In Kooperation mit Hebbel am Ufer (HAU)

Gemeinsames Leid schafft Verbundenheit

Die Soziologin Gargi Bhattacharyya beschreibt in ihrem Buch „We, the Heartbroken” Trauer als einen notwendigen Bestandteil eines revolutionären Vorstellungsvermögens. Ihr Buch bildet den Titel des Festivals. Lesen Sie hier einen Ausschnitt.

Love #2
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Love is a Verb #2

Love is a Verb #2

Festival

Performance, Tanz, Musik, Diskussionen und Gesprächsrunden

An den Spielorten des Hebbel am Ufer (HAU)

06.10.2026-18.10.2026!

In Kooperation mit Hebbel am Ufer (HAU)

Love is a Verb #2

Erschienen in der Festivalzeitschrift „Love is a Verb #2 — We the Heartbroken“, S. 7-10:

Ein gebrochenes Herz – Heartbreak – ist der Kern jedes revolutionären Bewusstseins, schrieb Gargi Bhattacharyya 2020 in einem Blogbeitrag, aus dem 2023 ihr Buch „We, the Heartbroken” wurde. Die Professorin für Soziologie an der University of East London nimmt die Frustration und Trauer junger Aktivist*innen als Ausgangspunkt und versucht, Gefühle der Verbundenheit wiederzufinden. Dieser Text ist eine gekürzte Fassung der Einleitung des Buches.

„Ein gebrochenes Herz steht für eine dehnbare Art von Schmerz. Vielleicht ist es ein Todesfall in der Familie, die Zerstörung einer Gemeinschaft, die Vertreibung eines ganzen Volkes. Vielleicht aber auch der Verlust eines*r Geliebten. Die Demütigung durch zerstörte Hoffnungen. Oder ein diffuses Unbehagen, das sich immer wieder ins Leben einschleicht und dir jede Freu de nehmen kann – ganz gleich, was du tust.

Doch sobald du über dein gebrochenes Herz zu sprechen beginnst, werden andere aufmerksam und zeigen ihre eigenen Verletzungen, um sich auf deine einlassen zu können. Gemeinsames Leid schafft Verbundenheit, während viele andere Gemeinsamkeiten keine echte Verbindung erzeugen. Freude? Ist leider oft nur begrenzt. Vielleicht sind wir zu sehr von ihr vereinnahmt. Vielleicht beunruhigt uns auch insgeheim die Sorge, dass sich Begeisterung nicht mit allzu vielen teilen lässt. Dass es – anders als bei der Trauer – nie genug Freude für alle gibt.

Beim erneuten Betrachten meines Buches „We, the Heartbroken“ stelle ich fest, dass ich offenbar Heartbreak mit Trauer gleichgesetzt habe. Und es wurde bereits so viel über Trauer gesagt. Meditationen und Selbsthilferatgeber, Wege zur Therapie und Wege ins Vergessen. Es war anfangs nicht meine Absicht, über Trauer und den Prozess des Trauerns zu schreiben, auch wenn man nicht oft genug daran erinnern kann, freundlich zu sich selbst zu sein.

Ich weiß selbst nicht genau, wo der Unterschied zwischen Trauer und einem gebrochenen Herzen liegt. Ich versuche vielmehr zu beschreiben, wie die Erfahrung und Erwartung von Trauer mit dem Bewusstsein um kollektives Leid verwoben sind und neben ihm bestehen können – und dass wir eine Welt nicht neu gestalten können, ohne unserer gemeinsamen Trauer Raum zu geben.

Es stimmt, dass Heartbreak eng mit Trauer verbunden ist. Wenn ich von unserem kollektiven gebrochenen Herzen spreche, gehört Trauer unweigerlich dazu – wie bei jeder ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Leben, die den Menschen als Ganzes in den Blick nimmt. Und doch beschreibt mein Buch nicht nur das Leben im Bewusstsein der eigenen Endlichkeit, obwohl das ebenfalls dazugehört. Unsere Seele leidet nicht nur aufgrund des Verlusts, sondern auch durch das Wissen um den Verlust. Wir leiden nicht nur, weil das Leben endet, sondern auch, weil es uns enttäuscht. Und mehr noch: Es liegt nicht nur daran, dass in jedes Leben Regen fallen muss, sondern auch daran, dass die Sintflut, die die Möglichkeiten menschlichen Lebens hinwegspült, ganze Generationen mit sich reißt und uns alle kleiner macht.

Auf meine nervtötende Art – Lasst uns in Ruhe! Seht ihr nicht, dass wir leiden? – möchte ich euch davon überzeugen, dass Trauer ein notwendiger Bestandteil eines revolutionären Vorstellungsvermögens ist. Das bedeutet, dass Trauer nicht unterdrückt oder kontrolliert werden kann, denn ohne das Wissen um die eigene Trauer können wir weder füreinander offen bleiben noch für die Konsequenzen und Möglichkeiten unserer tiefen gegenseitigen Abhängigkeit. Betrachten wir Trauer als eine persönliche Wunde, die uns stärker machen soll, als eine Gelegenheit, jene äußerst fragwürdige Eigenschaft namens Resilienz zu demonstrieren, beginnen sich die kleinen Risse zu schließen, durch die eine kollektive Erlösung hätte einsickern können. Wird persönliche Trauer als Ehrenabzeichen oder als ruhmreiche Kriegsverletzung zur Schau gestellt, verwandelt sich das Trauern plötzlich in einen Wettstreit.

Heartbreak führt zur bitteren Erkenntnis, (…)“.

Weiterlesen: https://www.hebbel-am-ufer.de/fileadmin/Hau/website_material/pdfs/Love_is_a_Verb_We_the_Heartbroken_Zeitung.pdf

Articles & Services

We, the Heartbroken

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„Heartbreak“ wird in diesem Festival nicht nur als Folge persönlichen Verlusts betrachtet, sondern als ein Wissen um das, was in der Welt zerbrochen ist und wie sich Bündnisse der Solidarität verschieben. Lesen Sie hier weitere Infos zum Festival.

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