Miriam Bunjes
02.06.2011 | 14:00 11

Mehr als ein Streit um Worte

Identität Vielleicht ist „Sinti und Roma“ doch keine gute Bezeichnung für jene, die ­„Zigeuner“ heißen wollen. Die Debatte zeigt, wie viel ­Politik im Namen steckt

Nach dem dritten Ordnungsruf war das Mikro aus: Immer wieder hatte der mecklenburg-vorpommersche NPD-Landtagsabgeordnete Tino Müller das Wort „Zigeuner“ verwendet. Ein diskriminierender Begriff, befand Landtagsvizepräsident Hans Kreher (FDP), dafür gehört das Rederecht entzogen.

Umso überraschter war Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD), als sie Post von der Vorsitzenden des Vereins „Sinti Allianz“ bekam: Der Vorgang habe anhaltende Diskussionen in ihrem Bevölkerungsteil verursacht, schrieb Natascha Winter. Sie finde es „höchst problematisch“, dass die Verwendung des Begriffs „Zigeuner“ zu Ordnungsrufen führe. „Dies trägt dazu bei, dass die Volksbezeichnung von ca. zwölf Millionen Menschen, die in Europa leben, tabuisiert wird“.

Für ihren Verein sei nicht „Zigeuner“ ausgrenzend, sondern im Gegenteil die Bezeichnung „Sinti und Roma“. „Ein Rassist, der Zigeuner hasst, wird sie nicht lieben aufgrund einer Namenstilgung zugunsten fragwürdiger, unwissenschaftlicher und ausgrenzender Ersatzformeln wie Sinti und Roma“, so Winter im Brief.

Mahnmal fehlt immer noch

Auf Nachfrage erklärt Winter: „Es gibt viele Zigeuner, die nicht Sinti und Roma sind, und sie möchten hier in Deutschland nicht missachtet werden, indem man sie einem anderen Zigeunervolk zuordnet“. Sie vertrete „ein Drittel der hier lebenden Zigeuner, das sind vor allem Sinti“. Im Verein organisiert seien zehn Sinti-Verbände und ein Lowara-Stamm. In der Öffentlichkeit tritt aber vor allem Frau Winter auf, die anderen „verrichten überwiegend ihre Arbeit, entsprechend der Sinti-Tradition, heraus aus der Stille“, heißt es auf der Website der Sinti-Allianz. Öffentlichkeitsarbeit machten sie nur, um „dem unseriösen Alleinvertreteranspruch“ bestimmter Organisationen entgegenzutreten – gemeint ist der Zentralrat der Sinti und Roma.

Der Streit zwischen den Verbänden ist alt – und handelt auch von dem Wort „Zigeuner“. Jahrelang wurde über die Inschrift für das Denkmal der von den Nationalsozialisten ermordeten … ja, welches Wort soll nun folgen? ... gestritten. Das Mahnmal, vor 16 Jahren beschlossen, steht immer noch nicht. Es soll eine Tafel geben, die die „Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma“ dokumentiert, danach aber die unterschiedlichen Gruppennamen nennt, die von den Nazis als „Zigeuner“ – in Anführungszeichen verfolgt wurden. Ein Kompromiss, der die sprachliche Schwierigkeit des Ganzen zeigt.

Der Zentralrat der Sinti und Roma hat sich jahrzehntelang für „Sinti und Roma“ anstelle von „Zigeuner“ stark gemacht. Der seit langem von Romani Rose geleitete Verband ist erster Ansprechpartner für die Bundesregierung und betreibt das Dokumentations- und Kulturzentrum deutscher Sinti und Roma. Die Begriffsdebatte ist hier kein beliebtes Thema. Immerhin laufe der Strafantrag gegen die NPD, „und die instrumentalisiert Frau Winters Brief jetzt schon für ihre Sache“, sagt Herbert Heuß, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralrat. „Sinti und Roma“ zu sagen, habe nichts mit political correctness zu tun. „Zigeuner ist eine Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die mit vielen Stereotypen beladen ist“, sagt Heuß. „Selbst nennt sich niemand so. Es ist schlicht eine Frage des Respekts, die Eigenbezeichnung der Gruppe zu wählen.“ Roma sei der Oberbegriff, in Deutschland sage man „Sinti und Roma“, weil die Sinti ein sehr ausgeprägtes Selbstverständnis hätten und die größte Gruppe in Deutschland seien. Das sei so wie „Bayern und Deutsche“.

