Augstein und Blome
15.02.2013 | 18:00 34

Sparen wir unser Essen krank?

Pferde-Lasagne Jeden Freitag prallen Welten und Weltanschauungen aufeinander, wenn Jakob Augstein (der Freitag) und Nikolaus Blome (Bild) die Geschehnisse der Woche reflektieren

Kommentare (34)

Schachnerin 16.02.2013 | 10:52

Bevor ich meine Gedanken in meinem Hirn geordnet habe, werfe ich ein paar Zahlen herein. Der Bayerische Bauernverband schreibt, daß die EU-Zahlungen ungefährt die Hälfte des Einkommens der bayerischen Bauern ausmacht. Das bedeutet, daß Lebensmittel in der EU subventioniert sind.

Im Durchschnitt gibt ein Haushalt 11% seines Budgets für Lebensmittel aus.

Von den 80irgendwas Kilo Fleisch, das die Deutschen im Durchschnitt essen, werden zwei Drittel abgepackt im Supermarkt, oder beim Discounter gekauft.

 

rheinhold2000 16.02.2013 | 12:11

"Im Durchschnitt gibt ein Haushalt 11% seines Budgets für Lebensmittel aus."

und wenn er mehr ausgeben würde würden dann die ja immer noch kapitalistischen konzerne bessere qualität liefern?

ne würden sie nicht: sie würden einfach ihre gewinne erhöhen.

nicht "geiz ist geil" ist das problem. sondern die mangelnde (und bewusst zurückgefahrene) aufsicht des staates.

fahrwax 16.02.2013 | 14:13

Mit "Menschenverstand" scheint es nur eine Lösung zu geben den Kontrollaufwand in vernünftige Grenzen zu bekommen:

Kapitalismus weg - aber zügig

Solange er existiert, ist es eindeutig klüger nichts zu essen, selbst der Arztbesuch könnte tödlich enden.

Das auch reden nicht hilft haben Augstein und Blome hinreichend bewiesen.

thinktankgirl 16.02.2013 | 15:26

"Im Durchschnitt gibt ein Haushalt 11% seines Budgets für Lebensmittel aus."

und wenn er mehr ausgeben würde würden dann die ja immer noch kapitalistischen konzerne bessere qualität liefern?

Eine weitere Lesart wäre: Ließe der Kunde das Hackfleisch vor seinen Augen beim Metzger seiner Wahl, der sein Fleisch in der Region bezieht, durchdrehen, dann wäre die Wahrscheinlichkeit Überreste von Kavalleriepferden in seinem Hamburger zu finden, wesentlich geringer.

Einfach keine Erzeugnisse der Multinationalen kaufen!

 

H.Hesse 16.02.2013 | 15:49

Ich höre und sehe ja prinzipiell gerne zu, vor allem den Argumenten Augsteins, aber, meine Güte, gibt es denn keinen intellektuelleren Konterpart als diesen flachbrüstig und substanzlos dreinredenden Blome? Der ist peinlich! Und den Argumenten Augsteins, wenn er ihn denn mal ausreden läßt, hat er nichts entgegenzusetzen. 

sven kyek 16.02.2013 | 16:53

Auch sollte man nach den Werbepartnern des pervertierten animalischen Ritter-Mahls im Dschungelcamp fragen. Man könnte den 10 mio Genießern seitens der Food-Branche auch vorwerfen: BILD euch mal nichts ein ihr ekelt euch vor garnichts und nun regt ihr euch über Pony-Pizza auf. Und für die Dünnhäutigen haben wir schließlich Schmerzmittel beigemischt. Und wenn es sein muß legen wir demnächst einen Beipackzettel dazu. Oder fragen sie ihren Arzt oder Apotheker..

