RE: Trostpflaster für den Shutdown | 23.03.2020 | 20:23

Schöner Überblick über die Krisenmusik! Und recht unterhaltsam. Danke für die Hinweise und den Versuch, die Ästhetik zu deuten. Da scheint es so etwas wie Party-Trotz zu geben (Frei.wild und Timo Schmiering) oder "davon geht die Welt nicht unter"-Laune. Dieser Punkt könnte wichtig sein, denn die angeblichen "Corona-Parties" von Jugendlichen beflügeln die Empörung der Regierungen und werden mit immer härteren Ausgangsbeschränkungen geahndet. Das publizierte Bildmaterial zeigt allerdings in der Regel nur normale Freizeit in Parks oder auf Plätzen (SZ von gestern etwa). Die Obrigkeit fühlt sich nicht ernst genommen von den jungen Leuten mit ihrer staatsabträglich-subversiven Ausgelassenheit. Und jetzt haben auch noch die Frisöre geschlossen - dann gibt es bald auch wieder die Langhaarigen... Die "offzielle" Ästhetik verlangt jetzt nach Balkonmusik (Beethoven) oder Klatschritualen wie bei der Volksmusik.

RE: Die Welt nach Corona wird jetzt ausgehandelt | 21.03.2020 | 14:47

Damit diese optimistische Wende eine Chance bekommt, müßte in diesem Augenblick vordringlich geklärt werden, wie sich politische Opposition unter den neuen Bedingungen herstellen läßt und ob es z.B. ein Substitut für das Versammlungsverbot geben könnte. Zudem sind jetzt unabhängige und kritische Nachrichten wichtig, also eine Handwerkskunst, die in ARD und ZDF längst verlernt wurde. Twitter ist dafür kein Ersatz.

Bund und Länder werfen jetzt rd. eine Billion (!) ins Feuer und verbrennen damit genau die Ressourcen, die man für ein modernes, soziales Gesundheitswesen der Zukunft benötigen würde. Da muss gefragt werden, für was, für wen und welche Gegenleistung die Gesellschaft erfährt, wenn sie jetzt jenen solidarisch beisteht, die sich sonst über Solidarität nur noch amüsieren. Wo bleibt die kritsche Regierungskontrolle in diesem Augenblick, in dem sich die Parlamente nach hause schicken lassen? Das sind jetzt die Punkte, an denen man sich den Optimismus für die Zukunft erarbeiten müßte.

RE: Adieu Schuldenbremse | 20.03.2020 | 20:21

Die Schuldenbremse ist nicht weg. Nach Corona wird die Rechnung präsentiert werden. Zehn Jahre Austeritätspolitik wird nicht einmal reichen, um sie zu bezahlen. Aber klar ist, wer sie bezahlt.

RE: Die Welt nach Corona wird jetzt ausgehandelt | 20.03.2020 | 20:16

Mir gefällt die Perspektive auf die Zeit "danach". Den Autoren ist zuzustimmen, dass eine Rückkehr zum status quo ante historisch nicht möglich sein wird. Es kann sein, dass sich im Zuge der Krise der Wert eines sozialen Gemeinwesens politisch erneuert. Es kann aber auch den ultimativen Sieg des Neoliberalismus geben, weil der Staat sich fiskalisch übernimmt und gleichzeitg seine wirtschaftliche Grundlage unwiederbringlich ruiniert. Der Marsch in den Obrigkeitsstaat, in dem fundamentale Rechte wie die Versammlungsfreiheit suspendiert sind, dauert - wie wir sehen - allenfalls drei Tage. Im Augenblick scheint es mehr Anlass für Furcht als für Hoffnung zu geben.

RE: Sichere Jobs zahlen keine Miete | 16.03.2020 | 21:17

Mit politischer Rechthaberei ist den Betroffenen nicht geholfen. Aber der Autor müßte genauer sagen, was er eigentlich fordert? Grundsicherung? Da ist die Miete drin. Welche Art von Einkommensverlust soll die Allgemeinheit tragen? Bis zu welcher Grenze? Kredit oder Cash? Das sind leider keine einfachen Fragen.

RE: Pariser Passion | 16.02.2020 | 13:05

Alles wie gehabt: Die Bellizisten können einfach keine gescheite Kriegszieldebatte führen. Wie 1914. Und dann dieses Vokabular: "Verantwortung", "strategische Kultur", "ängstliches Herz", usf. So ein Geschwurbel. Wo haben die Militaristen in den letzten fünfzig Jahren auf der Welt mal ein Problem gelöst?

RE: Es hat sich etwas verschoben | 13.02.2020 | 21:06

Schön, wenn Bernie Sanders auch hier mal zur Kenntnis genommen und politisch gewürdigt wird. Irgendwie hat der alte Mann mit den klassischen Mitteln von Argument und Aufklärung etwas Bedeutendes in Gang gesetzt. Und er zeigt, wie man es macht mit drei, vier Themen und Projekten, die den Menschen wirklich auf den Nägeln brennen. Aber er ist auch ein erfahrener Berufspolitiker, der seine Existenz in die Waagschale wirft. Hoffentlich ist er erfolgreicher als Corbyn. Und hoffentlich macht sich hierzulande auch mal einer auf den Weg.

RE: Das ist der Dammbruch | 05.02.2020 | 20:35

Gegen den Kapp-Putsch half das Instrument des politischen Streiks. Bin mal gespannt, ob auf der Linken wieder wirksame Kampfformen entdeckt werden. Demo allein wird nicht reichen. Und was ist mit dem alten Wort "Einheitsfront"? Gibt es schon einen neue Vokabel? Thüringen sollte helfen, diese ganze Empörungs-Bräsigkeit auf der Linken zu überwinden.

RE: Das ist der Dammbruch | 05.02.2020 | 19:27

Zietz hat es doch auf den Punkt gebracht mit dem Masterplan der Eliten wie 1930 ff. Deshalb wäre gut, wenn die drei demokratischen Minderheitsparteien jetzt ihr Schicksal als Opposition aktiv annehmen und sich entsprechend herausgefordert fühlen. Bislang beschweren sie sich nur beleidigt bei ihren Bundesparteien. Sie müssen ihre Punkte aber im Landtag machen. Die Forderung nach Neuwahlen ist jetzt abwegig. Mohring und seine Skandaltruppe müssen jetzt mal zeigen, was sie unter Regierung verstehen. Ramelow ist noch jung.

RE: Der rebellische Revoluzzer | 01.02.2020 | 20:54

Mag ja alles sein, aber ich würde trotzdem Sanders wählen. Und würde mich freuen, wenn wir hier in D so einen hätten.