In Kooperation mit Hebbel am Ufer (HAU)

Interview: Kubra Khademi und Jolie Ngemi

Die Künstlerinnen Kubra Khademi und Jolie Ngemi beschäftigen sich mit Körpern. Khademi stammt aus Afghanistan, lebt in Frankreich und malt Frauenfiguren. Ngemi lebt in der Schweiz und befasst sich mit ihrem Herkunftsland Demokratische Republik Kongo.

Jolie Ngemi: MBOK’ELENGI

Foto: arnaudbeelenphoto

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Love is a Verb #2

Love is a Verb #2

Festival

Performance, Tanz, Musik, Diskussionen und Gesprächsrunden

An den Spielorten des Hebbel am Ufer (HAU)

06.10.2026-18.10.2026!

In Kooperation mit Hebbel am Ufer (HAU)

Love is a Verb #2

Erschienen in der Festivalzeitung „Love is a Verb #2 — We the Heartbroken“,S. 17-23:

Der Körper ist für diese beiden Künstlerinnen zentral: Kubra Khademi, Bildende Künstlerin und Performerin, stammt aus Afghanistan und malt ihre Frauenfiguren von Frankreich aus, wo sie seit 2015 im politischen Asyl lebt. Jolie Ngemi lebt in der Schweiz. Ihre Performance „MBOK’ELENGI“ befasst sich mit der Situation in ihrem Herkunftsland Demokratische Republik Kongo und damit, wie es möglich sein kann, trotz Elend und Ausbeutung Momente des Miteinanders und der Freude zu erfahren.

„Petra Poelzl: Ausgangspunkt von “Love is a Verb #2” ist der Text der Soziologin Gargi Bhatta charyya “We, the Heartbroken”. Sie schrieb ihn als Reaktion auf ein Gefühl politischer Erschöpfung unter jungen Aktivist*innen, die aufgehört haben, auf die Straße zu gehen, aus dem Gefühl heraus, dass Protest und politisches Engagement nichts mehr bewirken – dass die Welt so düster geworden ist, sich die Lage weiter verschlechtern wird, egal, was wir tun.

Gleichzeitig argumentiert sie, dass wir über unsere gebrochenen Herzen und unsere Verletzlichkeit sprechen müssen, denn das Teilen dieses Gefühls des politischen Heartbreaks kann zu einem Ausgangspunkt für neue Formen von Gemeinschaft und Solidarität werden. Könnt ihr mit dieser Idee etwas anfangen, auch in Bezug auf eure eigene Arbeit?

Kubra Khademi: Ich glaube, Millionen können mit dieser Idee etwas anfangen, besonders in Afghanistan, wo ich herkomme. Alle Frauen, die ich kenne, haben ein gebrochenes Herz. Wir sagen oft: “Ich bewahre meinen Glauben.” Und mit einer gespielt glücklichen Geste klatschen wir uns auf die Wange. Wir fügen uns selbst Schmerzen zu, um den Feinden nicht zu zeigen, dass wir traurig sind, um ihnen zu zeigen, dass wir stark sind, dass unsere Wangen rosig sind. Denn sie wollen, dass wir zusammenbrechen und verschwinden. Für mich ist das sehr poetisch und auch spirituell: die eigene Gebrochenheit zuzugeben, andere zu finden, die so sind wie wir, und dann mithilfe der Kunst darüber zu sprechen.

Unsere Trauer zu malen, die gesellschaftspolitische Ungerechtigkeit zu malen, die wir als Frau, als queere Person, als geflüchtete Person, als Mensch erleben. Von Anfang an war ich unerwünscht, weil ich ein Mädchen war. Für eine Familie in Afghanistan ist es immer besser, einen Jungen zu bekommen. Als ich ein Teenager war, gab es Mädchen, die sich wünschten, ein Junge zu sein, weil sie frei sein wollten. Aber das war bei mir nie der Fall. Ich halte es für wichtig, den eigenen persönlichen Anteil an der Geschichte anzunehmen, ihn anzuerkennen und zu respektieren. Einen natürlichen Weg zu finden, seine Würde zurückzugewinnen und Teil einer Erzählung zu werden, die niemals hätte erzählt werden sollen. „We, the Heartbroken“ ist ein starker Titel, denn er erkennt die Trauer anderer an. Und es ist keine passive Art, damit umzugehen, sondern eine sehr aktive.

Petra Poelzl: Jolie, wie hast du den Text gelesen?

Jolie Ngemi: Es ist, wie du sagst, Kubra: Viele Menschen befinden sich in dieser Situation. Ich bin eine Schwarze Frau, was die Sache noch komplexer macht – eine Frau zu sein und dazu noch Schwarz. Wie du weißt, werden Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer. Und im Kongo, wo ich herkomme, werden Frauen manchmal gar nicht bezahlt. Als ich nach Europa kam, dachte ich, ich wäre endlich davon verschont. Aber die Kämpfe sind ähnlich. Man muss immer um sein Leben kämpfen.

„MBOK’ELENGI“, die Performance, die ich im Oktober beim Festival im HAU zeigen werde, handelt davon, unter schwierigsten Bedingungen Freude zu empfinden. Die Menschen im Kongo leiden; die wirtschaftliche Lage ist sehr schlecht. Wie kann man da Momente der Freude finden, aber auch Mo mente des Miteinanders und Momente, in denen man über die Situation spricht – denn sonst wird es wirklich unerträglich.

Im Text gefiel mir auch die Idee, dass mein Schmerz anders ist als dein Schmerz. Und darüber zu sprechen, ist ein Weg, den Kummer zu bewältigen. Manchmal ist es nur eine Berührung, nur ein Geruch, nur ein Rhythmus und der Glaube an Neues, der uns gegenseitig Frieden schenkt. (…)“.

Weiterlesen: https://www.hebbel-am-ufer.de/fileadmin/Hau/website_material/pdfs/Love_is_a_Verb_We_the_Heartbroken_Zeitung.pdf

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