RE: Minztee vs. Coca-Cola | 23.06.2017 | 00:33

Ohje! jetzt habe ich gerade 'ne halbe Stunde lang versucht, ein Haiku aus meinem Artikel zu formen (zu viel Kreativität für einen unkreativen Menschen ;). Banaler Entwurf:

Neuer Orient:
Verbesserung durch Bildung?
Mehr Chancengleichheit!

Aber stopp, das klingt weder melodisch, noch ist es ausdrucksstark. Bleiben wir doch lieber beim zu langen Analyse-Versuch. Oder werd ich doch mal Poetin, wenn ich griß bin? :P

RE: „Ich bin nie kolonisiert worden" | 22.06.2017 | 13:49

Guter Artikel. Es stimmt, dass man dem (Post)Kolionalismus vor allem mit intgerkulturellem Austaisch entgegen kommen muss.
Ganz wichtig ist der Punkt, dass im Beispiel Senegals die Bevölkerung Europa oft als Paradies erträumt - mit Freiheit, geld, Straßen aus Gold. Wenn dann ein "Tubab" nach Pikine kommt, kommt oft die Anfrage zur Hochzeit auf (spreche aus eigener Erfahrung) - da diese den Weg nach Europa erleichtern würde. Doch genau der Punkt ist bedeutsam, den Frau Diome angesprochen hat: kommt ein Reisender/eine Reisende Senegalese/in aus Europa wieder und erfüllt nicht die Erwartung des zu Reichtum erlangten Mannes/der Frau traut er sicht nicht mehr, wieder in die gesellschaft zurückzukommen - und landet im schlimmsten Fall hungernd auf der Straße. Die Famillie würde ihn verachten, wenn derjenige die Träume nicht erfüllen könnte - und dies kann er ja nur im seltesten fall, da es nnicht so wirklich einfach ist, für einen dunkelhäutigen, senegalesischen Mann/eine Frau im konservativen Frankreich einen Job zu finden (habe gerade zwei Monate in Dakar/Pikine gelebt und hab da viel mit Leuten geschnackt über das Thema).

Jetzt die Frage: liegt es nicht auch in der Verantwortung der früheren Kolionalherren (Frankreich), diese Vorstellung aus den Köpfen der Leute verschwinden zu lassen? Und stattdessen zu helfen, das Land wieder gut aufzubauen (z.B. den Fischfang wieder unkommerziell zu machen und so Jobs zu schaffen)?

RE: Minztee vs. Coca-Cola | 22.06.2017 | 13:30

Top. Kritik immer erwünscht! Aber aus selbstkritischer Sichtweise weiß ich auch, dass es noch einige Fehler im Stil gibt, allein im Bezug auf die Länge...

RE: Minztee vs. Coca-Cola | 22.06.2017 | 13:29

Ok, da unterscheiden sich unsere Ansätze und Utopien. Die jungen Marokkaner gehen nach Frankreich, da sie sich dort erhoffen, ihre "Freiheit" zu finden. Diese Hoffnung wird jedoch meist schnell vernichtet, da sie in dem französisch-kapitalistischen System nicht vorgesehen sind (Jobperspektiven gleich null). Und nein, das Wort Aufklärung passt auch weniger zu meinem Beitrag: wer soll denn bitte wen aufklären? Wenn man davon ausgeht, dass "der Westen den Rest der Welt" aufklären soll (S. Hall) sind wir wieder beim Wissens-Macht-Modell (M. Foucault) - welches am Orientalismus anlehnt. Wovon ich gesprochen habe ist gerechte (und ja: am besten klassenunabhängige) Bildung, die weder von wirtschaftlichen Interessen noch von der Religion beeinflusst wird und CHANCENGLEICH ist. In letzterem Punkt kann man sich ein wenig am europäischen bildungsmodell orientieren. Doch sollte man nicht davon ausgehen, dass dieses sofort in Marokko ansetzt. Was fehlt, ist ein kreatives und kritikfördenes System, welches von MAROKKANERN iniziiert wird - die nicht in der Position sind, europäisch-mächtig und autoritär zu unterrichten. das meine ich mit etwas Neuem. Das der "moderne Westen" so perfekt ist, habe ich ja nun gerade kritisiert.

