Beeindruckende Erzählungen

Programm Neben zahlreichen Veranstaltungen, die das internationale literaturfestival berlin seit nun mehr als zwei Jahrzehnten organisiert, rufen die Organisator*innen dieses Jahr – am 05.09. – zu einer weltweiten Lesung für die Toten der Corona-Pandemie auf
Beeindruckende Erzählungen
Die Kuppelhalle des silent green Kulturquartiers, der Festivalzentrale des 21. internationalen literaturfestivals in Berlin.

Foto: Bernhard Ludewig

Eröffnung

Eröffnet wird das internationale literaturfestival 2021 am 8. September im Festivalzentrum silent green Kulturquartier mit einer Eröffnungsrede mit dem Titel „Call for Crime“ von der französisch-marokkanischen Autorin Leïla Slimani. In einer anschließenden Veranstaltung liest sie aus ihrem Roman „Das Land der Anderen“. Die Eröffnungsrede der Sektion Internationale Kinder- und Jugendliteratur hält die norwegische Autorin Marianne Kaurin.

Programm

Neben den Programmen Literaturen der Welt und Internationale Kinder-und Jugendliteratur wird die Reihe Erinnerung, sprich mit Veranstaltungen zu Werken von Toni Morrison, Adam Zagajewski, Thomas Brasch, Susan Taubes und –mit Péter Nádas [Ungarn] –Miklós Mészöly, in diesem Jahr stark akzentuiert.

Außerdem hat das internationale literaturfestival berlin [ilb] im Rahmen des Festivals zur Teilnahme an einer Weltweiten Lesung für die Toten der Corona-Pandemie am 5. September 2021 aufgerufen. Über 50 Einzelpersonen und internationale Institutionen sind dem Aufruf gefolgt und haben für diesen Tag jeweils eine Lesung organisiert. Darüber hinaus hat das ilb 46 internationale Schriftsteller*innen und Künstler*innen eingeladen, in einer virtuellen Lesung mit Kurzgeschichten, Gedichten und Statements derer zu gedenken, die in der Pandemie gestorben sind.

In Kooperation mit dem Wissenschaftsjahr 2020/21 – Bioökonomie wird die letztjährige Reihe zu Visionen der Bioökonomie u.a. mit einem Schwerpunkt zu Brasilien und einer Abschlussrunde mit der Energieökonomin Claudia Kemfert [D], dem Schriftsteller Urs Mannhart [CH] und der Kulturwissenschaftlerin Eva Horn [D] fortgesetzt. Weitere internationale Autor*innen verhandeln literarisch Fragen rund um die Klimakrise und Bioökonomie als möglichen Ausweg, präsentieren ihre Visionen in exklusiv verfassten Beiträgen und beleuchten diese in Gesprächen mit Expert*innen; so Hiroko Oyamada [Japan], Charles Trocate [Brasilien, live zugeschaltet] und Bibi Dumon Tak [NL].

Zum Programm des 21. internationalen literaturfestival berlin [ilb].

Die Specials

Words of Love and Hate: Frauenhass vs. Female Empowerment

Misogynie, Missbrauch und Misshandlung von Frauen: Nicht zuletzt die zahlreichen Fälle von häuslicher Gewalt während der Covid-19-Pandemie unterstreichen die Virulenz dieser Themen. Auch die Gegenwartsliteratur bezieht hierzu Stellung. Gewalt gegen Frauen ist immer häufiger Gegenstand literarischer Auseinandersetzungen. In Reportagen und Romanen erzählen Autor*innen von Femiziden, Solidarität unter Frauen, Geschlechterverhältnissen, aber auch von Gemeinschaft und Menschlichkeit. Sie beschreiben die Herausforderungen der vermehrten Einbindung in Care-Arbeit und das Stigma der Kinderlosigkeit in machistischen Gesellschaften. In Lesungen und Gesprächen werden Möglichkeiten des Widerstands und Empowerments aufgezeigt und grundlegende Fragen zu diesem wichtigen Thema beantwortet: Was genau ist Misogynie und worin besteht der Unterschied zum Sexismus? Wie hängen Bildungssystem und strukturelle Benachteiligung von Frauen zusammen? Welche Ursachen und Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Echo. Echo. Indigenous Voices

