In Kooperation mit der Newton Foundation im Museum für Fotografie

Alice Springs: Die Frau neben Newton

June Newton begann als Schauspielerin und wurde als Alice Springs zur gefeierten Fotografin. Ihre Porträts fangen mehr als Gesichter ein – sie erzählen von Haltung, Macht und Persönlichkeit

Alice Springs, Advertisement for Gitanes, Paris 1970, © Helmut Newton Foundation

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Intermezzo. Revisiting Helmut Newton

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Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie

Jebensstrasse 2
D | 10623 Berlin

Ab 24. April. 2026!

June Newton a. k. a. Alice Springs wurde 1923 in Melbourne, Australien, geboren. Nach einer Ausbildung zur Schauspielerin und zahlreichen Engagements unter dem Künstlernamen June Brunell lernte sie 1947 Helmut Newton kennen, als sie für ihn Modell stand, und heiratete ihn ein Jahr später.

Zuerst lebten sie in einer Pension am Collins Place in Melbourne, unweit Newtons Studio in der Flinders Lane. 1956 reisten die Newtons durch Europa und lebten ein knappes Jahr in London, wo Helmut für die britische Vogue arbeitete und June mehrere Engagements für die BBC hatte; zurück in Melbourne wurde June der Erik Kuttner Award als beste Theaterschauspielerin verliehen.

1961 zogen die beiden schließlich nach Paris. Helmut Newton nahm eine feste Stelle bei der französischen Vogue an und erwarb eine Wohnung in der Rue Aubriot im Stadtteil Marais. In Frankreich endete Junes Schauspielkarriere aufgrund der Sprachbarriere. 1964 kauften sich die Newtons zusätzlich ein Haus in Ramatuelle an der Côte d’Azur, wo sie in der Folge stets die Sommermonate verbrachten – und einander fotografierten.

Nach einer autodidaktischen Beschäftigung mit Malerei begann auch June Newton ab 1970 erfolgreich als Fotografin zu arbeiten, zunächst unter ihrem eigenen Namen, später unter dem Pseudonym Alice Springs, mit zahlreichen Veröffentlichungen in renommierten Zeitschriften.

Unter anderem fotografierte sie Mode für die französische Zeitschrift Dépêche Mode und mehrere Kampagnen für den französischen Haarstylisten Jean Louis David. Diese Werbebilder erschienen als ganzseitige Anzeigen in verschiedenen Modezeitschriften. 1974 war das erste Alice-Springs-Motiv auf der Titelseite der französischen Elle zu sehen.

Ab Mitte der Siebzigerjahre kamen zahlreiche Porträtaufträge hinzu. Die Liste der von Alice Springs Porträtierten liest sich wie ein Who’s who der internationalen Kulturszene aus den vergangenen vierzig Jahren diesseits und jenseits des Atlantiks. 1983 erschien ihr erster Porträt-Bildband in einem französischen Verlag.

Alice Springs dokumentierte nicht allein das Aussehen ihrer prominenten oder auch namenlosen Zeitgenossen, sondern fing deren Ausstrahlung, mitunter deren Aura ein. Vermutlich half ihr ihre tiefe Kenntnis des Schauspiels, gleichzeitig auf und hinter die Fassade der Menschen zu schauen, denn ihre Bildnisse wurden zu visuellen Kommentaren, zu Interpretationen der Dargestellten.

1978 zogen die Newtons von der Rue Aubriot in eine größere Wohnung in der Rue de l’Abbé de l’Épée nahe des Jardin du Luxembourg. Drei Jahre später verließen sie Frankreich und siedelten nach Monaco über. Die Wintermonate verbrachten die Newtons seitdem regelmäßig in Kalifornien, vorwiegend im Chateau Marmont in West Hollywood, wo June seitdem zahlreiche Hollywood-SchauspielerInnen, Regisseure und Künstler, aber auch Mitglieder der Hells Angelsfotografierte. Denn auch wenn die meisten der von ihr Porträtierten zum kulturellen Jetset gehörten, machte sie doch grundsätzlich keinen Unterschied zwischen den gesellschaftlichen Schichten.

1995 wechselte sie erneut das Medium, es entstand der Dokumentarfilm Helmut by Junefür den französischen Fernsehsender Canal Plus– wofür sie die Videokamera benutzte, die sie eigentlich ihrem Mann geschenkt hatte. Schon zuvor begleitete sie Helmut regelmäßig auf seinen Reisen an die unterschiedlichsten Orte, wo sie ihn häufig bei Mode- und Aktshootings fotografierte.

1998 erschien der gemeinsame, legendäre Bildband Us and Them in einem Schweizer Verlag, begleitet von einer Ausstellungstournee durch mehrere Länder. Mit dieser Ausstellung wurde im Juni 2004 auch die Helmut Newton Foundation in Berlin eröffnet. Im selben Jahr erschien ihre Autobiografie Mrs. Newton im Kölner Taschen Verlag.

Nach dem Tod ihres Mannes im Januar 2004 in Los Angeles übernahm June die Präsidentschaft der Helmut Newton Foundation. 2010 und 2016 wurden hier auch große Ausstellungen zu ihrem eigenen Werk organisiert. Sie lebte bis zu ihrem Tod im April 2021 in Monte Carlo. Posthum, zu June Newtons 100. Geburtstag, entstand eine große Retrospektive, die zuerst in Berlin und anschließend international gezeigt wurde. Ihr gesamtes Archiv befindet sich, ebenso wie das von Helmut Newton, in diesem Gebäude und wird kontinuierlich aufgearbeitet.

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