Reine Utopie?

Hintergründe Die Autoren rechnen vor, dass die Ausrichtung auf das Auto teurer ist als eine Verkehrswende. Ihnen zufolge entstehen durch eine solche in der bisherigen Autobranche sogar mehr neue Arbeitsplätze als durch die Abkehr vom Auto entfallen ...
Reine Utopie?
Eine Radfarerin fährt in Berlin auf einem Zweiwege-Radweg. Die Stadt Berlin hat die Einführung neuer Radwege während der Coronavirus-Pandemie beschleunigt.

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Veraltetes Symbol der Freiheit

„Die Dominanz des Autos ist nicht zufällig entstanden, sie war über viele Jahre politisch gewollt. Das private Auto gehörte zum bundesdeutschen "Wohlstandsmodell" im Sinne des Slogans von Ludwig Erhard "Wohlstand für alle". Es gab in der Nachkriegszeit, insbesondere seit Ende der 1950er Jahre, einen breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens darüber, dass das "Auto für alle" Teil eines "gelungenen modernen Lebens" sein sollte.“ – bpb.de (Weert Canzler und Jörg Radtke über die „Verkehrswende als Kulturwende“)

Mitten in der Klimakrise

„Auch für den Verkehr – der Bereich, der in den vergangenen Jahren die Klimakrise stetig verschärft hat – liegen Konzepte vor, es nach der Krise besser zu machen als vorher. Die Autoverbände aber agieren wie noch 2008: Über ihren europäischen Verband AEC fordern sie, die strengeren Emissionswerte wegen Corona zu verschieben. Und Ferdinand Dudenhöfer, inzwischen in der Schweiz forschender Autoexperte, will „höherwertige Produkte“ von der Mehrwertsteuer befreien.“ – correctiv.org (Annika Joeres über die Aussischten für den Klimaschutz nach der Pandemie)

Kleiner Mobilitätsatlas

„Die Städte versinken im Stau, Hunderttausende pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz hin und her. Die Kinder müssen den Weg zur Schule bewältigen, Senioren wollen mobil bleiben. Die Automobilindustrie steht am Anfang eines epochalen Umbruchs weg vom Verbrennungsmotor, Arbeitsplätze sind in Gefahr. Lkws verstopfen die Autobahnen, die Bahn ist vielen zu teuer, die Flüge zu billig.“ – sueddeutsche.de (Christina Kunkel und Thomas Hummel über den aktuellen Stand der Verkehrswende)

Alternativen gesucht

„Es gibt einen deutlichen Trend zum Radfahren. Wir sind aber weit davon entfernt, eine angemessene, sichere Infrastruktur zu haben, gerade an den Hauptstraßen. Wenn wir mehr Menschen motivieren wollen, auf das Rad umzusteigen, um die Städte lebenswerter zu machen, dann führt kein Weg daran vorbei, die Infrastruktur deutlich zu verbessern. Bislang hat man zuerst das Auto bedient, der Rest musste nehmen, was übrig bleibt. Das wollen wir ändern.“zeit.de (Regine Günther (Die Grünen) und Volker Krane (Verkehrsvorstand des ADAC) und der ZEIT-ONLINE-Redakteur Sören Götz im Gespräch über die Corona-bedingten Pop-Up-Fahrradwege)

Unter Druck

„Dem KBA zufolge waren im Juni 8119 reine Elektroautos neu auf die Straßen gekommen. Das entsprach demnach einem Plus von mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die Zahl der Hybridantriebe nahm erneut zu - um knapp 61 Prozent auf rund 30 250 Neuwagen.“ – sueddeutsche.de

15:56 26.08.2020

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