Pyretta

Toutes choses sont dites déjà ; mais comme personne n'écoute, il faut toujours recommencer. - André Gide
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RE: Europa zum Abwinken | 30.06.2015 | 23:02

Die Tragik im Umgang mit Griechenland - mit dessen Bevölkerung sowie Regierung - liegt meines Erachtens in der schonungslosen Infantilisierung der Griechen. Als Wiege der Demokratie und als Namensgeber für diesen Kontinent maßgeblich für das europäische Selbstbild prägend wird Griechenland nun in der "Berichterstattung" (wenn man das noch so nennen kann) wie ein unmündiges Kind behandelt. So wird andauernd von einem "Spiel" Griechenlands mit europäischen Ministern und Gemütern gesprochen. Dass dieser Zynismus die Ernsthaftigkeit hinter der Risikobereitschaft vollends ausblendet, erinnert doch stark an die Rede von Eltern (oder anderen Personen) gegenüber (ihren) Kindern, sich doch bitte zusammenzureißen, den Trotz sein zu lassen und wieder artig zu sein. Dabei verlangt die bitterernste Situation im eigenen Land sowie in den Verhandlungen in Brüssel den Griechen sicherlich ebenso viel, wenn nicht gar mehr Mut ab, wie es Bereitschaft seitens der anderen EU-Mitglieder erfordert. Es wird Zeit, dass allen voran die deutsche Regierungsspitze - die sich ja ohnehin in der leitenden Position gefällt - den griechischen Volksvertretern mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet, d.h. die Mündigkeit und Autorität der griechischen Regierung anerkennt. Tsipras und Varoufakis sind, auch wenn es den meisten europäischen Ministern nicht in den Kragen passt, vom griechischen Volk beauftragt, die Interessen des Landes durchzusetzen. So viel Demokratie muss Europa vertragen können.

RE: Ohne Halt | 24.05.2013 | 15:22

Ich habe mich in vielen Aussagen von Katharina wiedergefunden; der jüngeren Generation steht im Prinzip die ganze Welt offen, aber was für eine Rolle spielt Heimat, Verwurzelung und Gesellschaft durch Familie dabei? Eine scheinbar weiterhin ganz große, die im öffentlichen Diskurs jedoch oft unter den Teppich gekehrt wird. Als ob man NICHT woanders als zu Hause/ in der Heimat sein möchte! Ich empfinde diese Einstellung oft als Zumutung, insbesondere angesichts der Entvölkerung in weiten, ländlichen Teilen Deutschlands und anderswo. Selbst lebe ich auch nicht mehr in der Heimat, aber ein gutes Gewissen bzw. Gefühl habe ich dabei nicht immer.

RE: Eklat beim Freitag-Salon | 09.12.2011 | 22:46

Es ist vor allem dieses Paradoxon, einerseits seine eigenen Söhne nie in den Krieg schicken zu wollen, und andererseits, selbst bei der Bundeswehr aktiv gewesen zu sein, inkl. Ausbildung, das mich irritiert. Sprich: inwiefern ist er denn sattelfest? Dann soll er doch bitte dem Herrn Ulrich erst recht eine Änderung der Ansichten und Überzeugungen zugestehen. Das ist immerhin wesentlich reifer.

Ich würde es eher sozial fragwürdig nennen, weil er bei anderen Ansichten gleich dicht macht(e) und eben nicht "angemessen" (wie auch immer man das definieren mag) bzw. respektvoll reagieren konnte. Vielmehr sprang er schon während seiner Redebeiträge immer mehr vor auf den Stuhl und kochte - was in einem verbalen Chili con Carne endete.

Und so bleibt ein lauter Knall in der Erinnerung hängen, ob im Salon oder in Afghanistan.

RE: Eklat beim Freitag-Salon | 09.12.2011 | 22:03

Ich war an diesem Abend anwesend und mein Eindruck ist folgender:

Während es bei einem Salon, zu dem zwei vermeintlich eloquente Personen geladen waren, um eine mehr oder weniger ausgewogene Diskussion zu einem Sachverhalt geht, war das tatsächliche Ereignis eher einem Schauspiel ähnlich. Ich habe bei Weitem nichts gegen Vehemenz, Nachdruck und meinetwegen auch Pathos, aber das, was Herr Erös - bei allem Respekt - da auf die Bühne brachte, war mehr als selbstgerecht.

