Animation
Das Dokumentarische ist namensgebend für DOK Leipzig, über die Jahre hat sich die Animation aber zu einem gleichberechtigten Bestandteil des Filmfestivals entwickelt. Die Wettbewerbe versammeln jedes Jahr herausragende Neuproduktionen und die Formate „Animation Perspectives“ und „Animation Night“ zählen mittlerweile zu den Publikumslieblingen.
Auch das diesjährige Branchenprogramm steckt voller Animation und stärkt damit nicht nur die programmatische Ausrichtung des Festivals, sondern etabliert DOK Industry auch als Treffpunkt des internationalen Animationsfilmschaffens. Bei alledem lotet DOK Leipzig immer auch die Grenzen der Animation aus: von animierten Dokumentarfilmen über Experimentalfilme bis hin zur Extended-Reality Ausstellung DOK Neuland.
Zu den Animationsfilmen geht es hier.
Hommagen
Erneut würdigt DOK Leipzig das herausragende Schaffen etablierter Künstler*innen im Dokumentar- und Animationsfilm.
Die Hommage Dokumentarfilm ist in diesem Jahr Helena Třeštíková gewidmet, deren wichtigstes filmisches Material die Zeit ist. In ihren Langzeitbeobachtungen macht sie sichtbar, was sich dem flüchtigen Blick entzieht: die leisen Veränderungen des Alltags, Brüche, Hoffnungen und Verluste, aus denen sich menschliche Biografien formen. Hinter den individuellen Geschichten zeichnen sich zugleich Panoramen politischer, sozialer und kultureller Umbrüche ab.
Leben, Werk und Lebenswerk der Dokumentarfilmemacherin sind untrennbar miteinander verwoben. Sie begleitet ihre Protagonist*innen oft über viele Jahre hinweg und lässt mit großer Sensibilität Porträts von emotionaler Wucht und gesellschaftlicher Tiefe entstehen, die sich nur aus der Nähe heraus erzählen lassen.
Auch mit DOK Leipzig verbindet Helena Třeštíková eine langjährige künstlerische Beziehung. „The Miracle“ (1975), noch während ihres Studiums an der Akademie der Musischen Künste in Prag produziert, ist eine behutsame Beobachtung einer werdenden Mutter rund um die Geburt ihres ersten Kindes und war seinerzeit bereits Teil des Festivalprogramms. Was als 16-minütige Etüde begann, entwickelte sich schließlich zum Dokumentarfilm „Private Universe“, der das Leben derselben Familie über einen Zeitraum von 37 Jahren umspannt.
Beide sind Teil der diesjährigen Hommage Dokumentarfilm. „René“, 2008 mit der Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb ausgezeichnet, wird in der Festivalwoche erneut in den Leipziger Kinos zu sehen sein. Der Film dokumentiert über 20 Jahre hinweg Třeštíkovás Begegnungen mit einem Strafgefangenen, während sich außerhalb der Gefängnismauern die politischen Verhältnisse grundlegend verändern. Vervollständigt wird das Programm durch „A Marriage Story“ über die Ehe von Ivana und Václav,
In einer öffentlichen und kostenlosen Meisterklasse, die am 30.10. um 11:00 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig stattfindet und von Grit Lemke moderiert wird, gibt Helena Třeštíková einen Einblick in ihre Arbeitsweise und ihre dokumentarische Haltung, den Umgang mit einer solchen Fülle an Material und die Produktionsbedingungen, unter denen ihre Filme entstanden.
Die diesjährige Hommage Animationsfilm ist dem norwegischen Studio Trollfilm gewidmet, das von der Filmemacherin Anita Killi gegründet wurde und auf Animation mittels Multiplan-Cut-out-Technik spezialisiert ist. In einer umgebauten Scheune unweit mehrerer Nationalparks entwirft Trollfilm seit mehr als dreißig Jahren in größtenteils handgemachten Animationen eine Welt, die vor Empathie leuchtet und von magischem Optimismus durchdrungen ist. Dabei nimmt sich das Studio auch große Themen vor: Häusliche Gewalt, intergenerationale Traumata, Krieg.
„Hoffnungslosigkeit ist nie eine Option“, sagt Kuratorin und Filmkritikerin Marie Ketzscher. „Durch das Beharren auf dem Sich-Einfühlen in Natur und Mitmenschen widerstehen die Filme dem Zynismus der Gegenwart und appellieren an ein Umdenken. Die sagenumwobene Natur des Nordens geht in gewisser Weise auf die Filme über: Es flirrt der Staub im Gegenlicht und mit gefundenen Objekten und Materialien werden verletzliche Augen und flatternde Flügelchen animiert. Passend zum zeitintensiven Stop-Motion-Prozess – und entgegen der heutigen Schnelllebigkeit – ist außerdem das Erzähltempo entschleunigt“, führt sie weiter aus.
Viele der Filme haben darüber hinaus gemein, dass sie die Perspektive von Kindern ernst nehmen, ohne ihnen ihre unverstellte Sicht auf die Welt abzusprechen. Die Hommage Animationsfilm setzt sich aus zwei Filmprogrammen zusammen: Eines ist dem Werk der Trollfilm-Gründerin Anita Killi gewidmet, das andere versammelt weitere Trollfilm-Produktionen.
Im Rahmen der Hommage Animationsfilm findet ebenfalls eine Meisterklasse statt, die dem Festivalpublikum bei freiem Eintritt offensteht und von Kuratorin Marie Ketzscher moderiert wird. Am 29.10. um 11:30 Uhr zeichnet Trollfilm-Gründerin Anita Killi im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig die Entwicklung des Studios von damals bis heute nach und gewährt einen Blick hinter die Kulissen aus Glasplatten, Kameras und Papierobjekten und den Entstehungsprozess des ersten Langfilms des Studios, der gerade in Dovre animiert wird.
Weitere Infos zu den Hommagen und Meisterklassen finden Sie hier.