Nur für Mitglieder

A–Z Clubs Der US-Golfclub Augusta hat erstmals zwei Frauen aufgenommen, eine ist Condoleezza Rice. Warum sie alles richtig gemacht hat, welche Clubs noch wichtig sind: im Lexikon

A

ADAC

Wenn sich der ADAC zu Wort meldet, bei Fragen des Tempolimits etwa, der Pkw-Maut oder – wie jüngst – bei der Pendlerpauschale („Die Politik darf nicht untätig zusehen, wie für Millionen von Menschen der Arbeitsweg immer unbezahlbarer wird“), kann man davon ausgehen, dass man eigentlich immer anderer Meinung ist. Die Motorwelt, zugleich Mitgliedermagazin und auflagenstärkste Zeitschrift Europas, nimmt bei vielen Clubmitgliedern immer den direkten Weg vom Briefkasten zum Altpapier. Den Vogel schoss der Allgemeine Deutsche Automobil-Club aber 1974 ab, als er kurz nach der Ölkrise und angesichts von 20.000 Verkehrstoten im Jahr (zum Vergleich: 2011 waren es unter 4.000) seine legendäre Aufkleberaktion „Freie Fahrt für freie Bürger“ startete. Darüber schüttelten selbst hartgesottene Bleifüße den Kopf.

Der ADAC macht seit seiner Gründung 1903 gnadenlos Autopolitik, sein Service ist aber: leider geil. Ein Wagen kann noch so abgelegen von jeder Zivilisation seinen Geist aufgeben, die „gelben Engel“ sind zur Stelle und helfen unbürokratisch. Da nimmt man dann schon mal eine kurze Auszeit vom Dagegensein. Mark Stöhr

Augusta National Golf Club

Wäre ich eine Frau, würde ich nun einen herzlichen Glückwunsch über den Ozean schreien: „Super, Condi!“ Leider spiele ich als akademische, deutsche Mittelschichtsangehörige längst postgender auf allen Plätzen des Lebens und kenne mich eher mit piratisierten Kegelclubs aus als mit elitären, männerdominierten Golfclubs. Was ich seit vergangener Woche ehrlich gestanden sehr bedauerlich finde. Denn seit die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice als eine von zwei Frauen nun erstmals Zugang zum Golfclub „Augusta“ erhalten hat, einer laut New York Times „Bastion männlicher Autorität und rigoroser Hingabe an antiquierte Gesetze“, wurde mir wieder klar, welch tolle Siege so als Frau zu erzielen wären. Vielleicht sollte ich dafür einfach mal klein anfangen und zunächst Golf lernen. Denn darum geht es doch eigentlich: Mitspielen können und dürfen auf all den etablierten Plätzen des Lebens. Wer weiß, vielleicht nimmt Augusta irgendwann dann auch postgender auf. Susanne Lang

B

Bertelsmann-Club

Meine Großtante hat noch nie eine Zeile von Goethe, Schiller oder Kleist gelesen. Man kann nicht sagen, dass ihr das geschadet hätte. In ihrem Wohnzimmerschrank stehen aber die Goethes, Schillers und Kleists in Reih’ und Glied als wuchtige Gesamtausgaben, in direkter Nachbarschaft zu den Konsaliks und Simmels. Die hat sie wirklich gelesen. Für Leute wie meine Tante war der Bücherclub von Bertelsmann mehr ein Einrichtungshaus. Man musste pro Quartal mindestens ein Exemplar kaufen und entschied sich oft für das Buch mit dem prestigeträchtigsten Einband. Da kam bei jahrelanger Mitgliedschaft eine ansehnliche Bibliothek zusammen. Der Club wurde 1950 von Reinhard Mohn gegründet, als direkter Verkaufsweg zu den Lesern, da es damals noch nicht so viele Buchhandlungen gab. Er hatte in seiner Blütezeit über sechs Millionen Mitglieder, heute sind es noch um die drei Millionen. Längst hat sich der Buchclub mit der Filiale vor Ort zum Multimediaclub gewandelt. Ein Rest Nachkriegsmief ist aber geblieben. MS