UND naja, der Kapitalismus ist ja durchaus schon vorherrschend in Marokko, und zwar in seiner extremsten Form: der Monarch ist der drittreichste mann Afrikas! Die Gesellschaft ist gespalten in "Bourgoisie" und "Proletariat", wenn wir bei dem guten Karl bleiben wollen (der übringens - so hab ich das mal verstanden - nie erst für die Einführung des Kapitalismuses war. Er musste nur leider von diesem als Grundmodell ausgehen, worauf seine Revolutionstheorien dann basierten).

Nö, der Gute ist nicht so schlimm wie "die anderen". Trotzdem ist er ein kapitalistischer, brutaler, egoistischer Monarch und es macht ihn nicht gleich GUT nur weil er BESSER als Mubarak und Co KG ist ;)

Nationalstolz zu fördern ist schwachssinnig. Bewegen kann man nur durch gute Bildung und nicht durch Modernisierung von aussen. Es muss von innen heraus passieren.

Aber vllt haben Sie Recht: ich bin eher sozialistisch veranlagt und möchte Chancengleichheit. Sie fokussieren sich auf das funktionieren der Wirtschaft (welche aber nur den Reichen vorteil bringen würde. Und das muss man nicht fördern, da das ja schon supergut klappt im - ja doch schon relativ fortschrittlichen - Marokko!).

RE: Minztee vs. Coca-Cola | 22.06.2017 | 00:00

Danke für journalistische Hinweise und Inhaltliche Ergänzungen. ja, dass mit der Möchtegern-Gleichstellung habe ich ja auch schon am Paradebeispiel der AfD genannt. da hast du vollkommen Recht, wie gesagt: die Orientierung am Westen ist nicht die Lösung. Deutschlands Politik und Gleichstellung wird zu unrecht oftmals vielzusehr gefeiert und zu wenig kritisch beleuchtet.

RE: Minztee vs. Coca-Cola | 21.06.2017 | 23:57

Ein durchaus interessanter Vergleich. Du schlägst allerdings mit deinem Kommentar, einen weitgehend neoliberale Lösungsweg ein - mit dem Ersuchen, sich immer mehr am funktionierenden, kapitalistischen Systems (v.a.) Europas und "dem Westen" zu orientieren. Doch dieses Modell fusst ja auf der Theorie des Postkolionalismuses (WARUM sollte man sich denn gerade an Frankreich orientieren? Doch viel lieber etwas Neues, Eigenes aufbauen anstatt sich den alten Mustern zu unterwerfen!).

Auch mit der Theorie, dass der König doch toll sei, kann ich nicht so ganz konform sein: du meinst, dass Demokratie gleich Islamisten gleich schlecht. Doch warum wählt die bevölkerung die entsprechenden Parteien? Weil die Islamisten die einzigen sind, die dem Volk soziale Hilfe bieten (s. MuslimBrüder in Ägypten).
Aber es stimmt, Demokratie kann nur dann funktionieren, wenn die entsprechende Bildung in allen bevölkerungsschichten herrscht. Sonst kann das Parteiensystem auch in einer Katastrophe enden und viel Schlimmeres hervorbringen als eine monarchische Diktatur. Darum erst Bildung, dann Systemumstellung. Doch genau das und deshalb will der König halt nicht fördern, aus dem Grund, dann auf jeden Fall mit mehr Kritik konfrontiert zu sein. Und darum gehen die Jungen nach Frankreich, wo sie dann dem Postkolialismus entgegenkommen. DILEMMA!

RE: Widersprüchliche Gleichheit der Geschlechter | 20.06.2017 | 01:06

Vollkommene Zustimmung, wie iches auch schon in meinem vorigen Artikel beschrieben habe: https://www.freitag.de/autoren/naddihafez/minztee-vs-coca-cola

Aber die Connection ist natürlich wichtig zu betonen, danke dafür. Der "Westen" gil als Vorbild, und diejenigen, die die entsprechende Bildung genießen, sind die größsten Kritiker - welche ihr Freiheit dann mehr im "vorbildlichen" Europa zu finden gedenken. Was natürlich zum Teil illusionär ist.