Das Wort „Sinti und Roma“ ist eine deutsche Erfindung. Fast überall in Europa wird „Rom“ – Mensch – als Oberbegriff verwendet, entstanden aus den Bürgerrechtsbewegungen der europäischen Roma in den siebziger Jahren. Das Wort ist vor allem ein politisches Konzept. Stéphane Laederich, Autor des Standardwerkes „The Rroma“ schreibt: „Die Familie ist das Zentrum im Leben eines Roms. Die erste Loyalität gilt immer den Verwandten.“ Man sei Angehöriger einer Großfamilie, dann eines Verbundes von Großfamilien, dann einer Sub-Ethnie – wie der Kalderara, der Lovara oder der Sinti. Zuletzt gelte die Identifikation allenfalls der Weltgemeinschaft der Roma.

Die meisten empfänden „Zigeuner“ als diskriminierend, sagt Herbert Heuß vom Zentralrat. „An dem Begriff hängt der Rassenhass der Hitler-Zeit und die vielen alten Vorurteile, über angeblichen Dreck, Kriminalität, Faulheit, dass alle nomadisch leben und am Lagerfeuer sitzen.“ 68 Prozent der Deutschen wollten nichts mit Sinti und Roma zu tun haben, zitiert Heuß aus einer älteren Umfrage, und das habe mit eben diesen Bildern zu tun.

Abseits der beiden Dachverbände wird weniger emotional diskutiert. Manuel Trollmann macht Öffentlichkeitsarbeit für den Sinti Verband Niedersachsen mit 5.000 Mitgliedern, in keinem der verstrittenen Dachverbände organisiert, „weil wir hier ganz praktische Arbeit machen.“ „Ich selbst habe kein Problem damit, wenn mich jemand Zigeuner nennt“, sagt Trollmann. „Es kommt darauf an, wie das gemeint ist – und es ist nicht grundsätzlich diskriminierend gemeint.“ Die Älteren in seiner Familie könnten das Wort aber in keinem Fall aushalten. „Wer mit dem eintätowierten Z im KZ leben musste, verbindet unfassbares Leid mit dem Wort.“ Trollmanns Großonkel – Johann Rukeli Trollmann – war 1933 Boxweltmeister im Halbschwergewicht. Weil er Sinto war, wurde ihm dieser Titel nach acht Tagen aberkannt, er starb 1944 im KZ. „Nach 600 Jahren Sinti-Geschichte in Deutschland ist mein Großonkel der erste, nach dem eine Straße benannt wurde“, sagt Manuel Trollmann.

Aber auch die deutsche Forschung ist uneins über das Wort. Während der Historiker Wolfgang Wippermann seinen Fachbereich „Anti-Ziganismusforschung“ genannt hat und das Wort „Zigeuner“ indiskutabel findet, betreibt man in Leipzig „Tsiganologie“ mit dem Oberbegriff „Zigeuner“. „Zigeuner ist für uns der systematische Begriff, um vergleichbare Gruppen auf der ganzen Welt zu erforschen. Mit Roma fühlen sich höchstens 70 Prozent gemeint: Die Ashkali im Kosovo zum Beispiel und auch die Sinti in Deutschland nicht“, sagt Ethnologe Olaf Günther. „Wir problematisieren den Begriff aber immer.“

„Wenn man Forschung macht, sollte man die Gruppen und Untergruppen nach ihren Eigenbezeichnungen benennen“, sagt die Grazer Sprachwissenschaftlerin Barbara Schrammel, die Romanes lehrt. „Die Sinti sind eine Gemeinschaft, die sich stark von Roma – und das sind für sie osteuropäische Roma-Völker – abgrenzen und sehr wertkonservativ sind.“ Viele halten auch nichts davon, dass Chali – die anderen, nicht-Sinti, nicht-Roma – Romanes lehren und öffentlich machen. „Das kommt auch von der negativen Erfahrung mit Zigeunerforschern des NS-Regimes.“ Die NS-Rassenhygienikerin Eva Justin zum Beispiel hatte sich mit Sinti-Familien befreundet, die sie auch Romanes lehrten – was Justin gegen ganze Familien einsetzte. „Ein Trauma“, sagt Schrammel. „Hier spüre ich als Romanes-Forscherin Misstrauen. Auf dem Balkan plaudern Roma ganz unbefangen mit mir im so oft als ‚Geheimsprache‘ titulierten Romanes.“