sven kyek 16.02.2013 | 17:51

Nun wo meine Lachtränen getrocknet sind, kehrt wieder Ernst ein. Ob nun Rind, Schafe, Pferd oder Schweine, womit wir bei Frau Aigner und diesem Verantwortung tragendenden , verantwortungslos handelnden und scheinbar nicht zur Verantwortung zu ziehenden imperialistisch affinen ,,Volks(ver) Tretern" wären. Die Aigner spricht seit Jahren von der Kontrollpflicht und schiebt es den Ländern zu.Die Länder geben es an die Kreise weiter. Welcher Straftatbestand muß denn , neben der unstrittigen ;,Duldung" und ggf. ,,Beihilfe" noch erfüllt werden, bis eine Staatsanwaltschaft die Aufhebung der Immunität beantragt und die politisch Verantwortlichen strafrechtlich zur Verantwortung zieht. Aber scheinbar ist dieses System schon so entfesselt und außer Rand und Band , das man am Ende noch dem Verbraucher die Kontrollpflicht auferlegt. Vielleicht werden  Alle, auch die Dschungelcamp-Köche wach, wenn sie beim Einkauf im Supermarkt mit einem Geiger-Zähler an die Fleisch-Theke müssen. Wäre das wenigstens Systemrelevant ? Oder auch bloß wieder Alternativlos.

anne mohnen 16.02.2013 | 20:49

Für den geübten Laien lässt sich bereits an der Faserstruktur des Fleisches erkennen, was Sache ist. Nun sollen Gen-Tests kommen, das ist dann noch genauer. Doch reicht das? Solange keine drakonische Geldstrafen drohen, wird uns das Problem immer wieder begleiten. Erst wenn es den Produzenten und Handelsketten, die ja den Preisdruck ausüben, richtig weh tut, werden die „umdenken“.

silvio spottiswoode 16.02.2013 | 22:39

Kann einer dem Blome mal von Kreuzresistenzen durch den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung erzählen, bitte.

Denn es werden standartmäßig Medikamente – beispielsweise Antibiotika – in der Tiermast eingesetzt. Um die Tiere lang genug auf engstem Raum am Leben zu halten. Auf diese Weise entstehen multiresistente Keime, die gleich gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Sie lassen sich mit herkömlichen Arzneimitteln so nicht mehr bekämpfen und gelangen dann durch Verzehr in den menschlichen Organismus. Das Problem daran ist, dass bei uns wieder zunehmend Menschen an Infektionen sterben! Weil die existierenden Medikamente nicht mehr anschlagen.

Schachnerin 17.02.2013 | 10:39

noch eine Zahl:

Im Schlachthof Waldkraiburg, der zur Vion Gruppe, einer der größten Fleischkonzerne Europas gehört, arbeiten Rumänen für nicht einmal 200 € brutto im Monat.

http://www.ngg-bayern.net/pages/mediendienst/archiv-2012/skandal-im-schlachthof-waldkraiburg.php

Seit die Firma, die schlachtete und zerlegte Insolvenz angemeldet hat, sind die rumänischen Arbeiter bei einem rumänischen Subunternehmer zu rumänischen Bedingungen angestellt.

http://www.taz.de/!105064/

 

Frei 17.02.2013 | 13:42

Müssten die Leute nicht so viel arbeiten, hätten Sie mehr Zeit zum Kochen bzw. hätten Sie mehr Geld würden sie besseres Essen Essen gehen.

Leute die wie die Lemminge funktionieren (müssen) haben keine Zeit die Qualität des Essens beeinflussen zu versuchen.

Leute die reich sind essen diesen Müll nicht. Die brauchen dafür auch nicht die Aufsicht des Staates hinsichtlich der Kaviarqualität.

Daher müssen wir alle reich sein. Dann essen wir besseres Essen. Außer, und das tun auch Reiche: man isst halt mal bei McDonalds. Was auch immer und von wo auch immer. 

Wir könnten endlich kapieren, dass wir nicht nach mehr Staat rufen sollten. Weil der Staat wird nicht mehr von uns, sondern konzentriert von Interessensgruppen "gesteuert" (je mehr Gruppen desto mehr schlingert die Politik beim Fahren).

Wir müssen uns selbst in die Lage versetzen uns das Beste leisten zu könnnen, wenn wir wollen.

