Ich bin 2017 zum ersten Mal auf Lidia Yuknavitchs „The Chronology of Water“ gestoßen. Und schon auf der allerersten Seite spürte ich eine Spannung. Diese bruchstückhafte, nicht lineare Reise durch Trauma und Erinnerung war anders als alles, was ich je zuvor gelesen hatte. Nach 40 Seiten hatte ich eine so starke körperliche Reaktion, dass ich das Buch weglegte, zu meinem Handy griff und meinem Team mitteilte: „Ich muss mit der Person sprechen, die das geschrieben hat.“
Was mich faszinierte, war die Fragmentierung: Yuknavitch liefert keine geordnete Erzählung, sondern präsentiert dir die Bruchstücke eines Lebens und fordert dich auf, sie selbst zusammenzusetzen. Dieser Akt der Rekonstruktion – zuzusehen, wie eine Geschichte zerbricht, und sie dann wieder zusammenzufügen – wurde zum Antrieb meiner Überzeugung, dass dies mein erster Film sein müsste.
Ich liebe Lidia, und in gewisser Weise ist sie für mich heilig. Über Nacht wurde das Buch für mich zu einem heiligen Text. Es gibt Stimmen, die dir helfen, deine eigene zu finden.
Kunst sollte Vielfalt bewirken. Und dieses Werk befasst sich auf eine Weise mit Perspektive und Körper, die sich so persönlich und physisch anfühlt. Es ist wirklich eine Reise, bei der du dein eigenes Abenteuer wählen kannst.
Über acht Jahre hinweg habe ich geschrieben und umgeschrieben. Ich habe alles bis zum Gehtnichtmehr überarbeitet, 500 Versionen erstellt und ein Skript geformt, das so flüchtig und neurologisch sein durfte wie die Erinnerung selbst.
Die Jahre, die ich damit verbracht habe, mich den Prozessen anderer Leute zu unterwerfen, haben mich dazu gebracht, zu fragen: „Warum machen wir das so – und können wir es anders machen?“
Im Kern ist „The Chronology of Water“ eine Einladung: Hässliches mitanzusehen, sich mit Scham auseinanderzusetzen und dabei zu erkennen, dass dein Körper und deine Geschichte dir selbst gehören. Es ist eine Einladung, sich nicht mehr zu verstecken.
Die weibliche Erfahrung ist ein großes, ein riesiges Geheimnis. Von Geburt an wird uns gesagt, dass wir fast alles für uns behalten sollen. Geheimnisse zu erzählen macht Spaß.
Ich wollte, dass sich dieser Film wie ein Hot-Potato-Partyspiel anfühlt: zu heiß zum Anfassen. Ich wollte einen Film, der vor Unmittelbarkeit nur so strotzt: schnelle Schnitte, immersiver Sound, ein viszeraler Rhythmus, der widerspiegelt, wie Erinnerung wirklich funktioniert – und der alle im Kinosaal daran erinnert, dass die eigene Geschichte selbst neu geschrieben werden kann.
Ich hoffe, dass das Publikum am Ende versteht, dass die Zurückeroberung der eigenen Stimme – durch Schreiben, durch Kunst, einfach durch das Erzählen der persönlichen Geschichte – ein Akt radikaler Kraft ist.
– Kristen Stewart, Regisseurin von The Chronology of Water