„Nicht alle in einen Topf“

Timo Adam Wagner, Bundesvorsitzender des Jenischen Bundes Deutschland, seufzt schwer, wenn er das Wort „Zigeuner“ hört. Sein Verein hat knapp 4.000 Mitglieder, er schätzt, dass etwa 250.000 Jenische in Süddeutschland leben. „Für die Mehrheitsgesellschaft sind wir Zigeuner“, sagt Wagner. „Viele Jenische sind oder waren fahrend, das entspricht ja auch den gängigen Klischees.“ Lieber ist ihm, man nennt sie jenisch, Zigeuner findet er aber besser als „Sinti und Roma“. Hitler verfolgte auch die Jenischen als „Zigeuner-Mischlinge“ oder wegen ihrer Lebensweise „als Asoziale“. Anerkannt ist das bis heute nicht, es gab keine Entschädigungen für jenische Holocaust-Opfer und auch nie ein Entschuldigung.

Auf dem so umstrittenen Mahnmal stehen sie nach dem Streit aber auch – es war der Grund, überhaupt einen Verein zu gründen. „Die politische Formulierung Sinti und Roma macht es uns noch schwerer, unsere Anliegen in der Gesellschaft zu Wort zu bringen“, sagt Wagner.

Auf „zigeuner.de“ wird im Sinti-Forum heftig diskutiert: „Sinti wollen nicht Zigeuner genannt werden, weil die Deutschen uns sonst alle in einen Topf schmeißen“, schreibt einer, und dass die jugoslawischen und ungarischen Roma betteln und in der U-Bahn klauen und „uns“ damit sehr schlecht darstellen. Ein anderer User schreibt: „Ich bin stolz ein Zigeuner zu sein!!! Oder bin ich gar keiner? Hat irgendjemand beschlossen, dass ich das nicht mehr sein darf? Gut, nennt mich Roma, soll mir auch recht sein…Das wichtigste allerdings ist!!! ICH BIN EIN MENSCH!!!“ Das wäre dann Rom – aber das sind ja alle.

Der Europarat kritisierte schon 2002, dass es in Deutschland keine validen Daten zur Lebenslage der etwa 80.000 bis 120.000 hier lebenden Sinti und Roma gebe. Inzwischen hat sich die Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft die Mühe gemacht, eine Studie zur Bildungssituation der hiesigen Sinti und Roma in Auftrag zu geben. Dazu wurden insgesamt 275 deutsche Sinti und Roma intensiv befragt auch die Interviewer waren Sinti und Roma. Das Ergebnis wurde vergangene Woche vorgestellt: Das Menschenrecht auf Bildung gilt nicht im vollen Umfang für deutsche Sinti und Roma. Die desolate Bildungslage belegt das gravierende Versagen des deutschen Bildungssystems. 44 Prozent der Befragten haben keinerlei Schulabschluss, 11 Prozent besuchten eine Förderschule. Selbst 9 Prozent der unter 25-Jährigen haben keine Grundschule besucht. Nur 6 Befragte besuchten das Gymnasium.

Die Autoren der Studie fordern deshalb dringend einen nationalen Aktionsplan für eine Generationen übergreifende Bildungsförderung. Um Chancengleichheit zu schaffen, müsse natürlich Geld für gezielte Fördermaßnahmen in die Hand genommen werden. Auch zur Frage der angemessenen Bezeichnung gaben die Befragten Auskunft: Demnach verwenden 95 Prozent als Eigenbezeichnung Sinti/Roma, 7 Prozent lassen mit Einschränkungen die Bezeichnung Zigeuner zu. 45 Prozent bekennen sich manchmal nicht als Sinti oder Roma, um Diskriminierungen zu vermeiden.

