In Kooperation mit der Newton Foundation im Museum für Fotografie

Vom Berliner Jungen zur Modefotografie-Ikone

Als jüdischer Jugendlicher flieht Helmut Newton 1938 aus Berlin – mit zwei Kameras im Gepäck. Über Umwege wird er zu einem der prägendsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts – und zur Legende

Alice Springs, Helmut in Pumps, Monte Carlo 1987, © Helmut Newton Foundation

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Intermezzo. Revisiting Helmut Newton

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Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie

Jebensstrasse 2
D | 10623 Berlin

Ab 24. April. 2026!

Helmut Newton wurde Ende Oktober 1920 in Berlin als Helmut Neustädter in eine jüdische Unternehmerfamilie geboren. Von 1930 bis 1934 besuchte er ein Realgymnasium in Berlin-Schöneberg, anschließend wurde er Schüler an der amerikanischen Schule. Seine Freizeit verbrachte er häufig im Freibad in Berlin-Halensee oder am Wannsee.

1936 begann er eine Ausbildung bei der Porträt-, Akt- und Modefotografin Yva in Berlin-Charlottenburg. Newton trotzte erfolgreich den Beschränkungen und Gefahren, denen Juden im nationalsozialistischen Alltag Berlins ausgesetzt waren und verließ seine Heimatstadt nach den Novemberprogromen Anfang Dezember 1938 vom Bahnhof Zoo mit dem Zug Richtung Triest.

Im Gepäck hatte er nur ein paar persönliche Dinge sowie zwei Kameras. In Hafen von Triest schiffte er sich Richtung Shanghai ein, verließ jedoch bereits in Singapur das Schiff und wurde kurzzeitig bei der The Straits Times angestellt. Als es 1940 auch in der britischen Kronkolonie Singapur für Deutsche immer gefährlicher wurde, bestieg er ein weiteres Schiff und landete in Australien, am Port Melbourne. Dort kam er zunächst ins Internierungslager Tartura One und diente anschließend einige Jahre in der australischen Armee, vor allem als Fahrer und Lagerarbeiter in Melbourne. 1946 wurde er entlassen, änderte seinen Namen in Newton, wurde australischer Staatsbürger und eröffnete ein winziges Fotostudio in Melbourne.

1947 lernte er in Melbourne die Schauspielerin June Brunell kennen; sie heirateten ein Jahr später. Newtons Fotos in jener Zeit waren Porträts und Hochzeitsbilder, Ende der 1940er-Jahre kamen die ersten Modefotos für Versandhaus-Kataloge hinzu; die Bilder vergrößerte er nachts in seiner Dunkelkammer. Mitte der 1950er-Jahre arbeitete Newton für die Australien-Beilage der englischen Vogue, bis ihm 1956 ein Jahresvertrag bei der Vogue in London angeboten wurde.

Doch er fühlte sich dort nicht wohl, war mit den eigenen Modefotografien unzufrieden und kündigte den Job nach elf Monaten. Die Newtons reisten anschließend ausgiebig durch Europa und landeten 1957 in Paris, wo er kurz für das innovative Magazin Jardin des Modes arbeitete. Doch erst 1961 übersiedelten sie komplett nach Paris: Helmut kaufte eine Wohnung in der Rue Aubriot im Stadtteil Marais. Ausgestattet mit einem festen Vertrag bei der französischen Vogue, arbeitete er gelegentlich auch für die britische Vogue, für Adam, Queen und Elle.

1964 erwarb Newton ein kleines Haus mit dazugehörigem Weinberg in der Nähe von Ramatuelle, unweit von St. Tropez, wo Helmut und June zukünftig die Ferien verbrachten – und sich gegenseitig porträtierten. Die 1960er-Jahre waren eine arbeitsintensive und innovative Zeit für Newton und seine Fotografie; in jenen Jahren entwickelte er seinen unverwechselbaren Stil. 1971 erlitt er einen schweren Herzinfarkt in New York. Zurück in Paris begann er sein Werk systematisch zu ordnen sowie alle Shootings in Inventarbüchern zu verzeichnen – und nahm nur noch Aufträge an, die ihn wirklich interessierten.

1975 begann Newtons Ausstellungstätigkeit mit einer Einzelausstellung in der Nikon Galerie in Paris. 1976 erschien sein erster Bildband White Women in unterschiedlichen Verlagen, es folgte 1978 Sleepless Nights, 1981 Big Nudes und in den folgenden Jahren viele andere erfolgreiche Publikationen. Zum Jahreswechsel 1981/82 verlegten Helmut und June Newton ihren Wohnort von Paris nach Monaco. Die Wintermonate verbrachten sie zukünftig in Los Angeles, insbesondere im Chateau Marmont in Hollywood, wo sie viele Menschen aus dem Filmbusiness trafen – und porträtierten, meist im Magazinauftrag.

Seit 1990 wurde Newton mit unterschiedlichen Auszeichnungen geehrt, beispielsweise mit dem „Grand Prix National de la Photographie“ und dem „Großen Bundesverdienstkreuz“. Anlässlich seines 80. Geburtstags wurde eine Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie in Berlin eröffnet. 2003 unterzeichnete er einen Kooperationsvertrag mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz über die Gründung der Helmut Newton Foundation in Berlin. Die Vollendung erlebte er nicht mehr, er starb im Januar 2004 in Los Angeles.

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