demos.

RE: Lasst euch nicht täuschen! | 13.06.2020 | 13:36

Vor kurzem habe ich mir Schweinefleisch gekauft, dass nicht 3, sondern 30€ je Kilogramm gekostet hat. Die Haltungsform war hier nicht 1 (Stallhaltung), sondern 4 (Premium). Ich halte diesen Preis prinzipiell für angebracht (vermutlich ist er eher noch zu gering). Nur sollte man sich nichts vormachen: für einen Hartz IV-Empfänger, der mit 400€ mtl. auskommen muss, ist das schlicht nicht bezahlbar.

Das Gesetze verschärft werden sollen/müssen, sehe ich ebenso. Das wird aber nur auf Akzeptanz stoßen, sofern die damit einhergehenden Verteuerungen auch für die unteren 30-40% der Bevölkerung verschmerzbar sind. Der Weg zu mehr Ökologie und Tierwohl wird wesentlich auch durch die Tatsache behindert, dass bspw. in den Vorstellungen der Grünen die reale Lebenssituation sehr vieler wenig privilegierter Menschen schlicht nicht berücksichtigt wird. Das war schon vor 20 Jahren so (5 DM für den Liter Benzin), und ist heute nicht anders. Das ist auch der Grund, warum zwischenzeitliche Höhenflüge der Grünen stets sehr schnell in sich zusammenfallen. Das Zeug zur stabilen Volkspartei haben die Grünen als Partei der Privilegierten nicht.

Insofern wird man entweder bereit sein müssen, parallel die Massenkaufkraft durch Umverteilung und Erhöhung der Löhne zu steigern, oder das Ganze wird (von bescheidenen Verbesserungen abgesehen) im Sande verlaufen.

RE: Risikogruppe Dienstleistungsproletariat | 23.05.2020 | 22:33

Dass die SPD keine Arbeiterpartei mehr ist, kann man sehr deutlich daran erkennen, dass sie erst jetzt in die Hufen kommt, und in der Fleischindustrie 'aufräumen' will. Wobei man getrost davon ausgehen kann, dass es wie mit allem endet, was die SPD in den letzten Jahrzehnten angepackt hat: bestenfalls bleibt es bei sinnbefreiter und wirkungsloser Pseudopolitik, die man verzweifelt versucht aufzublasen, freilich ohne dabei noch ernst genommen zu werden. Was treiben eigentlich die Parteivorsitzenden, außer Malochern im Einzelhandel mit arroganten Sprüchen zu kommen? Druck auf die Minister auszuüben, damit diese endlich substanzielle Sozialpolitik betreiben, wäre eigentlich nicht zu viel verlangt.

Es ist in der Tat eine Schande, dass in unserem vermeintlich sozialen und zweifellos reichen Land Ausbeutung in einer Form geschieht, die an das 19. Jahrhundert erinnert. Die Gewährleistung von Mindeststandards in Bezug auf Arbeitsschutz, Bezahlung und sonstigen Arbeitsstandards hat in der Politik stets höchste Priorität zu genießen.

RE: Wenn alles gut läuft, werden wir Airbnb los | 28.04.2020 | 23:35

Viele wahre Worte. Dass Airbnb verschwindet, glaube ich aber nicht. Das Geschäftsmodell hat zu viel Potential, richtig viel Geld zu verdienen. Und selbst wenn Airbnb pleite gehen sollte: die Geschäftsidee bleibt, und wird dann eben unter neuem Namen fortgeführt. Letztlich ist auch hier der Staat gefordert, und hat lenkend einzugreifen

RE: So wünscht man sich Politiker | 24.04.2020 | 19:02

Norbert Blüm ist m. E. der Beweis dafür, dass das Gerede vom Linksruck der Union völliger Blödsinn ist. Die CDU hatte früher durchaus einen brauchbaren Sozialflügel, der für einen starken Sozialstaat eingetreten ist und der dem nackten Kapitalismus mit seiner alles auf den Marktgedanken reduzierenden Logik zu einem gewissen Grad kritisch gegenüberstand (wenn auch aus anderen Gründen als die Linke). Derartiges kann ich heute nicht mal mehr in Ansätzen erkennen, wirtschafts- und sozialpolitisch ist die CDU inzwischen zu 100% neoliberal.

Sozialpolitisch stand Herr Blüm zum Ende seines Lebens nicht nur weit links von der CDU, sondern auch der SPD. Scholz, Heil, Steinmeier, Steinbrück, Gabriel, Schulz etc. sind von der Notwendigkeit eines leistungsfähigen Sozialstaats (inklusive einer auskömmlichen Rente nach einem langen Arbeitsleben) nicht ansatzweise so überzeugt wie es Norbert Blüm immer war.

Mir war der Mann immer außerordentlich sympathisch, sein Tod ist sicher ein großer Verlust für unsere zunehmend gespaltene Gesellschaft.

RE: Die Ruhrpott-Rebellin | 23.04.2020 | 20:42

Mehr Kurzarbeitergeld ist ein populäres Thema, bei dem die SPD ruhig auf Konfrontation hätte gehen können. Dass sie das immer noch nicht fertig bringt, ist erstaunlich und zeigt, dass sie mit den 15-18% in den Umfragen sehr gut leben kann.

Dem neuen Führungsduo hätte ich offen gesagt mehr zugetraut. Man vernimmt ausschließlich etwas von den Altbekannten (Scholz, Heil), während die Spitze der Partei quasi nicht wahrnehmbar ist. So wird das nichts mit dem neuen Profil.

RE: Der Möchtegern-Spalter | 11.04.2020 | 18:09

Insgesamt unterscheiden sich NPD und AfD natürlich schon erheblich. Die NPD ist in Gänze eine neonazistische Partei, die AfD nur partiell. Und der ganze Habitus ist einfach ein anderer. Deshalb kann die AfD im Gegensatz zur NPD auch beim Wähler punkten. Mir geht es nicht um eine Verharmlosung der AfD, aber die Realität sollte man schon noch sehen.

RE: Der Möchtegern-Spalter | 11.04.2020 | 16:57

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Meuthens Vorschlag aus Sicht der AfD tatsächlich so wenig Sinn gemacht hat. Es ist ja vermutlich nicht falsch, dass sich viele Rechtskonservative vom Höcke-Flügel, und viele klassisch Rechtsextreme bzw. viele klassisch rechte Protestwähler vom rechtskonservativ-bürgerlichen Flügel abgestoßen fühlen. Eine Spaltung in Meuthens Sinne hätte das Wählerpotential somit durchaus steigern können.

Das Risiko wäre natürlich gewesen, dass eine Höcke-Kalbitz-Partei massenhaft geistig und moralisch völlig verwahrloste Gestalten angezogen hätte und somit zu so etwas wie einer NPD 2.0 geworden wäre (mit entsprechendem 'Erfolg' beim Wähler).

RE: Mikroben werden uns retten | 08.04.2020 | 21:29

Wäre fantastisch, wenn sich die Dinge so entwickeln würden, wie hier dargestellt wird. Damit wäre eine Welt, in der wenigstens die existentiellen Bedürfnisse eines jeden Einzelnen gedeckt sind, möglicherweise sehr schnell erreichbar.