Kommentare (11)

konyhakert 02.06.2011 | 21:05

ja, auch von mir ein herzliches dankeschön für diesen aus meiner sicht sehr umfangreich-informativen bericht. zwar weiß ich nicht, wie diesen nun die jeweiligen gruppen und ihre vertreter aufnehmen werden. ich hoffe aber, gut.
ich für meinen teil habe als sozpäd in den end-90ern bis anfang 2000ern in flüchtlingsheimen gearbeitet, wo ich einerseits mit ALLEN bevölkerungsruppen des ex-jugoslawien zu tun hatte. aber am meisten haben mich die roma von dort interessiert und auch beschäftigt. und das meine ich gar nicht negativ. ich habe von ihnen sehr viel gelernt, insbesondere was menschlichkeit angeht und den umgang miteinander und den bezug zur familie. das trage ich bis heute mit mir fort. die extreme diskriminierung hat mich sehr betroffen gemacht. und es war schwer, dagegen anzugehen. und oft genug unmöglich.
die reduzierung nur auf bildungsaspekte stimmt mich nachdenklich. auch wenn die studie selbst von sinti, roma (und mglw. andere gruppen) durchgeführt wurden (nur als befrager oder auch als forschende und die fragestellungen aufstellende, auswertende, berichtschreibende etc.?) ich meine,d aß das viel zu kurz gegriffen ist. man hat schon desöfteren gutmeinend versucht, ihnen etwas überzuhelfen. so wohl auch bildung, wenn ich mich recht erinnere. aber das ist nicht ausreichend. ich persönlich bin über die roma froh, die ich kennengelernt habe, die ihren weg hier bei uns (oder wieder zurück in der alten heimat) gefunden haben, auch trotz der diskriminierung.
ich meine nicht, daß ich besonders gut bescheid wüßte über roma. aber ich glaube, man sollte sie einfach so nehmen, wie sie gegenwärtig sind. sie sind, ob so oder so, aus historischen gründen so geworden. und man sollte sie einfach amchen lassen, ohne ihnen steine in den weg zu legen. das wäre überhaupt das beste. und ich glaube, mehr wollen die meisten auch gar nicht. die ausrichtung am bildungsbürgerlichen mittelstand (der ja mittlerweile doch auch gescheitert ist, wenigstens teilweise, machen wir uns doch nichts vor) stimmt mich wie gesagt nachdenklich bis mißtrauisch. es müssen doch nicht alle menschen diesen von der wirtschaft auf nutzbarkeit getrimmten weg gehen. was ist denn auch bildung? ist etwa unsere bürgerliche bildung das maß aller dinge? oder fehlt da nicht etwa sehr viel? zb. das zwischen- und mitmenschliche miteinander umgehen. welches ich gerade in den roma-familien schätzen gelernt habe. ist das etwa nichts? ist das nicht auch eine form von bildung? und eine wichtige dazu?

zelotti 03.06.2011 | 20:51

Ich finde die Zigeuner, die ich kenne, sehr sympathisch. Wer Zigeuner für eine diskriminierende Bezeichnung hält, der drückt damit aus, dass er Zigeuner verachtet.

Begriffe wie Wessi, Arbeiter, Neger, Zigeuner können manchmal sozial konnotiert sein und werden dann vermieden. Für mich ist Neger ein Wort wie Punker. Jeder kann das sein und seine Ideen vom negerischen Leben ausleben. Das ist unser gutes Recht.

Aber bei den Zigeunern ist das Wortverbot echt nichts als Rassismus, der sich als PC tarnt. Für mich war Zigeuner immer was Positives.

Donnerstags 04.06.2011 | 01:35

Es ist begrüßenswert, daß nicht nur die Quasi-Monopolisten des Zentralrats zu Wort kommen.
Dennoch enthält der Artikel ein paar Punkte, die richtiggestellt werden sollten.

Zunächst aber sei einmal auf den Widerspruch hingewiesen, mit dem Herbert Heuss zitiert wird: Einerseits heißt es: "Selbst nennt sich niemand so [Zigeuner]." Daß das gelogen ist, weiß auch Heuss - ihm ist schließlich z.B. die Sinti-Allianz nicht unbekannt. Wenig später heißt es dann ja auch: "Die meisten empfänden 'Zigeuner' als diskriminierend." - Also doch nicht alle (u.a. nicht der später zitierte Manuel Trollmann)!
Tatsache dürfte sein, daß die meisten Zigeuner in Deutschland mit dem Begriff keine Probleme haben und ihn selbst immer wieder verwenden.
Interessierte Kreise, vor allem unter Nicht-Zigeunern, die ja im Wesentlichen für diesen "politisch korrekten Unsinn" verantwortlich sind, versuchen jedoch seit Jahrzehnten den Begriff 'Zigeuner' systematisch "schlecht" zu machen. Welcher positive Effekt damit erreicht werden konnte, erschließt sich mir nicht; ich sehe eher negative Folgen.

