In Kooperation mit Camino Filmverleih

Director’s Note: Marcus O. Rosenmüller

Regisseur Marcus O. Rosenmüller zeigt BLOCK 10 konsequent aus den Perspektive von Opfern, Tätern und Mitläufern: ohne Schnitt, ohne Musik, ohne Ästhetisierung. Ein Film gegen das Vergessen, der die Täter demaskiert und den Opfern ihre Würde lässt.

Filmstill: Anne Wilk

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Block 10

Block 10

Marcus O. Rosenmüller

Drama, Historienfilm

Deutschland 2026

103 Minuten

Ab 05. November im Kino!

In Kooperation mit Camino Filmverleih

Block 10

Marcus O. Rosenmüller: BLOCK 10 ist ein Film über unfassbares Leid, das Frauen angetan wurde. Deutsche Ärzte setzten sie als menschliche Versuchskaninchen ein, um an ihnen Sterilisierungen in industriellem Maßstab zu erforschen. Dieser Film zeigt alle Perspektiven. Die der Opfer. Die der Täter. Die der Mitläufer. Die Perspektiven werden nichts ästhetisieren, nichts relativieren. In jeder Szene werden wir über die klar definierte Perspektive einer beteiligten Person, quasi in Echtzeit, das Gezeigte ertragen müssen, egal was geschieht. Es gibt keine Zwischenschnitte, keine beruhigenden Totalen, die es uns ermöglichen, kurz mal innezuhalten oder schwer zu ertragendes ins Off zu legen.

Es wird kein indirektes, kein elliptisches Erzählen geben. Dieses Prinzip gilt für alle Facetten. Es gilt für die brutale medizinische Praxis, für kalte wissenschaftliche Präzision, für unmenschliche Experimente, aber auch für unerträgliche Schmerzen, für Demütigungen, Panik, blanke Angst, Todesangst. Und in einigen wenigen, aber wichtigen Szenen gilt dieses Prinzip für Hoffnung und Sehnsucht.

Die Darstellung der medizinischen Verbrechen in einer fiktionalen filmischen Umsetzung erfordert eine äußerst sensible Herangehensweise. Das Grauen und die Brutalität der Experimente sollen gezeigt werden, ohne die Opfer in ihrer Nacktheit und Hilflosigkeit herabzuwürdigen oder zu entmenschlichen.

Explizite Darstellungen von Gewalt und Grausamkeiten bedeuten nicht zwangsläufig, schonungslos mit der Kamera draufzuhalten. Vielmehr geht es darum, diese Grausamkeiten so darzustellen, dass ein authentischer Realismus erzielt wird, ohne in spekulative Sensationslust abzugleiten. Die stringente Stilistik des Films betont dabei die Ernsthaftigkeit der Aufgabenstellung, einen Film gegen das Vergessen zu machen. Deswegen verwendet der Film keine neutrale, objektive Erzähl- ebene, sondern beschreibt alles konsequent aus den subjektiven Perspektiven von Opfern, Tätern und Mitläufern. So werden beispielsweise entblößte Körper der weiblichen Opfer gezeigt, aber nie als Ganzes, sondern nur im fokussierten Ausschnitt des handelnden Arztes bzw. Täters, der mit empathieloser Professionalität vorgeht. Neugieriger Voyeurismus des Zuschauers wird auf diese Weise konsequent vermieden.

Im Drehbuch sind die jeweiligen Personen, aus deren Perspektive erzählt wird, namentlich genannt. Wir erleben für die beschrie- bene Szene, bis zum nächsten Wechsel der Perspektive, das Ge- schehen nur über diese Person. Wir sehen die Person mit all ihren Emotionen, die von menschenverachtendem Hass bis zur aufopfernden Hilfsbereitschaft reichen können. Und wir sehen den subjektiven Blickwinkel, den diese Person vom Geschehen wahrnimmt. Dieser unverfälschte Blick kennt keine Schnitte, keine Abblende, keine Abstraktion.

Auch die Spuren der Gewalt – Wunden, Narben, Verstümmelungen, eine blutverschmierte Liege – werden konsequent aus der jeweiligen subjektiven Wahrnehmung gezeigt, um jegliche filmische Ästhetisierung auszuschließen. Die üblichen effektvollen Montagesequenzen haben in so einem Film nichts zu suchen. Es zählt nur der authentische Moment. Der Zuschauer wird Zeuge dieser nackten, puren Perspektiven. Außer, er schaut weg. Oder er schließt die Augen. Dann bleibt die akustische Ebene, die aber ebenso kompromisslos ist. Es gibt keine Musik, keine Ablenkung. Wer es nicht erträgt, muss sich die Ohren zuhalten.

BLOCK 10 ist ein Film über Unmenschlichkeit der Täter, über un- erträgliches Leiden der Opfer, über Kollaboration mit den Tätern, um nicht selbst zum Opfer zu werden. Der Film wird nichts auslassen, nichts beschönigen. Er demaskiert die Täter und lässt den Opfern die Würde.

Biografie: Marcus O. Rosenmüller wuchs in Rottach-Egern am Tegernsee auf. Nach dem Abitur studierte und arbeitete er in München, seit 2004 lebt er in Berlin. 1983 gründete er gemeinsam mit Werner Koenig die Koenig & Rosenmüller Filmproduktion, 1988 trat Jörg A. Hoppe als Gesellschafter bei. 1991 folgte die Gründung der Produktionsfirma Me, Myself & Eye (MME) zusammen mit Christoph Post. Zwischen 1989 und 1999 führte Rosenmüller Regie bei rund 120 Musikvideos, u. a. für Phillip Boa and the Voodooclub, Udo Lindenberg, Uwe Ochsenknecht, Heike Makatsch, Jule Neigel, Extrabreit, Wolf Maahn, Doro Pesch, Carlos Perón und WestBam. Darüber hinaus war er maßgeblich an Fernsehformaten wie Bravo TV, Bravo Super Show und Canale Grande beteiligt.

Im Jahr 2000 verließ er MME, um sich vollständig auf Spielfilmregie zu konzentrieren. Im selben Jahr kam sein Kinodebüt „Der tote Taucher im Wald“ in die deutschen Kinos. Es folgten zahl- reiche Fernseh- und Kinoproduktionen, darunter der Krimi „Sperling und der stumme Schrei“ sowie das historische Drama „Wunderkind“ (2011), produziert von Alice und Artur Brauner. Seit 2013 inszeniert er erfolgreich die Verfilmungen der Nele- Neuhaus-Bestseller (Der Taunuskrimi), die regelmäßig ein Millionenpublikum erreichen. 2019 wurde er für das Doku-Drama „Die Affäre Borgward“ mit dem Deutschen Wirtschaftsfilmpreis ausgezeichnet. 2024 führte er Regie bei „Münter & Kandinsky“. Marcus O. Rosenmüller ist Mitglied der Deutschen Filmakademie.

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