Messerwerfen, Känguruboxen und Stromschläge

Gefährlicher leben Was muss man beim Messerwerfen beachten? Und was ist das Faszinierende an Känguruboxen? Leseprobe aus der "Praktischen Einführung in die Kunst des gefährlichen Lebens"

Messerwerfen

Messerwerfen ist keine sonderlich schwer zu lernende Fähigkeit, obwohl man eine Menge Übung braucht, um es dabei zu echtem Können zu bringen. Harry K. McEvoy hat in seinem einschlägigen Buch zu dem Thema, Knife Throwing: A Practical Guide, einmal gesagt, wer als Anfänger im Messerwerfen genug Körperbeherrschung mitbringe, um einen Schlagball zu werfen oder mit einer Peitsche zu knallen, der sei auch imstande, richtig zu lernen, wie man ein Messer wirft. Wie beim Dartwerfen ist der Zweck des Messerwerfens, ein Ziel zu treffen. Anders als Dartpfeile fliegen Messer aber nicht mit der Spitze voran durch die Luft. Vielmehr dreht sich ein Messer auf dem Weg zum Ziel im Flug um seinen Schwerpunkt.

Material und Werkzeuge:

• Drei oder mehrere Wurfmesser von je 300 bis 400 Gramm. Im Internet gibt es viele Anbieter von Wurfmessern, die sich mit jeder Suchmaschine herausfinden lassen.

• Fichtenholzbretter, 5 cm dick, 30 cm breit und 100 cm lang. Aus den zusammengefügten Brettern sollte ein Kreis von ca. 90 cm Durchmesser herausgesägt werden (falls das nicht möglich ist, tut es auch ein Quadrat von 90 cm Seitenlänge).

• Sperrholzplatte (als Rückseite).

1. Schritt: Heben Sie Ihren Arm über Ihren Kopf und halten Sie dabei den Ellbogen leicht angewinkelt.

2. Schritt: Schwingen Sie Ihren Arm aus der Schulter heraus vorwärts nach unten.

3. Schritt: Lassen Sie das Messer an dem im Schaubild gezeigten Punkt los. Öffnen Sie zum Loslassen des Messers Ihre Hand, ohne das Handgelenk einzuknicken.

4. Schritt: Schwingen Sie nach dem Loslassen Ihren Arm weiter in Richtung Zielscheibe durch.

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Wenn die scharfe Spitze im Moment des Auftreffens nach vorn zeigt, wird das Messer mit einem befriedigenden Klong in der Zielscheibe stecken bleiben. Trifft das Messer die Zielscheibe mit dem Griff, prallt es ab und fällt mit einem sehr unbefriedigenden Bums zu Boden. Die Kunst des Messerwerfens besteht darin herauszufinden, wie das Messer stets mit der Spitze voran das Ziel trifft. Der Trick besteht darin, sehr, sehr gleichmäßig zu werfen. Der Messerwerfer muss das Messer jedes Mal auf genau die gleiche Weise und an genau dem gleichen Punkt loslassen. Der Werfer stellt den Abstand zwischen Loslasspunkt und Zielscheibe fest, bei dem das Messer stecken bleibt, und wirft fortan stets aus dieser Entfernung.

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Messerdrehung

Der Abstand zwischen Loslasspunkt und Zielscheibe bedeutet zugleich eine ganz bestimmte Anzahl von Umdrehungen des Messers in der Luft. Der Werfer muss herausfinden, wie weit sein Messer mit einer Umdrehung fliegt, und die Zielscheibe dementsprechend aufstellen. Sobald man für einen bestimmten Abstand Gleichmäßigkeit beim Werfen erreicht hat, kann der Werfer sich weiter vom Ziel entfernt oder näher dazu aufstellen, und zwar exakt um so viel weiter oder näher, wie einer Umdrehung des Messers entspricht.

Känguruboxen


Im Jahr 1895 veranstaltete der deutsche Filmpionier Max Sklandanowsky im Berliner Wintergarten-Varieté die ersten öffentlichen Filmvorführungen in Deutschland. Unter den verschiedenen gezeigten Filmen war auch Das boxende Känguruh, eine der frühesten Darstellungen des Verhaltens von Tieren in bewegten Bildern auf der Leinwand.

Der 90 Sekunden dauernde Film, eine Revolution in der Filmproduktion, zeigt ein für Känguru-Verhältnisse riesiges rotes Känguru im Sparringskampf mit einem gewandten schnurrbärtigen Boxer im Dress des 19. Jahrhunderts, der bloß als „Herr Delaware“ vorgestellt wird.