So wie Aussagen des Zentralrates instrumentalisiert werden (können), so können natürlich auch Aussagen der Sinti-Allianz instrumentalisiert werden. Dies als Argument anzuführen, ist einseitige Propaganda.

Es ist falsch, zu behaupten, "Rom" würde "überall in Europa" als Oberbegriff verwendet.
Zunächst einmal wird international viel weniger von "Rom" als von "Roma" gesprochen und geschrieben. Zudem ist mir bisher kein Zigeunerdialekt bekannt geworden, in dem originär "Rom" bzw. "Roma" als "Mensch(en)" bedeutet; dies ist eine immer wieder kolportierte Aussage, die dadurch aber nicht richtiger wird. "Rom" hat als erstes die Bedeutung "Ehemann", zweitens männlicher Angehöriger der Rom(a) und drittens wird es z.B. bei den Lovara-Rom(a) als Plural anstatt "Roma" verwendet.
Die einheimischen Zigeuner Großbritanniens nennen sich "Gypsies" und nicht Roma.
Zu fragen wäre auch, wer es denn ist, der in Europa von "Roma" spricht - hauptsächlich Nicht-Zigeuner und einige Aktivisten unter den Roma. Allein schon die Mehrheitsbevölkerungen der jeweiligen Länder dürften immer noch überwiegend ihre jeweiligen Fremdbezeichnung für "Zigeuner" verwenden.

Es ist also nicht durchgängig so, daß international (in Europa) - von deutschsprachigen Ländern abgesehen - nur von "Roma" gesprochen und geschrieben würde. Die OSZE schreibt zumindest von "Sinti und Roma" und in Bezug auf die zigeunerischen Minderheiten in solch einem kleinen Gebiet wie dem Kosovo ist von RAE = Roma, Ashkali, Egyptians (Balkan-Ägypter) die Rede.

Eine nebensächliche Richtigstellung: Rukeli Trollmann war nicht der erste Sinto in Deutschland, nach dem eine Straße benannt worden ist; schon der "Laubingerweg" in Köln nach dem Sinti-Mädchen Anna Lina Laubinger wurde 2002 gewidmet. In Oldenburg wurde 1992 eine Straße nach der Sinti-Familie Mechau benannt.
(Quelle: www.uni-leipzig.de/~ftf/blickpunkte/tm11.pdf)

Phantasterei ist die Aussage von Timo Wagner, daß allein in Süddeutschland 250.000 Jenische lebten; da muß sich wohl eine Null verirrt haben. Ich weiß nicht, wie er es geschafft haben soll, diese zu zählen oder auch nur zu schätzen. Die Jenischen sind keine klar abgrenzbare Bevölkerungsgruppe; viele Jenische sind "verbürgerlicht", andere haben sich stärker mit Sinti vermischt - als was sollte man die jeweils zählen?
Bezweifeln darf man wohl auch eine Mitgliederzahl des Jenischen Bundes von 4.000.

T.Wagner behauptet einerseits , daß Jenische u.a. als "Zigeuner-Mischlinge" verfolgt worden wären, andererseits aber, daß jenische "Holocaust"-Opfer (man beachte die Gleichsetzung der Verfolgung und teilweisen Vernichtung der Juden nicht nur mit der Verfolgung der "ethnischen" Zigeuner, sondern nun sogar auch mit den Jenischen!) nicht entschädigt worden wären. Soweit mir bekannt, sind aber "Jenische" als "Zigeunermischlinge" entschädigt worden. Aus seiner Aussage folgt auch, daß Jenische nicht als Jenische von den Nazis verfolgt worden sind, sondern unter den von ihm genannten Etiketten.

Zum Thema des Zigeuner-Begriffs findet man weitere Argumente und Material auf der Webseite: www.rbenninghaus.de/zigeuner-begriff.htm