Einerseits war ich durchaus beeindruckt von seinen Erfahrungen und Kenntnissen aus erster Hand. Und ohne Zweifel schätze ich ihn dafür. Doch andererseits ließ er es partout an Respekt gegenüber seinen Salon-Kollegen missen. Herrn Augstein als "arrogant" zu bezeichnen, die Qualifizierung von Journalisten und Zeitungen in Frage zu stellen und sich dann nahezu selbstgefällig und dramatisch zu zeigen, war einfach weit unter dem Niveau der Veranstaltung und der Anwesenden. Als er aufstand und sich der Diskussion auch noch örtlich entziehen wollte - abgesehen von seinem Unwillen, seinem Redepartner Gehör zu gewähren -, kommentierte eine Salon-Besucherin passend: "Wie peinlich! Wie peinlich!".

Ehrlich gesagt hätte mich schon sehr interessiert, was Herr Ulrich in concreto und neben den bereits erwähnten Aspekten (s. vorige Kommentare, insbesondere von Rapanui) beitragen wollte - nur leider fehlte dazu einerseits die Zeit, die sich Herr Erös für lange Anekdoten nahm, und zum anderen die Möglichkeit; so wurde es eher eine Gegenrede im eigentlichen Sinne: gegen Herrn Erös verbal anzukommen war allein durch seine (Erös') tönende Stimme und körperliche Präsenz nahezu unmöglich.

Im Nachhinein frage ich mich, wie Herr Erös einerseits bei der Bundeswehr-Akademie (!) in Hamburg unterrichtete (ich bekomme ehrlich gesagt etwas Gänsehaut beim Gedanken daran), und zum anderen, wie er sich für einen Salon bereit erklären konnte, der letztlich vielmehr ein Vorgeschmack auf seine Vorträge sein würde als eine respektvolle Auseinandersetzung mit anderen Ansichten.

Wie gesagt: das fachliche Wissen in Ehren, aber der Ton macht die Musik, und das war ein Paukenschlag im Namen des Frieden.

RE: Und die Geschichte wiederholt sich doch | 19.04.2011 | 01:34

Was mir immer noch schleierhaft ist, ist doch letztlich die Frage: Warum nutzen wir wissenschaftliche Kenntnisse nicht, um das Leben gut gewappnet zu meistern? Das beinhaltet meines Erachtens nicht zwingend eine Herabwürdigung von behinderten Menschen. Dieser Vorwurf lässt doch eher vermuten, was einige PID-Gegner selber denken würden (Tipp: nicht von sich auf andere schließen).
Es ist wirklich antiquiert, zu behaupten, die PID würde nur Nachteile, insbesondere betreffs des deutschen (moralischen) Gewissens, mit sich bringen. Vielmehr ist es doch die Chance für viele Paare, bestimmte Krankheiten auszuschließen. Und man sollte auch mal Folgendes bedenken: Wie viele Paare werden letztlich tatsächlich davon Gebrauch machen? Sollten das nicht individuelle Entscheidungen sein? Oft mutet die Diskussion seitens der PID-Gegner an, dass sich alle Paare mit Kinderwunsch für die PID entscheiden würden - zumal es sich auch nicht jedes Paar leisten kann.

Der Punkt im ersten Beitrag, inwiefern man eine Schwangerschaft in vivo abbrechen könne, eine in vitro aber besonderen Schutzes bedürfe, ist der fragliche. Befindet sich die potentielle Mutter nicht in einer Konflitsituation, in der sie selber entscheiden sollte, was sie sich psychisch als auch physisch zumutet/-traut?
Ja, da sind die Berater und Antragssteller leider recht teutonisch. Oder zu katholisch - obwohl ein Vertreter der evangelischen Kirche sich kürzlich ähnlich äußerte.
Schade, dass man Paaren mit Kinderwunsch so wenig Verantwortung und Überlegung zutraut, sodass man ihnen eine Entscheidung partout vorwegnimmt.