Die kurze und weitgehend harmlose Boxvorführung war von Sklandanowsky und seinem Bruder Emil mit einer selbst gebauten Kamera (der „Kurbelkiste“) gefilmt und auf dem von ihnen selbst entwickelten Filmprojektor namens Bioscop (der im Jahr darauf von der kommerziell erfolgreicheren Filmprojek­tionstechnik der Brüder Lumière abgelöst werden sollte) vorgeführt worden. Vor einer weißen Kulisse im Zirkus Busch bearbeiteten Herr Delaware und das hünenhafte Beuteltier einander mit schnellen Geraden, überraschenden Haken, und zwischendurch klammerten sie auch. So kurz der Film war, wurde er doch ein enormer Erfolg und bereitete die Bühne für künftige Filme mit Tieren in der freien Wildbahn.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war die Vergnügungsmeile des Boardwalk in Atlantic City eine Oase der Freiheit von den damals geltenden strikten Moralvorstellungen; hier wurden exotische Erzeugnisse und ausgefallene Vergnügungen geboten, die neugierige Besucher unwiderstehlich anzogen: ellenlange Hotdogs, saure Drops, Riesenräder, Achterbahnen und … Känguruboxen.

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Im Jahr der Jahrhundertwende war Atlantic City weithin bekannt für sein boxendes Känguru, dessen Namen wir heute leider nicht mehr kennen. Aber nach allem, was darüber berichtet wird, muss es ein verdammt guter Boxer gewesen sein. Mehr als nur ein Zuschauer erklärte damals, dass es selbst Schwergewichtschampion John L. Sullivan aus dem Ring fegen könnte. Der Faustkampf Mann gegen Känguru erfreute sich damals größter Beliebtheit. In der Zeit, als Känguruboxen groß in Mode war, konnte es ein guter Känguruboxer rasch zu Ruhm und Ansehen bringen.

Bei der Panamerikanischen Weltausstellung von 1901 in Buffalo im ­Bundes­staat New York war eine der beliebtesten Attraktionen der „Boxkampf zwischen Mann und Känguru“. Eine namentlich nicht bekannte ­Zuschauerin war von der Veranstaltung so hingerissen, dass sie den Kampf in ihrem Tagebuch in allen Einzelheiten festhielt. Hier ist ein Auszug aus ­ihrer enthusias­tischen Beschreibung: Ein Mann in roten Boxershorts betrat den Ring, ge­-folgt von einem stattlichen Känguru. Auf Geheiß des Ringrichters traten die beiden Wettkämpfer vor und gaben sich die Hand, woraufhin das schlaue Känguru blitzschnell zum Angriff überging, und damit ging der Kampf LOS.

Wann immer der Mann nun die Oberhand zu bekommen schien, warf sich das Känguru nach hinten, stützte seinen Körper auf seinen mächtigen Schwanz und schlug dann mit seinen Vorderläufen und seinen Hinterläufen gleichzeitig zu.

Nach zehn Minuten guten soliden Punchens versetzte das Känguru dem Mann einen Uppercut, dass er taumelnd in den Seilen des Ringes landete. Wieder gab es eine Auszeit, und am Ende der dritten Runde wurde der Kampf für beendet erklärt und das Känguru zum SIEGER ausgerufen.

Stromschläge durch den elektrostatischen Generator nach dem Ramsden-Prinzip

Ramsden-Generator (Materialien-Richtwerte):

• 5 x 25 cm Brett von 60 cm Länge

• gerade Kunststoffrohre (PVC), Durchmesser 5 cm/2 Zoll, 40 cm Länge (Ständer)

• T‑Stücke PVC-Rohr, Durchmesser 5 cm/2 Zoll, Zuschnitt wie im Schaubild angegeben (Ständerhalterung)

• Ankerschrauben, 5 cm Länge, mit Unterlegscheiben

• gerades Kunststoffrohr (PVC), Durchmesser 1,25 cm/ 1/2 Zoll, 50 cm Länge (Walzenachse)

• gerade Kunststoffrohre (PVC), Durchmesser 1,25 cm/ 1/2 Zoll, 12,5 cm Länge (Kurbelteile)

• Winkelstücke PVC-Rohr, Durchmesser 1,25 cm/1/2 Zoll (Verbindungsstücke Kurbel)

• Endstück PVC-Rohr, Durchmesser 1,25 cm/1/2 Zoll (Endstück Kurbel)

• gerades Kunststoffrohr (PVC), Durchmesser 6,25 cm/3 Zoll, 25 cm Länge (Walze)

• Endstücke PVC-Rohr, Durchmesser 6,25 cm/ 3 Zoll (Endstücke Walze)

• Kupferrohr, Außendurchmesser 3/4 Zoll

• Endstück Kupferrohr, Außendurchmesser 3/4 Zoll

• Messingknauf mit Rundbolzen

• 3,5 mm-Messingschrauben, 3,5 cm Länge, oder ein Abdeckblech (Traufblech) aus Aluminium, das zu einem „Kamm“ mit 8 oder mehr Zinken geschnitten wird

• Stück echter Pelz (zum Beispiel Kaninchen)

1 Schneiden Sie die beiden T‑Stücke (Ø 5 cm) zu wie in Schaubild 1 ab­gebildet. Sie dienen als Halterungen für die beiden Ständer. Befestigen Sie diese mit Ankerschrauben und Unterlegscheiben am Bodenbrett.