Welches Wissen zählt? Wem gehört das Land? Und wer wird gehört? Indigene Autor*innen kamen in der Literaturgeschichte lange nur am Rande vor. Das ändert sich endlich. In ihren Werken geben sie eigene Antworten auf die Klimakrise. Sie erzählen von alternativen Wissensformationen, struktureller Gewalt, Landraub und den Folgen europäischer Kolonialisierung. In den vielfach prämierten Romanen und Gedichten etwa von Louise Erdrich, Billy-Ray Belcourt und Natalie Diaz zeigt sich, das »indigenous literature« nur noch selten rein lokal verwurzelt ist. Als Teil globaler Literatur überschreitet sie sprachliche Grenzen; sie verknüpft verschiedene Textformen und durchmisst einen Echoraum, in dem verschiedene Erzähltraditionen zusammenklingen. In Lesung und Gespräch geben die Autor*innen Einblicke in ihre künstlerische Produktion und diskutieren die Komplexität kultureller Identität, ästhetischen Widerstands und literarischer Selbstbehauptung.

Identitätspolitik und Wokeness — Totalitarismus der ›Linken‹?

In literarischer Hinsicht hat die Identitätspolitik mit der Antwort auf die Frage, wer Amanda Gormans Gedicht »The Hill We Climb« übersetzen darf, einige Erfolge feiern können. Selbst renommierte Verlage knickten ein. Doch schränken die woken, aus den USA kommenden Positionen, die seit Jahren auch europäische Universitäten, Kunstzentren und selbst Großkonzerne erreichen, den offenen, freiheitlichen Diskurs, der seit Jahrzehnten die westlichen Gesellschaften kennzeichnet, ein? In einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe wird der Versuch unternommen, dieses Phänomen bis hin zur Cancel Culture zu analysieren. Den Aufschlag hierzu macht mit einem Vortrag John McWhorter von der Columbia University in New York, der sich in mehreren Medien wie »The Atlantic« und »The Fire« dazu äußerte. Es folgt ein Gespräch mit Olivier Guez, Nesrine Malik und John McWhorter [Donnerstag, 9. 9., 18 Uhr und 19:30 Uhr], und schließlich [Freitag 10. 9., 21 Uhr] gehen John McWhorter und Andrea Geier der Frage nach, wie sich die Situation an den Universitäten US-Amerikas und Europas darstellt.

Graphic Novel Day

Bild trifft Text. Seit 2010 stellt der Graphic Novel Day jährlich eine Auswahl der spannendsten Comic-Neuerscheinungen vor. Am 11. und 12. September 2021 findet in Kooperation mit EUNIC ein zweitägiges Programm mit 8 internationalen Comic-Künstler*innen statt. Sie unterhalten sich mit Kuratorin Lilian Pithan über die Kunst des Comics, lesen aus ihren Werken und zeigen ihre Kunst. Mit „Dragman“ von Steven Appleby präsentieren wir den diesjährigen Preisträger des Sonderpreises der Jury beim Internationalen Comicfestival 2021 in Angoulême, einem der wichtigsten Comic- Preise weltweit. Weitere Auftritte: Viken Berberian, Léonie Bischoff, Davide Reviati mit seiner deutschen Übersetzerin Myriam Alfano, Samira Kentrić, Amy Kurzweil, Sarah Mirk und Elnathan John.

Zu den Specials des 21. internationalen literaturfestivals berlin [ilb].

18:46 02.09.2021

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Biografie Das diesjährige internationale literaturfestival findet an über 30 verschiedenen Orten in ganz Berlin statt. Zu Gast sind 160 Autor*innen aus der ganzen Welt, unter ihnen Leila Slimani, Christian Kracht, Eva Menasse, Roxane Gay und Ottessa Moshfegh
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