Gisela Williams in The New York Times Style Magazine, 08.08.2026:
„Im Jahr 2019 löste Maurizio Cattelan einen Medienrummel aus, als er während der Art Basel Miami Beach eine Banane mit Klebeband an die Wand eines Galerieverstands befestigte. (Sie wurde später bei einer Auktion für 6,2 Millionen Dollar verkauft.) Die neue Ausstellung „Night“ in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zeigt Werke des in Italien geborenen Künstlers und erinnert zugleich daran, dass sein Œuvre breiter und tiefgründiger ist als jedes einzelne Werk.
Darunter sind seine früheren Provokationen zu sehen – beispielsweise seine Skulptur aus dem Jahr 2001, die einen betenden Miniatur-Adolf Hitler zeigt – sowie neue Werke, wie ein fast 20 Fuß hohes Holzmodell des Berliner Brandenburger Tors aus dem 18. Jahrhundert, das mittlerweile sowohl für Zeiten des Konflikts als auch des Neuanfangs in der Stadt steht.
(…) Biesenbach berichtete, dass nicht wenige Besucher, die die Entwürfe für „Night“ gesehen hatten, von der starken politischen Botschaft überrascht waren und fragten, ob er das Projekt wirklich umsetzen wolle. Biesenbach antwortete: „Ja, das werden wir. Lasst uns in Berlin für die freie künstlerische Meinungsäußerung einstehen.“
Weiterlesen: https://www.nytimes.com/2026/08/08/t-magazine/maurizio-cattelan-last-supper-dinner-berlin.html
Monopol Magazin, 05.11.2025:
„Maurizio Cattelan wurde mit Skulpturen und Installationen bekannt, die sich zwischen Humor und Provokation bewegen. So sorgten seine Darstellungen eines betenden Adolf Hitlers oder eines Papstes, der von einem Meteoriten erschlagen wird, für Kontroversen. Der Künstler gilt als „Trickster„ im Kulturbetrieb.
Er ließ seinen Galeristen für die Laufzeit einer Ausstellung mit einem Phalluskostüm mit Hasenohren herumlaufen, stellte eine Marmorhand mit Stinkefinger vor die Mailänder Börse und klebte eine Banane mit Gaffer-Tape an die Wand, um sie für viel Geld als Kunstwerk verkaufen zu lassen. Cattelan sieht sich selbst als professioneller Narr, der Göttern wie Götzen die Clownsnase aufsetzt.“
Weiterlesen: https://www.monopol-magazin.de/maurizio-cattelan-bekommt-den-preis-der-nationalgalerie
Giovanni di Lorenzo im Gespräch mit Maurizio Cattelan in ZEIT Magazin N° 37 , 27.08.2026:
„Wann sind Sie dann zum ersten Mal als Künstler nach Berlin gekommen?
Cattelan: Erst zur Vorbereitung der Biennale 2006.
(…) 2006 waren Sie, mit Massimiliano Gioni und Ali Subotnick, CoKurator der 4. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst.
Ja, und der schönste Teil der Ausstellung war vielleicht ihre Vorbereitung. Sich nach und nach eine Vision davon zu verschaffen, was in diesem Land vor sich ging – das war unsere Aufgabe. Ich erinnere mich an Hotels mit Gemeinschaftstoilette auf dem Flur, das Zusammensein mit den Künstlern in ihren Ateliers, die täglichen gegenseitigen Besuche. Es war lustig. Wenn ich ein Studentenleben gehabt hätte, dann hätte es so ausgesehen.
Und Ihre Erinnerung an Berlin Mitte und die Orte in und an der Auguststraße, die das Zentrum der Ausstellung wurde?
Wir besichtigten erst mal alle Örtlichkeiten, die man in Berlin besichtigen konnte. Zunächst wollte man, dass wir in den GropiusBau ziehen, aber das hätte nicht funktioniert. Unter den vielen möglichen Ausstellungs orten, die wir uns angesehen haben, war auch das Ge bäude der früheren jüdischen Mädchenschule, das leer stand. Außerdem fanden wir in der Nähe einen Fried hof, dann diesen Ballsaal, in den wir immer zum Essen gingen. Wie viele Pizzen habe ich dort gegessen – und wie viele Wiener Schnitzel! Damals durfte man noch überall rauchen.
Clärchens Ballhaus! In der Zwischenzeit wurde es restauriert.
Ja. Die ganze Berliner Mitte hat sich sehr verändert. Die Stadt hat mir gezeigt, wie der Kunstmarkt uns und die künstlerische Arbeit vergiftet und korrumpiert. Damals konnte man in Berlin günstig leben, aus diesem Grund waren dort viele Künstler – und ihre Suche nach Aus druck war unverfälscht und rein. Wir haben verrückte Dinge gesehen, Kunst jeder Art. Wir haben so viel Verschiedenes entdeckt, konnten aber leider nicht alles in die Ausstellung aufnehmen. Wenn ich etwas noch einmal machen wollte von der Berlin Biennale, dann wäre es dieses RechercheJahr.
Nun kommen Sie mit Ihrer ersten großen Einzelausstellung zurück ...
Es wird eher eine traditionelle Ausstellung, mit ein paar alten Hüten ...
In der Neuen Nationalgalerie haben Sie aber unendlich viel Platz!
Das Museum ist wie eine Kirche.
Sind Sie aufgeregt, wenn Sie an die Ausstellung denken?
Ich mach mir vor Angst in die Hose!
Warum denn?
Ich mach mir immer in die Hose. Ich versuche mein Bestes. Es wird mit Sicherheit eine Ausstellung werden, die etwas über Deutschland aussagt. Aber nicht nur über Deutschland: Sie sagt etwas über Werte aus, über Probleme, die wir alle haben. Visuell werden sie als deutsch zu erkennen sein, aber in der Essenz werden sie uns alle angehen. “
Weiterlesen: https://www.zeit.de/zeit-magazin/2026/37/maurizio-cattelan-kuenstler-ausstellung-berlin-neue-nationalgalerie