James Bond: Ein Quantum Trost

Kino Eine Hafenanlage in Haiti, der Geheimagent - schon zum zweiten Mal von Daniel Craig gespielt - beobachtet das Treffen zwischen der schönen Camille ...

Eine Hafenanlage in Haiti, der Geheimagent - schon zum zweiten Mal von Daniel Craig gespielt - beobachtet das Treffen zwischen der schönen Camille (Olga Kurylenko) und dem psychopathischen Bösewicht Greene (Mathieu Almaric). Camille ist die Mitarbeiterin, der Greene nicht mehr traut. Er liefert sie dem bolivianischen General aus, mit dem er Geschäfte macht und der den Vater von Camille einst vor ihren Augen ermordet hat. Der General nimmt Camille mit auf seine Yacht.

In früheren James-Bond-Filmen hätte der Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät die schützende Dunkelheit abgewartet, um sich dem Schiff zu nähern, zumindest aber seinen Spezialgeräteausstatter. In Ein Quantum Trost geht es sofort zur Sache: Tatsächlich ist Camille nach wilden Bootsjagden und einigem Geballer befreit; in der Hafenanlage aber liegt kein Kahn mehr neben dem anderen.

Solcher Übereifer ist ein Problem von Ein Quantum Trost. Ein anderes sind die Action­szenen selbst. Daniel Craig ist wie bei seinem ersten Auftritt als Bond in Casino Royale (2006) ein globalisierter Kampfkörper, der überall dahin geht, wo er sich wehtut. Anders aber als Regisseur Martin Campbell, der vor zwei Jahren mit einer virtuosen Verfolgungsjagd über eine Baustelle und Kräne hinweg seinen Film eröffnet hat, versteht sich Marc Forster in Ein Quantum Trost nicht einmal auf die Inszenierung des Körpereinsatzes: Der Kampf am Gerüst in einer Kirche ist so schlecht aufgelöst, dass von dem waghalsigen Ringen zwischen Bond und seinem Widersacher kein Eindruck bleibt. Action ist in dem 22. James-Bond-Film, wenn die Kamera wackelt und schnell geschnitten wird. Forster hat kein Gefühl für die Dialektik von Explosion und Stille und keines für den Raum. Die anfängliche Verfolgungsjagd, die, wie der Verleih sich rühmt, zum ersten Mal quasi direkt an das Ende des Vorgängerfilms anschließt, entpuppt sich als jener hastig geschnittene Bildersalat, den man von der Konfektionsware des Genres kennt.

Immerhin gibt es auch in Ein Quantum Trost noch exotische Schauplätze und mega­lomane Verbrecher zu bestaunen. Von Italien geht es nach Haiti, über die Seebühne von Bregenz nach Bolivien und am Ende in den Winter von Moskau. Der Unternehmer Dominic Greene, der sich öffentlich als Umweltschützer feiern lässt und hintenrum mit korrupten Diktatoren und dem CIA rücksichtslos Geopolitik betreibt, von der er als Wassermogul wiederum am meisten profitiert, ist eine durchaus zeitgemäße Version des potenziellen Weltherrschers im post­atomaren Zeitalter. Der äußerlich harmlose, aber schauspielerisch variable Franzose Mathieu Almaric gibt ihn mit feinem Gespür für den in dieser Liga notwendigen Irrsinn.

Die Idee mit der Fortsetzung verlängert dagegen das Leiden des Zuschauers, insofern James Bond in Ein Quantum Trost auch weiterhin am scheinbaren Verrat durch die Frau, die er liebt, laboriert. Die Seelenqual ergreift dieses Mal sogar Besitz von M, da die Verräter es bis in die Spitzen des Geheimdienstes gebracht haben. Judi Dench erscheint nicht als lässiger Gegenpart zum virilen Jung­dynamo, sondern muss die verunsicherte Mutter geben, die sich um ihren grüblerischen Lieblingsagenten sorgt. So wenig man den Herrenwitz früherer Filme vermisst, so sicher dürfte sein, dass ein therapiebedürftiger Actionheld nicht das ist, was man sich von Männlichkeit im Zeitalter der Gleichstellung erwartet.

Immerhin hat Daniel Craig strahlend blaue Augen. Ansonsten ist er humorlos bis hin zur Physiognomik, die ihn vormals höchstens zum Adlatus eines Bösewichts qualifiziert hätte. Seine Auftritte als James Bond sind die Reduktion der Filme auf die Kampfmaschine, die in ihm steckt. Marc Forster reduziert das Bond-Modell in Ein Quantum Trost so weit, dass am Ende nicht mehr als ein Quantum Bond bleibt: Schon der Titelsong (Jack White und Alicia Keys) und die Titelsequenz haben mit der Ästhetik der Serie so viel gemein, wie ein Latte Macchiato mit dem Fünf-Uhr-Tee.

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