Alltag

Internetsperren | 26.05.2009 18:00 | Steffen Kraft

Die Anstoßerin

Wegen ihrer Petition diskutiert der Bundestag morgen Kinderporno-Blockaden. Im Freitag-Gespräch fordert Franziska Heine: Wir brauchen einen nicht-staatlichen Meldeverein

Der Freitag: An diesem Mittwoch diskutiert der Wirtschaftsausschuss des Bundestags das Telemediengesetz. Den Anstoß, diese Sitzung öffentlich zu machen, hat ihre Petition gegen Internetsperren gegeben. Fühlen Sie sich jetzt wahrgenommen?

Franziska Heine: Auf jeden Fall. Schon die Reaktionen bisher übertreffen alles, was ich erwartet hätte. Wir haben politisch einiges bewegt und eine öffentliche Diskussion angestoßen.

Mehr zum Thema:

Sind Internetsperren sinnvoll? Diskutieren Sie die Frage in der Wahlkampfarena

Die Argumente der Zensursgegner im Diskurscheck

Werden Sie selbst zu der Anhörung gehen?

Ja, ich bin gespannt, welche Fragen dort gestellt werden. Aber ich gehe nur als "einfache Bürgerin" dorthin. Rederecht haben in dem Ausschuss bloß die Abgeordneten und die geladenen Experten.

Was halten Sie von der Liste der Fachleute?

Man hat schon versucht, einigermaßen neutral zu besetzen. Ich schätze aber, dass es mehr Leute geben wird, die nicht mit der Position der Zensurgegner übereinstimmen. Aber das ist nicht schlimm, so lange alle Argumente dargestellt werden.

Was erhoffen Sie sich von der Anhörung?

Ideal wäre es, wenn im Anschluss das Gesetz ganz vom Tisch kommt und noch einmal neu angefangen wird, zu überlegen: Wie lässt sich besser gegen Kindesmissbrauch vorgehen? Sie müssen ja bedenken: Kinderpornographie, also der dokumentierte Missbrauch, ist ja nur ein kleiner Teil des Ganzen. Mir wäre es lieber, wenn sich die Diskussion darum drehen würde, wie sich Missbrauch besser im Vorfeld verhindern ließe und wie man die Opfer danach besser schützt.

Was fordern Sie?

ANZEIGE

Zunächst einmal, dass die bekannten deutschen Kinderporno-Server abgeschaltet werden. Das wurde bisher noch nicht gemacht, obwohl die Server der Polizei mehrfach gemeldet wurden. Aber nicht alles passiert ja in Deutschland. Wir bräuchten eine internationale Organisation, an die jeder Surfer fragwürdige Seiten melden kann und die dann bei Bedarf an die richtigen Stellen meldet: an die Provider, die Polizei.

Also soll eine internationale Zensurbehörde Sperrlisten führen statt des Bundeskriminalamts.

Nein, dieser spezialisierte Verein soll nicht die Strafverfolgung übernehmen, sondern die Informationen schnell an die zuständige Stelle des jeweiligen Landes geben, damit diese sofort eingreifen kann.

Jeder kann illegale Seiten doch heute schon an die Polizei melden.

Ich denke, dafür brauchen wir Leute, die sich speziell mit der Materie auskennen. Die bekannten Server aus Deutschland laufen immer noch. Das zeigt: Die Polizei mit ihrem großen Apparrat ist mit dem Informationsmanagment überfordert, da braucht es zu lange, bis die Daten an die Menschen kommen, die etwas ausrichten. Vor allem, wenn es über Staatsgrenzen hinweg geht. Die Melde-Organisation sollte keine staatliche Behörde sein, sondern von Bürgern getragen werden, von mir aus ein Kinderschutzverein.

Im Moment macht die Deutsche Kinderhilfe allerdings noch gegen Ihr Anliegen mobil und hat eine Unterschriftenaktion für den Gesetzentwurf von Ursula von der Leyen gestartet. Macht Ihnen das Sorge?

Die Art und Weise wie die aus dem Deutschen Spendenrat ausgeschlossene Kinderhilfe bei der Sammlung der Unterschriften vorgeht ist mehr als zweifelhaft. Eine sehr subjektive Fragestellung, bezahlte Promoter als Sammler vor Fußballstadien, ranghohe Polizeibeamte, die in ihren Dienststellen Unterschriften einsammeln. So findet weder Aufklärung zum Thema statt noch hilft das Kindern. Und die Berichte von den Sammelaktionen auf YouTube lassen diese Aktion nicht sehr seriös wirken.

 
Senden Bookmarken Drucken
Artikelaktionen


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
David Graeber Schulden. Die ersten 5000 Jahre Klett-Cotta 2012

536 Seiten. Gebunden.

26,95
 
Seit der Erfindung des Kredits treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Ziemlich beste Freunde

Ausgabe 20/2012
16.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

Blog-Tipps

Boing Boing
Ein Verzeichnis wundervoller Dinge

Wired News
Technologie-Trends von heute und morgen

Jezebel
Das US-Frauennetzwerk

maedchenmannschaft. net
Das Blog der Alphamädchen

flannel apparel
girlism. großkariert.

nutriculinary.com
Große Küche von Herrn Paulsen

Frau Freitag
Na, wie war's in der Schule

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG