Peter-Michael Diestel
28.04.2000 | 00:00 14

Auf Wiedersehen, Herr Gauck

WENDIGER PASTOR Freitag,

Die Wetterfahne von Pastor, Bürgerrechtler und Aktenverweser Gauck hat sich nach der verlorenen Wahl von CDU/CSU in den rosarotgrünen Wind gedreht. In den wenigen Monaten verbleibender Amtszeit erwartet er nichts mehr von den Verlierern, wohl aber einen pompösen Abschied von den gegenwärtig Regierenden. Er fühlt sich von Rosarotgrün derart beschützt und in ihrem politischen Bett unangreifbar, dass er öffentlich gegen Kohl Front macht. Undenkbar vor wenigen Monaten. Da gerierte er sich noch in schleimiger Servilität. Charakterlump nannte man früher jemanden, der sich borniert, undankbar und selbstsüchtig gegen die wendet, die ihn einst förderten. Dabei hätte er allen Grund, zitternd zu schweigen; denn das Terpe-Dossier (siehe Freitag, 21.4.2000) ist für ihn voller Brisanz.

Das hatte er mit Angstschweiß auf Stirn und Rücken bereits nach dem Abdruck der Akte in der "Welt" vom 23. April 1991 erkannt. Er musste befürchten, dass sich die Akte auch anderen erschloss. Doch West-Lesern blieb sie unzugänglich. Ihnen fehlten DDR-Intim-Kenntnisse. Ost-Leser indes wurden zum Terpe-Papier nicht gehört oder als Regime-Anhänger mit der Unterstellung abgetan, den ehrbaren Bürgerrechtler Gauck ans Messer liefern zu wollen. Gauck konnte aufatmen. Und sich vehement für den Passus im Stasi-Unterlagengesetz einsetzen, dass Opferakten nur mit Zustimmung der Opfer an Journalisten, Historiker etcetera herausgegeben werden dürfen. Wer aber legt fest, wer Opfer und Täter ist? Die Gauck-Behörde. Es ist hohe Zeit, über all das intensiv nachzudenken, was mit dem unseligen DDR-Stasi-Erbe zusammenhängt.

Seitdem ich die Demaskierung Gaucks in der Welt vom 23. April 1991 gelesen habe, weiß, sage und schreibe ich: Das Terpe-Papier reicht aus, ihn wie Tausende andere aus dem Öffentlichen Dienst zu verbannen. Gauck mit dem Stasi-Namen "Larve" ist nach Maßstäben seiner Behörde ein Täter. Ein von der Stasi überprüfter Täter, wie Stasi-Berichte über Gauck belegen. Daß Gauck im Öffentlichen Dienst verbleibt, wird im Osten als Ungerechtigkeit gewertet und missbilligt. Sonderschutz für einen willigen Vollstrecker ist eine noch harmlose Beschreibung dieses Umstandes.

Anmerkungen eines Ostlers und als letzter DDR-Innenminister sicher auch eines Kenners der Materie zum Dossier von MfS-Hauptmann Terpe über seine Begegnung mit Larve/Gauck am 28. Juli 1988:

Gauck erklärte nach der Wende in der FAZ, die auch für ihn zuständige mecklenburgische Kirchenleitung habe vor der Wende jegliche Kontakte zur Stasi untersagt. Über eine ihn betreffende Ausnahmeregelung teilte er nichts mit. Fand sein Treffen mit dem Stasi-Offizier also ohne Zustimmung seiner vorgesetzten Kirchenbehörde, demzufolge konspirativ statt? Der Stasi-Mann hatte sich am Abend vor dem Treffen telefonisch gemeldet - informierte Gauck sofort seine Kirchenleitung, den Landesbischof? Gauck hat dem MfS-Mann weitere Gespräche in Aussicht gestellt. War sein freundliches Anerbieten von der Kirchenbehörde gedeckt? Gauck kündigte an, er werde von dem Gespräch mit Terpe den Landesbischof informieren. Fand dies statt? Wenn ja, mit welcher Erwiderung vom Landesbischof? Existiert ein kirchliches Papier, das Auskunft über das Treffen Gauck-Terpe gibt?

Warum fand das Treffen in Gaucks Wohnung und nicht in einem Dienstzimmer der Kirche statt?

Pastor Gauck erklärte dem Hauptmann Terpe, er sei nicht gewillt, "mit nicht kompetenten Mitarbeitern des MfS Gespräche zu führen", er würde sich von vornherein verbieten, "mit einem kleinen Leutnant des MfS zu sprechen". - Das scheint mir nicht die Sprache eines Widerständlers zu sein, sondern die eines Mitmachbereiten. Mit "kleinen Mitarbeitern" lassen sich "große Dinge" nicht besprechen.

Bei vielen MfS-Mitarbeitern glaubt Gauck neurotische Züge zu erkennen, klärt er Terpe auf. Mit wie vielen Stasi-Leuten pflegte der Pastor Umgang, um sich ein solches Urteil bilden zu können?

Ausführlich sprach Pastor Gauck über den Kirchentag in Rostock - mit Billigung seiner Kirche, seines Bischofs? Hatte Gauck in Vorbereitung des Kirchentages mit der Stasi zu tun? Mit Zustimmung der Kirche und des Bischofs? Existiert darüber bei der Kirche ein Papier? Weitere bei der Stasi?

Pastor Gauck rühmte den Dialog zwischen Christen und Marxisten, wie er mit Vertretern des Bereiches Marxismus/Leninismus auf dem Rostocker Kirchentag stattfand, und sprach sich für dessen Weiterführung aus. Er bedauerte, dass der SED-Chefideologe Reinhold daran nicht teilgenommen hatte. - Da wird kein standfester Bürgerrechtler oder Dissident erkennbar, vielmehr einer, der sich der anderen Seite anbiedert.

Pastor Gauck wünschte sich für die DDR stabilisierende Veränderungen Gorbatschowscher Art. Er befürchtete, dass sich die positiven Zielsetzungen der DDR sonst nicht realisieren lassen. Gauck als DDR-Stabilisator.

Gauck führt seine BRD-Reisen an. - Warum und wofür erhielt er diese Vergünstigung durch die DDR-Behörden? Millionen wollten reisen und durften nicht.

Großen Raum nahm im Gedankenaustausch Gauck-Terpe das Problem DDR-Übersiedler ein. Terpe: "Gauck äußerte, dass er selbst in seiner Gemeinde dahingehend wirksam werden will, dass er die ihm dort bekannten Übersiedlungsersuchenden durch Gespräche, mehrmalige Gespräche beeinflussen will, damit sie in der DDR bleiben." Terpe dankte dafür. - Deutlicher kann man eine Zusammenarbeitsbereitschaft kaum formulieren. Pastor Gauck nahm im Sinne des MfS, der SED, des Staates Ausreisewillige an die Brust.

Pastor Gauck beschimpfte ausreisewillige junge Angehörige der Intelligenz wie auch Ärzte und Jugendliche, sie besäßen "nur eine Unterentwicklung im Punkt Heimatgefühl". Das Verschweigen politischer Gründe kann als Demutshaltung gegenüber dem MfS-Hauptmann gewertet werden.

Hauptmann Terpe dankte Pastor Gauck "für seine Initiativen und für seine langfristig gute Zusammenarbeit". Ausdrücklich verwies der Stasi-Mann darauf, dass er nicht nur persönlich dankt, sondern dass der Dank vom Ministerium für Staatssicherheit insgesamt kommt. - Wofür, Herr Gauck? Allein eine Passage dieser Art hat ausgereicht, Tausende Menschen aus ihrer Berufs- und Lebensbahn zu werfen.

Pastor Gauck erklärte, das Gespräch mit Hauptmann Terpe habe ihn angenehm überrascht, es habe ihm viel gegeben. Er glaube, "dass das MfS einen echten positiven Beitrag zur Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft einbringen wird" - Auch diese Passage wäre anderen zum Verhängnis geworden.

Gauck bot dem MfS-Mann die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Ökologie an. Dies war für die Partei- und Staatsführung der DDR ein besonders sensibler politischer Bereich, in dem der gefürchtete Einfluss der Grünen aus der BRD vermutet wurde. Gaucks Anerbieten dürfte vom MfS zur Kenntnis genommen worden sein.

MfS-Hauptmann Terpe teilte Pastor Gauck mit, dass ihn seine in die BRD übergesiedelten Kinder ab sofort besuchen dürfen. - Solch ein Privileg vergab der Staat nicht ohne Gegenleistung. Ein Klient von mir, der als Jugendlicher die DDR verlassen hatte, wurde verhaftet, als er seine Mutter in Ost-Berlin besuchen wollte. Er wurde anderthalb Jahre ins Gefängnis gesteckt, bis ihn dann die Bundesrepublik mit Hilfe von Professor Vogel freikaufen durfte. Geldleistung der BDR - welche Leistung bot Gauck?

Pastor Gauck fragte den Stasi-Mann Terpe, ob er etwas dagegen habe, wenn er - Gauck - den Landesbischof über das Gespräch informiert - Gauck servil. Wer vorhat zu unterrichten, fragt nicht, der teilt mit: Ich informiere.

Abschließend bat Pastor Gauck, Kontakt zu MfS-Hauptmann Terpe halten zu dürfen. Der Stasi-Mann gewährte die Bitte. - Notiz des Hauptmanns zur Auswertung des Gesprächs: "Es wird vorgeschlagen, den OV ›Larve‹ zu archivieren und einen IM-Vorlauf anzulegen." Klartext: Stasi-Hauptmann Terpe war nach dem Gespräch davon überzeugt, Pastor Joachim Gauck bald als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) in den Reihen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR zu haben. Als willigen, fähigen Mitarbeiter, als Marxismus/Leninismus-Sympathisanten. Was nach Lektüre des Dossiers zu verstehen ist.

Inzwischen ist Gauck mit meinen für ihn brisanten Fragen konfrontiert worden. Keine einzige davon beantwortet er. Stattdessen wiegelt er ab und versucht, sich zu entlasten. Es läge ein Operativer Vorgang über ihn vor, der weise ihn als Opfer und nicht als Täter aus. Damit reagiert Gauck so, wie es IM gemeinhin tun: Er leugnet seine enge Stasi-Verbindung. Zudem erklärt Gauck, er werde gegen meine Aussagen über ihn keine juristischen Schritte unternehmen. Wie sollte er auch. Wenn die Stasi-Akten bei ihm genauso wenig oder genau so viel lügen, wie bei anderen, dann muss er sich das gefallen lassen.

Wie immer rechnet Gauck damit, dass vor allem westliche Leser vieles aus dem Ost-Leben nicht entschlüsseln können. Deshalb einige Erläuterungen zum Operativen Vorgang, auf den Gauck zu seinem vermeintlichen Schutz erneut verweist. Dabei stütze ich mich - für Gauck pikanterweise - auf Unterlagen aus seiner Behörde!

MfS-Chef Mielke erklärte im Zusammenhang mit der Aufgaben bezogenen Suche, Auswahl, Überprüfung und Gewinnung von IM: "Es geht also insgesamt darum, die Anstrengungen wesentlich zu erhöhen, um unter operativ bedeutsamen Personen bzw. Personenkreisen Werbungen durchzuführen". Folgerichtig wurde in der Richtlinie Nr. 1/79 für die Arbeit mit Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) und Gesellschaftlichen Mitarbeitern für Sicherheit (GMS) in § 4, Abs. 1 festgelegt: "Zur Erarbeitung von Ausgangsmaterial für die Gewinnung neuer IM sind alle politisch-operativen Arbeitsprozesse und deren Ergebnisse planmäßig und zielstrebig zu nutzen, insbesondere die Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge ..."

Hauptmann Terpe schloss den Operativen Vorgang, nachdem die Stasi zu Gauck ein "gutes Verhältnis" hergestellt und seine Bereitschaft zur weiteren engen Mitarbeit festgestellt hatte. Der MfS-Hauptmann schlug vor, einen IM-Vorlauf über Gauck anzulegen. Dazu stellt der § 1 (Grundsätze) der 1. Durchführungsbestimmung zur erwähnten Richtlinie Nr. 1/79 fest: Personen, die als IM-Kandidaten ausgewählt werden, sind IM-Vorläufe. Pastor Gauck, der sich als Widerständler und Bürgerrechtler feiern lässt, ein IM-Kandidat der Stasi!

Der IM-Vorlauf hatte nach Richtlinie 1/79, § 4, Abs. 1 u. a. "die Erarbeitung des Werbungsvorschlages" zur Aufgabe und sollte nach § 2, Abs. 2 in einer Akte "den Prozess der Gewinnung als IM" darstellen und festlegen, welche Aufgaben "mit der vorgesehenen Gewinnung" gelöst werden sollen, welche "Einsatzmöglichkeiten zur Lösung von Aufgaben des MfS" bestehen. Schließlich soll die IM-Vorlauf-Akte den "Bericht über die erfolgte Verpflichtung" enthalten. "Die Laufzeit der IM-Vorlauf-Akte wird auf neun Monate begrenzt."

