Flaute fürs Konto

Das Windrad erobert den Garten Der Mini-Windpark rechnet sich in Deutschland aber kaum

Wie Betonspargel schießen Windräder seit Jahren in die Höhe, und die Branche wächst mit. 90.000 Menschen arbeiten laut Bundesverband Windenergie (BWE) in der exportstarken deutschen Windenergiebranche. Die Propellerriesen liefern sauberen Strom, der sich fast ohne Subvention rechnet. Wovon die Solarbranche noch träumt, das hat die Windkraft erreicht. Lässt sich das im Vorgarten mit Kleinwindrädern nachmachen? Windrad aufstellen, vom Stromversorger abmelden - geht das? "Kleinwindanlagen können in windstarken Regionen wirtschaftlich sein, aber nur, wenn man den Strom komplett selber verbraucht", sagt Frank Menne vom Hamburger Solar- und Windenergiebauer Conergy AG. "Dann amortisiert sich eine Anlage in sieben bis zehn Jahren."

Kleinwindmüller sparen mit jeder Kilowattstunde, die sie nicht beim Versorger kaufen, rund 20 Cent. Speisen sie ein, zahlt der Versorger nur acht Cent. Ergo braucht der Hobbywindmüller einen Stromzähler ohne Rücklaufsperre. Nur so wird der hausgemachte Windstrom ins Netz eingespeist und 1:1 zu dem Tarif vergütet, den man selbst je Kilowattstunde zahlt. Wer dagegen nur einspeist, macht garantiert Miese. Und Autarkie bei der Stromversorgung ist vorläufig Illusion. Dem Wind fehlt dazu über das Jahr die Beständigkeit.

Ohne Wind herrscht auch auf dem Konto Flaute. Genug Wind gibt es an der Küste, auch in windigen Mittelgebirgen wie der Eifel. Anders als in den USA und Großbritannien weht in der deutschen Kleinwindkraft nur ein laues Lüftchen. "Das ist ein Nischenmarkt mit vielen Tüftlern", sagt Ulf Gerder, Pressesprecher des Bundesverbandes Windenergie (BWE). Hierzulande rentiert sich der Mini-Windpark im Vorgarten zu selten - den geschönten Kalkulationen der Anbieter zum Trotz. Als Insellösung für die Berghütte, das Segelboot, die Gartenlaube ohne Stromanschluß sei Windkraft sinnvoll, am eigenen Haus nicht. "Da wählt man eher das Solarmodul auf dem Dach", so Gerder. Gründe: Der hohe Preis für eingespeisten Solarstrom und die weitverbreitete Aversion gegen die "Verspargelung" der Landschaft durch Windräder. "So geht man dem Streit mit Nachbarn aus dem Weg." Material- und Genehmigungskosten sind hoch, die Vergütung für den Windstrom ist, wie gesagt, mau.

Subventioniert werden Windräder in Deutschland nicht - im Gegensatz zu Solaranlagen. Änderung ist nicht in Sicht. Lediglich ein Mindestpreis für Windstrom von 8,03 Cent je Kilowattstunde ist garantiert, im nächsten Jahr 9,20 Cent, während Solarstromer nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fast 50 Cent absahnen. Immerhin liegt die garantierte Windstromvergütung noch über den rund sechs Cent, die Strom an der Strombörse kostet.

Die Kosten der Turbinen sind hoch: 1.500 bis 5.000 Euro je Kilowatt Leistung. 1.000 bis 3.000 Euro fallen für Netzanschluss und Mast an. Gesamtkosten je Kilowatt: 2.500 bis 8.000 Euro. Zum Vergleich: Bei Großanlagen kostet das Kilowatt rund 1.000 Euro Investition. Conergy verlangt für eine sechs Kilowatt starke Anlage ab 20.000 Euro aufwärts, ein 1,8-kW-Windrad mit Turm kostet 8.000 bis 10.000 Euro, das 400 Watt schwache Rädchen für die Segelyacht rund 1.000 Euro.

Billiger kommen Bastler zum Kilowatt - mit Poly-Motor und Zahn-Riemen-Getriebe aus der alten Waschmaschine und altem TV-Antennemast. Solche Daniel-Düsentrieb-Fabrikate reichen aber oft nur aus, um die Gartenlaube zu beleuchten oder den Fernseher anzukurbeln.

Dazu kommen oft Genehmigungskosten. Ab zehn Meter Höhe braucht es eine Baugenehmigung. "Auf die wartet man oft monatelang", berichtet Menne.

Behörden fordern zuweilen dieselben Gutachten für Schall und Schatten an wie für Megawatt-Windräder, berichtet der Bund der Energieverbraucher (BdE). Jede Kommune handhabe das unterschiedlich.

Weiteres Manko: Die Qualität der Kleinwindräder. Viele Modelle leiden unter Kinderkrankheiten, lärmen wie Höllenmaschinen, laufen erst bei hohen Windstärken an, sind nicht sturmfest und enden schnell als Wrack. Weil das Massengeschäft fehlt, bleibt es oft beim Prototyp. Nur wenige Hersteller sind etabliert. Das Fachmagazin Haus Energie ätzte voriges Jahr: "Nirgendwo sonst zeigen sich so viele kleine Firmen auf Messen und preisen eigenwillige Konstruktionen als große Innovationen an - um dann wieder genau so schnell von der Bildfläche zu verschwinden, wie sie gekommen sind." Die Ersatzteilsuche wird dann zur Odyssee. Die vernichtende Bilanz: "Ökonomisch rentabel ist eine heimische Kleinstwindkraftanlage kaum zu betreiben."

Optimalen Ertrag gibt es nur, wenn keine Hindernisse dem Wind im Weg sind, seien es Büsche, Bäume oder Nachbarhäuser. Von einer Montage auf dem Hausdach raten Experten ab. Der Schall überträgt sich auf das Gebäude, die Bausubstanz kann durch die Rotorvibration Schaden nehmen. Für sehr kleine Anlagen ist die Hauswand geeignet, ansonsten ein Mast im Garten. Die günstigsten Masten sind Telefon- oder Antennenmasten von Radiostationen. Die Masthöhe sollte bei Gartenanlagen sechs bis zwölf Meter betragen.

Allen Mängeln zum Trotz: "Wo es kein Stromnetz gibt, hat Kleinwindkraft Zukunft", sagt Ulf Gerder. Nur fehle es noch an "serienreifen Speicherkonzepten", sprich geeigneten Batterien. Für eine halbwegs verlässliche Stromerzeugung im kleinen Stil würden sich Wind und Sonnenkraft gut ergänzen, weil die windarmen Tage im Jahr meist sonnenreich sind. "Besonders in entlegenen ländlichen Gegenden in Entwicklungsländern sind kleine Windräder sehr weit verbreitet", berichtet der Bund der Energieverbraucher. In Deutschland findet man Gegenden ohne Stromnetz kaum - allenfalls im Reich der Segler, Bergsteiger und Laubenpieper.

Internet:

ww.wind-energie.de

www.wind-energy-market.com

www.kleinwindanlagen.de

www.energieverbraucher.de

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