Sieg nach Punkten

Medien-Fight Der PR-erfahrene Tony Blair hat eine PR-Schlacht gegen die Islamische Republik Iran klar verloren

Tony Blair hat seine Soldaten nach ihrer Rückkehr aus Teheran quasi unter die Quarantäne der Zensur gestellt. Direkte Interviews mit Journalisten bleiben untersagt. Es gibt lediglich eine Pressekonferenz, zu der die Soldatin, die während der Affäre im Iran die zentrale Figur war, erst gar nicht erschien. Ihr blieb offenbar die Rolle vorbehalten, für viel Geld die britische Version des Vorfalls in der Presse zum Besten zu geben. Es scheint einigermaßen suspekt, dass vom Verteidigungsministerium entgegen eigener Tradition ein derartiges "Geschäft" zugelassen wird. Auf der Pressekonferenz sah man so genannte Freiwillige, die Erklärungen vorlasen und dabei sehr viel verkrampfter wirkten als bei ihren Auftritten im iranischen Fernsehen. Man darf auf weitere Überraschungen im britisch-iranischen Medienkrieg gespannt sein.

Der PR-erfahrene Blair hat eine Schlacht gegen die Islamische Republik Iran klar verloren, die im Westen so gern als Inbegriff von Zensur und medialer Inszenierung verdammt wird. Zugleich hat sich die Führung in Teheran nicht erfolglos darum bemüht, politisch an Boden zu gewinnen, was ihr allerdings nur auf einem Nebenkriegsschauplatz gelungen ist. Im Atomstreit befindet sie sich nach wie vor in der Defensive.

Im Fall der Marinesoldaten steht der Iran deshalb besser da, weil hier seine Position alles in allem glaubwürdiger ist. Die Festnahme der britischen Militärs in iranischen Hoheitsgewässern war ein Akt der Souveränität und darum schwer angreifbar. Demgegenüber bleibt der Versuch, das eigene Sicherheitsproblem, wie es mit dem Atomkonflikt zum Ausdruck kommt, als "Energieproblem" zu verkaufen, für die öffentliche Meinung unglaubwürdig. Mehr noch, es liefert den Kriegstreibern um Bush und Cheney die willkommene Begründung, um ihre geostrategischen Ziele im Mittleren Osten, zu denen ein Regime Change im Iran gehört, weiter zu verfolgen. Man sieht bei diesem Vergleich, die Glaubwürdigkeit kann eine stärkere Macht als jenes Recht sein, das der Iran in Übereinstimmung mit dem Atomwaffensperrvertrag für sich in Anspruch nimmt.

Die Schlussfolgerung kann nur lauten, die Islamische Republik muss die eigenen wie auch die Sicherheitsdefizite anderer Länder der Region in den Vordergrund stellen, um so den eigentlichen Konflikt offen zu benennen und sich nicht länger hinter dem Recht zur Anreicherung von Uran zu verschanzen. Kaum je erschien ein solcher Sinneswandel dringlicher als jetzt.

Denn eines steht außer Frage, nach übereinstimmender Meinung aller Experten sind die militärischen Vorbereitungen für einen Angriff auf den Iran längst abgeschlossen. George Bush könnte jederzeit auf den Knopf drücken. Zögert er, so ist das auf die prekäre Lage im Irak, aber ebenso auf den wachsenden Widerstand bei den Demokraten im Kongress wie in der US-Armee zurückzuführen. Man fürchtet die Folgen eines Iran-Krieges inzwischen offenbar mehr als einen Iran, der mit nuklearen Kapazitäten ausgestattet ist. Ohne Zweifel wollte Nancy Pelosi, die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, mit ihrer Reise nach Syrien, also in einen "Schurkenstaat", Bushs Kriegspläne offen durchkreuzen. Sie wäre vermutlich lieber in den Iran geflogen, hätte das nicht schwerste innenpolitische Verwerfungen heraufbeschworen, die Pelosi nicht riskieren wollte. Trotzdem war ihr Abstecher nach Damaskus im Prinzip der Ersatz für eine Tour nach Teheran.

Die besonnenen Kräfte in der Führungsriege der Islamischen Republik gehen grundsätzlich davon aus, dass Präsident Bush nur noch bis zum Sommer Zeit hat, die gegen Iran gerichteten Kriegspläne in die Tat umzusetzen - dann beginnt in den USA das Wahljahr. Deshalb wird die Gefahr einer Intervention in Teheran nach wie vor sehr ernst genommen, und man will Bush keinen Vorwand für eine Eskalation liefern - ein bestimmendes, wenn nicht das entscheidende Motiv, die Briten nach Hause zu lassen.

Doch auch ein Blick in die Nachbarschaft ermahnt zur Mäßigung. Saudi-Arabien fühlt sich nicht nur zum Sprecher der Arabischen Welt berufen und ist diplomatisch sehr rege - es spielt im Atomkonflikt eine Doppelrolle. Einerseits fürchtet König Abdullah um die eigene Herrschaft, sollte es zu einem Waffengang gegen den Iran kommen - und ist deshalb dagegen. Andererseits bleibt er existenziell von der US-Regierung abhängig und spielt auf der Klaviatur von Condoleezza Rice, die diplomatische Vorkehrungen für den "Tag X" trifft. So ist dem saudischen König "plötzlich" der eigene Plan für eine Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern wieder eingefallen, den er vor fünf Jahren schon einmal präsentiert hat - und dessen Kern im Rückzug der Israelis auf die Grenzen von 1967 besteht. Abdullah zaubert diese Idee wohl nicht zufällig gerade jetzt aus dem Hut, sollen doch die radikalen Kräfte im sunnitischen Lager, besonders die Hamas, in die von Bush und Rice gestrickte neue arabische Allianz eingebunden werden. Ein strategischer Schachzug, um für den Fall einer US-Intervention gegen Teheran einer starken schiitischen Allianz zwischen dem Iran, fundamentalistischen Kräften im Irak und der Hisbollah im Libanon eine Koalition der Sunniten entgegenzusetzen.

Ob das gelingt, darüber darf spekuliert werden. Momentan kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die offen zur Schau gestellten iranischen Ambitionen auf eine militärische Dominanz in der Region alle Araber verunsichert, teilweise verschreckt haben. Das stärkt die saudische Führung, während die iranische gute Vorlagen liefert, um anti-persische Obsessionen der Araber zu revitalisieren. Für viele arabische Nationalisten stellt derzeit der Iran eine größere Gefahr für die arabische Welt dar als Israel.

00:00 13.04.2007

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