Man lasse sich also auch nicht von Gaucks Ablenkungsmanöver täuschen, die Stasi habe so und so viele IM auf ihn angesetzt. Eine solche Überprüfung des IM-Kandidaten gehörte zu den Pflichtübungen des MfS!

Eine weitere Überlegung zum Spannungsfeld "Täter-Opfer", in dem sich Gauck als "Opfer" sieht. Schauen wir ins Stasi-Unterlagengesetz (StUG), in die heutige Bibel von Gauck. Wer "Betroffener" und "Dritter" (mithin "Opfer") bzw. "Mitarbeiter" und "Begünstigter" (folglich "Täter") ist, erläutern die Begriffsbestimmungen dieses Gesetzes im § 6. Ob Personen Mitarbeiter, Begünstigte, Betroffene oder Dritte sind, ist nach § 6, Abs. 8 gesondert festzustellen. Maßgebend für diese Feststellung ist, mit welcher Zielrichtung die Informationen in die Unterlagen aufgenommen wurden. Mit anderen Worten: Allein die Sichtweise des MfS als aktenführende Stelle ist für die Zuordnung maßgebend. Die Stasi wollte - siehe Terpe - die Zusammenarbeit mit Gauck intensivieren und ihn deshalb zunächst in den Status eines IM-Kandidaten erheben, um ihn schließlich als IM zu werben.

Das bedeutet nach StUG: Herr Gauck kann nicht - jedenfalls nicht ausschließlich, wie er es tut - den Status eines "Betroffenen" ("Opfers") für sich in Anspruch nehmen.

Übrigens schließt das StUG aus der "Betroffenen"-Kategorie "Begünstigte" (folglich "Täter") aus. Nach § 6 Abs. 6 StUG zählen zu den "Begünstigten" auch Personen, die vom MfS wesentlich gefördert worden sind. Nicht nur sein vorgesehener IM-Einsatz klassifiziert Pastor Gauck mindestens als "Begünstigten" im Sinne des StUG. Mithin ist Gauck nach diesem Gesetz der "Täter"-Seite zuzuordnen.

Kurzum: Der Einsatz von Gauck als IM war von der Stasi innerhalb einer überschaubaren Frist vorgesehen. Eine Kleinigkeit kam dazwischen: die Wende. Wendig wendete sich Gauck vom Machtfaktor MfS ab und dem neuen Machtfaktor zu. Als wiederum dieser 1998 seine Wende erlitt, wendete sich Gauck wendig dem gegenwärtigen Machtfaktor zu. Wie bezeichnete man früher einen solchen Charakter?

Unser Grundgesetz garantiert Gleichbehandlung vor dem Gesetz. Deshalb bleibe ich dabei: Gauck ein Opfer? Nein. Er gehört aus dem Öffentlichen Dienst entlassen.

Auf Wiedersehen, Herr Gauck!

Kommentare (14)

Beobachter81 22.02.2012 | 03:04

Entlastender konnte der Bericht des Stasiagenten nicht sein, da Herr Gauck ihm gegenüber seine Ablehnung der Stasi zum Ausdruck bringt.
Die von Diestel kritisierte herrische Art von Gauck ist doch nur ein legitimer Versuch, sich des Stasimitarbeiters schnell zu entledigen. Jeder der schlau ist würde sowas tun. Auch im Dritten Reich haben Juden so noch versucht Polizisten abzuwimmeln. Das ist doch nur allzu menschlich.

"DerFreitag" will als anspruchsvoll gelten, aber entwertet sich durch solche Autoren und auch durch Leser die nicht fähig sind über einen Artikel zu reflektieren.

Beobachter81 22.02.2012 | 03:24

Ich möchte hier mal die Leser vor der Irreführung des Herrn Diestel warnen. Herr Diestel ist ein Anwalt, der sich als juristischer Beistand von Stasiagenten einen Namen gemacht hat.
Ausserdem ist er wegen Untreue verurteilt worden.