Und dass heißt: Der Staat gehört uns. Uns. Und jeder der in diesem Land was tun will, zahlt dafür eine Gebühr. Je nach Umsatz bzw. Risiko, die wir festsetzen und die wir kriegen. Und nicht der "Staat". Weil das steht uns zu. Es ist unser Land. Und der Pass ist deine Aktie. Und folgendes Denkbeispiel: Kann DICH der Aufsichtsratsvorsitzende oder Vorstand der AG an der Aktien hältst in den Krieg schicken, wegsperren, ohne Haftbefehl verschwinden, foltern lassen? Nein? Dann siehst Du: Es hat viel mehr Vorteile das aus der Perspektive des EIGENTÜMERS zu betrachten. Und es gibt so viele Aktien wie Einwohner. Und die entscheiden wer auch erlauchter Einwohner werden kann (regional). Die Perspektive des Staates als DEINE AG hilft. Und das ist die einzige Perspektive die wir gelten lassen können wenn wir wollen.

die Realistin 17.02.2013 | 15:09

Der Kapitalismus in all seinen Formen, ach wie human, friedlich und freiheitlich! Geniest ihn weiter inclusive Pferdefleisch (in Kasachstan eine Nationalspeise..), gen-manipulierten Gemüse und Getreide und antibiotikaverseuchtem Geflügel, legt  euch Kredit-Schlingen um den Hals. Geniesst das Leben, es kann sehr schnell durch eine Drohne beendet werden! Ja,ja, auch hier in Europa...

fahrwax 17.02.2013 | 15:58

Liebe Anne Mohnen,

jedes Kontrollsystem ist nur ein herumkurieren an Symptomen eines verkrebsten, menschenfressenden Wirtschaftens. Das uns längst zu unwesentlichen Partikeln einer algorhytmischen Matrix gemacht hat.

Weiterführende Lektüre:

JA's diesmal eindeutig Linke Kolumne:

 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-frank-schirrmachers-neues-buch-ego-a-882547.html

 

anne mohnen 17.02.2013 | 17:04

Es ist eine der Schattenseite der EU dieses Verschieben von Standards. Grundsätzlich ist ja nichts gegen Produktion in Rumänien einzuwenden, wenn die Standards gewahrt bleiben, dort anständige Löhne gezahlt und deren Fleischproduktion resp. Landwirtschaft nicht auf der Strecke liebe.

Ansonsten halte ich bei Lebensmittel das  Nachhaltigkeitscredo nicht für „nationalistisch auch nicht für protektionistisch“: „Think global, act local!“

Tja, und wer kochen kann, kauft an der Fleischtheke ein, da kann Frau und Mann dann entscheiden und anschauen, was sie essen wollen.

Inzwischen ist es möglich bei Biobauern ähnlich wie bei Gemüsebauern, Fleischpakete zu bestellen. Die sind gar nicht teurer, vorausgesetzt man will nicht nur Filet essen. Die Auswahl regt sehr zur Abwechselung ein und auch dazu, wieder einfache leckere Fleischrezepte zu entdecken.

Aber das mit der Kulturtechnik Kochen ist ja außer Mode, es sei denn es geht um Hobbykoch/köchin als ConnaisseurIn.

sven kyek 17.02.2013 | 21:17

Schon erstaunlich wie Blome den fließenden Wechsel zwischen Nero und Feuerwehrmann vollzieht . Ich glaube er lebt davon das viele Leser seines Papier gewordenen Volksempfängers zwar verstehen  was er schreibt , aber nicht, was er meint und bezweckt . Jedem anatolischen Bauern nimmt der Staat bei Einreise am Flughafen die Blutwurst aus dem Gepäck. Jede Kreisverwaltung schafft mit neuen Blitzern neue Arbeitsplätze . Oma sagte immer , lieber den Magen sich verrenken , als dem Wirt was schenken . Mal sehen ob Frau Aigner geschlachtet wird . Dann brauch ich aber doch nen Underberg.

