RE: „Wir sprechen jetzt über Machtverhältnisse“ | 23.06.2020 | 20:39

So viel Inhalt ist da auch nicht. Sie wird zu ihrer Herkunft und ihren Medienerfahrungen befragt, weniger zu professionellen Leistungen. Wird benötigt als Kronzeugin für thematische Relevanz. Andererseits auch für das gerade Gegenteil. Präsident des Landtages in Schleswig-Holstein ist übrigens das alte CDU-Urgestein Klaus Schlie. Daneben gibt es drei Vizepräsidentinnen, die gelegentlich die Sitzung leiten dürfen. Wenn das ordentlich gemacht wird, ist das nicht wenig. Aber Schlie ist der Chef. Man hätte Frau Touré fragen können, ob sie schon mal politisch etwas hat durchsetzen können. Als persönlichen sachpolitischen Erfolg. Hätte ich fair gefunden, denn für ihre Herkunft und ihr Alter kann sie nichts.

RE: Mashup Vol. 4: Funk versus Soul | 03.06.2020 | 20:30

Dem Dank von Stiller an Zietz und Jonas möchte ich mich anschließen! Ich habe (fast) keine Ahnung und war doch gefangen von der Erzählung. Und von der Kommentierung mochte ich dann auch keine Zeile auslassen. Super!

RE: Wir haben nur einen Versuch | 02.05.2020 | 14:39

Vielleicht hilft uns die scientific community in den Staaten doch noch aus der Krise: https://theconversation.com/we-found-and-tested-47-old-drugs-that-might-treat-the-coronavirus-results-show-promising-leads-and-a-whole-new-way-to-fight-covid-19-136789

Die kluge Idee ist, vorhandene und deshalb preisgünstige Medikamente systematisch zu screenen, einzugrenzen und jetzt Wirksamkeiten zu testen. Da haben Wissenschaftler eine kreative Idee, organisieren spontan die Arbeit (und schreiben und begutachten nicht erst monatelang Drittmittelanträge wie hierzulande) und suchen sich dann noch Kooperationspartner in Europa - allerdings in Paris und nicht in Berlin. Unsere Virologen beschäftigen sich dagegen lieber mit Seuchenstatistik...

RE: Reizwort Schuldenschnitt | 29.04.2020 | 20:39

Noch vor hundertfünfzig Jahren waren unbefristete Staatspapiere, sog. Konsols, eine völlig normale Form staatlicher Kreditaufnahme. Man hat diese Papiere vererbt, man konnte sie an andere Private ohne weiteres verkaufen und die staatlichen 3,5 oder 4 Prozent Zinsen waren eine sichere Form der Vermögensanlage. Die heute übliche Befristung (NRW ist schon wieder bei 100 Jahren) ist historisch zu erklären, ist aber dank rollierender Refinanzierung total belanglos, solange man nicht meint, den öffentlichen Schuldenstand nominal absenken zu müssen.

RE: Wie das Virus fast den Kapitalismus killte | 25.04.2020 | 22:43

Adam Tooze ist nicht "ein" britischer Wirtschaftshistoriker, sondern "der" maßgebliche Wirtschaftshistoriker der Gegenwart. Dieser Text zeigt, weshalb das so ist. Keines unserer Wirtschaftsforschungsinstitute, kein Fuest und kein Feld, liefern eine solche Darstellung. Und in der Sache: Die Deutschen sind eine Last für Europa und die deutsche Schuldenreligion ist nicht nur mittlerweile fachlich ein peinliches Alleinstellungstellungsmerkmal hiesiger Ökonomen, sondern eine brandgefährliche Ideologie. Ich hoffe, es kommt noch an den Tag, ob der Fauxpa von Lagarde wirklich auf Schnabel zurückgeht.

RE: Volksgemeinschaftsmoral, bitte | 18.04.2020 | 17:42

In Phase c waren doch viele Journalisten schon in Kurzarbeit. Jetzt lechzen die Zeitungen nach Staatsknete zum Überleben. Das war nach meiner Erinnerung auch der Kontext von Jarrens böser Bemerkung: Es tobte im Deutschlandfunk eine Diskussion, weil die Medien für "systemrelevant" (früher: kriegswichtig) erklärt werden wollten. Das hat Jarren bestritten und ihnen stattdessen das böse Wort vom Systemjournalismus zugerufen.

Ansonsten alles richtig. Ich wundere mich auch, dass bei der Zahl der Coronoa-Verstorbenen nicht gegenübergestellt wird, wie hoch die Zahl der Gestorbenen in Normalzeiten ist. Offenbar fragt auch keiner danach, ob überhaupt mehr gestorben wird als üblich. Man müßte die Telefonnummer des statistischen Landesamtes recherchieren...

RE: Erst mal keine Revolution | 17.04.2020 | 20:44

Dass Bernie Sanders nicht weiter antritt, hatte sich bis nach D schon herumgesprochen. Die Methoden, mit denen das Establishment Sanders abserviert hat, hätte der Autor durchaus gern recherchieren und beleuchten dürfen, bevor er den Begriff "Machenschaften" flott zurückweist. So "schlicht" war das nämlich nicht. Aber mit Sanders hat Ege sich noch nie viel Mühe gegeben. Bedauerlich. Es liegt viel Wahrheit im letzten Satz, leider auch über die Arbeitsweise des Autors.

RE: Öffnet die globalen Schuldengefängnisse | 13.04.2020 | 22:17

Da das Gemeinwesen "ewig" ist, braucht niemand Staatsschulden "zurückzuzahlen", es reicht regelmäßige Umschuldung. Sie müssen freilich bedient werden, was aber bei negativen Zinsen kein Problem sein sollte. Die hat Italien aber nicht. Und "Schuldenerlass" bedeutet, dass sie fortan ohne Kredite auskommen müssten. Und was machen die Banken und Versicherungen, die plötzlich auf wertlosen Papieren sitzen? Währungsreform unter heutigen Bedingungen - möchte ich mir nicht vorstellen müssen. Es gibt keine einfachen Lösungen. Derzeit rettet uns die FED, die die Swap-Lines aus der Finanzkrise reaktiviert hat. Nachzulesen im Blog von Adam Tooze.

RE: Globaler Wohltäter | 04.04.2020 | 14:00

Je nun, das bedingungslose Grundeinkommen. Jetzt rächt sich, dass die Vertreter des BGE an diesem Konzept nie ernsthaft gearbeitet haben und auf die grundlegenden Einwände (Staatsangehörigkeit; Bedürftigkeit; Höhe und Refinanzierbarkeit) allenfalls moralisch großspurige Sprüche entwickelt haben. Vernünftigerweise muss man jetzt in der Krise in den Bahnen von SGB II (Hartz IV) weiterkommen. Aber dafür stehen die Chancen heute gar nicht schlecht.

RE: Allein und verwundbar | 29.03.2020 | 20:37

"...dass zur Lösung ebendieser Frage am Ende Formen von Druck aufgebaut werden müssen, die sich nur schwer mit den Vorstellungen von Schöngeistern und Philosophen vereinbaren lassen."

Das genau ist es, worauf es ankommt. Man sollte jetzt die Zeit nutzen, um solidarische Zusammenhänge aufzubauen, die nach Aufhebung der Versammlungsverbote für politisches Handeln nützlich sein können.

Jede nachgeholte Trauerfeier könnte zur Demonstration gegen das privatisierte Gesundheitswesen werden. Nur so als Beispiel.