Warmweiß für Anfänger

Ökoblog Nichts ist schlimmer, als wie die FDP zu klingen. Aber mal ehrlich: Energiesparlampen sind Mist. Einmal zurück ins Entwicklungslabor, bitte.

Also, die Damen und Herren Entwicklungsingenieure, da müsst ihr noch mal ran.
Es kann ja wohl nicht sein, dass ich mir beim Vorlesen im Kinderzimmer die Augen verrenke, nur weil ich das Klima retten will. Wobei ich hier auch gleich den Appell an die Kinderbuchverlage loswerden möchte, doch bitte den Text nicht über bunte Bilder zu drucken, denn das kann man beim Leuchten einer Energiesparlampe beim besten Willen nicht mehr erkennen. Und wie will man den Kindern kohärentes Denken beibringen, wenn Mama wichtige Passagen von „Petzi in Pingonesien“ überspringen muss.

Ich bin ernsthaft versucht, mich bei Aldi noch mal mit den superbilligen Billigglühbirnen einzudecken, bevor das Glühbirnenverbot ab September in Kraft tritt. Ich weiß, dass das reaktionär ist, und ich werde das natürlich auch nicht tun. Keinesfalls will ich in einem Boot mit der FDP enden, die letzte Woche noch einmal vergeblich im EU-Umweltausschuss gegen das Glühbirnenverbot zu Felde zog und dies als Kampf wider die aufkeimende Ökodiktatur inszenierte.

Sonniges Glühfädchen

Energieeffizienzklasse D, das geht gar nicht. Ist mir alles völlig klar. Aber ich versetze mich schon mal ins Jahr 2012 und stelle mir die Wehmut vor im Rückblick auf die Zeiten, als man das Licht anknipste und ein völlig ineffizientes und veraltetes Glühfädchen hell, warm und sonnig erstrahlte.

„Energiesparlampen waren in der Anfangszeit noch mit Mängeln behaftet, die das Urteil bis heute beeinflussen“, weiß die „Initiative Pro Energiesparlampe“, hinter der übrigens ein Internetvertrieb der kleinen Leuchtdinger steckt. Anfangszeit? Hallo? Sicher hatte die erste „kompakte schmalröhrige Leuchtstofflampe“ mit integriertemVorschaltgerät von 1980 noch ein paar Macken mehr. Aber ich bitte euch, ihr Lobbyisten. Fast 30 Jahre später denke ich beim Lichtanschalten immer noch, oh, die Glühbirne ist futsch. Bis mir dann nach drei Sekunden ein erstes müdes Glimmen ins Gedächtnis ruft: Richtig, es ist die Sparlampe. Die funzelt dann volle drei bis vier Minuten vor sich hin, während ich fluchend auf unerkannte Matchboxautos und Playmobilmänner trete. Ist das Ding dann endlich auf Betriebstemperatur und leuchtet leidlich, denkt man: Mensch, irgendwie war es früher heller.

Gelbsüchtige Leuchten im Wohnzimmer

Das verbreitetste Vorurteil gegen Energiesparlampen sei es, dass deren Licht nicht so schön sei wie das der Glühbirne, erklären die Streiter wider den Glühdraht. Aber das sei längst widerlegt. Denn jetzt gibt es ja die Töne warmweiß und extra-warmweiß. Ja, richtig. Wie will ich das beschreiben, dieses schummrige, gelbsüchtige Leuchten im Wohnzimmer? Es weckt jedenfalls Assoziationen an Eier mit Senfsoße. Extra-eklig-warmweiß.

Ich weiß, dass die arme Energiesparlampe nichts dafür kann. Es liegt daran, dass sie nur einen Farbwiedergabeindex von 85 Prozent hat, während die Glühbirne auf 100 kommt. Aber was soll ich sagen? Ich habe heimlich in die Stehlampe eine 60-Watt-Birne geschraubt, und wenn ich Heimweh habe, schalte ich sie manchmal noch an. Nur ganz kurz. Ehrlich.

Ökotest gibt mir übrigens Recht, das will ich hier nur mal zu meiner Verteidigung vorbringen. Von 16 getesteten Energiesparlampen gab es für ein Drittel ein „befriedigend“. Alle anderen waren schlechter. Entweder, so fanden die Tester heraus, sie leuchteten nicht gescheit, oder sie brauchten mehr Strom als angegeben, oder sie hielten bei weitem nicht so lange wie vom Hersteller versprochen. „Das Testergebnis kann nicht überzeugen“, meldete das Verbrauchermagazin im September 2008, kurz bevor die EU das Glühbirnenverbot ab September 2009 ankündigte.

Ich finde es super, dass wir bald vier Millionen Tonnen Kohlendioxid sparen, weil nicht mehr diese ineffizienten Miniheizpilze über unseren Köpfen schweben, wirklich, ich bin dafür. Aber soll es mich etwa nicht nervös machen, dass der Schlafforscher Dieter Kunz Bedenken gegen Energiesparlampen im Bad und am Bett hat, weil der erhöhte Blauanteil im Licht die Melatoninproduktion hemmt, was dem Körper suggeriert: Hallo, wach ! Andere Experten wiederum raten von den Dingern in Küche und Esszimmer ab, weil die Farben der Speisen verzerrt werden. Der Quecksilberanteil in den Leuchten macht mich nicht froh, und dass die Produktion die zehnfache Energie wie bei einer Glühbirne kostet ebenfalls nicht.

Herr Osram, Frau Philips, dass könnt ihr doch besser, oder? Wohin fließen eigentlich die 250 Millionen Euro der Regierung für den Masterplan Umwelttechnologie? Kommt Leute. Immerhin werden heute noch 83 Prozent Markts mit normalen Glühbirnen beleuchtet. Ein fettes Stück vom Kuchen wartet auf euch! Ihr könnt uns nicht unter diesen schummrigen Schrottleuchten sitzen lassen. Echt nicht.


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16:20 27.02.2009

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