Herr Diestel stellt Herrn Gauck selber als IM dar. Er verschweigt jedoch auf geradezu verleumderische Art und Weise den eigentlichen Inhalt des Gespräches vom 28.Juli 1988.
Tenor des Gespräches ist die Ablehnung der Stasi. MIT KEINEM WORT wird das hier erwähnt.

Stattdessen werden scheinbar investigative Fragen nach den genauen Zusammenhängen dieses Treffens gestellt, die jedoch völlig irrelevant sind. Es wird schnell klar, dass hier nur ganz billig versucht werden soll einen Skandal herbeizuschreiben.

Zu den Fakten:

Gauck fragt den Stasioffizier ob denn die Stasi nicht ein Staat im Staate sei und ob denn nicht die Stasi ein viel zu aufgeblähter Machtapparat sei. Er kritisiert die Spitzelmethoden.

WIE KANN MAN SICH DENN BESSER ENTLASTEN?

@Redaktion: Ich weiß nicht, ob Herr Diestel nur als Leser diesen Artikel geschrieben hat oder ob dies ein offizieller Artikel ihrer Zeitung ist. Falls der zweite Fall zutrifft bin ich doch sehr enttäuscht von ihrer redaktionellen Betreuung, da der Artikel journalistisch die Note 6 verdient. Das ist nichts als eine Hasstirade und kein journalistischer Beitrag.

lookingman 22.02.2012 | 15:08

Was Herrn Diestel hier getrieben hat, vermag ich nicht zu sagen, aber es gab ganz sicher schon Brauchbareres von ihm.
Auch wenn man den Stasibericht mit seiner Argumentation im Hinterkopf liest, dann spricht der Bericht eindeutig für Gauck und gegen Spitzelverdächtigungen.
Das Gauck nicht einfach gegen die DDR war, sondern für einen besseren Sozialismus eintrat, war der damalige progressive Zeitgeist. Man vergesse nicht, dass diese Vorstellung von Veränderung am Anfang und bis weit in die Mitte der Wende die bestimmende war.
Leider steht zu befürchten, dass dieses positive Bild von Gauck missbraucht werden wird (wissentlich und unwissentlich, von ihm und anderen), um den politischen Unfug, den er inzwischen von sich gibt und um die herrschende Mainstreampolitik , zu beschönigen, zu verschleiern usw..
Nicht nur deshalb bin ich gegen ihn als BP, sondern auch deshalb, weil seine "Schokoladenseite" verknüpft ist mit seiner Funktion als Pfarrer und so die Kirchen in einem bessern Licht stehen lässt, dass ihnen einfach nicht zusteht.
Leider wird der Pope in ihm medial auch wieder stärker gewichtet und ich finde nicht, dass das D repräsentieren kann.

miauxx 22.02.2012 | 20:20

@Beobachter81

Wie das Datum oben erkennen läßt, ist es ein Artikel, der lange vor freitag.de, also der Möglichkeit, als Leser zu bloggen, erschienen ist. Somit kann es nur ein "offizieller Artikel" gewesen sein. Offenbar ein Gastbeitrag des Herrn Diestel.
In Ihrer Kritik würde ich Ihnen insoweit zustimmen, als Diestel tatsächlich äußerst selektiv vorgeht und den von ihm herausgegriffenen Passagen des Gesprächs eine für seine Deutung passende Lesart gibt.
Auch wenn man Diestel hier gutschreiben muss, dass er tatsächlich Übersetzungen für bestimmte Äußerungen und Anmerkungen, v.a. Terpes, findet, die sich nicht jedem Leser (nicht nur dem aus dem Westen) ohne weiteres erschließen dürften, muss man dennoch vorsichtig sein, seine Deutungen einfach zu übernehmen.

Jörn Kabisch 22.02.2012 | 20:32

Lieber Beobachter81,

Liest man den Artikel so, als wäre er in diesen Tagen erschienen, kann ich Ihre Kritik verstehen. Doch ich finde, Sie sollten bedenken: Der Text ist im April 2000 im Freitag erschienen, also vor knapp zwölf Jahren. Und er hat damals eine kleine Debatte ausgelöst. Sie finden hier die Entgegnung unseres damaligen Herausgebers, Wolfgang Ullmann, auf den Diestel-Text.