2 Bohren Sie für die Walzenachse je ein Loch von 2 cm Durchmesser in die Mitte der beiden PVC-Endstücke der Walze.

3 Bohren Sie für die Walzenachse je ein Loch von 13 mm Durchmesser in die beiden PVC-Rohre, die als Ständer dienen (vgl. Schaubild 1).

4 Bohren Sie für das Kupferrohr je ein Loch von 13 mm Durchmesser in die beiden PVC-Rohre, die als Ständer dienen (vgl. Schaubild 1).

5 Setzen Sie die beiden Endstücke auf das PVC-Rohr (Ø 6,25 cm/3 Zoll) und stecken Sie die Walzenachse durch die Bohrlöcher in den Endstücken.

6 Bohren Sie in einer Linie und in regelmäßigem Abstand 8 Löcher von 3 mm Durchmesser in das Kupferrohr. Schrauben Sie die Messing­schrauben in die Bohrlöcher. (Alternativ können Sie aus Alublech auch einen „Kamm“ schneiden, den Sie mit Klebeband am Kupferrohr befestigen. Beide Bauweisen sind in Schaubild 1 dargestellt.) Setzen Sie das Endstück auf das Kupferrohr und befestigen Sie den Messingknauf mit einer Mutter an dem Endstück.

7 Stecken Sie das Kupferrohr und die Walzenachse durch die Bohrungen in den beiden Ständern.

8 Setzen Sie die beiden Ständer in die Halterungen auf dem Bodenbrett und kleben Sie sie fest. Stecken und kleben Sie die Bauteile für die Kurbel wie in Schaubild 1 (unten) abgebildet zusammen.

9 Drehen Sie das Kupferrohr so, dass die Spitzen der Schrauben die Walze aus PVC gerade eben berühren, wenn die Walze gedreht wird.

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Leidener Flasche (Werkzeug und Materialien):

• Bohrmaschine und Bohrer

• Plastikflasche (250 ml) aus Polyethylen (PE-HD, vgl. Angabe auf dem Flaschenboden)

• Kupferrohr, 3 cm Länge

• Messingknauf mit Bolzen

• Lampenkette, 15 cm Länge

• Alufolie oder Aluminiumband

1 Kleiden Sie die Innenseite der Plastikflasche ganz mit Alufolie aus und umwickeln Sie die Flasche mit Alufolie. Glätten Sie die Folie anschließend mit den Fingern, um Falten und Knitter zu entfernen.

2 Bohren Sie ein Loch in das Kupferrohr (siehe Schaubild 2) und führen Sie die Lampenkette durch das Loch.

3 Bohren Sie ein Loch in den Deckel der Flasche (Durchmesser entsprechend dem Durchmesser des Kupferrohrstücks). Stecken Sie das Kupferrohrstück mit der Kette in die Bohrung. Das Kupferrohr sollte fest im Deckel stecken und die Kette sich am unteren Ende in der Flasche befinden. Zwischen dem unteren Ende des Kupferrohrs und dem Flaschenboden sollte ein Abstand von 3 bis 5 cm sein.

4 Befestigen Sie den Messingknauf mit dem Bolzen am oberen Ende des Kupferrohrs und stecken Sie den Knauf auf das Kupferrohr im Deckel. Auf diese Weise stellt die auf den Boden herabhängende Kette einen elektrischen Kontakt zwischen dem Kupferrohr mit dem Knauf und der Alufolie im Innern der Flasche her.

Anwendung: Stellen Sie die Leidener Flasche so unter das Kupferrohr am Ramsden-Generator, dass die beiden Messingknäufe einander berühren. Pressen Sie nun mit bloßer Hand das Pelzstückchen fest

auf die PVC-Walze und drehen Sie die Kurbel schnell. Durch die Drehung wird das Kupferrohr mit Elektrizität aufgeladen, die in der Leidener Flasche aufgefangen wird. Wenn Sie den Messingknauf der elektrostatisch aufgeladenen Leidener Flasche mit dem Finger berühren, wird ein Funke überspringen.

Messerwerfen & Absinth. Praktische Einführung in die Kunst des gefährlichen LebensWilliam Gurstelle Rogner & Bernhard, Berlin 2010, 240 S., 17,90

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16:10 22.07.2010

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