sven kyek 18.02.2013 | 10:50

Ja ich weiß. Als ich 1985 bei der Militär-Streife in Ostberlin war hat mein Zimmer Nachbar auch immer zu mir gesagt  ,, Kyek halt den Mund, du quatscht uns noch in den Knast "     Na und weil die 5 neuen Länder nun auch am Rheinländer Ritual der 5 ten Jahreszeit  teilnehmen dürfen nehmen dachte ich nur ??                                                        Ich hoffe das der Hinweis ,,zum Quatschkopp" aus dem Rheinland kein versteckter Hinweis auf die Vorteile der Ludwigsburger  Omerta sein sollte ?  Ansonsten habe ich nach der Wende festgestellt  das Quatsch quatschen und Quatsch machen sehr oft eine Einheit bilden die mehr förderlich , denn strafbar scheint . 

                                                                                   

sven kyek 18.02.2013 | 14:47

Um aber um zum Thema zu kommen . Ich habe über familiäre Kontakte vor etwa 10 Jahren im polnischen Posznan ein Treffen organisiert. Teilnehmer waren Mitarbeiter staatlicher polnischer Behörden aus den Landwirtschafts und Gesundheitsministerien . Thema war die Einfuhr von polnischen Schlachtschweinen nach Deutschland . Ich hatte das ganze auf Wunsch eines damaligen Freundes , der Geschäftsführer des Perleberger NFZ heute Vion Schweine-Schlachthofes war/ist . Es gab seitens der Polen folgende Auskünfte . : Große Bestände wie in Deutschland sind kaum vorhanden . Eine Ausfuhr von lebenden Tieren zum Schlachten nach Deutschland wird durch die EU und Deutschland untersagt . Nur schon in Polen geschlachtete und thermisch behandelt Schweine könnten Richtung Deutschland geliefert oder geholt werden . Als Grund wurde angegeben , das die polnischen Schweine aujektische Krankheitserreger in sich tragen könnten , was die polnischen Fachleute nur schmunzeln ließ . Später traf ich zufällig mal Ukrainer und erzählte ihnen das mein Freund Klaus gerne polnische Schweine in Perleberg schlachten und vermarkten würde . Sie schmunzelten auch über die Lobbyaujektische Krankheit und boten an lebende Schweine mit chinesischen Zertifikaten liefern zu können und erklärten das sie das schon mehrfach praktiziert hätten. Ich spare mir nun jeglichen theatralischen Kommentar über die Verantwortung und schon ekelhafte Entrüstung deutscher und europäischer Politiker .

anne mohnen 18.02.2013 | 17:17

Lieber Schachnerin,

ich wollte Sie nicht belehren;) In meiner Familie hat man auch schlachten lassen, weil meine Eltern auch aus anderen Gründen nicht jedes Fleisch essen, um Herkunft, Haltung und Schlachtung Genaues wissen wollten. 

Nun, kann das nicht jeder. Außerdem hat nicht jeder Nachbarn, die dem Kaninchen mal eins hinter die Löffel hauen und dann das Fell drüber ziehen, einem Huhn den Garaus machen und es dann rupfen, vorher wird ein wenig „geflemmt“, damit der ganze Federkram besser entfernbar ist.

Zum Glück  kommt jeder an ordentliche Nahrung – „Fertigschrott“ ausgenommen.

;)))))))am

sven kyek 18.02.2013 | 18:57

Meine Großeltern kamen nach dem Krieg aus Ostpreussen über die zugefrorene Oder und sind in einem kleinen Dorf in Mecklenburg gelandet . Dort bin ich mit Kartoffeln anbauen , Hühner , Enten und Schweine  selber schlachten , aufgewachsen . Mir fiel auf , das Opa Bruno vom Mittagessen immer etwas, von Jedem, auf dem Teller liegen gelassen hatte .  Eines Tages fragte ich Ihn warum Er das tut . Verschmitzt grinsend antwortete Er : Wenn die Alte mich vergiftet , brauch die Polizei nicht lange suchen .   Auch eine Variante für den Aignerschen Aktionsplan . Jeder Kunde bringt seine Reste selber in ein Labor seines Vertrauens . Und er dürfte dann auch was die Politik nicht kann . Selber kontrollieren und die Verbraucher warnen .