C

Club der toten Dichter I

„O Captain, my Captain!“ – Wenn Sie bei diesen Worten nicht augenblicklich an Ihren verklärt lächelnden Englischlehrer denken müssen, dann sind Sie nicht in den Neunzigern zur Schule gegangen. Das Zitat stammt aus Der Club der toten Dichter, dem Lieblingsfilm aller Pädagogen, die sich selbst als Freigeister sehen. Noch mal zum Schwelgen der Plot: Verstockter Schüler (Ethan Hawk) trifft in ultrakonservativem Internat auf unkonventionellen Englischlehrer (Robin Williams), der seine Schüler zu freiem Denken und selbstständigem Handeln auffordert. Nachts rezitieren die Jungs Gedichte im Wald und lernen mit Thoreau „Die Pflicht zum Ungehorsam“. Am Ende nimmt sich ein Schüler das Leben, der Lehrer wird gefeuert. Und mein Englischlehrer wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Toll. Mikael Krogerus

Club der toten Dichter II

Wortschöpfungen nach dem Film: Der Club der roten Lichter (Popsong), Der Club der toten Steller (Volleyball-Gruppe in Hamburg), Der Club der roten Fister (Pornofilm), Der Club der roten Richter (Schlagzeile). MK

G

Glubberer

In Nürnberg singt man: „Ich bin a Glubberer / Und ich wers immer bleim / Ogmalt hab ich schwarz und rot mei Fensterscheim“. Rot und Schwarz sind die Vereinsfarben des 1. FC Nürnberg, der Rest ist fränkisch. Der 1. FC Nürnberg ist nicht einfach ein Fußballverein, eine Mannschaft oder ein Team, er ist „der Club“ oder – im sanften Idiom der Region – „der Glub“. Daraus spricht Stolz, auch eine gewaltige Portion Überheblichkeit, die angesichts der eher trüben Gegenwart nicht gerade plausibel erscheint.

Man muss bis in die frühen Zwanziger des vergangenen Jahrhunderts zurückgehen, um zum Ursprung des Prädikats „der Club“ zu gelangen. Damals war der 1. FCN im deutschen Fußball das Maß aller Dinge, eben „der Club“, es gab einfach kaum ein anderes Team, das den „Glubberern“ das Wasser reichen konnte. Zwischen 1920 und 1927 holten sie fünf Meistertitel. Diese Dominanz verdankten sie zwei ungarischen Legionären, von denen einer – Alfréd Schaffer – später auch Trainer wurde. Dazu kam Hans Kalb, der beste deutsche Fußballer seiner Zeit. Als Kalb immer dicker wurde und irgendwann 25 Kilo Übergewicht hatte, war es mit der Nürnberger Herrlichkeit aber vorerst vorbei. „Der Club“ sind sie bis heute. MS

H

Hardcore

Oslo, frühe neunziger Jahre. Der Plattenladen Helvete („Hölle“) ist Anlaufpunkt für Musiker der norwegischen Black-Metal-Szene. Eine verschworene Gemeinschaft bilden die Bandmitglieder des Dreigestirns Emperor, Burzum und Mayhem, die den Sound des Black Metal entscheidend prägten. In Oslo waren sie der mythenumwobene „Inner Circle“, von dem bis heute nicht ganz klar ist, ob es ihn wirklich als formalen Club gab oder ob er eine Legende für die Medien war.

Bekannt ist aber, dass ausgehend von diesem Milieu der Metal tatsächlich einmal die Militanz, Gefahr und Brutalität ausstrahlte, die ihm von besorgten Kulturkritikern schon seit seiner Entstehung angedichtet wurde. Für diese jungen Musiker waren Satanismus und Gewalt nicht nur Posen und Schockeffekte fürs Bad-Boy-Image, sondern konkrete Handlungsanleitungen mit üblen Folgen. Über 50 norwegische Kirchen zündeten der Inner Circle und dessen Umfeld zwischen 1992 und 1996 an, Emperor-Drummer Faust ermordete 1992 einen Homosexuellen und saß bis 2003 im Gefängnis, Burzum-Mastmind Varg Vikernes erstach Mayhems Euronymous. Dafür saß er bis 2009 hinter Gittern. Ein Beispiel dafür, dass die Kraft der Musik nicht immer zum Guten wirkt. Von den Protagonisten des Inner Circle haben Mayhem trotzdem kulturelle Weihen und einen Platz im Feuilleton erhalten. Ihr letztes Deutschland-Konzert gab die Band 2010 in der Berliner Volksbühne. Sebastian Triesch

L

Literarische Clubs

Wann ist ein Club ein Club? Schriftsteller, Dichter und Denker fanden sich seit jeher gerne zu Zirkeln, in Schulen oder in Orden zusammen. Ob die sizilianische Dichterschule des 13. Jahrhunderts oder der in Nürnberg ansässige und bis heute bestehende Pegnesische Blumenorden – Sprachpflege sowie intellektueller Austausch standen durch alle Epochen hindurch stets an oberster Stelle dieser Vereinigungen.

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Literaturclubs im Dunstkreis des Fin de Siècle äußerst begehrt, bekanntes Beispiel in Berlin war Der Neue Club, der von 1909 bis 1914 existierte. Seine Mitglieder wie Schriftsteller Kurt Hiller, Georg Heym oder Jakob van Hoddis gelten als Wegbereiter des literarischen Expressionismus. Der Maler und Grafiker Karl Schmidt-Rottluff gestaltete Plakate, und bekannte Gäste wie Else Lasker-Schüler nahmen an den Vortragsabenden teil, die unter dem Namen „Neopathetisches Cabaret“ stattfanden. Sophia Hoffmann

R

Revolution

Die Französische Revolution, die im Jahre 1789 losbrach, veränderte Europa und die Welt. Eine zentrale Rolle im Vorfeld des Umsturzes spielte die Verbreitung aufklärerischer Denkansätze und die damit einhergehende Politisierung der Bevölkerung, welche vor allem durch den Einfluss der Schriften von Baron de Montesquieu und im weiteren Verlauf der Revolutionsjahre auch durch die von Jean-Jacques Rousseau stattfand. Die bürgerlichen Schichten trafen sich bevorzugt in Debattierclubs. Und Lesezirkel machten es allen Lesekundigen möglich, für einen kleinen Obolus an neues, revolutionäres Gedankengut zu kommen. Der Erwerb eines Buches war ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Inhalte wie die der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, eines der Hauptwerke der Aufklärung, wurden durch die Debattierclubs und Lesezirkel weitergegeben und verbreiteten sich schließlich auch in den sozial schwächer gestellten Schichten der Bevölkerung. Das Ende ist bekannt. SH

W

Welteroberung

Es war natürlich kein Zufall, dass der Franzose Jules Verne 1873 für seinen Roman In 80 Tagen um die Welt als Ausgangspunkt einen piekfeinen Londoner Gentleman-Club wählte. Es war die Zeit des Britischen Empire, und von Londoner Clubsesseln aus wurde die Welt nicht nur erklärt, sondern gleich auch regiert. Phileas Fogg wettet also im Reform Club um 20.000 Pfund, dass er in 80 Tagen um die Welt reisen könne. Mit seinem französischen Diener Passepartout (was für ein Name!) macht er sich sofort auf. Es ist ein Trip durch britische Kolonien und Ex-Kolonien, durch den Suez-Kanal nach Indien, von dort nach Hongkong, dann durch die USA und über den Atlantik zurück. Fogg gewinnt nicht nur, er findet auch die Liebe. Am Ende heiratet er eine Inderin, so viel multikulti war dann auch schon im 19. Jahrhundert. Jan Pfaff

Z

Zahlen

Wie es der Zufall so wollte, tja jaja, hatte der Fitnessclub gerade und ausnahmsweise – just in dem Moment, in dem ich ihn passierte – ein besonderes Angebot für Neueinsteiger: keine einmalige Aufnahmegebühr von knapp 100 Euro, wenn man sofort den Vertrag unterschreibt. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen, schließlich war ich im fünften Monat schwanger und sollte ja schon längst mal etwas für meinen Rücken getan haben. Ich setzte meine Unterschrift unter dieses Schnäppchen und war drin im Club.

Das war vor zweieinhalb Jahren. Vor eineinhalb Jahren erhielt ich dann eine neue Mitgliedskarte, in Gold, weil ich ein Jahr lang dabei war – ich sollte wohl noch dazusagen, dass der Vertrag, den ich abschloss, nicht nur ein besonderes Angebot war, sondern auch eine klitzekleine Bedingung hatte: Er hatte eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren. Vor drei Monaten war ich dann zum ersten Mal in dem Fitness-Club, in einer Yogastunde. Und da ich ja mittlerweile als Langzeitmitglied Inhaberin der Goldkarte war, durfte ich sogar auch meine Schwester umsonst mitnehmen. Was soll ich sagen? Die Yogalehrerin war schrecklich – und ich seitdem nicht mehr dort. Aber ich zahle natürlich weiter monatlich meinen Club-Beitrag. Schließlich gibt es dort ja auch Kinderbetreuung, im Falle des Falles, dass ich dann doch mal ... SL

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09:00 01.09.2012

Ausgabe 38/2021

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