Schöne Grüße, JK

Beobachter81 19.03.2012 | 12:28

Sehr geehrter Herr Kabisch,

meine Kritik hat mit der aktuellen Entwicklung gar nichts zu tun. Ich habe darauf auch keinen Bezug genommen. Es geht hier allein um die Auswertung des Gespräches zwischen dem Stasioffizier und Herrn Gauck. Dabei ist es irrelevant, ob dies vor 20, 10 oder 1 Jahr war.
Der Artikel gibt in keinster Weise den wahren Gesprächsverlauf wieder.

Danke schön für den Link.

Grüße

beobachter81

Adam Lauks 10.10.2013 | 14:39

Googelt einfach mal nach :

Strafanzeige gegen den Sonderbeauftragten der Bundesregierung für personenbezogenen Unterlagen des MfS der DDR – BStU Behörde 222 UJs 662/13 aus der für Gauck Behörde uneingeschränkter und unkontrollierbarer Zeit unter dem Leiter Joachim Gauck

Was Ihr da drauf findet könnte manch eine Frage über die VERDIENSTE Joachim Gaucks beantworten und nicht über seine Mitarbeit für Geheimdienste nachdenken, sondern mit neuen Kenntnissen aus dem obigen Beitrag über die Rolle des Obersten Richters, die Rolle Gottes nachzudenken, die er sich angemaaßt hatte an sich zu reißen und zu spielen in seiner als außenparlamentarisch begutachteten Behörde.

Ein Untersuchungsausschuss habe ich vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages gefordert um die Zuarbeit zur juristischen Aufarbeitung der mittleren und schweren SVerbrechen der STAZIS offen zu legen.

Alle "Opfer" der Willkür der Gauck Behörde mögen sich mit ihren Beschwehrden auf die angegebene Petitionsnummer melden.

Er sprach in Leipzig 2011 über Folter und Mißbrauch !? Sowohl Folterknechte und Opfer hatte er der Justiz unterschlagen... wie in meinem Falle Gerechtigkeit strafvereitelnd verhindert. ER hat SCHULD andetrer Art auf sich geladen...

Inm meinem Schreiben habe ich ihn aufgefordert zurückzutreten und zu gehen ! KEINE ANTWORT kam - ist die beste Schuldbekenntnis.

OFFENER BRIEF DES UNGESÜHNTEN FOLTEROPFERS DER STAZIS – Adam Lauks & RÜCKTRITTFORDERUNG AN DEN BUNDESPRÄSIDENTEN JOACHIM GAUCK

MisterMischa 01.05.2016 | 10:30

Das Gauck als Pfarrer und Organisator von Kirchentagen fast zwangsläufig mit der Stasi zu tun hatte, wird jeder bestätigen, der die DDR kennt.

Meine Vorwürfe gehen in eine andere Richtung: als Student habe ich die "Wende" in Rostock miterlebt, war ein paar mal in Gaucks Marienkirche und auch bei der Besetzung der Rostocker Stasizentrale im Januar '90 dabei. Ein Herr Gauck ist mir dabei nicht aufgefallen.

Di Lorenzo wirbt heute für Gauck in der "ZEIT" und fordert Achtung vor dem Alter. So dünn ist die Argumentationslage schon geworden.

Gauck ist für mich einer der Protagonisten der neuen deutschen Machtgier, die er auf der SiKo 2014 vornehm mit "mehr Verantwortung" umschrieb. Kurz nach Verkündigung seiner Doktrin eskalierte die Gewalt auf dem Maidan, die antirussischen Kampagnen und die Flüchtlingskrise nahmen ihren Lauf, Rechtsruck in Europa, Islamismus in Kleinasien, und heute sind wir, wo wir eben sind. Traurig.

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Ehemaliger Nutzer 01.05.2016 | 13:52

als Student habe ich die "Wende" in Rostock miterlebt, war ein paar mal in Gaucks Marienkirche und auch bei der Besetzung der Rostocker Stasizentrale im Januar '90 dabei. Ein Herr Gauck ist mir dabei nicht aufgefallen.

Dieser "mutig Bürgerrechtler" konnte ja auch nicht überall sein. Mir ist aufgefallen, dass er viel zu tun hatte, die Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen" abreißen zu lassen.

Die Dankesworte dafür kamen von der gleichen Behörde, mit welcher er nach Lust und Laune mal zusammen oder mal dagegen arbeitet.

https://archive.org/stream/Die_Welt_Artikel_Gauck_1991_S8/Die_Welt_Nr_94_19910423_S8#page/n0/mode/1up